Venus aus der Sicht der alten Maya-Kultur

Das Ende der Venus-Rückläufigkeit naht. Ein schöner Augenblick, um einmal unseren Morgen- und Abendstern in einem anderen Licht erstrahlen zu lassen. Oder wussten Sie bereits, und davon gehe ich aus, dass Venus in einer früheren Zeit in einem kriegerischen Kontext miteinbezogen und dementsprechend gedeutet wurde?
Dazu müssen wir uns auf eine kleine Zeitreise zu einem anderen Kontinent begeben. Ist aber heutzutage gar kein Problem, wenn man in der Nähe von Rosenheim residiert. Vielleicht macht ja auch der ein oder andere in nächster Zeit bei uns in Bayern Urlaub, dann lohnt sich ein Besuch in die Maya-Ausstellung des Lokschuppens in Rosenheim mit Sicherheit. Zumindest erging es mir so, als ich mit Haut und Haaren in diese eigene Kultur eintauchte und Raum und Zeit der Gegenwart vergaß.
Die Erforschung der Maya-Kultur ist in Relation gesehen noch sehr neu, und so gibt es innerhalb weniger Jahre immer neuere Erkenntnisse. Astronomisch müssen die Mayas Genies gewesen sein, wie denn sonst hätten sie einen derartigen Kalender, auf den ich später zu sprechen kommen werde, konstruieren können? Aber bleiben wir erst mal bei Venus. Die Mayas haben Vieles, wie Geburt, Heirat, Tod, Kriege und Herrschertum auf Steinplatten oder sogenannten Stelen festgehalten.
Lange Zeit konnte man ihre Hieroglyphen nicht entziffern, aber schließlich gelangte ein Durchbruch, wenn auch nur bis zu einem bestimmten Deutungsquantum von Hieroglyphen. Auf einigen Stelen der Ausstellungsstücke, die eine kriegerische Auseinandersetzung beinhalten, befinden sich sogenannte Venus-Hieroglyphen. Leider kann ich sie hier bildlich nicht wiedergeben, aber auf der Homepage http://www.slub-dresden.de/sammlungen/handschriften-drucke/
handschriftensammlung/maya/seiten lassen sich andere Zeichen darstellen und im jeweiligen Text deuten. In der besagten Maya-Ausstellung wurde betont, dass Venus-Hieroglyphen auf Bedrohungen und Kampf hindeuteten. Venus war somit die Überbringerin und Verkünderin von Kriegen, und die wurden ja zahlreich im Maya-Reich abgehalten, da es aus vielen kleineren Stadtstaaten bestand.
Uff, das musste ich erst mal verdauen! Venus als Kriegsbotin. Versöhnlicher stimmten mich dagegen die Berechnungen von diversesten Zyklen und den besagten Maya-Kalender. Venus scheint auch hier eine erhebliche Rolle gespielt zu haben. Nun ist eine Beschreibung des einzigartigen Kalendersystems sehr komplex, und ich möchte das Rad nicht neu erfinden. Es gibt Menschen, die das auch viel besser als ich können, daher habe ich Ihnen am Ende des Artikels einige Links zur Veranschaulichung eingefügt. Nur eines sei in Bezug darauf erwähnt: Es gibt einen sogenannten Großzyklus, der in verschiedenen anderen Zyklen unterteilt ist, damit die Zeit berechnen kann. Der Beginn des gegenwärtigen Großzyklus begann am 13. August 3114 vor Christus. Da ein Großzyklus 13 Baktun = 1 872 000 Tage umfasst, wird der gegenwärtige Zyklus am 22. Dezember 2012 beendet sein.
Man fand heraus, dass die Mayas Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersagen konnten und dass sie großes Interesse am Verhalten des Planeten Venus hatten. In dem Buch von Adrian Gilbert und Maurice Cotterell „Die Prophezeiungen der Maya“ (ich wusste gar nicht, dass ich über diese Buch verfügte, bis ich mich nach dem Besuch darauf ansetzte) habe ich einige interessante Passagen diesbezüglich gefunden. Die Priester-Astronomen, welche die Tafeln erstellten, hatten wohl eine wichtige Zahl darin aufgenommen, es ist die „Superzahl“ des Codex Dresden von 1 366 560 Tagen. Sie wird mit dem Beginn des gegenwärtigen Zeitalters und mit der Geburt der Venus in Beziehung gesetzt.
