Über den Autor dieses Artikels

Dagmar Wäscher

Zum Autorenprofil von Dagmar Wäscher

1 Kommentar

  1. Maia
    28. Juni 2007 @ 22:51

    Hallo liebe Dagmar,

    welch ein bereichernder Artikel zu diesem brisanten Thema; mit dreimal Venus/ Neptun im Horoskop hier ein kleiner Tipp; mir hat es sehr geholfen, mich aus den religiösen Kontexen zu lösen. Ich denke das Venus/ Neptun auch die Chance beinhaltet, sich aus der Suche (Sucht) nach Erlösung zu lösen und zu beginnen, sich selbst zu er-lösen.

    Liebe Grüße

    Petra

Venus/Neptun – rette sich, wer kann!

Aus dem Leben | Ein Kommentar |

abbildung

Zur Ergänzung der Diskussion im Forum möchte ich mich gerne dieses Mal via Artikel zu der bewegenden VE/NE-Konstellation äußern.

Alle, die von dieser Konstellation “geplagt” sind, können Lieder darüber singen. Sie mag ein Fluch sein, aber liegt darin nicht auch Heilung? Ich erinnere an die Zauberworte von Christopher: “Konstellationen sind Lösungen” und “ein Horoskop ist niemals ungerecht”. Es macht auch meines Erachtens keinen Sinn, die Frage nach einem Warum zu stellen, denn wer sollte sie uns beantworten?

Wir alle haben in unserem Leben etwas zu erfahren, dazu sind wir auf die Welt gekommen. Das Einzige, worüber wir zu entscheiden haben, das ist die Frage nach dem Wie. Wie und was machen wir aus uns und unserem Leben, aus unseren Konstellationen. Auch wenn es nicht leicht ist und wir die Erfahrung machen, in dem Gefühl eines Opferdaseins zu versumpfen – wir haben die Wahl. Aber wie so oft im Leben erkennen wir diese Option erst, wenn wir bestimmte Erfahrungen hinter uns gebracht haben, und wir klug, alt und weise geworden sind. abbildung Aber mich befreit es immer wieder auf’s Neue und ungemein!

Mit Venus-Neptun stehe ich auf die Retter der Welt! Ach, wie liebe ich es, wenn in den Kinofilmen und in den Buchszenarien die Welt und die Menschheit vor dem Untergang bewahrt werden! Und wenn die Retter dann noch Märtyrer sind und den Heldentod sterben…… *dahinschmelz*. Venus-Neptun ist die Sehnsucht nach Erlösung schlechthin, das kann man als Horoskopeigner gar nicht abstellen. Das Dumme daran ist nur, dass man nicht weiß, was man eigentlich erlösen soll. Insofern blieb auch ich nicht vor der Erfahrung verschont, mich Hals über Kopf in die Rolle der Retterin zu stürzen. Ich fühlte mich auserkoren, den Leidenden und Hilfsbedürftigen unter die Arme zu greifen. Nicht nur in den freundschaftlichen Begegnungen, nein, ich wählte schon einen Beruf, der dies förderte und ermöglichte. Ich wurde Krankenschwester (”kranke Schwester” würde ab und zu besser zu diesem Phänomen passen).

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ach ja, wie schön sich das anhört und über die Lippen geht. Helfen ist mit Sicherheit eine der größten Tugenden. Und es ist eine ergreifende Motivation, wenn man Selbstlosigkeit praktizieren will. Die Sache ist nur die: niemand im realen Leben lehrt uns, wie das Helfen fruchtbar und konstruktiv ausgeübt werden kann, ohne das dem Geholfenen und dem Helfenden die Würde genommen wird. Also geht es erst mal kräftig schief. Die Liebenden werden zu Tätern und die Geliebten ihre Opfer. Es sieht ganz danach aus, dass Venus-Neptun in der problemorientierten Variante einer Venus-Pluto-Thematik entspricht. Warum ich das sage? Aus meiner Erfahrung sind die sozialen Berufe in ihrer Übergriffsproblematik einsame Spitze. Aus der Motivation etwas Gutes zu tun und zu helfen (was auch immer das sein soll), wird über die Anvertrauten einfach hinwegbestimmt. Woher sollen sie denn wissen, was für sie gut ist? Ich weiß, das ist jetzt gemein, aber Derartiges geschieht, wenn wir in unserem Helfenwollen unreflektiert sind. Bis in mir die Glocken läuteten, vollzog ich mit hundertprozentiger Sicherheit schon etliche Übergriffe, die als solches nicht kenntlich waren. Zumindest nicht aus meiner damaligen Sicht.

Zur “Strafe” gibt es dafür eines obenauf. Sie nennt sich Burn-out-Syndrom: ein “Ausgebranntsein”, ein chronischer Erschöpfungszustand. Tja, das hat man davon, wenn man nie das erreicht, wonach man sich sehnt, wenn das Helfenwollen von einem System ausgenutzt wird und man sich selbst benutzt. Bis zum Umfallen. Amen.

Wolfgang Schmidbauer bezeichnete erstmalig dieses Dilemma in der Pflege als das Helfersyndrom. Auf www.wikipedia.de wird es folgendermaßen beschrieben:

“Die psychologische Deutung des Helfersyndroms besteht darin, dass die Rolle des Helfers (Helfende Berufe, also etwa Arzt, Sozialarbeiter, Pfarrer, Psychologe, Therapeut, Krankenschwester, Lehrer) gewählt wird, um Ängste vor Abhängigkeit abzuwehren. Ein vom Helfersyndrom Betroffener ist jemand, der das Ideal verinnerlicht hat, dass man nur dann gut sei, wenn man anderen, schwächeren, kranken, benachteiligten oder bedürftigen Menschen hilft.
Für die zu betreuende Person soll der Helfer das Ideal verkörpern, das er bei seinen eigenen Eltern in der Kindheit vermisst hat. Bei einer überstarken Ausprägung des Helfersyndroms (wenn also das Wohlergehen des oder der Klienten grundsätzlich als wichtiger eingestuft wird als die eigene Befindlichkeit des Helfers) kann es zu schweren Depressionen oder zum Burn-Out-Syndrom kommen.”

