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Brigitte Hamann

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1 Kommentar

  1. Sabine Bends
    Sabine Bends
    21. Mai 2007 @ 13:29

    Liebe Brigitte,

    nur ein Wort: Ja, Ja und nochmals Ja!

    Du sprichst mir aus dem Herzen.
    Lieben Gruß,
    Sabine

Das Schöpfungsprinzip in der Astrologie

Aus der Praxis, Philosophie | Ein Kommentar |

abbildungvon Brigitte Hamann
Geist herrscht über Materie
Geist herrscht über Materie – eine Weisheit, die in vielen alten Lehren und Zitaten großer Meister zu finden ist. Nichts Neues also unter der Sonne, wenn es heute die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass der Mensch der Schöpfer seines Lebens ist. In dem Buch Bleep gibt es in dem Kapitel “Geist ist stärker als Materie” dazu den herzerfrischenden Vorschlag, einmal folgendes Experiment zu machen:

“Achten Sie auf Ihren inneren Zustand.
Platzieren Sie nun ein großes Klavier oder einen Konzertflügel ungefähr ein Meter über Ihrem Fuß.
Lassen Sie los.
Achten Sie auf Ihren inneren Zustand”.

Das Fazit: “Die Vorstellung, dass der Geist stärker ist als die Materie, ist ein Realitätsmerkmal; und in unserem Gedankenexperiment mit dem Konzertflügel konnten wir belegen, oder Sie zumindest davon überzeugen, dass es ebenfalls ein Realitätsmerkmal ist, dass die Materie stärker ist als der Geist”. Die Autoren sprechen im Weiteren von der verflochtenen Hierarchie, einem weiteren Aspekt der Huhn-und Ei-Frage des Universums.

Übrig bleibt, dass, wenn der Schock über das Klavier, das auf den Fuß gefallen ist, sich gelegt hat, es sehr schnell wieder darum geht, was wir mit der Tatsache unseres lädierten Fußes anstellen. Um das zu verstehen brauchen wir nur an Extrembeispiele wie Christopher Reeve, den querschnittsgelähmten einstigen Erfolgsschauspieler denken, der zum Leuchtturm für andere Behinderte wurde.

Die Frage, was das denn genau bedeutet, dass wir unsere Realität erschaffen, wo die Möglichkeiten und Grenzen liegen, wie wir es tun und warum wir es tun, hat mich über viele Jahre meines Lebens bewegt. 1976 begegnete mir Paul Watzlawiks Buch “Wie wirklich ist die Wirklichkeit”? und übte einen großen Einfluss auf mich aus. Zitate der großen Lehrer und Religionsstifter, die übereinstimmend auf die grundlegende Bedeutung unseres Geistes für den Ablauf unseres Lebens hinweisen kreisten in meinem Kopf und Bauch. Sie sprachen davon, dass die alles entscheidende Frage ist, ob wir Herr über unser Denken sind, das ja letztlich nicht einfach so existiert sondern im Bereich unserer emotionalen Natur, unserer Gestimmtheit dem Leben gegenüber entspringt. Ich verstand: das Wort “Geist” ist im Sinne von “Geist, Gemüt, Seele” zu verstehen, nicht im Sinn von “Intellekt”.

Hier einige Zitate dazu:

Der Geist ist alles. Was du denkst, wirst du werden. Buddha
Wir sind durch unseren Geist gebunden und wir werden frei durch unseren Geist… Derjenige, der aus einer starken Überzeugung heraus sagt wird frei sein. Ramakrishna
Es geschehe dir nach deinem Glauben. Jesus
Die größte Entdeckung meiner Generation ist, dass ein Mensch sein Leben verändern kann indem er seine Einstellung verändert. William James
Wenn du deinen Geist beherrschst beherrschst du die Welt. Aus dem I Ging

Dass der Mensch der Schöpfer seiner Realität ist zeigt auch die Quantenphysik und, ganz schlicht, unsere alltägliche Erfahrung. Nicht umsonst spricht man von dem sprichwörtlichen “linken Bein”, mit dem man aufgestanden ist.
Wenn sie uns auch nicht immer bewusst ist, unsere schöpferische Tätigkeit in jedem Augenblick ist also etwas, worauf seit Jahrtausenden immer wieder hingewiesen wurde. Wir gestalten die Qualität unserer Erfahrungen, doch wir tun es nicht in einer spontanen, immer neuen und frischen Reaktion auf das, was gerade ist, sondern aus einer bestimmten Gestimmtheit heraus, aus einer mitgebrachten Veranlagung und ihrer Ausprägung heraus, die sich durch unsere Deutungen und die Einflüsse unserer Sozialisation entwickelt hat. Wir sehen das Leben, durch unsere persönliche “Brille”, die jedoch nicht als etwas Negatives, Abzulegendes zu sehen ist, sondern als das, worin – wenn man davon ausgeht, dass das Leben Sinn und Bestimmung hat – unser Beitrag zum Leben zu finden ist. In meinem 1994 erschienen Buch Lebensmuster – Elternbilder im Horoskop veröffentlichte ich zum ersten Mal Überlegungen dazu.

