Angst im Horoskop – eine Nachlese
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Im ersten Sonntagsworkshop der A*SYS*Akademie ging es um das Thema Angst im Horoskop. Wir arbeiteten an den eigenen Horoskopen und fragten uns nicht nur, wo und wie Angst im Horoskop verankert ist, sondern vor allen Dingen, wie es gelingen kann, Angst zu überwinden und die in ihr steckende Kraft zu nutzen. Es war unglaublich spannend, die eigene Dispositionen zur Angst zu studieren und zugleich gemeinsam nach Wegen zu forschen, wie wir ganz praktisch mit Ängsten umgehen können, indem wir die Mittel der Astrologie und die Symbolsprache des Horoskops dazu verwenden.
Was ist Angst?
Zunächst gingen wir der Frage nach: Was ist Angst eigentlich? Ich bin der Überzeugung, dass wir ein menschliches Phänomen dann besser astrologisch verorten können, wenn wir uns genau mit ihm auseinandersetzen. Rush Dozier schreibt in seinem Buch “Angst – Zerstörungstrieb und schöpferische Kraft”:
Angst ist die Methode des Körpers, bei zu erwartendem Schmerz diesen zu verhindern und Gefahren abzuwehren, die der Schmerz signalisiert: Verletzung und Tod. Im Augenblick der Angst finden eine Reihe von automatisch eintretenden Veränderungen statt, die darauf abzielen, die Überlebenschancen zu maximieren.
Angst dient dem Überleben
Wenn Angst also eine Kraft ist, die auf unser Überleben abzielt, dann steht sie mit den astrologischen Faktoren in Verbindung, die uns dazu dienen, unser Leben auf dieser Welt durchzusetzen und uns gegen widrige Einflüsse zur Wehr zu setzen. Neben Mars kommt hier nur der Aszendent infrage. Da Angst etwas ist, dass allen Menschen – und Tieren – angeboren ist, und ein Teil unseres Daseins ist, über den wir nicht bewusst verfügen können, kann es sich nur um den Aszendenten selbst handeln, denn dieser entspricht dem, was wir ins Leben als Fertigkeit mitgebracht haben, worüber wir verfügen, ohne darüber nachdenken zu müssen, aber auch ohne es mit unserem Bewusstsein kontrollieren zu können. Das, was am Aszendenten passiert, geschieht uns, bevor wir bewusst darüber entscheiden. Erst im Nachhinein können darüber reflektieren und uns der Reaktionen bewusst werden, um sie für die Zukunft noch besser in den Dienst unserer Ziele und Absichten zu stellen. Mars hingegen kann in jedem Bereich des Horoskops stehen, also auch in jenen, in denen Bewusstsein vorrangig ist, wie zum Beispiel in den Häusern des dritten Quadranten.
Angst zwischen Aszendent und Deszendent
Wer vom Aszendenten spricht, der muss auch vom Deszendenten sprechen, denn der eine bedingt den anderen. Entspricht der Aszendenten unserer – individuell gefärbten – Angstreaktion, verkörpert der Deszendent das, wovor wir uns ängstigen. Das mag auf den ersten Blick seltsam klingen, verbinden wir doch traditionellerweise mit dem Deszendenten Themen wie Partnerschaft und Begegnung. Tatsächlich aber ist die grundlegende Bedeutung des Deszendenten eine weitaus umfassendere: wenn der Aszendent das ist, was wir schon können, wenn wir auf die Welt kommen, worüber wir schon verfügen, dann ist der Deszendent das, was wir noch lernen müssen.
