Die Sonnenfinsternis im persönlichen Horoskop
Aus der Praxis, Zeitqualität | Ein Kommentar |
Im gestrigen Workshop an der A*SYS*Akademie in München gingen wir in der Praxis dem Gedanken nach, den Brigitte Hamann in ihrem spannenden Artikel über die Sonnenfinsternis des 1. August 2008 beschreibt: auf der einen Seite erlischt das Licht des täglichen Alltagsbewusstseins, auf der anderen Seite wird der Glanz der Sterne sichtbar und zeigt uns Möglichkeiten unseres Lebens, die sonst von diesem Licht übertrahlt werden. Manche dieser Sterne, die da sichtbar werden, werden Themen verkörpert, die wir vielleicht ganz gerne nicht wahrgenommen haben, andere wiederum werden neue Dinge verkörpern, die wir noch nie so gesehen haben und uns ermöglichen unser Leben aus einem neuen Blickwinkel zu sehen.
Wir gingen von der Idee aus, dass die Sonnenfinsternis den Startschuss für die Transformation jedes Einzelnen in Bezg auf die Themen darstellen kann, die von der Finsternis im persönlichen Horoskop berührt werden. Transformation heißt, sich mit den “guten” wie auch den “schlechten” Sternen, die dann sichtbar werden, auseinander zu setzen, und zugleich in beidem Chance und Herausforderung zu sehen.
Technisch sieht das so aus:
(1) Wir deuten die Sonnenfinsternis als Synastrie zum eigenen Horoskop, wobei wir uns auf die Position der Neumond-Konstellation in den Häuserkreis des eigenen Horoskops konzentrieren. Dieses Haus soll zeigen, welcher Lebensbereich ganz besonders durch die Verdunkelung des Lichts und das Erstrahlen des Sternenglanzes betroffen ist.
(2) Wir deuten Konstellationen aus dem Horoskop der Sonnenfinsternis in Resonanz zu Konstellationen des eigenen Horoskops, das heißt wir suchen Wiederholungen von Konstellationen der Sonnenfinsternis (zum Beispiel Aspekte) im persönlichen Horoskop und deuten diese so, dass die entsprechenden Themen durch die Finsternis “in Schwingung” geraten.
Bei der Deutung als Synastrie liegt der Schwerpunkt auf dem Haus, in das die Finsternis fällt. Findet die Neumondkonstellation beispielsweise in Haus 1 statt, können wir sagen, dass sie den größtmöglichen Einfluss auf unser Leben haben kann, denn in Haus 1 ist das gesamte Leben angelegt und von dort aus wird sich die Transformation auf alle Lebensbereiche ausweiten. Haus 1 steht speziell für unsere Art und Weise, sich in der Welt zu verteidigen und unsere Bedürfnisse durchzusetzen. Nun kommt es aber zusätzlich darauf an, wo der Herrscher dieses Hauses steht. Bei einer Teilnehmerin stand er in Haus 12: Herrscher von 1 in 12 ist eine Mars/Neptun-Konstellation. Bei dieser Konstellation kann ich mich immer dann besonders gut durchsetzen, wenn es um Themen geht, die meine Persönlichkeit übersteigen, die transpersonal sind – zu meinen eigenen, ganz “primitiven” Grundbedürfnisse hingegen habe ich kein besonderen Bezug. Diese kann ich oft nicht von dem unterscheiden, was die Bedürfnisse meiner Mitmenschen sind – es erscheint mir oft gleichgültig, ob ich mich durchsetze oder ein anderer: Neptun macht eben alles “gleich gültig” – alles hat die gleiche Gültigkeit, wieso sollte ich mich da wichtiger nehmen als andere?