Dazu muss ein wenig ausgeholt werden. Die Zahl 1 366 560 lässt sich auf Maya-Weise so ausdrücken:
260 x 5256 (Anzahl der Tzolkins)
365 x 3744 (Anzahl der Haabs)
584 x 2340 (Anzahl der durchschnittlichen Venusjahre)
780 x 1752 (Anzahl der durchschnittlichen Marsjahre)
18980 x 72 (Anzahl der Kalenderrunden oder Aztekenjahrhunderte)
Cotterell stellt in dem besagten Buch seine umfangreichen Untersuchungen zu den Mechanismen des Sonnenflecken-Sonnenmagnetfeld-Zyklus vor. Ich kann hier leider nicht alles wiedergeben, aber wenigstens diesen Teil, wie er die beiden Superzahlen aus dieser Berechnung und aus dem Codex Dresden in Verbindung setzt.
Hierzu seine Erläuterungen zu den Zyklen unserer Sonne:
- 87,4545 Tage (1 bit) = die Zeitspanne, die von den beiden Magnetfeldern der Sonne benötigt wird, um wieder eine gemeinsame Startposition einzunehmen
- 8 bits = 699,65 Tage (ein Mikrozyklus)
- 48 bits = 4197,81 Tage = 11,49299 Jahre
- 781 bits = 68 302 Tage oder 187 Jahre (ein Sonnenflecken-Zyklus)
- 97 x 68 302 Tage = 18 139 Jahre (ein vollständiger Zyklus der gekrümmten neutralen Schicht)
„Nachdem er sie in ihre Faktoren zerlegt hatte (Cotterell), konnte er sehen, dass sie 5 zeitliche Perioden enthielt, die den Änderungen der Polarität und der Verschiebung der neutralen Schicht des solaren Magnetfelds entsprachen, Sie ließen sich durch folgende Gleichungen darstellen:
- 19 x 187 Jahre = 1 297 738 Tage
- 20 x 187 Jahre = 1 366 040 Tage
- 19 x 187 Jahre = 1 297 738 Tage
- 19 x 187 Jahre = 1 297 738 Tage
- 20 x 187 Jahre = 1 366 040 Tage
An diese letzte Periode von 1 366 040 Tagen musste Coterell denken, als er zum ersten Mal im Codex Dresden von der Superzahl 1 366 560 der Maya las. Die beiden Zahlen lagen so nahe beieinander, dass es kein Zufall sein konnte. Mehr noch, seine Einteilung der größeren Periode von Umkehrungen des solaren Magnetfelds in fünf Langzeitperioden schien der Vorstellung der Maya von vier früheren Zeitaltern zu entsprechen. Es sah so aus, als wäre das, wovon die Maya tatsächlich gesprochen hatten, die Verschiebung oder Umkehrung des Magnetfelds der Sonne gewesen. War diese möglicherweise der ‚Mechanismus’ hinter dem Untergang eines Zeitalters und dem Beginn eines neuen?“
Tja, das möchte ich jetzt so stehen lassen, da ich weder das Buch im Ganzen gelesen, noch nach astronomischen Belegen dafür recherchiert habe. Es ist auch nicht meine Absicht, falsche Informationen weiterzugeben; sollte sich in diesem Artikel irgendetwas Unstimmiges befinden, so bitte ich die Fachleute um Richtigstellung. Aber ich finde derartige Überlegungen äußerst spannend, und würde mich freuen, wenn der ein oder andere Maya-Experte etwas dazu sagen könnte.
Zuletzt noch etwas Unvenusisches. Tief beeindruckt hat mich das Modell eines Weltenbaums, der der Vorstellung der Maya entsprach, wie sie sich die Welt als Ganzes ausmalten. Der Maya-Weltenbaum erinnert mich sehr an die Edda. Auch in unserer Mythologie existierte die Vorstellung von einem Baum als Weltenmodell (Yggdrasil).
Bis zum 03. Oktober kann man sich die Ausstellung in Rosenheim noch ansehen. Für alle Nichtbayern: nicht traurig sein, danach wandert sie weiter nach Hildesheim. Lassen Sie uns an Ihren Gedanken ruhig teilhaben, wenn Sie sich in Maya-Gefilde begeben sollten.
