Missverständnisse über den Wolken…
Aus dem Leben | (2) Kommentare |
…oder wie man auch aneinander vorbeireden kann.
Es war wirklich der letzte Tag des rückläufigen Merkurs. Er befand sich förmlich in den letzten Zügen vor der Kehrtwende. Und hatte sich wohl, gewitzt wie er nun mal ist, folgende Episode ausgedacht.
Ich saß an jenem Tag im Flugzeug. Neben mir hatte ein waschechter Hesse Platz genommen. Nach Erreichen der angestrebten Reiseflughöhe wurde das Essen serviert. Ohne darüber nachzudenken wünsche ich meinem Sitznachbarn auch umgehend reflexartig “an guatn” (was so viel wie “einen guten Appetit” bedeuten soll). In Einzelfällen schlägt bei mir mein Herkunftsdialekt aus der Weltstadt mit viel Herz durch.
Der Hesse missversteht zuerst. Er gurtet sich an. Danach missverstehe ich. Erstens ist mir nicht klar, warum er mir nicht höflicherweise ebenso einen “guten Appetit” wünscht (so ein Tölpel aber auch). Der Anstand hätte das doch wohl hergegeben. Zweitens leuchtet mir nicht ein, warum er plötzlich so hastig seinen Gurt anlegt. Wo wir doch gar keine Turbulenzen haben.
Es vergehen einige Momente der völligen inneren Reflexion im totalen Schweigezustand. Aber dann verstehe ich zuerst. Es hat einzig und allein am Dialekt gehakt. Alles klar! Nachdem ich ihm, dem in meinen Gedanken bereits zum anstandslosen Tölpel degradierten Mitreisenden mit Anflügen von Panik, die zugrundeliegenden näheren Umstände unseres dailektbedingten Scheiterns der Kommunikation klarmachen konnte, ist alles wieder in Butter.
Der Hesse schnallt sich erstens erleichtert ab. Und wünscht mir zweitens einen “guten Appetit”. Also doch kein Tölpel, der Hesse.
Und nun, lieber Merkur, die Zeit mit dir im rückläufigen Zustand war nett, wenn auch zugegebenermaßen zwischen Hieroglyphenmails bzw. solchen, von denen man nicht ahnt, dass sie jemals abschickt wurden, auch etwas stagnierend und mühselig. Du hast uns doch ein wenig strapaziert, um den uns sonst eigenen Menschenverstand gebracht, die Kommunikation auf Erden wie über den Wolken verrutschen lassen sowie die Logik auf den Kopf gestellt. Die uns auferlegte Hinhaltetaktik hat uns etwas ungehalten und ungeduldig werden lassen. Du verstehst das sicher, nachdem du uns 3 Wochen am Stück hast “hängenlassen”. Wenn auch mit der gut gemeinten Intention, uns die Gelegenheit zu geben, einfach nochmal richtig in uns zu gehen, die Gedanken durchzuwälzen, hin und herzukauen, alles reiflich zu überdenken bevor es dann geäußert wird, einigen Dingen eine Extraportion Aufschub zu erteilen. Nun sind wir doch irgendwie froh, dass es mit dir und unserer Kommunikation wieder geradeaus gehen kann. Wenn du möchtest, darfst du ruhig auch einen Zahn zu legen.
© 2007 Iris Apé @ 12. Juli 2007
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Hallo Iris,
“Missverständnisse über den Wolken”, zeigt mal wieder wie es im “richtigen Leben” so ablaufen kann.War ja wohl eine interressante Zeit beim “rückläufigen Merkur”.Habe Deine anderen Artikel mit einer Mischung aus Vergnügen und Interesse gelesen. Mir gefällt sehr gut, dass zu Deinen gut durchdachten Informationen auch eine gesunde Portion Humor dazu kommt.Mach weiter so, damit mir die Freude am Lesen erhalten bleibt.
Liebe Grüße
Gerd
Lieber Gerd,
dank dir recht herzlich für dein Feedback!
All I wanted was “a little reaction” (Tina Turner) from that guy. All he did was fasten his seat belt
That is real life…
Liebe Grüße
Iris