Aszendent und Deszendent stehen in ununterbrochener Wechselwirkung miteinander. Der Deszendent liefert die Erfahrungen in Kontakt mit der Umwelt, aus denen wir lernen können, unsere Durchsetzungskraft zu verbessern und unsere Überlebensstrategien zu verfeinern, indem wir unser Repertoire an Werkzeugen zur Durchsetzung unserer Interessen erweitern. Angst bietet uns eine der wichtigsten Lernchancen im Leben an: indem wir unsere Ängste überwinden, erweitern wir unsere Persönlichkeit. Zudem ist Angst ein Motor des Fortschritts: so grundlegende Ängste, wie die vor dem Tod und vor Verletzung hat den menschlichen Forschergeist beflügelt und uns Errungenschaften wir die Medizin und den Hausbau beschert. Als der Mensch die Angst vor dem Feuer überwand, legte er den Grundstein zur Zivilisation.
Wenn wir also die Dynamik unsere persönlichen Ängste verstehen wollen, dann müssen wir uns in erster Linie mit der Aszendent-Deszendent-Achse auseinandersetzen. Das Zeichen am Deszendenten, sein Herrscher und Planeten in Haus 7 geben Auskunft darüber, was die Quelle unserer Ängste ist, was uns potenziell Angst macht, weil es uns in unserem einfachen Sosein herausfordert und infrage stellt. Die Konstellationen des Deszendenten zeigen, welche Situationen das Potenzial tragen, um aus ihnen zu lernen. Der Aszendent verrät uns etwas darüber, wie wir ganz im Sinne unseres primitiven, im limbischen Teil unseres Gehirns verankerten Angstsystems auf die Auslöser am Deszendenten reagieren. Auch hier betrachten wir Zeichen, Herrscher von und Planeten in Haus 1. Es ist die erste Reaktion auf den Auslöser, die völlig spontan und ohne Chance der Kontrolle durch unser Bewusstsein stattfindet. Grundkategorien sind gekennzeichnet durch die drei “F”: fight, flight or freeze – Kampf, Flucht oder Starre. Je nach Zeichen und übrigen Konstellationen wird diese Reaktion sich anders ausdrücken.
Ein Beispiel aus dem Workshop: Der Krebs-Deszendent zeugt davon, dass Situationen, in die ich emotional involviert werde, leicht zur Bedrohung werden können. Mein Steinbock-Aszendent reagiert darauf mit Abgrenzungsversuchen. Sehr spontan ist dies durch das Herstellen von Distanz möglich: ich weiche zurück, stelle Anstand her. Die Teilnehmerin berichtete auch, dass sie im ersten Moment der Angst regelrecht spürt, wie sich eine Mauer zwischen sich und dem Angstauslöser aufbaut. Diese erste Schutzreaktion erlaubt es uns nun die Situation genauer zu betrachten und unsere Einschätzung möglicherweise zu revidieren, vielleicht sogar weiter Varianten an Reaktionen in Erwägung zu ziehen. Doch erst wenn die Angst völlig abgeebbt ist, sind wir in der Lage bewusst zu reflektieren und die Situation sogar als Herausforderung zu betrachten.
Angstreaktion und Bewusstsein
Phobien, Panikattacken und andere Angststörungen rühren daher, dass es uns nicht gelingt, aus der primitiven Angstreaktion herauszukommen. Diese Angstreaktion ist so mächtig, dass sie uns völlig unter Kontrolle hat, sowohl geistig als auch körperlich. Der Schritt zur kognitiven Betrachtung der Situation findet nicht statt – wir sind in der Reaktion gefangen, die Folge ist eine Eskalation des Angstgefühls. Wo findet kommt, astrologisch gesehen, nun das Bewusstsein ins Spiel?