Der schöpferische Mensch im Horoskop
Alle Aussagen lassen sich in den folgenden Kernsätzen zusammenfassen: “Wir erschaffen die Wirklichkeit, in der wir leben”, “Wir bekommen das, was wir glauben” und “Wir ziehen das an, was wir aussenden”. Was wir aussenden und was wir dadurch erschaffen ist das Resultat dessen was wir glauben. Unser Glaube ist unsere subjektive Wahrheit, das, was für uns in diesem Augenblick wahr ist, weil wir es glauben.

Das führte mich zu den Fragen: Wo ist die tiefste Form des Glaubens im Horoskop? Ist Glaube ein rein geistiges Konzept und kann er in der Astrologie ausschließlich einem Haus über dem Horizont, dem 9. im Allgemeinen, zugeordnet werden? Wie sieht der Glaube aus, der uns als ganzen Menschen betrifft? Sind alle Faktoren im Horoskop als gleichwertig anzusehen, was das Erschaffen unserer Wirklichkeit angeht, oder gibt es eine Hierarchie?

Wo zeigt sich das Schöpfungsprinzip in der Astrologie?

Forschungsprojekt IC/MC-Achse

Anfang der 90iger Jahre begannen das MC und in der Folge das IC mich besonders zu faszinieren. Was bedeutete diese Achse? Ihr wurde bisher kaum Beachtung geschenkt. Während es zur AC/DC-Achse umfangreiche Literatur gab und jeder – sogar die meisten astrologischen Laien – weiß, dass es einen Aszendenten gibt und dass er etwas wichtiges ist, war der Begriff des MC oder gar seine ausgeschriebene oder ins Deutsche übersetzte Bedeutung kaum bekannt: Medium Coeli, die Himmelsmitte. Analog dazu steht das IC, das Imum Coeli, die Himmelstiefe. Die Deutung dieser Achse beschränkte sich auf Schlagworte wie Beruf und Berufung, wobei man sich auf das MC konzentrierte. Dem IC wurden vor allem Familie und Herkunft zugeordnet. Gelegentlich wurde das MC auch allgemein als Lebensziel definiert ohne nähere Erläuterung, was genauer darunter zu verstehen ist und in welchem Verhältnis dieses Lebensziel zu den anderen Faktoren des Horoskops steht. Berücksichtigt wurde in der Regel dabei eben nur das MC und nicht die gesamte Achse.

Kann aber ein einzelner Punkt das Ergebnis eines ganzen Lebens sein? Wo bleibt das Prinzip der Polarität, deren Ganzheit nur in einer Synthese liegen kann wie zwei Seiten nötig sind, um eine Münze zu bilden?

Auf dem Weltkongress der Astrologie in Luzern 1996 stellte ich ein Deutungsmodell der IC/MC-Achse vor, bei dem ich das MC noch als das Ziel definierte Ich hatte das Imum Coeli als das, woher wir kommen und das Medium Coeli als das, wohin wir gehen definiert. Aus diesem Grund wählte ich auch die Bezeichnung IC/MC-Achse, bei der das IC entgegen der allgemein üblichen Reihenfolge zuerst genannt wird.

Damals entstand der Gedanke, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben. Bei den Überlegungen zu diesem Buch stellte sich jedoch heraus, dass noch etwas Wesentliches fehlte. Das Modell, dass wir beim Imum Coeli starten und uns zum Medium Coeli hin bewegen, erschien mir zwar nicht falsch, aber nicht ausreichend. Nachdem ich eine weitere große Zahl von Horoskopen unter dem Gesichtspunkt des Lebensziels und der IC/MC-Achse untersucht und die Ergebnisse in Beratungen angewendet hatte kam ich zu dem Ergebnis, das sich heute in meinen Büchern Ihr Lebensziel, Entwicklungsorientierte Astrologie, Das Innere Kind im Horoskop, in Artikeln und Seminarmitschriften findet.

