Über den Autor dieses Artikels

Dagmar Wäscher

Zum Autorenprofil von Dagmar Wäscher

1 Kommentar

  1. Dagmar Wäscher
    Dagmar Wäscher
    17. August 2008 @ 11:14

    P.S. habe mich leider vertan: Mars tritt erst am 19.8.08 in das Zeichen Waage ein….. da war mein Mars auch wieder schneller, als ich denken konnte ;)

Mars Ingress Waage

Aus der Praxis, Serie, Zeitqualität | Ein Kommentar |

ÜBER DIE (UN)MÖGLICHKEIT, NICHT ZU STREITEN

Foto von Dagmar Wäscher

Wer in den letzten Wochen – während der Mars das Zeichen Jungfrau durchquerte – nicht so recht wußte, was er mit seinen Energien anfangen sollte, der wird in den kommenden Wochen vielleicht tief durchatmen können: Mars ist in das Tierkreiszeichen Waage vorgedrungen. Endlich wieder eine klare Aufgabe, die er sich vorgenommen hat! Auf den Stirnen blinkt uns ab jetzt in Leuchtschrift entgegen: gehe in die Begegnung – begebe dich direkt dorthin – gehe nicht über die Straße, bevor du mit den Menschen neben dir in Blickkontakt gegangen bist – halte Ausschau nach jemandem, der sich von dir angesprochen fühlt….

Mars ist der Planet im Horoskop, der uns in die Begegnung bringt. Vom Zeichen Waage erhält er große Unterstützung, demnach eine recht gute Zeit, neue Bekanntschaften zu machen, sowie die eigenen Beziehungen zu leben. Es ist eine hervorragende Zeit, um unseren Beziehungen und neuen Begegnungen, auch unseren neuen Ideen Zeit und Raum zu widmen. Jedoch geht es in der Waage nicht so sehr darum, wie wir diese Zeit mit einem anderen Menschen verbringen, sondern dass wir sie mit ihm verbringen. Mars fokussiert hier seine Energien auf andere, meistens ganz bestimmten Menschen. Derweil bezieht er nicht unbedingt die Entscheidungen der anderen mit ein, denn Mars will! – und er geht davon aus, dass dies auch die anderen wollen. Das ist ein wenig der problematische Teil an der Geschichte, die ich an einem netten Beispiel veranschaulichen möchte.

Übers Radio wurde einmal die Hörerschaft aufgerufen, persönliche Erlebnisse zu berichten, wie peinlich sie schon von potentiellen PartnerInnen angesprochen wurden, die unter diesen Umständen nie eine Chance bekommen hatten. Sie sollten quasi die unheimliche Begegnung mit dem personifizierten „Liebestöter“ schildern. Man glaubt ja gar nicht, zu was die Menschen alles fähig sind, wenn Mars eben in seiner Mission total aufgeht. Mars hat keinen Plan – er holt sich nicht erst Rat bei Merkur oder Saturn, nö, Mars geht auf sein Ziel einfach zu. Da steht er dann und merkt, dass er gar nicht weiß, wie er die Person seiner Wahl ansprechen soll, bzw. was er überhaupt tun soll, damit seine Mission erfolgreich verläuft. Eine Erzählung einer Hörerin werde ich wohl nie vergessen. Sie war in einer Disco und stand an der Bar. Ein Mann kam auf sie zu und versuchte, ein Gespräch zu beginnen. Er wußte nur nicht, wie er das so auf die Schnelle anstellen sollte. Dann griff er nach dem Nächstbesten, was ihm im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge stach, denn die Hörerin trug eine Brille. Er sagte: „Wieviel Dioptrien haben denn deine Brillengläser?“

Ich glaube, ich muss dazu keine Erklärung mehr abgeben, warum sich die Hörerin entschied, in kein weiteres Gespräch über zu gehen. Vielleicht hätte der Mann eine Chance gehabt, wenn die Hörerin über eine große Dritthausbetonung verfügen würde. Dann könnte ein derartiger Informationsaustausch eventuell gut ankommen. Ansonsten muss ich dem Menschen, den ich erreichen will, Interesse zollen. In der Waage steht salopp gesagt der Mensch im Vordergrund, nicht seine Brillengläserstärke. Dann schon lieber mit der Brillenmarke ins Haus fallen: „Ach, was trägst du denn für eine schicke Brille? Steht dir ausgezeichnet!“ Andererseits: lieber mal einen Korb riskieren, als es erst gar nicht versuchen. Auch ein Mars ist fähig, zu lernen, aber er muss raus gelassen werden, damit er seine Erfahrungen machen kann.

Schwerere Kaliber warten eher in unseren persönlichen Beziehungen auf: auch wenn wir es nicht wirklich wollen, aber die Mars-in-Waage-Qualität neigt zu subtilen Übergriffen. Michael Lukas Moeller brachte dies völlig unastrologisch auf einem Punkt, der so wunderbar zu dieser Thematik passt, dass ich den Begriff der „Kolonialisierung“ gerne erwähnen will. Als Psychotherapeut hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, Paare auf ihrem Weg zu echten Beziehungen und echten Begegnungen zu begleiten. Er prägte die Methode der Zwiegespräche, um eine Form von Beziehungsarbeit zu schaffen, die gelebt ein großartiger Erfolg ist.

In dem Wort Zwiegespräch steckt einerseits die Zwietracht (Mars) mit drin, andererseits das Gespräch (Waage). In beiden Fällen bedarf es einem Gegenüber, mit dem ich mich auseinandersetzen kann.