Auf der Aszendenten-Deszendenten-Ebene spielen sich die automatischen, mechanischen Vorgänge ab. Bewusstsein ist hier nicht die treibende Kraft. Die Überwindung unserer Ängste bedarf einer Absicht, damit wir sie als Quelle zur Entwicklung unserer Persönlichkeit nutzen können. Die Beweggründe zur Entwicklung unserer Selbst finden wir am Imum Coeli. Hier entsteht der erste Impuls, mehr aus unserem Leben zu machen und unser Leben selbst zu gestalten, uns unabhängig zu machen von den rein mechanischen Reaktionen an der Horizontachse aus Aszendent und Deszendent. Leben geschieht uns nicht mehr einfach nur, sondern wir werden zum Schöpfer unseres Lebenssinnes. Diese Fähigkeit des Menschen befindet sich am Imum Coeli, dem Fundament des Horoskops. Doch hier sitzt auch die stärkste Kraft zur Identifikation mit uns selbst. Diese Identifikation kann uns sogar eher hinderlich werden bei der Entwicklung, wenn sie nicht durch ein entsprechendes Ziel in Balance gehalten wird, ein Ziel, auf das hin wir uns entwickeln wollen. Dieses Ziel wird vom Medium Coeli beschrieben. Wenn Imum Coeli und Medium Coeli zusammen arbeiten, dann entsteht die Dynamik der Persönlichkeitsentwicklung: das IC gibt uns das Gefühl, eine Identität zu besitzen, das MC stellt diese Identität durch immer neue Ziele infrage und erweitert damit unsere Persönlichkeit.
Die IC/MC-Achse: Assoziation mit und Dissoziation von Angst
Psychologisch können wir von der Kraft des IC als Kraft der Assoziation mit uns selbst sprechen: am IC assoziieren wir uns mit uns selbst, sind mit uns selbst identisch, erleben uns als Ganzheit. Das MC hingegen gibt uns Gelegenheit zur Dissoziation – hier entfernen wir uns von uns selbst, treten aus uns selbst heraus, können uns von außen betrachten und sehen so, wo wir uns noch verbessern können. Dies ist der Schlüssel zur Überwindung von Angst: während wir am IC dazu neigen, unsere Ängste als Teil unserer Persönlichkeit zu akzeptieren, erlaubt uns das MC diese Ängste zu hinterfragen. Hier finden wir Hinweise auf die Art und Weise, wie wir unsere Ängste überwinden können.
Beispiel: Der Steinbock-Aszendent hat im Fall unserer Teilnehmerin einen Stier-IC. Die Chance, sich mit einem Stier am Imum Coeli besonders gut mit seinen Ängsten zu identifizieren, und sie in der Folge als festen, und damit nur schwer zu überwindenden Anteil unserer Persönlichkeit, zu erleben, ist naturgemäß groß – ganz anders als zum beispiel bei einem beweglichen Zwillinge-IC. Die Motivation, dies zu tun liegt bei einem Stier-IC im Bereich eines erhöhten Sicherheitsbedürfnisses, aber auch weil wir in uns in unserem Herzen danach sehnen, dass alles so bleibe, wie es ist – Veränderung bedeutet immer auch Anstrengung. Wie kann diese Dynamik unterbrochen werden, und damit Ängste überwunden? Indem wir auf das MC schauen, denn hier finden wir den Schlüssel zur Überwindung der Assoziation am IC. Dort steht Skorpion: dieser kann in diesem Zusammenhang als Fähigkeit beschrieben werden, sich Bilder von der Welt zu machen, die dann genauso real sind, wie die Wirklichkeit selbst – mit einem Skorpion-MC dissoziiere ich am besten über die Kraft der Vorstellungen, vielleicht indem ich mich rein in Gedanken sooft in bedrohliche Situationen begebe, die ich dann bildhaft transformiere und sie so entschärfe. Interessant, dass die Teilnehmerin selbst als Therapeutin mit katathymen Bilderleben arbeitet, einem Verfahren, in dem Imaginationen und die Arbeit mit Tagträumen im Vordergrund stehen.
Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen:
- Der Deszendent gibt Auskunft darüber, was Angst bei auslösen kann. Dabei ist weniger der konkrete Gegenstand gemeint, sondern die Qualität der Bedrohung, durch durch etwas oder eine Situation ausgelöst wird.
