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Christopher Weidner

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Was heißt hier … lösungsorientiert?

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abbildungLösungsorientiert – ist dann nicht eines dieser schicken Schlagwörter, mit der sich immer mehr Berater und in diesem Zuge auch Astrologen schmücken? Klar – jeder will lösungsorientiert sein, klingt ja auch besser als “problemorientiert”. Doch worum geht es bei Lösungsorientierung wirklich? Seit ungefähr zehn Jahren ist Lösungsorientierung ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Sie ist zur integralen Haltung in meinen Beratungen, in meinem Unterricht (www.asys-akademie.de) und darüber hinaus in vielen Bereichen meines Lebens geworden. Aus den vielen guten Erfahrungen heraus, die mir der lösungsorientierte Blickwinkel auf die Welt geschenkt hat, ist es mir ein tiefes Bedürfnis, diesen Begriff davor zu bewahren, in die Beliebigkeit abrutschen zu lassen, auch in der Astrologie. Denn nicht überall, wo “lösungsorientiert” drauf steht, ist auch “lösungsorientiert” drin.

Neben wirtschaftlichen Motiven – manche Schlagwörter verkaufen sich zurzeit einfach besser – erkenne ich auch, dass es grundlegende Missverständnisse in Bezug auf das, was Lösungsorientierung eigentlich ist, gibt. Auch Kritiker der Lösungsorientierung lassen in ihren Ausführungen eher ihre Unkenntnis über die Hintergründe der Lösungsorientierung erkennen, wenn sie sie z.B. mit “Positivdenken” vermengen. Doch dieser Begriff ist nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern er spiegelt die jahrzehntelangen Bemühungen von Therapeuten und Beraterinnen wieder, einen neuen Weg bei der Lösung von Problemen zu gehen und dabei auf zutiefst menschliche Grunderfahrungen zurückzugreifen. In diesem Sinne empfinde ich ihn auch als schützenswert, damit seine guten und wertvollen Absichten weder durch falsche Kritik noch durch Geldmacherei in Misskredit geraten. Auch in der Astrologie plädiere ich deshalb für eine saubere Verwendung dieses Begriffs im Sinn der ursprünglichen Idee. Wer also von sich und seiner Astrologie sagt, sie sei lösungsorientiert, der sollte seine Arbeit in meinen Augen im Wesentlichen an folgenden Aussagen messen lassen. Dass das weitreichende Folgen auf das Selbstverständnis von Astrologie haben muss, bleibt unbenommen, zum Beispiel auf die beliebte Typologisierung durch Astrologinnen (”Sie sind ein Feuertyp, Sie sollten am besten …”, “Als Steinbock müssten Sie eigentlich …”). Dazu später mehr. An dieser Stelle möchte ich einfach einen kurzen Abriss liefern, woran wir merken können, dass ein Berater, auch ein Astrologe, lösungsorientiert arbeitet.

Was ist Lösungsorientierung?

Lösungsorientierung ist ein bestimmte Haltung, die ich dem Leben und den Problemen, die sich mir stellen, gegenüber einnehme. Diese Haltung ist gekennzeichnet von einer erhöhten Aufmerksamkeit auf das, was gerade gut läuft. Es geht darum, die Wahrnehmung auf die Aspekte des Daseins auszurichten, die mir die Zukunft öffnen. Offen ist eine Zukunft dann, wenn sie mir mehr Möglichkeiten zur Handlung anbietet als die Gegenwart. Probleme verschließen unsere Zukunft – Merkmal der Lösung ist die Öffnung der Zukunft.

Was ist unter Lösung zu verstehen?