Die Untersuchungen zeigten, dass wir tatsächlich während unseres Lebens zwischen den beiden Polen hin- und her wandern, dass wir aber letztlich immer eine Form von Synthese leben. Diese Synthese liegt manchmal näher an dem, was das MC beinhaltet, zu anderen Zeiten mehr am IC oder mehr in der Mitte zwischen beiden. Das gleiche gilt für die unterschiedlichen Lebensbereiche, die einmal mehr unser IC, dann unser MC aktivieren.

Wir verlassen also offensichtlich nicht den einen Pol – das IC – um uns zum MC zu bewegen, und kommen dort irgendwann endgültig an. Bedeutet das, das wir ganz einfach wieder in unsere alten Muster zurückfallen, die des Imum Coeli, dem, woher wir kommen und was wir ablegen müssen? Ist das Imum Coeli unsere Versuchung, nicht zu wachsen und zu bleiben wo wir sind?

Ergebnisse

Definition von IC und MC:
IC und MC sind wie Quelle und Flussbett. Das Wasser einer Quelle muss in eine Form finden, damit es nicht versandet. Ebenso muss unserer innerer Antrieb eine Form erhalten, damit er sich in der konkreten Welt manifestieren kann.

Definition der IC/MC-Achse:
Die IC/MC-Achse beschreibt den roten Faden unseres Lebens und es ist möglich, alle zentralen Erfahrungen und Ereignisse eines Lebens ausschließlich über sie zu finden und zu definieren.

Die folgenden drei Thesen bilden eine Zusammenfassung meiner Untersuchungen:

1. Das IC ist unser schöpferisches Potenzial. Es ist der seelische Motor unseres Seins, das Fundament und die Quelle unserer Lebens und unseres Entwicklungsweges. Mit diesem Potenzial erschaffen wir unsere Persönlichkeit und damit unsere individuelle Variante, in der wir dem Leben gegenüber stehen und unsere Themen verwirklichen. Das IC symbolisiert, was wir auf der tiefsten Ebene unseres Seins vom Leben wollen. Wie wir aus dieser Lebensquelle schöpfen – die Qualität, die wir ihr geben, wirkt sich auf alle anderen Faktoren des Horoskops aus.Wir können nicht besser kommunizieren, Partnerschaften leben, beruflich voran gehen oder kreativ sein, als es unser tiefstes Inneres zulässt. So ist das IC die Quelle aller Probleme, Freuden und Möglichkeiten .

2. Das MC zeigt die Gesamtheit aller Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, um zu dem zu kommen, was wir wollen und diesem inneren Antrieb eine äußere Form zu verleihen. .
In diesem Sinn zeigt es alle uns zur Verfügung stehenden Lösungsstrategien, von denen manche geeigneter und manche weniger geeignet sein können, um unsere Wünsche und Ziele zu verwirklichen. Es enthält die ergänzenden Eigenschaften, Verhaltensweisen und Themen, die wir benötigen, um unser IC auf eine reifere und entwickeltere Ebene zu heben und so seinen besten Qualitäten Ausdruck zu verleihen.

Deshalb führt unser Entwicklungsweg über das MC. Diese Bewegung vom IC zum MC ist jedoch als eine Kreisbewegung zu verstehen – der Meridiankreis – bei dem wir immer wieder “unten”, am IC ankommen, um zu prüfen, wie erfolgreich wir mit der aktuellen Lösungsstratege waren und können uns dann erneut dem MC und besseren Varianten zuwenden.

Wir wählen immer Varianten, die unserem inneren Entwicklungsstand entsprechen, wir können gar nicht anders. Oft sind sie nicht optimal für das gewünschte Ergebnis. Sie sind einfach die aktuell bestmögliche Variante. Diese Kreisbewegung, in der alle anderen Faktoren, auch die AC/DC-Achse wenn auch auf besondere Weise eingeschlossen sind, ist Entwicklung. Wir entwickeln uns immer an beiden Polen und, ausgehend davon, an allen anderen Punkten des Horoskops.

3. Das Lebensziel liegt in der Synthese zwischen IC und MC.
Da IC und MC Gegenpole darstellen, die sich naturgemäß ergänzen, kann Ausgewogenheit immer nur in einer Verbindung beider Pole entstehen. Diese Synthese entspricht der höchsten Vision, die wir von uns entwerfen und anstreben können. Sie ist nicht als ein statischer Punkt in der Mitte zu verstehen, sondern als lebendiger, schöpferischer Prozess, bei dem wir manchmal mehr zu MC neigen, dann wieder mehr zum IC. Es ist ein Oszillieren zwischen dem, was beide zur Verfügung stellen.

