Astronomische Uhren: in Münster hinkt der Mars hinterher
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Jede astronomische Uhr ist eine einmalige Kombination von Elementen, die in meisterhafter Präzision und mit grossem Wissen zu einem Gesamtkunstwerk verbunden wurden. Das macht sie für mich so faszinierend, dass ich lange Wege auf mich nehme. Mit der astronomischen Uhr im Dom zu Münster möchte ich meine Artikelserie fortsetzen.
Wie die Lübecker Uhr zeigt die Uhr von Münster eine Kalenderscheibe mit Tageseinteilung und Schlüssel zur Berechnung, auf welchen Wochentag der Heiligabend fiel oder auf welches Datum der Ostersonntag. Mit dem “Zytglogge” in Bern hat sie das Astrolabium gemeinsam. Wie in Bern und Solothurn gibt es Figuren, die die Glocke schlagen, das Stundenglas umdrehen und an die Vergänglichkeit gemahnen.
Und doch hat die Uhr von Münster einige Besonderheiten: die “bewegliche” Sonne, fünf Planetenzeiger für die Planeten bis Saturn und die beiden Säulen der sog. “Stundenherrscher”.
Mit der beweglichen Sonne hat es folgende Bewandnis: auf dem grossen Stundenzeiger wandert die Sonne im Jahreslauf täglich ein Stücken weiter, wie zwischen den Wendekreisen des Krebses und des Steinbockes. Zur Tag- und Nachtgleiche am 21. März und 21. September befindet sich die Sonne (die durch ein Gewicht immer aufrecht bleibt!) in der Mitte des Zeigers zwischen Innen- und Aussenkreis, am 21. Juni steht sie innen, am 21. Dezember aussen
Dabei ist zu beachten, dass sich in Münster (wie in Solothurn) die Zeiger im umgekehrt angeordneten Tierkreis gegen den Uhrzeigersinn bewegen. Für Astrologen ein ungewohntes Bild, bei dem man erstmal umdenken muss! Die Zeiger für Merkur bis Saturn sind durch Namens-Fahnen gekennzeichnet, und zwar so versetzt, dass sie sich nicht gegenseitig verdecken. Dabei fällt auf, dass der Zeiger für Mars hinter der tatsächlichen Position des Planeten im Tierkreis hinterherhinkt: während Mars derzeit im Krebs steht, zeigt ihn das Astrolabium von Münster zwischen Stier und Zwillinge – ob da wohl ein paar Zahnräder im sonst präzise laufenden Uhrwerk klemmen? Die Grafik zeigt die Planetenstände zum Zeitpunkt der Aufnahme, so gespiegelt, dass die Anordnung der im Astrolabium entspricht.

Links und rechts des Astrolabiums sind zwei Säulen mit drehbaren Scheiben angebracht, die die Namen der sieben klassischen Planeten tragen. Jeweils um Mitternacht wechselt die Anzeige der Stundenherrscher. Dahinter steht die Idee, dass über jede Stunde ein bestimmter Planet herrscht. Alle Inschriften sind auf Latein: “IN 1 HO REGIT SOL” – “in der ersten Stunde herrscht die Sonne” an einem Sonn(!)tag, an einem Mon(d)tag der Mond, an einem Dienstag (Mars-Tag, frz. mardi) der Mars.
Was für eine unglaubliche Mechanik hinter diesem technischen Wunderwerk wirkt, wie viele Rädchen dort wohl ineinandergreifen, was für ein Wissen dafür erforderlich ist… all das beeindruckt mich immer wieder. Wie sehr hat der Mensch sich seit Jahrtausenden bemüht, das Phänomen Zeit zu begreifen und bildlich darzustellen… und was eignet sich dazu augen-scheinlicher als der für alle wahrnehmbare Lauf der Gestirne?
Mein nächster Besuch gilt daher dem Thema Zeitmessung im Laufe der Geschichte: dem grössten Uhrenmuseum der Welt in La-Chaux-de-Fonds im Schweizer Jura, der Geburtsstätte der Schweizer Uhrmacherkunst
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© 2009 Yamuna Becker @ 18. September 2009
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Schlagwörter: astronomische Uhr; Stundenherrscher, Jupiter, Mars, Merkur, Mond, Planetenzeiger, Saturn, Sonne, Tierkreis, Venus
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