Brief eines Wassermanns
Aus dem Leben | (4) Kommentare |
Liebe Vertreter der anderen elf Tierkreiszeichen,
dies ist eine Kurzmitteilung aus der Zeit des Wassermanns.
Sagen Sie, wie kommen Sie so klar mit diesen “bunten Vögeln”? Zur Zeit laufen ja ganz viele davon herum. Und sie fühlen sich auch besonders wohl in ihrer Haut. Denn: es ist ihre Zeit, die zum Aufbruch ruft. Und diese Unikate kann einfach nichts und niemand mehr aufhalten.
Vermutlich ist Ihnen das ein oder andere Mal bei einer Begegnung mit dieser Spezies der Gedanke gekommen: der/die ist ja verrückt, ein bisschen oder völlig abgedreht. Womöglich haben Sie auch bemerkt, dass diese Kreatur irgendwie nicht einzufangen ist. Sollten Sie das gedacht haben, macht das nichts! Sie können es auch ohne weiteres offen zugeben und zum Ausdruck bringen, wenn sie so einen Gedanken hatten. Denn es stört diese Querdenker rein gar nicht. Diesbezüglich sind sie nicht empfindlich. Sie bewegen sich haarscharf an der Grenze zwischen Irrsinn und Genialität, verstehen es bestens, mit ihren Hirngespinsten zu leben und können zumeist damit umgehen, wenn ihre Umwelt ihnen dabei nicht immer ganz folgen kann. Schließlich sind sie mit dieser Außenseiterposition groß geworden.
Es gibt jedoch eine andere Stelle, ein ziemlich wunder Punkt, an dem sie diese vom Kosmos gesandten Widerspruchsgeister mitten ins Mark treffen können. Nämlich dann, wenn es um ihre Freiheit geht! Vermeiden Sie es, soweit irgend möglich, Ausdrücke zu benutzen wie ” den/die muss man nur an der langen Leine laufen lassen”. Da werden bei Ihrem Gegenüber unmittelbar sämtliche Signallämpchen angehen. Dies erzeugt automatisch starke Einengungsgefühle und Beklemmungszustände. “Lange Leine” heißt für ihn immer noch Leine. Womit er in jedem Fall angebunden wäre. Und Sie werden sehen, was dann in Folge passiert.
Eine unliebsame Erfahrung, vor allem für Sie selbst, denn Sie erreichen höchstwahrscheinlich genau das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich wollten. Der Wassermann reagiert in so einem Fall nämlich nicht krebsgemäß mit Rückzugserscheinungen. Er ergreift vielmehr die Flucht, sofort und nach vorne. Er haut ab, entwischt, macht sich dünne, ist weg, über alle Berge, unerreichbar…Und zwar solange, bis er das für ihn essentielle Gefühl der Freiheit wieder erlangt hat. Zuvor lässt er sich nicht mehr blicken.
Fragen wie “wo gehst du hin?”, “wann kommst du wieder?” etc. haben eine ähnliche Wirkung. Sie sind lästig, widerstreben ihm. Sie nehmen ihm die Luft zum Atmen. Er fühlt sich regelrecht vereinnahmt. Wenn Sie es also schaffen, über ihren Schatten zu springen, mein eindringlicher Appell an dieser Stelle, verkneifen Sie sich derartiges bitte. Es bringt NICHT den gewünschten Effekt. Allein schon der Gedanke, eingeengt und in seiner Freiheit beschnitten zu werden, macht ihn krank und zutiefst unglücklich. In dem Moment ist es für ihn, als ob all seine Lebensgeister abgetrennt würden. Es ist vorbei mit dem Witz und der originellen Seite, welche Sie sonst an ihm und seinem freifließenden Geist so schätzen. Deshalb reagiert er so. Woher soll er auch die Ideen nehmen, die Sie gerne von diesem irdischen Trendsetter hätten, wenn er eingeschlossen ist?
Nicht, dass ich Ihnen Angst machen will, aber es sind genau diese Vertreter, die “mal eben” Zigaretten oder, falls sie Nichtraucher sind, Schokolade holen gehen und dann recht zeitverzögert, im schlimmsten Fall auch gar nicht wieder zurückkommen. Dafür muss allerdings schon einiges vorgefallen sein, damit der Wassermann so stark reagiert.
Ich bin mir auch sicher, hier kann ich nicht auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen, die meisten spektakulären Ausbrüche aus Gefängnissen (mit dem Hubschrauber vom Dach abgeholt, unterirdischen Gang nach draußen gegraben, Gitterstäbe mit Rasierklinge stückchenweise angesägt…) wurden von Wassermännern angezettelt, die hier nebenbei noch ihr gesamtes Arsenal an Einfallsreichtum ausspielen konnten. Aus dem einfachen Grund, einmal eingebuchtet, haben sie nur eines vor Augen: ihre Freiheit! Und ich garantiere Ihnen, sie ziehen das durch, werden sämtliche Ketten und Fesseln sprengen, egal ob imaginäre oder real existierende!