Jeder Mensch findet seine ganz eigene und individuelle Variante dieser Synthese und bildet so seinen roten Lebensfaden, das, was für ihn charakteristisch ist und ihn zu einem einzigartigen Individuum macht. Hier findet sich die astrologische Analogie zu Antoine de Saint-Exuperys bekanntem Zitat “Der Weg ist das Ziel“.

4. Hinzu kam die Interpretation dessen, was ich die Fluchtpunktachse nenne.
Sie besteht in der Zeichenkombination, die ein Quadrat zu den Zeichen der IC/MC-Achse bildet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Zeichen, das sich auf der Seite des Aszendenten befindet (östlicher Fluchtpunkt). Er kann mit dem tatsächlichen Aszendenten zusammenfallen, muss es jedoch nicht. Dabei geht es nicht um Gradzahlen oder Herrscher sondern nur um die Zeichenqualität. Der Fluchtpunkt beschreibt wichtige Vermeidungsstrategien, die wir anwenden, um uns vor unseren Lernthemen zu drücken. Gleichzeitig stellt dieses Zeichen, wenn es richtig genutzt wird, wesentliche Ressourcen zur Verfügung, mit deren Hilfe wir uns unserem Ziel nähern können.

Der Weg der IC/MC-Achse

Um diese Bewegung zwischen IC und MC weiter zu verdeutlichen bietet sich auch das – allerdings zweidimensionale – Bild von einer Wegstrecke an, auf der wir immer hin- und herfahren.

Stellen Sie sich vor, Sie steigen in Köln in Ihr Auto und fahren nach Nürnberg. Nürnberg ist Ihr Ziel, denn Sie wissen, dort gibt es etwas, was Sie brauchen, um Ihr Leben in Köln erfolgreich zu gestalten. Also fahren Sie los und schauen sich an, was es unterwegs so alles zu sehen gibt. Dann kommen Sie in Nürnberg an und stellen fest, dass dort vieles ganz anders ist. In gewisser Weise ist es genau das Gegenteil von dem, was Sie von Köln her kannten. Das erweitert Ihr Blickfeld, Ihre Einsichtsfähigkeit und Ihre Entscheidungsmöglichkeiten. Mit diesem Wissen ausgestattet, fahren Sie wieder zurück nach Köln und wenden es dort nutzbringend an. Ihr Leben in Köln verändert sich, Ihre Art, über Köln zu denken und es zu erleben hat sich verändert. Mit dieser neuen Perspektive versehen, machen Sie sich nun wieder auf den Weg nach Nürnberg, um Ihre Erkenntnisse zu vertiefen und herauszufinden, was es dort noch so alles gibt. So bewegen Sie sich ständig von einem Ort zum anderen, und mit jeder Fahrt wird Ihnen die Wegstrecke vertrauter und Ihr Leben an jedem Ort übernimmt Anteile von dem, was Sie an dem anderen Ort erlebt und gesehen haben. Sie verlassen nicht die Stadt, aus der Sie kommen, sondern es findet eine wechselseitige Durchdringung mit Informationen, Erkenntnissen und Erlebnissen statt, die Ihnen neue Sichtweisen eröffnen und Ihr Persönlichkeitsspektrum insgesamt erweitern.

Auf das Horoskop übertragen bedeutet das, dass Sie tatsächlich das Wissen und die Fähigkeiten benötigen, die am Medium Coeli liegen, um in Ihrer Gesamtentwicklung weiterzukommen, dass Sie sich jedoch immer an beiden Polen entwickeln. Wenn Sie Ihr Imum Coeli hinter sich lassen würden, würden Sie dem Lebensprinzip widersprechen, dass immer alles vorhanden ist, aktiver oder passiver, höher oder weniger hoch entwickelt, dass nur nicht alles zur gleichen Zeit gleich deutlich zutage tritt.