Landläufig wird unter „Lösung“ das Ergebnis eines Lösungsprozesses verstanden. Wenn jemand nach einer Lösung für sein Problem sucht, dann meint er in der Regel so etwas wie eine Antwort auf seine Frage. Nicht selten wir damit das Bedürfnis nach einem eindeutigen Ratschlag verbunden: „Sag mir, was ich tun muss!“ In der Lösungsorientierung verwenden wir den Begriff „Lösung“ eher im Sinne des Prozesses, der möglicherweise dann auch in einer klaren Antwort auf eine Frage münden kann. Doch das ist nicht das eigentliche Ziel. Vielmehr geht es darum, das Problem zu lösen, indem wir uns dem Problem unter dem Blickwinkel nähern, dass das, was das Problem ausmacht – die Teile des Problems – an sich nicht das Problem selbst sind, sondern die Art und Weise, wie sie gegenwärtig verknüpft sind. So kann eine Eigenschaft, die ich als Charaktermerkmal erlebe, in einem Zusammenhang zu Problemen führen, in einem anderen Zusammenhang jedoch sehr nützlich und zielführend sein. Vielleicht bin ich ein sehr ehrgeiziger Mensch. Dann kann mir der Ehrgeiz auf der einen Seite helfen, in beruflicher Hinsicht meine Ziele zu erreichen und erfolgreich zu werden. Andererseits ist Ehrgeiz in der Partnerschaft vielleicht fehl am Platze und führt zu zwischenmenschlichen Problemen. Die Lösung besteht nun nicht darin, dass ich aufhöre, ehrgeizig zu sein, sondern dass ich erkenne, dass die Zusammenhänge darüber entscheiden, wann ich diese Eigenschaft als problematisch erlebe und wann nicht. Die Lösung besteht also darin, nicht die Eigenschaft als solche zu verwerfen, sondern zu erkennen, dass ihr konstruktiver Wert nicht in jedem Kontext (Zusammenhang) gleichermaßen wirklich werden kann.

Lösung betont also den Prozess, der zu einer Lösung führt. Das Ergebnis des Prozesses ist nicht ein Ratschlag, sondern eine Erkenntnis, die mich anschließend befähigt, selbst herauszufinden, was mir jetzt gut tun wird. „Etwas löst sich“ – und setzt damit den Möglichkeitssinn frei. Das, was dann folgt, ist für jeden Menschen etwas anderes – und kann im Grunde nur von ihm selbst gefunden werden.

Die Lösung ist nicht das Gegenteil von Problem

Die Lösung ist damit nicht das Gegenteil oder der Gegenpol zum Problem – sie gehört einer anderen Kategorie an. Problem und Lösung sind nicht abhängig voneinander, im Sinne von: Zu jedem Problem auf der einen Seite gibt es eine Lösung auf der anderen Seite. Sowohl Problem als auch Lösung sind zwei Zustände, in denen ich mich befinden kann. Mein Problem sind dann nicht die Tatsachen, die Fakten und Bedingungen, auf die ich gerade treffe, sondern die Art und Weise, wie ich mich gerade in diese Gegebenheiten füge, auf der Grundlage meines bisherigen Vermögens, mit solchen Situationen umzugehen. Anders gesprochen: Nicht mein Nachbar, der mich mit seiner lauten Musik nervt, ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie ich gerade mit diesen Tatsachen umgehe. Wenn ich bislang in meinem Leben in dieser Situation nur die Möglichkeit für mich in Anspruch genommen habe, wütend zu werden und meinen Nachbarn wüst zu beschimpfen, während ich mir eigentlich ein friedliches Miteinander wünsche, habe ich ein Problem, denn das, was ich tue – wie ich meine Wirklichkeit gestalte – führt nicht zu dem, was ich mir im Grunde meines Herzens wünsche. Klar ist, dass nur eine Verhaltensänderung ein anderes Ergebnis erzielen wird. Aber wie komme ich auf Alternativen? Im Zustand der Lösung gelingt es leichter, unsere Möglichkeiten um Umgang mit der Welt zu erweitern. Wir docken an unserem Möglichkeitssinn an, indem wir vorwegnehmen, woran wir merken werden, dass sich unser Problem gelöst hat. Das setzt die Kraft der Möglichkeit in uns frei. Vielleicht werden wir dann kreativer im selbständigen Finden von Handlungsalternativen – und brauchen niemanden, der uns sagt, was wir anstelle dessen zu tun haben und was nicht.

Lösung ist die grundlegende menschliche Erfahrung, dass es möglich ist, Leiden aufzulösen – und zwar ohne eine eingehende Untersuchung des Problems voranzustellen. In den analytischen Traditionen der Problembewältigung wird davon ausgegangen, dass nur Ursachenforschung zur Lösung führen kann. Lösungsorientierung hingegen geht davon aus, dass es nicht notwendig ist, ein Problem in seinen Einzelheiten zu verstehen, um Lösung herbeizuführen. Da Lösung ein Zustand ist und kein Ergebnis, entstehen die die notwendigen Informationen, die es einem Menschen erlauben, aus einem als problematisch erlebten Zustand herauszukommen, nicht durch die Intervention von außen, zum Beispiel durch das Erteilen eines Ratschlags oder einer Handlungsanweisung, sondern im Zustand der Lösung selbst, in dem wir mehr Möglichkeiten unser Leben zu gestalten besitzen, als im Zustand des Problems.