Trotzdem möchte ich nochmals betonen, dass die Motivation an für sich “gut” ist; Venus-Neptun-Menschen möchten von Natur aus niemandem etwas Böses. Sie haben nur in den seltensten Fällen gelernt, sich selbst zu helfen, sprich auf sich selbst acht zu geben. Heißt es nicht: “was du nicht willst, das man dir tut, das füge keinem andern zu”? Eben. Anstatt uns in der scheinbar hilfsbedürftigen Person zu sehen und zu überlegen, was bräuchte ich jetzt in dieser Situation, entscheiden wir, was wir glauben, dass diese Person brauchen könnte. Wir kommen noch nicht mal auf die Idee, ihr Einverständnis dafür abzuholen. (Dass wir auch noch immer an die “richtigen” Menschen geraten, die dies zulassen, schreit zum Himmel!)

Jetzt kommt’s noch dicker, aber dann höre ich auf abbildung . Je mehr die Helferlein Dankbarkeit und Unterstützung in ihrem Verhalten erfahren, desto mehr lechzen sie nach dieser Anerkennung. Denn woher beziehen sie ihre Liebe, wenn sie sich ihrer eigenen Liebe entziehen? Venus-Neptun ist daher auch prädestiniert, in Co-Abhängigkeit zu geraten. Es ist die Sucht, gebraucht zu werden. Das ist das Geheimnis der Tatsache, dass man sich von “Süchtigen” angezogen fühlt. Beide Pole repräsentieren den negativ gelebten Aspekt der Konstellation der Selbst-Aufgabe. Wie ich schon in meinem Forumsbeitrag erwähnte: Hingabe ist nicht mit Selbst-Aufgabe zu verwechseln.

Da Venus-Neptun-Geborene durchaus religiös geprägt sind, dürfen sie das Gebot aller Gebote ganz wörtlich nehmen: Liebe deinen Nächsten WIE dich selbst. Es heißt nicht, MEHR als dich selbst.

Was können sich Venus-Neptun-Menschen daher zu Herzen nehmen? Was wäre die konstruktive Seite der Venus-Neptun-Medaille?

Nun, es bedeutet nicht, nicht mehr helfen zu dürfen. Es ist nur wichtig rauszufinden, wo, wann und in welchem Ausmaß wir helfen können und angebracht ist.

Folgende Fragen sollten wir uns immer stellen, wenn wir das Bedürfnis zu geben haben:

  • Was ist meine Motivation für mein Helfenwollen?
  • Ist meine Hilfe erwünscht?
  • Habe ich mir die Erlaubnis dazu eingeholt?
  • Geht die Art von Hilfe über meine Kräfte und Kompetenz?
  • Über welche Ressourcen verfügt der Mensch, dem ich helfen will?
  • Bin ich bereit, etwas anderes dafür anzunehmen? Denn auch nehmen können will gelernt sein.

Hilfsbedürftige erleben sich selbst oft ganz anders, als wir es ihnen zutrauen würden. Wir sollten niemanden in seinen Bewältigungsstrategien unterschätzen. Auch in ihren Entscheidungen sind sie frei. Dies zu akzeptieren und es dabei belassen zu können, tut Not. Stellt euch ruhig ein kleines Selbstrettungsprogramm auf, in dem auch viel Humor und Heiterkeit herrschen darf. VE/NE hat die Aufgabe, sich selbst lieben und achten zu lernen, um sich selbst aus dem eigenen “Elend” der Hilfsbedürftigkeit retten zu können. Dann fällt es uns leichter, für die Menschen, die unsere Hilfe bräuchten und sie nicht annehmen können, eine liebevolle Begleitung zu sein, einfach dadurch, dass wir hier in diesem Leben mit ihnen sind.

Ein ganz wunderbares Beispiel dafür finde ich in Norman Macleans Buch “Aus der Mitte entspringt ein Fluss” wieder. Er wollte seinem Bruder stets helfen, aber er musste erkennen, dass er es nicht konnte, zumindest nicht so, wie er sich das vorstellte und wünschte. Er sagt:

“Hilfe ist, einen Teil von sich jemandem zu schenken, der ihn gerne annimmt und ihn sehr braucht. Also ist es auch so, dass wir selten jemandem helfen können. Entweder wissen wir nicht, welchen Teil wir geben sollen, oder vielleicht wollen wir auch gar keinen Teil geben. Dann kommt es häufiger vor, dass der Teil der gebraucht wird, gar nicht gewünscht wird. Und noch häufiger, dass wir den Teil, der gebraucht wird, gar nicht haben.

Aber man kann vollkommen lieben, ohne vollkommen zu verstehen.”

Wenn wir soweit sind, dann wird im wahrsten Sinne des Wortes alles gut. (Alles wird gut – ist in meinen Augen eine VE/NE-Entsprechung). Denn wir haben die Fähigkeit zum Helfen, keine Frage.

Venus-Neptun ist vollkommene Liebe. So reich wurden wir beschenkt.

© 2007 Dagmar Wäscher @ 28. Juni 2007

Druckversion des Artikels Druckversion des Artikels

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!

Keine Schlagwörter für diesen Beitrag vorhanden.

Weitere Beiträge von Dagmar Wäscher.

Verwandte Artikel:

Kommentieren

Um einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben zu können, müssen Sie sich bei Astrophoenix registrieren und anmelden.

Login