Das Medium Coeli

Das Medium Coeli hat die Funktion eines Wegweisers. Es zeigt an über welchen “Ort” wir fahren müssen, um die richtige Richtung einzuschlagen. Das Ergebnis oder Endziel kann es jedoch nicht sein, denn das vollkommene Ergebnis kann immer nur dort sein, wo sich die gegenpolare Welt wieder zusammenfindet, um ein Ganzes zu bilden.
Wie bereits weiter oben beschrieben muss es in der Synthese zwischen den beiden Tierkreiszeichen liegen, die von der IC/MC-Achse angeschnitten werden. Dort, wo sich die gegensätzlichen Eigenschaften von Widder und Waage, Stier und Skorpion, Zwillinge und Schütze vereinen, um etwas Neues, Drittes zu bilden, das alle Widersprüche integriert, dort ist das ideale Ziel, die höchste Vision, die die IC/MC-Achse zur Verfügung stellt.

Da Menschsein bedeutet, sich über Gegensätze zu erfahren, brauchen wir den Gegenpol des Medium Coeli, um zu erfahren, wer wir am Imum Coeli sind und was wir dort alles sein können, wenn wir sein Potenzial heben. Unsere Entwicklung entspricht dabei mehr dem Zusammensetzen eines Puzzles, Stein und Stein, zu einem immer vollständigeren Bild, als dem Aufstieg auf einer Leiter. Die differenzierteren Stufen unseres Bewusstseins erreichen wir, in dem wir uns und unser Leben in seiner Gesamtschau und ganzheitlich in der Wechselwirkung mit anderen Menschen und zur Umwelt allgemein betrachten.

Das Imum Coeli

Das Imum Coeli, der Nadir, der „Nachtpunkt“, die Himmelstiefe, ist der tiefste, verborgenste, dunkelste und geheimnisvollste Punkt im Horoskop. Astronomisch gesehen liegt er für uns unsichtbar auf der anderen Seite der Erde. Psychologisch gesehen kann er als das Unbewusste bezeichnet werden, das, was nicht im Licht unseres Bewusstseins liegt.

Als tiefster Punkt bildet es das Fundament des Horoskops. Per Definition ist das Fundament immer die Basis. Das Fundament eines Hauses ist sein Keller und nicht der 1. Stock. Auf das Horoskop übertragen bedeutet das, dass das Fundament des Horoskops also z. B. nicht die AC/DC-Achse sein kann. Der Aszendent ist das Symbol für den Punkt, an dem wir in unsere eigenständige körperliche Existenz treten. Er sagt etwas über unsere physische Veranlagung und unsere instinktiven Bedürfnisse und Reaktionsweisen aus, über unser Überlebensprogramm und über unseren Willen, zu überleben, aber nicht über unseren wahren Willen im Sinne einer persönlichen Wahl und Entscheidung.
Entsprechend muss man der AC/DC-Achse innerhalb des Hauptachsenkreuzes eine andere Gewichtung zuweisen.
In dem Beispiel aus dem Bleep Buch zeigt sich sehr schön die verflochtene Hierarchie der beiden Hauptachsen, aber auch, was letztlich überwiegt.

Um das besser zu verstehen denken Sie über den folgenden Satz nach:

Eine große Seele in einem gehandicapten Körper wird ein großartiges Leben erschaffen, eine kleine Seele in einem großartigen Körper jedoch nicht.

Traditionell wird das 4. Haus mit Gefühl assoziiert. Dane Rudhyar bezeichnet es als das Haus, in dem wir Stabilität erlangen können: “Die Spitze des vierten Hauses ist der Punkt der stärksten Stütze und der sichersten Grundlage für die Erbauung von allem, das sich über den Erdboden erheben soll” und “Im vierten Haus kann und soll die Person zur Erfahrung des Zentrums kommen – des Zentrums ihrer eigenen, globalen, totalen Persönlichkeit, wie auch des Zentrums der globalen Menschheit, einer fest niedergelegten und konkret realen Bruderschaft des Menschen”.

Kommen wir zurück zu den alten Lehren, die in unterschiedlichen Varianten von unserem Glauben sprechen, der unsere Wirklichkeit erschafft. Diese Überzeugung wurde von der modernen Psychologie aufgegriffen und z. B. mit dem Begriff Glaubenssätze, die unser Lebens steuern, zusammengefasst.

Was aber ist ein Glaubenssatz?

Die beste Definition dafür fand ich bei Anthony Robbins: Bei einem Glaubenssatz “handelt es sich um ein Gefühl der Gewissheit, das man in bezug auf einen bestimmten Sachverhalt hat. Wenn Sie beispielsweise glauben, intelligent zu sein, dann sagen Sie eigentlich: “Ich glaube, dass ich intelligent bin”.

