Gute Konstellation – böse Konstellation
Aus dem Leben, Meditation | (2) Kommentare |
Eine der Grundlagen lösungsorientierter Astrologie ist die Idee, dass eine Konstellation von sich aus weder gut noch schlecht ist. Erst in unserem Bewusstsein entstehen solche wertenden Bedeutungen. In meinem Buch „Systemische Astrologie“ schreibe ich:
Das, was der Astrologe im Horoskop vorfindet, sind wertfreie, möglichkeitsoffene Konstellationen, die sowohl das Problem als auch die Lösung spiegeln können. Auf diese Weise generiert er gemeinsam mit dem Klienten neue Verwirklichungsmöglichkeiten für das, was ursprünglich eine Schwierigkeit war: Konstellationen werden zu Lösungen.
Um dies zu ermöglichen. Ist es wichtig, sich als deutender Astrologe zunächst von allen Wertungen bezüglich Konstellationen frei zu machen. Doch wie kann das gelingen?
In der Tat beobachte ich immer wieder, dass Astrologinnen und Astrologen von grundsätzlich schwierigen oder auch belastenden Konstellationen sprechen – sei es Pluto am Aszendenten oder ein Mond-Saturn-Aspekt. In Wirklichkeit sind diese Konstellationen im eigentlichen Sinne frei von Wert und Bedeutung. Wert und Bedeutung entstehen erst, wenn das, wofür die Konstellation für uns steht, in einem bestimmten Zusammenhang auftaucht. Was in dem einen Kontext wertvoll und nützlich erscheint, mag in einem anderen verwerflich und “sündhaft” sein. Doch darum kann es in der Astrologie nicht gehen. Das Horoskop bildet meiner Ansicht nach nicht das “Gute” oder “Böse” in uns ab, sondern es ist eine reine Struktur aller unser Möglichkeiten.
Doch unser menschliches Bewusstsein neigt dazu, Wertungen vorzunehmen, und das ist vielleicht auch gut so. Wenn dem aber so ist, dann sollten wir als Astrologen dafür sorgen, dass wir nicht an einem Ende der Skala „gut“ bis „böse“ verhaftet bleiben, sondern uns stets um eine innere Balance zwischen diesen beiden Polen bemühen. Das können wir erreichen, indem wir uns dieser Pole überhaupt erst einmal bewusst werden.
Eine sehr schöne Übung dazu habe ich auf einem Workshop mit Stephen Gilligan kennen gelernt, einem Hypnotherapeuten und direkten Schüler von Milton Erickson. Sie dient dazu, von uns ungeliebte innere Anteile als Teil unserer selbst zu akzeptieren. Dies ist der erste Schritt, um sie nicht weiter zu bekämpfen, sondern die Kraft, die genauso in ihnen steckt, wie in unseren so genannten „Stärken“, zu würdigen. Diese Übung kann abgewandelt werden, sodass sie auf das innere Verständnis von Konstellationen angewandt werden kann, damit wir die „gute Seite“ einer von uns abgewerteten Konstellation nicht nur intellektuell erfassen (es ist leicht, den Verstand sprechen zu lassen: „In Wirklichkeit besitzen Konstellationen keinen Wert“, doch unser Gefühl lässt sich nicht so leicht auf diese Weise beschwichtigen), sondern auch als lebendigen Teil unseres Wesens spüren können. Wir üben uns in einer Form der „Allparteilichkeit“ (Borzomenyi-Nagy), bei der wir weder die eine noch die andere Seite einnehmen, auch nicht keine von beiden (also unparteilich), sondern grundsätzlich alle zur Verfügung stehenden.
Um diese Erfahrung zu machen, möchte ich euch einladen, euch eine Konstellation A aus eurem Horoskop zu nehmen, mit der ihr eine Schwierigkeit habt, von der ihr vielleicht glaubt, dass es leichter wäre ohne sie zu leben, und die ihr – offen oder im Geheimen – für bestimmte leidvoll erlebte Situationen verantwortlich macht. Wichtig ist, dass es nur eine Konstellation ist. Gebt dieser Konstellation einen Namen oder einen Satz – nicht mehr als fünf Wörter -, in dem ihr ausdrückt, was diese Konstellation für euch bedeutet.
Dann sucht ihr euch eine Konstellation B aus eurem Horoskop aus, die ihr an euch mögt, etwas, worüber ihr sagt, dass ihr richtig froh seid, sie im Horoskop zu haben. Auch dieser Konstellation gebt einen Namen oder einen kurzen Satz.
Dann setze dich bequem und mit geradem Rücken auf einen Stuhl und schließe die Augen. Zentriere dich. Finde deine innere Mitte. Vielleicht legst du eine Hand auf die Stelle, an der du diese innere Mitte spüren kannst. Atme ein paar Mal tief ein und aus. Bleibe ganz bei dir und spüre dich, wie in der Mitte eines Feldes, das dich schützend umgibt.