Lösungsorientierung ist eher eine Haltung als eine bestimmte Technik

Dass es sich dabei um nicht um eine Technik der Problemanalyse oder Problembearbeitung handelt, sondern um das bewusste Einnehmen einer bestimmten Haltung, wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, wie die Idee der Lösungsorientierung Einzug in das Beratungsgeschehen gehalten hat. Die Ursprünge der Lösungsorientierung finden wir am Brief Familiy Therapy Center, kurz BFTC. STeve de Shazer,  Insoo Kim Berg und ihr Team fanden heraus, dass Klienten, die auf der Warteliste standen, es als sehr nützlich empfanden, wenn man ihnen bis zum Zeitpunkt der ersten Stunde den Auftrag gab, sich zu überlegen, was durch die Therapie nicht verändert werden solle bzw. was im Moment noch gut laufe und so bleiben solle. Es stellte sich dann in der ersten Sitzung heraus, dass zwei Drittel der KlientInnen bereits deutliche Fortschritte gemacht hatten und mitteilten, dass es ihnen bereits wesentlich besser gehe als beim telefonischen Erstkontakt. Eine Veränderung in die gewünschte Richtung hatte also bereits begonnen, ohne dass die Berater überhaupt zuvor erfahren hätten, worum es der Klientin ging. Lösung schien als auch ohne Analyse des Problems möglich. Auf der Grundlage dieser Erfahrung wurde das Konzept der Lösungsorientierung weiter entwickelt und zur Solution Focused Therapy bzw. Consulting ausgebaut.

Lösung ist also nicht das Ergebnis des Prozesses, sondern der Prozess selbst. Es geht nicht um bestimmte Inhalte, die erreicht werden sollen, wie „Glück“, „Gesundheit“, „Erfolg“ und daraus abgeleitete Handlungsstrategien und Empfehlungen, denen ich zum folgen habe. Vielmehr lösen sich Blockaden auf und etwas kommt wieder ins Fließen – sowohl körperlich, emotional und mental. Die Lösung ist weniger das Gegenteil des Problems oder sogar die Verneinung des Problems, sondern der Beginn von etwas Neuen, Anderen. So ist die Lösung für das Problem „Kopfschmerzen“ nicht „keine Kopfschmerzen mehr“, sondern liegt in der Antwort auf die Frage: „Was wäre anstelle der Kopfschmerzen da?“ Das kann für jeden etwas anderes sein, zum Beispiel wieder Ruhe genießen können, soziale Kontakte wieder ungehindert pflegen können usw. In der Lösung werden Anteile des Lebens wieder sichtbar, die durch den auf das Problem fixierten Blick möglicherweise ausgeschlossen wurden. Lösung ist daher etwas ganz Grundsätzliches – und nicht jedes Mal etwas anderes. In diesem Sinne gibt es eigentlich nur eine Lösung. In der Folge sind Lösungen sich einander ähnlicher als Probleme es sind. Die Lösung auf ganz verschiedene Probleme kann gleich sein: „Im Problemzustand hängen wir am Einzelnen fest und sind in der Vielfalt gefangen; im Lösungszustand staunen wir über die Fülle.“ (Insa Sparrer) In der Lösung öffnet sich wieder die Zukunft und die Wahlmöglichkeiten erhöhen sich. Durch Fragen wie die „Wunderfrage“ wird ein Möglichkeitsraum aufgemacht, der jetzt schon als real empfunden werden kann. Möglichkeiten werden erfahrbar und damit im Alltag realisierbarer. Veränderungen, ob sie in der Folge der Lösung spontan oder allmählich geschehen, vollziehen sich typischerweise in der Person selbst und nicht in der Welt. Die Tatsachen bleiben die gleichen, doch wir treten in der Lösung auf eine andere Weise mit ihnen in Beziehung.

Wie arbeitet man lösungsorientiert?