Obwohl wir bei einem Glaubenssatz oft sagen, dass wir denken, dass etwas so und so ist, ist er also kein geistiges Konzept, das als solches in den 3. Quadranten des Horoskops fallen würde (3. Quadrant: Geist, Denken, Umwelt), sondern etwas, das zutiefst mit Gefühl verbunden ist. Die Transaktionsanalyse nennt die Summe unserer Glaubenssätze unser Lebensdrehbuch. Darin sind alle bewussten und unbewussten Überzeugungen enthalten, die wir einmal gewonnen haben, wobei die unbewussten uns am stärksten steuern. Unsere Überzeugungen entstehen aus der Mischung mitgebrachter Anlagen und unseren Erfahrungen. Diese Faktoren sind jedoch nicht statisch zu verstehen sondern als Pool an Möglichkeiten, aus dem geschöpft werden kann. Unsere Glaubenssätze entstehen, weil wir dazu tendieren, auf Grund unserer Anlagen unseren Erfahrungen eine bestimmte Bedeutung beizumessen. Dadurch werden sie zu Referenzerlebnissen, auf die wir bei aus unserer Sicht ähnlich gelagerten Fällen zurückgreifen. Es handelt sich um Vorstellungen, die emotional aufgeladen wurden und die durch diese Aufladung über eine intensive schöpferische Energie verfügen. Diese Energie muss, da sie eine emotionale oder, weiter gefasst, seelische ist, im 4. Haus zu finden sein.

Die tiefste und wirkungsvollste Ebene, auf der wir den Dingen unsere persönliche Bedeutung beimessen und auf der wir infolgedessen unsere Wirklichkeit erschaffen muss also am Imum Coeli zu finden sein.

Die Aussagen des Imum Coeli als dem tiefsten Wirklichkeitszugang, den wir haben, können denen des Mondes erheblich widersprechen. Hier zeigt sich der Unterschied in der Bedeutung und Gewichtung der Häuser und den ihnen thematisch verwandten Planeten. Wenn wir am Imum Coeli ein verborgenes problematisches Bild von uns selbst und der Welt haben, können wir das Potenzial, das in unserem übrigen Horoskop enthalten ist, auch nur eingeschränkt nutzen. Das gilt für den Mond ebenso wie für die AC/DC-Achse und alle anderen Faktoren.

Stellen Sie sich vor, Ihr Traumpartner oder Traumpartnerin käme vorbei. Wird er sie mit Zauberhand berühren und erlösen? Wird es, wenn sie ihn oder sie einmal gefunden sein wie im Märchen “…und sie lebten glücklich immer fort”? Man könnte es denken, denn die Fragen, die Astrologen, Wahrsagern und Kartenlegern immer wieder gestellt werden, sind:
“Wann lerne ich ihn kennen? Kommt sie zurück? Werde ich Erfolg haben”? – als ob all diese Fragen etwas sind, das unabhängig von uns geschieht oder nicht. Wenngleich es mehr als verständlich ist, dass uns diese Fragen bewegen bleibt, dass die eigentliche Aufgabe damit beginnt, dass eine Beziehung beginnt. Sie ist nicht die Patentlösung, mit der alles gut wird. Was immer uns an Möglichkeiten vom Leben geboten wird können wir nur so gut nutzen, wie unsere innere Verfassung es zulässt. Wenn Sie in Ihre Muster verstrickt sind, können Sie sich auch aus der Traumbeziehung nicht das nehmen, was sie an Glück bieten könnte – vielleicht aber doch eine Lernerfahrung, die Sie weiter bringt. Alles Leben und alles Glück beginnen mit dem IC, der Quelle unserer Erfahrungen und Ziele in diesem Leben.

Die tiefgreifendsten Persönlichkeitsveränderungen sind also am Imum Coeli möglich. Wenn wir hier “Licht ins Dunkel” bringen erschaffen wir eine neue Wirklichkeit anstatt eine zu konstruieren, die auf alten emotionalen Mustern, Wiederholungen von früheren Erfahrungen, unbewussten Reaktionen und Projektionen beruht. Die Erfahrung des Imum Coeli kann ein umfassendes “aha”-Erlebnis auslösen und neue Gewissheiten erzeugen, die unser Leben in eine Bahn lenken, auf der alte Schwierigkeiten von uns abfallen und die einer neuen Vision von uns selbst entspricht.

Aus diesen Überlegungen heraus erhalten das Imum Coeli und das dazugehörige 4. Haus eine überragende Bedeutung im Horoskop.

© 2007 Brigitte Hamann @ 17. Mai 2007

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