Öffne die Augen und sage:
- „Was ich der Welt zeigen will, ist meine ……………………/, dass ich …………………. bin/, dass ich ……………………………. tue.“
Hier setzt du den Satz oder das Wort der Konstellation B ein.
Sprich dann weiter:
- „Was ich der Welt nicht zeigen will, ist meine ……………………/, dass ich …………………. bin/, dass ich ……………………………. tue.“
Hier setzt du den Satz oder das Wort der Konstellation A ein.
Atme ruhig weiter und beobachte, welchen Unterschied es macht, diesen beiden Konstellation auszusprechen und sie im selben Feld stehen zu lassen.
Dann sprich zu dir selbst:
- „Ich sehe, dass ich ………………………..(B) bin.“ (Pause)
- „Und ich sehe, dass ich auch ………………………..(A) bin.“ (Pause)
- „Ich sehe, dass ich beides bin – zur gleichen Zeit.“ (Pause)
- „Und ich sehe dass ich noch viel mehr bin – darüberhinaus.“
Beobachte, was sich in Bezug auf deine Gefühle zu der „bösen“, aber auch der „guten“ Konstellation ändert, wenn du sie beide in dem Feld der Möglichkeiten deiner Persönlichkeit einfach akzeptieren kannst.
Beobachte auch, ob sich hinter der „bösen“ das „Gute“ zeigt und das „Böse“ hinter der „guten“ – und ob sich am Ende „gut“ und „böse“ in etwas anderes auflösen und nur noch die einfache Kraft der Konstellation übrig bleibt, auch wenn du es nicht benennen kannst oder möchtest. Dies ist der erste Schritt, um diese Kraft zu würdigen und willkommen zu heißen.
Bleibe so lange in diesem Zustand, wie es dir angenehm erscheint.
© 2008 Christopher Weidner @ 11. November 2008
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Schlagwörter: Hypnotherapie, Konstellationen, Lösungsorientierung, Systemische Astrologie
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Lieber Christopher,
nicht nur stimme ich dir aus tiefster Seele zu, sondern sehe auch den symbolischen Wert deines Beitrages mit den beiden “Narrenmasken” da oben, ausgerechnet heute am 11.11., wo um 11.11 hier in Köln der Karneval ausgerufen wurde (meine Klientin und ich haben bei der Beratung kurz darauf mit Kaffee geprostet
.
Karneval ist für mich die Zeit, wo unser polares Denken in “gut” und “schlecht”, “falsch” und “richtig” für eine Weile offiziell aufgehoben wird. Da sind dann auf einmal Dinge “erlaubt”, die man sonst nicht “darf”.
Ich zeige an Karneval gern meine versteckten Seiten (Konstellationen?!?). So bin ich jahrelang immer gern als Bettlerin in Lumpen rumgelaufen. Ich liebe es! Würde ich so meine Klienten begrüßen, fänden sie es sicher seltsam. Doch in mir steckt sie eben, die Bettlerin, die Lumpenfrau, das Wesen, das keiner Äußerlichkeiten bedarf. Geliebt und ungeliebt.
Dein schöner Artikel (und Karneval!) gibt mir mal wieder Gelegenheit, zu sehen, was ich alles AUCH bin.
Dankeschön und ganz liebe Grüße nach München.
Kölle Alaaf!
Sabine
Lieber Christopher
Liebe Sabine, You made my day mit deinem wunderbaren Kommentar.
Erinnere mich noch gut an euere Tagung vor drei Jahren die in Köln stattfand , an einem 11.11 und wie mich doch der Auflauf der Narren am Kölner Dom beeindruckte.
Zwar geboren in einer Narrenhochburg, war mir die kollektiv verordnete Fröhlichkeit stets ein Graus und einerseits genoss es mein Uranus mal endlich in diesem Narrenparadies nicht mehr unangehm aufzufallen. ggg
Die Funkenmariechen einiger rheinischer Karnevalsvereine werden ja auch Marketenderinen genannt.
Da kann ich schon eine Verwandtschaft erkennen.gg
Der Begriff Marketender setzt sich zusammen aus dem italienischen Wort ” mercato” und dem lateinischen Wort tendere , darbieten.
Im Mittelalter war der Marketender jemand der den Militärtross begleitete. Er trieb Handel mit den Soldaten , verpflegte und versorgte sie medizinisch.
Heute wird der Begriff Marketenderin noch für Frauen verwendet die eine Marschkapelle oder Blaskapelle begleiten und die Musiker mit Getränken versorgen.
Und da ich immer noch nicht ganz bei meiner Berufung angekommen zu sein scheine, wäre vielleicht auch Strassenmusikerin eine Option.gg
Mit närrischen Grüssen von der Saturnburg
Barbara