Die plutonischen (An)wandlungen des Henning Mankell im Leben und seinen Büchern
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Buchtipp: ” Die italienischen Schuhe”
Wenn der Schuh passt, denkt man nicht an den Fuß. (Zhuang Zhou)
Vor Jahren verschlang ich die berühmte „Wallanderserie“ von Henning Mankell mit Haut und Haaren, allesamt Kriminalromane von „Mittsommermord“ über „Die fünfte Frau“, „Die weiße Löwin“, „Die falsche Fährte“, „Mörder ohne Gesicht“, bis zu „Der Mann, der lächelte“. Dann trat, was Mankell betrifft, eine lange Pause ein, die bis nun anhielt, als mir sein Buch „Die italienischen Schuhe“ in die Hände fiel. Es handelt sich um einen wunderschönen Roman über Liebe und Einsamkeit, den ich an dieser Stelle empfehlen möchte. Egal, ob der eigene Schuh passt oder drückt, das Buch ist in jedem Fall lesenswert. Langanhaltende Nachwirkungen inklusive.
Ganz und gar untypisch wirkt sein Schreibstil samt Inhalt, wenn man einschlägig durch die Wallanderreihe vorgeimpft ist. Man fragt sich fast zwangsläufig, was dem Autor selbst widerfahren sein mag, welchen inneren Prozess er zwischenzeitlich wohl während der Entstehung dieses Romans durchlaufen haben könnte.
Sonne-Pluto-Radixkonstellation
Erstellt man Mankells Horoskop in Ermangelung der genauen Geburtszeit auf den 3. Februar 1948, Stockholm, 12 Uhr, so fällt die Sonne – Pluto- Opposition ins Auge. Es ist beeindruckend, wie ursprüngliche unterdrückte Selbstentfaltung, die Auseinandersetzung mit Macht- und Dominanzstreben bei ihm ausgelebt werden und das dahinter steckende außerordentliche Kraftpotential in nützliche Bahnen gelenkt wurden. Der Weg hierhin war weit und, wirft man einen Blick in seinen Lebenslauf, sicherlich beschwerlich. Die Früchte jedoch zeugen von einer tiefgreifenden Verwandlung und damit einhergehenden kraftvollen Transformationsprozessen. Wieviele Schichten seines Selbst hat Mankell Zeit seines Lebens abgetragen, um hier anzugelangen? Wieviel Häutung und Erneuerung hat sein innerster Persönlichkeitskern bis dato durchgemacht? Welche Stufe ist erreicht bei dem Vorstoß zu des Pudels (Mankells) Kern?
Seine Biographie gibt Teile hiervon preis: Seine Eltern ließen sich scheiden als er sehr jung war und anschließend bei seinem Vater aufwuchs. Die Schule bricht er mit 16 Jahren ab. Seine Mutter beging Selbstmord, als er in den Zwanzigern war, eine stete Sehnsucht nach der Ferne ließ ihn nach Afrika reisen, das Land, welches zu seiner Wahlheimat wurde (Mankell: “Ich selbst wurde in Afrika ein besserer Europäer“). Sein unermüdlicher kollektiver Einsatz, der weit über seine eigene Persönlichkeit hinausgeht, zeigt sich u.a. in seinem Engagement in der Asylpolitk, bei Flüchtlingsschicksalen, der AIDS- thematik und seinem Plädoyer für die Emanzipation der afrikanischen Frau. Zitat Mankell: “Ich möchte über Menschen in solch extremen Situationen sprechen“. Kein Wunder, Mankell selbst ist alles andere als lau. Ein von ihm inszeniertes politisches Bühnenstück über Flüchtlinge in Containern trägt den Titel „Zeit im Dunkeln“. Um Kindern aidskranker, dem Tod geweihter Eltern etwas Bleibendes zu hinterlassen, ruft er das sogenannte Memory-Book Projekt mit dem Leitsatz „Ich sterbe, aber die Erinnerung bleibt“ ins Leben. So viel zu einer plutonisch geprägten Persönlichkeit, die ihr Handeln mit äußerster Konsequenz umsetzt, es in den Dienst der Menschheit stellt und einer übergeordneten Aufgabe unterordnet. Zitat Mankell: „Für etwas kämpfen heißt, die Dinge auf den Punkt zu bringen.“
Transite bei Mankell vor dem Erscheinen des Buches
Die Originalausgabe erschien im Jahre 2006. Betrachtet man nun den Zeitraum der Entstehung des Romans „Die italienischen Schuhe“ um 2004, so fallen spontan 3 transitbedingte Prozesse ins Auge, die ihn längere Zeit begleitet und geformt haben dürften:
- sein Radixjupiter wurde vom laufenden Pluto in Konjunktion berührt
- der laufende Pluto stand im Quadrat zu seiner Radixvenus
- Neptun läuft über seine Sonne
3 markante Transite, die sich allesamt in dem Roman widerspiegeln.