- Der Aszendent zeigt, wie ich typischerweise ganz automatisch auf eine Angst auslösende Situation reagiere. Dabei spielen bewusste Prozesse keine Rolle: die Angstreaktion geschieht unwillkürlich und ohne Möglichkeit, der Kontrolle.
- Das Imum Coeli gibt Auskunft über meinen Beweggrund, mich Angst auslösenden Situationen zu stellen und sie so auch als Herausforderung zu sehen. Hier finden wir einerseits die Kraft, Ängste als Ressource zur Entwicklung der Persönlichkeit wahrzunehmen, andererseits werden Ängste hier auch zum Teil der Identität und damit zu etwas, das sich in meiner Persönlichkeit verankert.
- Das Medium Coeli bildet eine konstruktive Gegenkraft um Imum Coeli, die dafür sorgt, dass Ängste überwunden werden können. Es zeigt, wie wir uns von Ängsten dissoziieren können, sie also nicht als unser Wesen bestimmend, sondern als lediglich einen veränderbaren Teil unserer Persönlichkeit betrachtet werden können. Hier entscheiden wir, welchen Raum eine Angst in unserem Leben einnehmen darf.
Der Workshop brachte für alle viele neue Erkenntnisse ans Licht zu diesem Thema. Ich persönlich habe sehr von den lebensnahen Berichten der TeilnehmerInnen profitiert, und mir wurde wieder einmal klar, wie gewinnbringend es ist, über den eigenen Horoskopen an einem Thema zu arbeiten, denn das Leben schreibt nun mal die spannendsten Geschichten.
Ausblick
Die nächsten Sonntags-Workshops findet am 16. März 2008 statt zum Thema: Transite lösungsorientiert deuten. Dann geht es darum, aktuelle (und künftige Transite) als Chancen zu Lösung von Problemen zu nützen, indem wir herausfinden, welche Ressourcen in uns aktiv werden, wenn ein Planet unsere Radixkonstellationen berührt. Welche Chancen bieten sich, wenn Mars, Saturn, Pluto und Co. über wichtige Punkte unseres Horoskops wandern? Auch hier werden wir wieder mit den eigenen Horoskopen arbeiten.
Mehr Informationen findet ihr unter: Sonntagsworkshop – Transite lösungsorientiert deuten.
Ich freue mich schon darauf!
Buchtipp
Angst. Zerstörungstrieb und schöpferische Kraft
Autor: Rush Dozier
ISBN: 3203760509
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Angst
Autor: Rush Dozier
ISBN: 340460489X
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© 2008 Christopher Weidner @ 3. März 2008
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Schlagwörter: Angst, Assoziation, Aszendent, Überleben, Deszendent, Dissoziation, Imum Coeli, Medium Coeli, Panik, Phobie
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Lieber Christopher,
danke für diesen inspierenden Artikel. Ich habe bislang meine Angst über die Stellung Pluto in der Radix gesucht.Mir persönlich ist meine eigene Angst nicht sofort sichtbar, vielleicht deshalb, weil sie bei mir mit Sonne Venus am Desz. mich in meiner ganzen Identität angreift, sodass wahrscheinlich eine gewisse Urangst bereits als Neugeborenes in mir wach war und mich schon in frühester Kindheit zur Konfrontation mit der Angst und zur Lösung zwang.Es ist das Gefühl als würde man sich mit einem unbesiegbaren Gegner anfreunden als Überlebensstrategie. Mit deinem Ansatz verstehe ich nun auch mein lebenslanges Interesse für die Hintergründe menschlicher Begegnungen (MC krit. Grad Venus/Pluto) als persönlichen Lösungsansatz.
Nicht nur entschärfend sogar heilend lassen sich aus meiner Erfahrung Meditationen als Tranformationsweg einsetzen, gut geführt kann hier sogar eine Heilung unsere feinstoffliche Lebensdimensionen stattfinden.
herzliche Grüße
Sigrid
Lieber Chris,
auch für mich ist dieser Ansatz ganz neu, wie für Sigrid. Bisher habe ich “Angst” bei Saturn vermutet – oder führen mehrere Wege nach Rom?
