Mond Konjunktion Saturn – „Ich fühle mich immer verantwortlich“
Aus der Praxis | (2) Kommentare |
Der Klient, der mit gegenüber sitzt, macht einen aufgeräumten Eindruck. Er strahlt eine große Ruhe aus, seine Stimme ist fest und klar. „Mein Problem besteht darin, dass ich mich immer für alles verantwortlich fühle,“ erzählt er. „Ich muss nur Wind davon bekommen, dass jemand in Schwierigkeiten steckt, schon fange ich an die Probleme anderer zu lösen. Doch merke ich, dass ich die Erwartung der anderen wecke, ich sei auch zuständig dafür, dass das auch gelingt. Dann sitze ich da und bin völlig überlastet. Aber was soll ich tun? Ich bin doch im Grunde gerne für andere da.“ Er seufzt. Während seiner Ausführungen habe ich sein Horoskop studiert – und entdecke Mond in Konjunktion mit Saturn.
Diese Konstellation gibt Menschen die Fähigkeit, die Welt aus der Distanz zu betrachten. Dadurch sehen sie klarer als andere Menschen, worum es gerade geht. Während andere verstrickt sind, in dem was ihnen widerfährt, und keinen Ausweg sehen, kann er schnell die Dinge auf den Punkt bringen.
Doch er erkennt nicht nur, was anderen gut täte, sondern er fühlt sich auch für das Glück der anderen verantwortlich! Das sind aber zwei Paar Stiefel: sich verantwortlich fühlen und Verantwortung übernehmen. Klar, er will anderen Menschen helfen, das ist etwas Positives. Doch das heißt nicht, für sie ihre Probleme zu lösen! Die anderen brauchen nur sagen: Mach mal! – und lehnen sich zurück …
Wie kann er nun beides in sich vereinen – die Gabe, zu sehen, was anderen gut täte und sein Bedürfnis für andere da zu sein? Ich frage ihn, ob er sich an eine Situation erinnern kann, in der es ihm gelungen ist, dies so zu verbinden, dass es ihm hinterher gut ging. „Wenn ich es mir recht überlege, immer dann, wenn andere meine Sichtweise nicht einfach übernommen haben, sondern sich eigene Gedanken darüber gemacht haben, wie sie das auf ihr eigenes Leben übertragen.“ Dann stockt er. „Mir wird gerade klar, dass ich manchmal anderen gar nicht die Gelegenheit gebe, von sich aus Lösungen für ihre Probleme zu finden. Ich bin viel zu schnell dabei, zu wissen, was gut ist und was nicht und was man machen muss.“
Hier wird ein anderes Thema der Mond-Saturn-Konstellation sichtbar: der Glaube, zu wissen, was wie „man“ es „richtig“ macht – und dabei zu übersehen, dass nicht jede Lösungsstrategie für alle Menschen passen muss. Ich schlage ihm vor, weiterhin auf diese Fähigkeit zu vertrauen, durch seine Sicht der Dinge für andere Menschen Klarheit ins Leben zu bringen. Doch vielleicht geht es ihm besser, wenn er anderen lediglich dabei hilft, selbst herauszufinden, was sie jetzt tun könnten, anstatt gleich ganze Komplettlösungen anzubieten. Anstatt die Verantwortung zu übernehmen könne er stärker an die Eigenverantwortung der anderen appellieren. Sein Fazit: „Ich muss lernen darauf zu vertrauen, dass jeder Mensch für sich ganz allein herausfinden kann, was für ihn gut ist und was nicht.“
In meiner langjährigen Beratungspraxis habe ich schon viele interessante Menschen kennen gelernt. Immer wieder verblüfft mich die Vielfalt der Anliegen und wie deutlich sie sich in den Horoskopen widerspiegeln. In dieser Serie möchte ich Ihnen einige Beispiele für Lösungsorientierte Astrologie vorstellen. Sie werden merken, dass ich immer wieder nach einem ähnlichen Muster vorgehe: Ich versuche genau zu verstehen, worum es dem Menschen geht, und suche dann die Konstellation im Horoskop, die mir am geeignetsten erscheint, das Anliegen zu verkörpern. Ich gehe davon aus, dass jede Konstellation, die uns als Problem begegnet, die Lösung bereits in sich trägt. Gemeinsam mit meinem Klienten begebe ich mich auf die Suche nach dieser Lösung.
Bildnachweis: www.pixelio.de – Fotografin: Rike
© 2010 Christopher Weidner @ 8. April 2010
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Schlagwörter: Mond Konjunktion Saturn, Mond-Saturn, Verantwortung
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Lieber Christopher,
die in deiner Artikelserie so schön anschaulich beschriebene Vorgehensweise der lösungsorientierten Beratung hat etwas Wohltuendes: die Klienten können mit deiner Unterstützung ihre eigenen Talente hinter den bisherigen Schwierigkeiten entdecken und sich aneignen.
Das ist ein bißchen, wie beim Ostereiersuchen: aus der Distanz ahnst du schon – lösungsorientiert und optimistisch – wie der Hase läuft, und der/die Suchende kann dann mit “warm” – “wärmer” auf die richtige Spur gebracht werden, bis er oder sie den versteckten oder vielleicht bisher nur nicht erkannten Schatz vielleicht etwas überrascht in Händen hält.
So sind deine Artikel für mich wunderbares Anschauungs- und Trainingsmaterial, danke
Yamuna
Liebe Yamuna!
Vielen Dank für dein Feedback! Tatsächlich stammen alle Beispiele aus wirklichen Beratungen. Allerdings habe ich für diese Serie die Aufmerksamkeit immer nur auf eine Konstellation gerichtet, sodass es sich natürlich auch immer um etwas Fiktives handelt, das ich aus didaktischen Gründen zugespitzt habe. Aber schön, dass mir das zumindest in deinem Fall gelungen ist!
Lösungsorientierung wird leider immer wieder missverstanden und mit positivem Denken verwechselt. Ich hoffe, ein wenig dazu beizutragen, dass dieser Eindruck korrigiert wird, indem ich zeuge, dass es lediglich darum geht, den inneren Fokus auf das zu richten, was funktioniert, anstatt dem Magnetismus zu folgen, was gerade alles nicht geht.
Liebe Grüße,
Christopher