Kurzabriss des Romans
Ein älterer Mann, der Zeit seines Lebens auf der Flucht vor sich selbst und seinen Gefühlen war, lebt seit Jahren wie ein Eremit auf einer einsamen Insel. Dieser selbstgewählte Rückzug vermittelt ihm ein Gefühl von Sicherheit, verspricht ihm einen vermeintlichen Frieden im Leben. Ursächlich trägt er jedoch zur Verdrängung seiner eigenen Vergangenheit bei. Dass er einem Selbstbetrug erliegt, erkennt er durch das plötzliche Auftauchen seiner alten Jugendliebe. Hierdurch erfährt sein eintöniges, von festen Prinzipien umrissenes Leben eine schicksalhafte Wende.
So werden die Konzepte und unumstößlichen Grundsätze der prinzipienhypertreuen Hauptperson im Roman aufgrund verschiedenster Ereignisse vollends aufgelöst und zunichte gemacht. Festgefahrene Muster erweisen sich als funktions- sowie lebensuntauglich. Er verliert zunehmend den Halt, weiß sich selbst nicht länger einzuordnen, die bislang zwanghaft aufrechterhaltene Kontrolle über sein Leben entgleitet ihm, er wird mit eigenen Ängsten konfrontiert, ist angehalten, Schicht um Schicht seines alten Ichs abzutragen, in den dunklen Tiefen seiner eigenen Niederungen zu graben und befindet sich beständig auf dem Weg zu einem neuen Ich. Besser lässt sich ein Neptuntransit, der die Sonne des Autors berührt und gleichzeitig die Sonne-Pluto-Opposition ins nebelige Visier nimmt, wohl kaum beschreiben.
Das Quadrat des laufenden Plutos zur Radixvenus lässt die Auseinandersetzung mit Verlustthemen von Nahestehendem vermuten, so kommt der Mann auf verschiedenste Weise in Berührung mit der Vergänglichkeit und dem Tod.
Dass der Protagonist während einer Kettenreaktion von Ereignissen zeitweise seinen Glauben verliert bzw. hierbei eine tiefgehende Wandlung erfährt, ließe sich mit dem Plutotransit über den Radixjupiter Mankells erklären. Der auf den Kopf gestellte, im Mark erschütterte Glaube und Hoffnungschein wird einer Totalrenovierung und Läuterung unterzogen. Nach diesem Prozess ist hier nichts mehr wie zuvor, selbst feststehende Bestattungsriten und Vorschriften des Landes werden hierbei „überholt“, eine Sequenz unter vielen dieses Buches, die neben dem weinenden Auge durchaus auch ein lachendes hat. Der Mann hat eine Art Glaubenskatharsis durchlaufen.
Zitate aus dem Buch „Die italienischen Schuhe“
” Vielleicht bist du in all diesen Jahren auf dem Weg gewesen, ohne es zu wissen. Es ist genauso leicht, sich in sich selbst zu verirren wie auf Waldpfaden oder in Städten.”
” Ich träumte mich langsam zu meinen Wurzeln zurück. Irgendwie ahnte ich, dass ich mit einer Hacke in der Hand herumging und in der Erde nach etwas suchte, was verlorengegangen war.”
” Das Leben ist nichts anderes, als mit seinem kleinen Boot zwischen einem wechselnden, aber nie versiegenden Strom von Versprechungen zu kreuzen. Wieviele von diesen Versprechungen hat man im Gedächtnis? Man vergisst das, woran man sich erinnern will, und erinnert sich an das, wovon man sich am liebsten befreien will. Gebrochene Versprechen sind wie Schatten, die in einer Dämmerung herumtanzen. Je älter ich werde, um so deutlicher sehe ich sie.”
© 2009 Iris Apé @ 17. Mai 2009
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Schlagwörter: Buchtipp, die italienischen Schuhe, Henning Mankell, Neptuntransit Konjunktion Sonne, Plutotransit Konjunktion Jupiter, Plutotransit Quadrat Venus, Sonne Opposition Pluto, Sonne-Pluto-Konstellation
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