Natürlich gibt es Vorschläge, wie wir ein Setting schaffen können, dass den Prozess der Lösung begünstigt. Letztlich sprechen hier lösungsorientierte Berater und Therapeuten aus ihren Erfahrungen heraus und schlagen bestimmte Vorgehensweise vor, die sich bewährt haben, zum Beispiel die berühmte „Wunderfrage“, die in letzter Instanz auf eine hypnotherapeutische Intervention Milton Ericksons zurückgeht. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Techniken, setzt die Lösungsorientierung nicht das Einhalten bestimmter Schrittfolgen voraus, damit sie als Haltung wirksam sein kann. Viele Wege führen nach Rom – und für jeden Klienten wird ein eigener Weg gefunden werden, wenn die bewährten Strukturen sich als nicht nützlich erweisen. Zur Erinnerung: Lösungsorientierung ist eine Haltung, eine Sichtweise, eine Fokussierung der Wahrnehmung, wenn Probleme auftreten. Befinde ich mich in dieser Haltung, kann vieles dazu beitragen, dass sich „etwas löst“. Vieles spricht dafür, es zunächst auf den bewährten Wegen zu versuchen, doch nichts spricht dagegen, hier der eigenen Intuition und Kreativität zu folgen.

Lösungsorientiertes Vorgehen in einer Beratung bedeutet, mithilfe von Fragen den Klienten auf Lösung auszurichten. Ein wesentliches Merkmal ist dabei das Auffinden bzw. Konstruieren von vergangenen (Wann gab es schon mal Teile der Lösung?), gegenwärtigen (Welche Aspekte des Problems sind jetzt schon gelöst?) und zukünftigen Lösungen (Woran werden wir merken, dass das Problem gelöst ist?). Zugleich gibt es die Aufforderung an den Klienten, sich zu erinnern, was er damals oder jetzt anders gemacht hat, sodass es zu eine Verbesserung kommen konnte, respektive, was er dann anders machen könnte, damit es zu einer Verbesserung kommen kann. Es geht also darum, den Klienten in eine Lage zu versetzen, in der er entdecken kann, dass er alles, was zur Lösung des Problems nötig ist, bereits in sich trägt und es keine äußere Intervention braucht, z.B. eine externe Handlungsanweisung. Er wird als Schöpfer seiner Wirklichkeit wieder eingesetzt.

Ein wesentliches Merkmal des lösungsorientierten Vorgehens ist die Gesprächsführung. Jeder kann die Erfahrung machen, dass eine bestimmte Art und Weise, die Welt in Worte zu kleiden, das Empfinden, in einem Problem zu stecken, erhöht – und damit die Auswegslosigkeit einer Situation verschärft. Tatsächlich ist es oft Teil des Problems, dass wir immer wieder in sprachliche Muster verfallen, die das Festhalten am Problem begünstigen, zum, Beispiel wenn wir in absoluten Vokabeln reden: „Immer geschieht mir …“, „Nie habe ich …“, „Jeder, dem ich begegne …“, „Keiner sieht, dass …“ usw. Aufgabe eines lösungsorientierten Beraters ist an dieser Stelle, in diesen Formulierungen bereits nach Ansätzen von Lösungen Ausschau zu halten, gewissermaßen mit „Lösungsohren“ zuzuhören und die Klientin immer wieder mit Fragen auf die Lösung auszurichten. Dadurch kann eine andere Sicht der Welt entstehen, die sich von der gewohnten Problemsicht unterscheidet. Wir versuchen neben dem Leidensdruck die Sehnsucht nach Lösung zu verstärken, indem wir immer wieder nach dem „Stattdessen“ fragen: „Was wäre anders, wenn das Problem gelöst wäre?“ Dieses Stattdessen kann die Funktion eines Ziels übernehmen, auf das sich der vielleicht vorher unspezifische Wunsch, vom Problem endlich befreit zu sein, ausrichten kann. Eine lösungsorientierte Sprache kann bereits zu grundsätzlichen Veränderungen führen, denn sie gibt der Hoffnung und der Gewissheit wieder Raum, dass Lösung möglich ist. Als Klient erinnere ich mich daran, dass ich nicht mit nichts da stehe, sondern dass ich bereits hier und jetzt über wertvolle Ressourcen verfüge. Und nicht zuletzt hilft mir die Lösungsorientierung, ein klareres Bild davon zu gewinnen, wohin die Reise eigentlich gehen soll.

In einem weiteren Beitrag werde ich die Grundzüge Lösungsorientierter Astrologie darstellen, wie sie aus diesen Voraussetzungen entstehen. Wenn Sie Interesse an Lösungsorientierter Astrologie haben, ob als Beratung oder als Ausbildung, dann besuchen Sie meine Homepage unter www.asys-akademie.de.

© 2010 Christopher Weidner @ 5. Mai 2010

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