Astrologie der Träume
Aus der Praxis, Traumwelt | Ein Kommentar |
Am vergangenen Sonntag war das Thema unseres Workshops die Frage, wie wir die Symbolsprache der Astrologie sinnvoll nutzen können, um die Symbolik unserer Träume besser zu verstehen und sie als Quelle für Inspirationen und Ressource für die Lösung von Problemen zu nutzen. Es war ein spannender Tag, an dem wir uns die Träume der TeilnehmerInnen ansahen und sie mit ihrem Horoskop verglichen. Merkwürdigkeiten der Traumwelt erschienen im Lichte der astrologischen Metaphorik auf einmal aus einer ganz anderen Perspektive und offenbarten interessante Zusammenhänge mit der Alltagswelt.
Zunächst aber galt es, sich darüber im Klaren zu werden, auf welche Weise wir das Horoskop nutzen können. Die meisten Menschen erleben die Traumwelt wie eine andere Wirklichkeit, etwas das ganz eigenen Gesetzmäßigkeitn unterworfen ist. Es erinnert ein bisschen an das “Land hinter den Spiegeln”, in dem sich Alice wiederfindet, nachdem sie den Spiegel durchquert – die Grenze zwischen Alltag und “Anderswelt”: die Dinge, die wir dort finden, sind unserer alltäglichen Erfahrung nicht unähnlich, aber sie besitzen ein anderes, eigenes Dasein – Blumen können sprechen, hinter bekannten Türen befinden sich auf einmal unbekannte Räume, wenn wir schneller laufen, kommen wir langsamer voran, mit jedem Schritt kann sich die Landschaft auf einmal komplett verändern, Gegenstände haben Gesichter …
Die Welt der Träume ist auf ihre Weise chaotisch und doch wieder geordnet. Sie hinterlässt uns mit Erstaunen und der Frage: Was hat das zu bedeuten? Meine Idee vom Traum ist, dass jeder Traum eine Botschaft unseres Unbewussten ist. Nicht jede Botschaft ist gleich wichtig und deshalb vegessen wir so manchen traum, kaum das wir aufgewacht sind. Doch wenn uns ein Traum “hängen” bleibt, dann scheint er einen Unterschied zu machen – er ist eine Information, etwas, das wir uns näher anschauen sollten.
Dabei ist sehr wichtig zu verstehen, dass wir niemals mit Gewissheit sagen können, was wir genau geträumt haben, denn wenn wir es genau betrachten, ist jede Beschreibung eines Traums immer nur die Erinnerung an einen Traum. Während des Träumens arbeitet das Unbewusste – erst wenn wir erwachen, erleben wir den Traum in der Gestalt, in der unser Bewusstsein das Erlebte in Bilder kleidet. Geträumt zu haben heißt also immer auch, sich an Träume zu erinnern. Der Zugriff des Alltäglichen hat also schon längst begonnen.
Das Traum-Ich und das Alltags-Ich besitzen das gleiche Horoskop. das ist eine Grundvoraussetzung für unsere Arbeit. Das heißt: Wenn wir das Horoskop nutzen können, um unseren Alltag zu ordnen, dann können wir es auch benutzen, um die Eindrücke der Traumwelt zu ordnen. Dazu benutzen wir die Technik der Konstellationen.
In einem ersten Schritt greifen wir uns aus dem komplexen Geschehen eines Traums ein Bild heraus, das uns besonders fasziniert. Der Hintergrund: Wir deuten nicht den ganzen traum, sondern beginnen an einer weniger kompexen Stelle. Ich gehe dabei von dem Gedanken aus, dass der Traum wie ein System ist und es deshalb möglich ist, an einer besonderen Stelle zu beginnen, weil jede Einzelheit mit dem Ganzen so verwoben ist, dass wir immer auch das Ganze berühren, wenn wir uns um nur einen Teil kümmern. Der Vorteil für uns ist aber, dass wir so die Komplexität sinnvoll reduzieren können.
Dieses Traumbild betrachten wir nach vier Dimensionen:
A. Was habe ich gesehen? Was habe ich wahrgenommen?
Hier beschreiben wir das Traumbild so neutral wie möglich. Wir versuchen noch nicht zu deuten, sondern einfach nur zu bestimmen. was ist.
B. Was hat dies bei mir an spontanen Reaktionen ausgelöst?
Es geht um das Grundgefühl, das das Traumbild bei mir hinterlassen hat, die Empfindung, mit der ich aus dem Traum gegangen bin.
C. Welche Assoziationen löst das Traumbild bei mir aus? Welche ideen, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen?
Nun wird es spannend: Hier lassen wir unserer Fantasie freien Lauf. Wir können alles notieren, was uns einfällt, können unsere Assoziationen auch treiben lassen, von einem Eindruck zum nächsten gleiten, ketten von Assoziationen bilden und so weiter.
D. Welche übergeordneten Bedeutungen hat das Traumbild?
An letzter Stelle nutzen wir die überlieferte Symbolik unseres Traumbildes – sofern es etwas dazu gibt. Dazu können wir ein einfaches Symbole-Lexikon benutzen. Wichtig ist, dass wir uns davon inspirieren lassen, indem wir bei jeder Bedeutung, die wir nachlesen, uns innerlich fragen: Bereichert es das, was ich bereits in den Schritten A-B-C herausgefunden habe, in einer stimmigen Weise? So filtere ich aus der Fülle an Möglichkeiten, die mir hier angeboten werden, das heraus, was wirklich für mich bedeutsam ist.
Ein Beispiel: Eine Teilnehmerin träumte von einer Seekuh, die ein Kind in den Armen trägt.
