Was ist eigentlich Erwachen?
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Mich gibt es nicht. Was für eine Erleichterung!” Dies hatte ich im Internet gelesen. Das dazugehörige Gesicht strahlte mich an. Und interessierte mich und berührte mich. Und so entdeckte ich “eine Frau”, die “entdeckt” hat, dass es sie nicht gibt: Gabriele Rudolph, die sich selbst lieber “scheinbar Gabriele” nennt, um ihre Liebe und Leidenschaft für das, was sie “sieht” auszudrücken.
Nach zwei Beiträgen von scheinbar Gabriele hier auf astrophoenix, der letzte vom 8. Mai, hier nun ein dritter für euch. Was scheinbar Gabriele “macht”, schaut ihr euch am besten selbst an. Auf ihrer Website www.einfachnursein.de und auf www.jetzt-tv.net (unter “Gabriele Rudolph”) findet ihr ausführliche Infos, Videos, Gespräche und Texte von ihr, die euch einen Einblick geben können. Untenstehend findet ihr einen Ausschnitt aus ihrem Buchmanuskript. Das Copyright dafür liegt bei Gabriele. - Sabine Bends
Gabriele Rudolph:
“Mich gibt es nicht. Was für eine Erleichterung!
Was ist Erwachen denn nun wirklich? (Eine Betrachtung in Ich-Form)
Zwei Fragen
Ich bin etwa drei Jahre regelmäßig zwei Mal die Woche in Satsang gegangen. Während eines dieser abendlichen Treffen saß ich vorne bei Vanessa und fühlte mich schlichtweg strohdumm. Mir wurde schlagartig klar, dass ich mein Leben lang versucht hatte, jemand zu sein, der glänzt, der toll ist und der Eindruck macht. Ich hatte dadurch meine ernorme Angst vor dem Versagen, dem Dumm-, dem Nichtsein vermieden. Und nun saß ich da – scheinbar total blöd – und vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben versuchte ich nicht, wieder gut dazustehen sondern nahm einfach nur wahr, wie es ist, sich dumm zu fühlen.
So entdeckte ich voller Staunen, dass das kein Problem war, ja, dass nichts von dem geschah, was ich erwartete: Kein Beil ging auf mich hernieder.
Das war eine sehr einschneidende Erfahrung: Alles, was ich je geglaubt hatte, wie das Leben funktioniert und wer ich bin, wurde plötzlich als eine große Lügengeschichte durchschaut. Ich ging an diesem Abend nach Hause – erschüttert und total verunsichert. Als ich dort angekommen war, war ich wie taub. Nichts schien mehr wichtig zu sein als Das, was ich damals noch nicht einmal annähernd in Worte fassen konnte. Ein unglaublicher Hunger stieg auf und ich begann wie eine Schlafwandlerin tagelang Satsangvideos zu sehen. Mir war egal von wem. Nichts zählte außer diesem Hunger.
Dieser kristallisierte sich zu zwei Fragen, die nach tagelangem Ansehen der Videos übrig blieben. Ich rief also Vanessa an und stellte sie ihr: “Gibt es wirklich nichts zu tun?” Sie antwortete “Nein”. Die zweite war: “Du sagst, da ist nur das Eine, ich aber sehe zwei. Was ist da falsch?” Sie antwortete: Es erscheint wie zwei. Das ist schon in Ordnung.” Da geschah ein erstes Sehen. Ganz unspektakulär, kein Donnerschlag, kein Freudentaumel, nur Stille und Staunen.
Das erste Sehen
Ich nenne das, was da geschah, ein “erstes Sehen”, weil dieses Sehen nicht klar war. Es war das, was ich ein „weibliches Sehen“ nenne, das Sehen, dass alles bedingungslose Liebe ist, gleichgültig wie sie sich ausdrückt. Eine Folge davon war ein tiefes Verliebtsein in alles. So hielt ich beim Kochen plötzlich inne in der grenzenlosen Bewunderung einer Aubergine, strahlte entzückt eine Tür oder Blume an. Alles wurde mit vollkommen anderen Augen gesehen: Ein Teppich, der Nachbar, der Schnee, die Bäume, ein Tisch. Gerüche wurden mit großer Intensität wahrgenommen. Alles schien so unfassbar schön.
Zugleich wuchs auch das spontane Auftreten von Angst. An einer Bushaltestelle stieg sogar Panik auf, die sich dadurch verstärkte, dass ich keinen Grund dafür sehen konnte.
So begann ich von neuem in unzähligen Satsangbüchern zu lesen. Allerdings wurden sie jetzt anders gelesen und mir wurde klar, dass keines von ihnen mein Problem klärte. Ich ging damit – wieder und wieder – zu Vanessa, die zuhörte und mir eines Tages ein Buch hinschob. Ich nahm es sehr zögerlich, öffnete den Buchdeckel und las einige wenige Worte auf einer der ersten Seiten. Dort stand: “Da ist niemand, der eine Wahl hat.” Plötzlich war alles klar.
Das “männliche” und das “weibliche” Sehen
Nach und nach fanden sich Worte für das, was gesehen wurde – unzulängliche Worte, aber Worte. Es wurde entdeckt, dass es eine Art “weibliches” und “männliches” Sehen gibt und dass erst, wenn beide da sind, das Sehen klar ist. Das “weibliche” Sehen ist das Sehen, dass alles Das ist und dass es nichts als Einheit gibt. Manche nennen es auch einfach “Liebe”.
Das “männliche” Sehen ist unpersönlich. Es ist das Sehen, dass es keine eigenständig handelnde und entscheidende Person gibt. Dieses Sehen hat eine sehr nüchterne, kühle Qualität. Manche nennen es auch Weisheit.
Erst wenn beides zusammenkommt ist das Sehen klar.
Dann ist auch klar, dass das, was “Erwachen” genannt wird, ein Konzept, ein gedankliches Konstrukt ist. Denn in Wirklichkeit ist nie etwas geschehen. Erwachen ist eine Geschichte. Denn wenn die Aufmerksamkeit – jetzt gerade – nicht in Gedanken ist, bleibt von ihr nichts übrig – nichts als das, was ist, so wie es ist.”
(Copyright Gabriele Rudolph)
© 2011 Sabine Bends @ 9. Juni 2011
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Schlagwörter: advaita, Erleuchtung, Erwachen
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