Dieses Thema könnte nun durch die Sonnenfinsternis betont werden und zum “Thema des Jahres” werden, damit einen außergewöhnlichen Impuls zur Transformation erhalten – ich kann hier, vielleicht zum ersten Mal, etwas wirklich lösen, auflösen, erlösen, das mich besonders belastet hat. Andere Möglichkeiten diese Konstellation werden nun sichtbar, zum Beispiel dass ich mit Herrscher von 1 in 12 besonders gut geeignet bin, mich zum “Retter der Welt” zu machen, weil ich meine Kraft für übergeordnete Zusammenhänge einsetzen kann, indem ich mich gesellschaftlich sichtbar mache (Haus 12), also aus dem Schatten heraustrete und mich zeige und meine Fähigkeiten dem größeren Ganzen zur Verfügung stelle (die Teilnehmerin hat hier auch noch Sonne als Herrscherin von 1 in 12, was den Aspekt des Sichtbarwerdens und Handelns noch einmal mehr betont. Allerdings ist der Planet, der die Häuserherrscherverbindung herstellt nicht so wichtig, da in der astrosystemischen Deutungspraxis die Beziehung zwischen zwei Horoskopfaktoren wichtiger ist als die Eigenschaften des Planeten).
Die Deutungsschritte im Einzelnen:
- Ich sehe nach, in welches Haus die Sonnenfinsternis fällt.
- Ich deute den Herrscher dieses Hauses in dem Haus, in dem er steht.
- Ich beziehe zusätzlich Aspekte auf diesen Herrscher mit ein (wenn es diese gibt).
- Ich kann weiter beobachten, wo sich der Herrscher des Hauses, in dem der Häuserherrscher über die Sonnenfinsternis in meinem Horoskop steht, befindet: auf diese Weise verkette ich die Häuser und steigere so die Komplexität der Deutung.
Eine weitere Möglichkeit ist das Beobachten von Resonanzen zwischen dem Horoskop der Finsternis und dem persönlichen Horoskop. Hierzu eignen sich beim Sonnenfinsternis-Horoskop vor allen Dingen die gleichzeitig auftretenden Aspekte, zum Beispiel die Venus/Neptun-Opposition. Nun suchen wir in unserem Horoskop entsprechende Venus/Neptun-Konstellationen, wobei diese sich nicht nur in einem Aspekt, sondern auch über Häuserherrscherverhältnisse oder Planet-in-Haus-Positionen und Ähnliches äußern können. Bei einer anderen Teilnehmerin spiegelt sich die Venus/Neptun-Konstellation in ihrem Neptun in Haus 7 wieder – ebenfalls Venus/Neptun und bringt auf die Themen, die daran geknüpft sind, in Bewegung. Bei einer anderen Teilnehmerin ist es der Herrscher von 12 in 7.
Einen weiteren wichtigen Deutungspunkt finden wir in den Mondknoten, die gerade bei Finsternishoroskopen eine große Rolle spielen – und meiner Ansicht nach nur in diesem Zusammenhang sinnvoll gedeutet werden können. Sie werden durch die Sonnenfinsternis auch in unserem persönlichen Horoskop “aktiviert” und zeigen, aus welchem Bereich uns neue Möglichkeiten entgegen strömen (aufsteigender Mondknoten, Drachenkopf) und machen uns bewusst, dass auch wir etwas in der Welt hinterlassen, unser Vermächtnis an die Welt (absteigender Mondknoten, Drachenschwanz).
Selten war ein Sonntagsworkshop so intensiv wie dieser: Hoffnungen und Befürchtungen, Sehnsüchte und Scheiternsängste wurden sichtbar. Zugleich wurde allen klar: während aus mundanastrologischer Sicht einen Finsternis oftmals “nichts Gutes” verheißen mag, ist sie für uns als Individuen eine große Chance, unser Leben neu zu prägen, ihm eine neue Wendung zu verleihen. Wie immer liegt es in unserer Hand, unser Schicksal zu gestalten, doch die Sonnenfinsternis öffnet uns eine Türe der Transformation, in der endlich “alles anders” werden kann.
Wenn Sie mehr über die kommenden Sonnatsgworkshops in München erfahren wollen, dann besuchen Sie die Seiten der A*SYS*Akademie unter www.asys-akademie.de. Im Herbst wollen wir zum Beispiel Astrologie des Ortes betreiben, und zwar bezogen auf unsere eigenen vier Wände, außerdem gibt es wieder einen Worlshop zur lösungsorientierten Deutung aktueller Transite.
© 2008 Christopher Weidner @ 28. Juli 2008
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Schlagwörter: Finsternis, Herrscher von 1 in 12, Mars-Neptun, Mondknoten, Sonnenfinsternis, Transformation
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