)
Schon als Kind war ich in vieler Hinsicht ein Angsthäschen – und da ich Löwe-AC habe, müßte ich nach Deiner These Angst vor “Uranisch-Wassermännischem” haben und selber wie eine furchtlose Löwin reagieren – doch stattdessen tauche ich ab oder nehme Reißaus… Mit Sonne-Uranus-Konjunktion müßte ich Angstauslöser und Gegenmittel in unmittelbarer Verbindung in mir tragen, doch so habe ich das noch nie erlebt. Werde mal darüber meditieren, vielleicht fällt dann der unbekannte Groschen
liebe Grüße,
Yamuna
Liebe Sigrid, liebe Yamuna!
Vielen Dank für Eure Kommentare!
@Sigrid: Spannend, wenn man dann noch mit den Kritischen Graden arbeitet. So viel Zeit hatten wir leider nicht am Workshop. Aber ein guter Hinweis für weitere Studien!
@Yamuna: Wichtig ist neben der Betrachtung der Zeichen natürlich auch, wo der Herrscher von 1 steht, welche Aspekte er empfängt und auch welche Planeten sich in 1 befinden.
Die reine Zeichenebene gibt einen Typus an, dem du angehörst – so wie ich als Löwe-Aszendent ja auch. Die individuelle Komponente ist jedoch entscheidend. Und dann spielt natürlich eine Rolle, wie dein IC gestrickt ist, ob er dazu neigt Muster auszubilden, die dann gegen die Bemühungen des AC streben, sich durchzusetzen. Wenn du Waage am IC hast (auch wieder: wo steht der Herrscher, welche weiteren Konstellationen?) ist das anders zu bewerten als Skorpion am IC und so weiter.
Das Ganze ist eine recht komplexe Struktur.
Liebe Grüße,
Christopher
An Christopher und Yamuna,
beim neuerlichen Durchlesen, fiel mir auf, dass mein Hang zum feinstofflichen Wahrnehmen und Heilen wollen warhscheinlich von dem kritischen Grad Neptun/NEPTUN auf meiner Beziehungsáchse herrührt . Gefahren werde somit subtil aber auch unscharf wahrgenommen. Direkte Konfrontation ist nicht gerade meine Stärke, sondern Gefahren umschiffen wollen oder einfach auflösen lassen sind angeborene Anlage.
Ich find sie einfach genial die krit. Grade , was für eine Meisterleistung Michael Roschers!
herzliche Grüße
Sigrid
Lieber Christopher, liebe Interessierte!
Ich würde gerne noch etwas zur Diskussion beisteuern, denn ich sehe da immer mehr eine „Verbindung“ von neuesten Erkenntnissen in der Schmerz- und Angstforschung mit dem Horoskop. Zumindest schliessen sich deine Gedanken und das, was man in der „Realität“ inzwischen vorfindet, nicht aus. Da ich selbst von dem Thema Angst im persönlichen Umfeld betroffen bin, und chronischer Schmerz mein eigenes Thema darstellt, befasse ich mich intensiv mit diesen Phänomenen. Und man weiß ja schon länger, dass Schmerz, und ich vermute mal auch die Angst, ein „körperliches Erinnerungsvermögen“ besitzt, dass vom Gehirn aus gesteuert wird. D.h. dass z.B. beim chronischen Schmerz „Impulse“ freigesetzt werden, die dem Körper mitteilen, dass es jetzt und ständig einen Grund gibt, in die Schmerzreaktion zu gehen, obwohl es in „Wirklichkeit“ keinen Grund gibt. Schmerzen verselbständigen sich also.