Links:
Die geposteten Bilder wurden aus http://de.wikipedia.org/wiki/Maya entnommen.
http://www.maya-ausstellung.de/
http://www.faszination2012.de/grundl/stele/stelestart.html
http://www.sven-gronemeyer.de/research/schrift.html
http://www.astronomie.at/Scripts/mayacal.asp Aktuelle Datenberechnung auf Maya-Art.
http://www.slub-dresden.de/sammlungen/handschriften-drucke/handschriftensammlung/maya/seite Hier finden Sie Venus-Hieroglyphen und schöne Erläuterungen, wie die Mayas den astronomischen Verlauf der Venus in ihre Geschehnisse und Deutungen mit einbauten.
© 2007 Dagmar Wäscher @ 22. August 2007
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Liebe Dagmar!
Vielen Dank für diesen spannenden und aufschlussreichen Artikel. Gerne würde ich ergänzen, dass Venus nicht nur bei den Maya einen eher destruktiven Beigeschmack hat, sondern auch in der chinesischen Astrologie: dort gilt sie als Todesplanet und regiert – wie bei den Maya – die Kriegskunst.
Dies wird hergeleitet aus ihrem hellen, strahlenden Licht – so wie bei uns auch, doch die Chinesen sehen darin nicht die Schönheit des Glanzes, den sie verbreitet, sondern das Aufblitzen blank polierter Schwerter! Entsprechend wird sie von den fünf Elementen her dem Metall zugeordnet.
Die Anschauung des Himmels führt eben bei den unterschiedlichen Kulturen auch zu unterschiedlichen Sichtweisen des Lebens!
Herzliche grüße,
Christopher
Lieber Christopher,
jetzt muss die kleine Venus aber ihr Kleidchen ausziehen
Ja, das traut man ihr so gar nicht zu, aber irgendwie finde ich sie nicht ganz so harmlos, wie sie heutzutage auf dem Markt angepriesen wird. Schon alleine deine Deutung der Venus “was ich attraktiv finde” und “was ich haben will”, also was ich begehrenswert finde, setzt, mal bildlich gesehen, ein kleines Schwert vor die Venus. Die anderen (Mars) holen für sie zwar die Kohlen aus dem Feuer, aber sie entzündet das Ganze. Sie schürt das Feuer und mobilisiert. Sie möchte es haben, sie möchte es erreichen. Also wird sie alles tun, um die Stimmung aufrechtzuerhalten. Das enthält schon eine gewisse “Aggressivität”. Insofern kann ich die Maya und die Chinesen ganz gut verstehen.
Als früheres Symbol für die Venus wurde bei den Babyloniern z.B. das Pentagramm verwendet. Dir erzähle ich da sicherlich nichts Neues, aber im Hinblick auf die Rückläufigkeit äußerst interessant. Sabine hat es sicher schon erwähnt: wenn man die rückläufigen Phasen der Venus in seinem Horoskop einzeichnet und diese dann verbindet, erhält man ein Pentagramm als Aspektfigur. Im Volksglauben sollte ein Pentagramm das Böse abhalten.
Die Venus als Schutzschild sozusagen? Ob dieses Symbol ihrem Wesen nicht eher entspräche, wenn man das Wissen der alten Kulturen berücksichtigt?
Ganz im Fieber der Rückläufigkeit – liebe Grüße
Dagmar
Hallöchen,
der Teufel wurde zeitweise der Venus zugeordnet.
Er wollte ja auch alle ihrer Seele wegen verführen.
… und damit hätten wir auch wieder einen Bezug zum Pentagramm …
* Astro-Fox *
Hallo Dagmar, hallo Udo!
Danke, Udo, für den Hinweis, den ich gerne noch ergänzen möchte:
Venus als Morgenstern heißt auch Phosphoros, der Lichtträger, auf lateinisch wurde daraus Luzifer, was nichts anderes bedeutet.
Das pentagramm kann man übrigens in der magischen Tradition auch dazu verwenden, um das Böse anzuziehen … es kommt darauf an, wie man es zeichnet.
Luziferische Grüße,
Christopher
Hallo ihr beiden! Danke für euren Input, der mich sehr bereichert hat! Es lohnt sich eben doch so ab und an noch viel tiefer zu graben, da kommen ja richtige Schätze ans Licht!
Ein bisschen Astronomie zur Venus und ihren rückläufigen Phasen habe ich auf http://www.venus-transit.de/Pl.....ndex1.html gefunden. Hier ist auch schön dargestellt, wieso sie eigentlich “rückläufig” wird.
Liebe Grüße
Dagmar
P.S: Fox on the run, wir wäre es mit einem zukünftigen Astrofox-Planetenkalender? Ich wüsste schon den Titel: Die Venus bringt es an den Tag