Kolonialisierung entsteht in einer Paarbeziehung, wenn „behauptet“, „verallgemeinert“, „unterbrochen“ und „angenommen“ wird. „Eine Spezialform der Verallgemeinerung ist die Unsitte, über den Kopf des anderen hinweg von wir zu sprechen statt von ich.“[1]

Wer kennt diese Unsitte nicht? Nur komisch, dass sie allzu oft und gerne in Paar-Beziehungen unter Null-Protest angewendet wird. „Wir haben uns entschieden, dass…“ – „wir nehmen das Schnitzel…“ – „wir lassen das lieber bleiben“. Richtiger wäre: „ich möchte das lieber bleiben lassen“.

In der Teamarbeit durfte ich diese Unsitte unendliche Male selbst erleben. „Da müssen wir doch was tun!“ – „Das haben wir immer schon so gemacht.“ – „Wir erledigen das morgen früh.“ Ich bin schier ausgeflippt. Auf die Frage, wer denn WIR genau sei, welche Personen dazu gehörten, waren die betreffenden Personen nicht in der Lage, mir eine Antwort darauf zu geben. Logisch, sie meinten ja nicht sich selbst mit eingeschlossen, sondern alle anderen oder viel schlimmer: nur mich. Diese Unsitte ist bestens bekannt als das „Toll (T)-ein (E)-anderer (A)-macht’s (M)-Phänomen (Team). Wen wundert es, dass Mars in der Waage also durchaus für Streitereien sorgt, bei diesen feinen Übergriffen, die alltäglich stattfinden.

Streit, der auf dieser Basis beruht, ist destruktiv. Dennoch ist es für eine Mars-Waage-Qualität von großer Bedeutung, eine konstruktive Streit-Kultur zu entwickeln. In dem Wort Streit steckt Mars und Trennung dahinter, in dem Wort Kultur die Waage und die Verbindung zu etwas, dem wir zugehören. Nur wenn ich mich täglich von Vielem trenne, das mich umgibt, werde ich mir als eigenständige Einheit und was mich ausmacht bewusst. Ich werde nicht gemacht, ich mache mich selbst – so in etwa denkt das Mars-Element. Und trotzdem brauchen wir Zugehörigkeit, die kultiviert werden muss, um sie aufrecht zu erhalten.

Auf dem Foto oben schiebt ein Mann in einem Wagen sein Kind den Berg hinauf. Für mich repräsentiert es auf ganz zauberhafte Weise die Energie mit Mars im Zeichen Waage, denn auch wenn ich mir nicht alles gefallen lassen muss, darf ich mich für andere Menschen, die mir etwas bedeuten, einsetzen. Hier steht bis zu einer gewissen Grenze außer Frage, dass ein Wir-Gefühl willkommen ist. Nur ist es gut, dies mit sich selbst bewusst zu vereinbaren, insbesondere wenn es sich um Menschen handelt, die ungefragt mich zu etwas „beauftragen“. Anders herum gilt dies natürlich genauso: wie oft kolonialisiere ich den anderen? Wie oft gehe ich von etwas aus, anstatt den anderen zu fragen?

Mars in Waage plädiert im Grunde für eine Kultur der gegenseitigen Erlaubnisvergabe, wenn wir ‚Mars in Waage’ in den Anderen leben möchten. Aber bedenkt auch, dass es der eigene Mars in uns ist, der sich tagtäglich meldet. Es ist daher alleine schon eine Unsitte, den eigenen Mars in andere Menschen zu verlagern. Wieso sollten sie unseren Mars leben und nicht wir?

Wie sieht es denn mit unserer Beziehung zu uns selbst aus? Wie setze ich mich mit mir selbst auseinander? Lass ich mir alles von mir gefallen? Wo bin ich grob zu mir? Wieviel mute ich mir zu? Mute ich mir zuviel zu? Lebe ich in einem andauernden Zwist mit mir? Übergehe ich mich? Wenn ja, bei was? Wieviel Interesse habe ich an mir?

Derartige Fragen können neue und/oder weitere Entwicklungen in der nächsten Zeit forcieren. Ein verselbständigter Mars auf Solopfaden kann nämlich zu einem ganz unangenehmen inneren Berserker werden. Wenn ihr wollt, dann lade ich euch ein, eure Art, in die Begegnung zu gehen oder in Begegnung zu sein, zu beobachten. Stellt euch die Frage, ob ihr mit euch genauso umgeht oder besser oder weniger gut. Geht doch einfach mal mit euch ins Zwiegespräch und hört euch zu. Vielleicht verhelfen euch diese Erfahrungen, noch mehr zu dem Menschen zu werden, dem ihr euch im Herzen verpflichtet fühlt.

Übrigens: Mars in Waage finde ich eine großartige Konstellation für die zurzeit stattfindenden Olympischen Spiele in Peking. Sie lässt mich hoffen, dass ein gerechter Kampfgeist die Spiele begleiten und im Sport ein übergeordnetes Zugehörigkeitsempfinden entstehen wird, das jenseits von all dem existiert, das die Menschen im Herzen und im Geiste trennt. Oder wie es Pierre de Coubertin, der Neubegründer der olympischen Spiele gesagt hat: „Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist. Das Wichtigste ist nicht, erobert zu haben, sondern gut gekämpft zu haben.“[2]

Möge es gelingen.

Foto: Dagmar Wäscher



[1] Moeller, Michael Lukas, Die Wahrheit beginnt zu zweit, Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1988, Seite 154

[2] Aus http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Spiele

© 2008 Dagmar Wäscher @ 16. August 2008

Druckversion des Artikels Druckversion des Artikels

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!

Schlagwörter: , , , , , , ,

Weitere Beiträge von Dagmar Wäscher.

Verwandte Artikel:

Kommentieren

Um einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben zu können, müssen Sie sich bei Astrophoenix registrieren und anmelden.

Login