A. Eine Seekuh mit einem Kind in den Armen.
B. Ein Gefühl von “Alles ist in Ordnung”.
C. Die Teilnehmerin kannte Seekühe aus einem Urlaub in Florida. Sie war von der weichen, friedlichen und gemütvollen Art dieser Tiere angetan. Iher Assoziationen: Mütterlichkeit, Geborgenheit, sich hingeben können, loslassen, sich treiben lassen. Immer genug Nahrung haben, sich um nichts kümmern müssen.
D. Wir haben unter Kuh nachgeschlagen und dort Begriffe gefunden, welche die Assoziationen der Träumerin unterstützen: Mütterlichkeit, Frieden.
Der nächste Schritt besteht darin, sich zu überlegen, welche astrologische Konstellation diesem Traumbild entspricht. Dabei ist es wichtig, wirklich eine Konstellation zu wählen und nicht einfach nur ein Planetenprinzip, also eine Kombination aus (mindestens) zwei Planetenprinzipien.
Nach einigem Überlegen kamen wir auf MOND/NEPTUN als Entsprechung für das Traumbild.
Nun ziehen wir das Horoskop heran und suchen diese Konstellation (oder im Zweifel eine ähnliche, wobei uns Auslösungen nach dem Kybernetischen Modell helfen können) im Horoskop, vielleicht in Form eines Aspektes, einer Hausposition, eines Häuserherrscherverhältnisses oder Ähnliches. Konstellationen, an denen das Häusersystem beteiligt sind, sollten bevorzugt werden, da diese individueller sind.
Die Teilnehmerin hat ein Mond/Neptun-Quadrat.
Nun können wir sagen: das Traumbild verweist auf die Themen, welche von der entsprechenden Konstellation im Horoskop ausgelöst werden. Diese Konstellation enthält nicht nur das (problematische) Thema, sondern auch die Lösung dazu. Wir können sagen, dass die Botschaft des Traumes uns auf diese Themen hinweist und unser Unbewusstes uns zeigen möchte, dass dieser innere Anteil mehr Aufmerksamkeit benötigt.
Für unsere Teilnehmerin war klar, dass die angesprochene Mond/Neptun-Thematik in Zusammenhang mit diesem positiven Traumbild als Bestärkung zu sehen ist: Vertraue dem Leben! Du kannst dich fallen lassen! Die Dinge regeln sich auch von alleine, du musst nichts tun! Interessant ist, dass sie im vorangehenden Teil des Traumes noch ein Schiff vor dem Untergehen retten wollte. Auch im Alltag ist die Horoskopeignerin oft voller Aktionsdrang, die Probleme anderer zu lösen. Dabei übersieht sie manchmal, dass ihre Hilfe gar nicht nötig ist und dass sie ihre Energie auf ihre eigenen Bedürfnisse richten kann.
So gedeutet verbinden wir das Traumgeschehen mit unserem Horoskop und eröffnen eine Perspektive auf das Horoskop, mit der wir es als Quelle der Kraft für unseren Alltag erleben. Denn: Die Konstellationen, die wir finden, sind ja schon im Horoskop vorhanden – und damit Teil der Möglichkeiten des Menschen. Das, was im Horoskop steht, steht uns ja bereits zur Verfügung – wir müssen es nur nutzen.
Am Ende gilt: nur der Träumer kann seinen Traum sinnvoll deuten. Diese Art und Weise, Astrologie und Traumwelt zu verbinden, legt großen Wert darauf, einen individuellen Zugang zum Traumbild zu finden. Wir arbeiten mit dem, was der Träumer selbst beisteuert und verlassen uns nicht auf pauschale Deutungen aus Traumlexika. Die Verankerung im Horoskop geschieht ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit dem Träumer. Maßgeblich für den Erfolg der Interpretation ist weniger, ob wir hinterher eine eindeutige, klare Botschaft herauslesen können, sondern ob sich während des Prozess des Deutens etwas löst. Oft ist diese Art von Lösung (das eher ein “Sich-Lösen” ist) weniger gut in Worte zu fassen – es ist nicht selten eine Veränderung im Empfinden oder in der Perspektive auf die Welt, die sich einstellt.
Es ist, als ob wir für einen Moment unsere Wirklichkeit durch die Augen der Anderswelt sehen – und Dinge entdecken können, die nur aus diesem Blickwinkel zu sehen sind. Das Horoskop ist eine hervorragende Möglichkeit, das, was wir sehen, auf sinnvolle Weise mit unserem Alltag in Verbindung zu bringen.
Weitere Sonntagsworkshops finden Sie auf den Seiten der A*SYS*Akademie in München unter:
www.asys-akademie.de/workshop
Der nächste Workshop am 27.07.2008 handelt von der Sonnenfinsternis des 1. August. Wir deuten sie im Zusammenhang mit unserem persönlichen Horoskop. Mehr Informationen gibt es unter:
www.asys-akademie.de/sonntagsworkshop-sonnenfinsternis
© 2008 Christopher Weidner @ 14. Juli 2008
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Schlagwörter: Astrologie-Seiten, Horoskop, Konstellation, Kybernetisches Modell, Lösungsorientierung, Mond Opposition Neptun, Mond-Neptun, Traum
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Lieber Christopher
Welch spannender Beitrag!
Unsere Träume, ein erhellendes und ergänzendes Tool in der Arbeit mit der astrologischen Symbolik.
Dreaming is the source where everything started–The Beginning.
Mandawuy Yonopingo ( Aborginies)
Herzliche Grüsse von
Barbara