Angst kann man wohl auch solange konditionieren, bis sie sich verselbständigt, d.h. auch Angst kann da sein, obwohl es hierfür keinen „realen“ Grund mehr gibt. Die permanente, krankhafte Angst entsteht durch Erfahrungen, die jetzt nicht mehr durch äußere, sondern durch innere Auslöser aktiviert wird. Das ist für die Betroffenden Hölle pur. (Im Falle, dass ich diese Tatsache nicht richtig geschildert habe, bitte ich um Korrekturen eines Fachmannes/Fachfrau.)
Warum ich das schildere, hat den Grund, dass mir bei der Erklärung deines AC-DC und IC-MC-Modells das Lemniskaten-Modell einfiel. Äußere Einflüsse gelangen explizit nur über den dritten Häuserquadranten (DC) in unser „System“, astrologisch gesprochen in unsere Radix. Dann fliessen sie zuallererst in den ersten Quadranten: in unseren Körper. Hier reagieren wir (AC) und gehen erst danach in seelische Prozesse, die dem 2.Häuserquadranten entsprechen (IC). Von dort (über z.B. Lösungsstrategien) wirken sie in das „Transpersonale“, dem 4.Quadranten (MC), bis der „Fluss“ das erreicht, was wir nicht beeinflussen können, um dann von den Reaktionen der Umwelt wieder überrascht zu werden (DC) und schon geht es wieder weiter mit Reaktionen (AC) etc.
Dieser Verlauf ist insofern bemerkenswert, da eben Angst im „Normalfall“ von außen auf uns „zukommt“, z.B. in Form einer Bedrohung oder einer Stresssituation (Prüfung). Da Angst eben primär unserem Überleben dient, muss unmittelbar mit dem AC/Körper reagiert werden. Der Puls beschleunigt sich z.B., der Schweiß bricht aus und der Körper sendet das Blut volle Kanne in die Muskulatur.
Das Gehirn (oder was auch immer im Körper) speichert die Erinnerung, was zu der körperlichen Reaktion geführt hat. In einer nächsten ähnlichen Situation reagiert er dann schon ein wenig schneller, und das steigert sich von Mal zu Mal, bis der Körper reagiert, ohne einem Stressor ausgesetzt zu sein. Er erzeugte quasi einen inneren Stressor. Spätestens dann würde ich sagen, ist Angst keine Strategie zum Überleben mehr, sondern vollkommen unnötig.
Der Körper / das Gehirn muss über eine lange Zeit wieder „entkonditioniert“ werden, um diesen autonomen Kreislauf unterbrechen zu können, und das kann sehr lange dauern, wenn er überhaupt wieder „heil“ davon werden kann.
Im Qi Gong bzw. energetisch gesprochen „bindet Spannung (Angst würde ich hier zuordnen) Energie“, kein Wunder also, dass das von außen Eindringende Energie im Körper freisetzt, die jedoch erst mal nicht weitergeleitet wird, sondern im Körper manifestiert wird -> im ersten Quadranten. Es wäre wunderbar, wenn man nun mit Hilfe des Horoskops eine weitere Unterstützung für die Betroffenen anbieten könnte, indem man deren IC stärkt und wiederbelebt.
Das war mir noch sehr wichtig, dir und euch zu sagen. Ich hoffe, ich habe mich verständlich genug ausgedrückt.
Liebe Grüße
Dagmar
Liebe Dagmar!
Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Die Lemniskate als Modell bewährt sich in diesen Zusammenhänge, wie ich finde, besonders. Es macht mehr als nur Sinn, auf diesem Modell aufbauend nach Lösungen für Ängste aber auch für chronische Schmerzen zu suchen.
Das IC als Quelle der Lösungen – das erinnert doch sehr an das IC/MC-Modell von Brigtte Hamann, die ja immer wieder die Bedeutsamkeit dieses Punktes im Horoskop betont.
Ich habe übrigens in der Grafik die Lemniskate schon eingetragen. Ich wollte eigentlich auch noch etwas dazu schreiben, aber dann wurde der Artikel schon wieder so lang
Herzliche Grüße,
Christopher