Also, langer Rede kurzer Sinn. Lassen Sie diese rebellischen Nonkonformisten einfach frei sein! Vermitteln Sie ihnen das Gefühl, frei sein zu dürfen! Das alleine ist schon hilfreich. Ich weiß, dieser Schritt ist nicht immer leicht für Sie, verlangt ein nicht unerhebliches Maß an Verständnis und Mut von Ihnen! Nicht zu vergessen: eine gehörige Portion Vertrauen! Es erspart aber andererseits nicht nur einiges, sondern erleichtert auch vieles. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Wassermann zu spontanem Abhauen genötigt sieht, sinkt rapide. Im Prinzip ist es ganz einfach: je mehr sie ihn einschränken, desto distanzierter wird das Verhältnis. Sagen Sie ihm hingegen so unverbindliche Dinge wie “fühl dich frei”, “bis dann mal”, “man sieht sich”…(wohlgemerkt, mir ist durchaus klar, dass derartige Sätze keineswegs immer leicht über die Lippen gehen), so hört er das gerne und kommt womöglich gar nicht erst in die Versuchung, die Flucht zu ergreifen. Der Rebell wird es Ihnen danken, Sie machen ihn äußerst glücklich dadurch! Es ist für ihn, als ob er zahlreiche Bonusmarken erhält, welche ihm uneingeschränkte Narrenfreiheit gewähren. Und er wird Ihnen dafür im Gegenzug nur sein Bestes geben! Sie werden viel Spaß haben mit Ihrem Wassermann! Glauben Sie mir!
Schräge und beste Grüße
Ein weiblicher Ableger der Marke “sehr schräger Vogel”
© 2007 Iris Apé @ 1. Februar 2007
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Schlagwörter: Begegnung, Freiheit, Mitteilung, Tierkreiszeichen, Wassermann
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Schräger Vogel zwinkert anderem schrägen Vogel zu. gg
Liebste Iris
Ich habe vollstes Verständniss für diese Zeitgenossen, immerhin Herscher meines 7. Hauses ist Uranus, der dann ins 12. Haus abtaucht. Macht nix, wenn dann mal Freunde und Bekannte abtauchen, (Jahre,Tage oder nur ein paar Stunden,) irgendwann tauchen sie dann unvermutet wieder auf , es ist ja schliesslich so, als hätte man sich gerade gestern kurz verabschiedet.Als Mitbringsel haben sie garantiert ein Überraschungsei dabei, obwohl sie ja eigentlich nur mal zum Zigarettenautomaten wollten.gg
Es ist ja sehr leicht, sich die Wesensnatur der Spitze des siebten Hauses anzusehen und laut zu verkünden, das bin ja “Nicht Ich,” obgleich ich das in einer Menge anderer Leute sehe. “gg”
Ich habe immerhin jungfräulich flexibel längst mein Verhalten an jene angepasst.
Wenn meine Ex_Wassermannfreundin sich mit mir verabredete, habe ich das Zeifenster grosszügig um mindestens zwei Stunden verlängert
Mit Sicherheit kam sie irgendwann mal zur nicht verabredeten Zeit an.
Ein Termin mit einem Wassermanntherapeuten fiel ins Wasser, der hatte schlicht und ergreifend diesen vergessen. gg.
Also gehen wir davon aus, das die klassische Projektionslinie die Achse vom 1. zum 7. Haus ist, und die damit verbundene Erwartungshaltung an eine Person, ja mei, dann sind diese freiheitsliebenden Wassermänner genau das was mir zu meinen Glück fehlt.
Und zum GLück haben mir genau jene gezeigt, das es ein Leichtes ist mit dem Hubschrauber sich von einem Gefängnisdach herunterholen lassen zu können.
Irgendwann, wenn der Sprit zur Neige geht, gibt es eine Zwischenbodenlandung.
Und dann wird sich herausstellen ob die wiedergewonnene Freiheit praxistauglich ist. “gg”
In diesem Sinne ,
schwingt sich der Vogel in die Lüfte, denn von da oben hat Frau einfach den besseren Überblick.
Liebe Iris,
dein Artikel hat meinen Mond in Haus 11 absolut angesprochen – sehr originell!
Ich kann dazu nur ergänzen, dass ich mich am liebsten von alleine an etwas oder jemandem binde, nicht wenn es mir auferlegt wird, in welchem Sinne auch jetzt immer. Je freier, desto bindungsfreudiger könnte man auch sagen.
Was habt ihr für Erfahrungen?
Liebe Grüße
Dagmar
Liebe Dagmar,
es ist stets wohltuend auf Leute zu treffen, die diesen “Punkt” nachvollziehen können.
Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen: Bindung läuft absolut, aber nur über Freiheit…
Herzlichen Gruß
Liebe Barbara,
wenn in deinem Fall Freunde und Bekannte über “Jahre” abtauchen, vielleicht – nur so ein Gedanke – hängt das ja mit deiner andalusischen Wahlheimat zusammen. Die ist doch ein ganzes Stückchen weg von deinem Ursprungsland…(nur so als alternative Möglichkeit).
Also, kein Grund für dich, die Flinte ins Korn zu werfen
)
Lieben Gruß
Iris
Hallo Iris
Du wirst lachen, aber deine Antwort habe ich erst heute geschnallt.
Manche brauchen halt etwas längere Talfahrten.gg
und schlittenfahren ist echt affengeil ggg