Wolf frisst Mond
Aus dem Leben, Berichte, Der Mond | (2) Kommentare |
Es war ein unheimliches Schauspiel. Schon hatten wir uns in unser Schicksal gefügt und glaubten, dass die dichte Wolkendecke, die sich über München gelegt hatte, uns die Sicht auf den roten Mond verwehren würde. Um Viertel vor Zwölf gingen wir dann doch nach draußen, denn – was, wenn der Himmel doch, und sei es auch nur für einen Bruchteil – den Blick freigeben würde, und wir wären nicht dabei?
Im samstagabendlichen München rund um den Gärtnerplatz tummelte sich jede Menge Volk auf der Suche nach Amusement. Wir bewegten uns ohne zu zögern auf die nahe gelegene Isarbrücke, denn dort – so spekulierten wir – würden wir am ehesten auf eine Lücke im Wolkenfeld stoßen. Doch zunächst war der Himmel so dicht, dass nicht einmal eine Ahnung davon zu sehen war, wo der Mond sich überhaupt befinden könnte.
Doch dann … riss der Himmel wie auf Befehl auf und der kupferrote Mond beherrschte die Stadt. Die über den Himmel jagenden Sturmwolken zogen sich zurück und wir konnten das Spektakel in voller Länge beobachten – bis am oberen linken Rand die dünne Sichel des Vollmondes sichtbar wurde, dann hüllte sich der Himmel wieder in dichtes Grau.
Die totale Mondfinsternis zwischen den fliehenden Wolken – eine gespenstische Erscheinung. Ich erinnerte mich an den germanischen Mythos, nach dem die Geschwister Sonne und Mond von je einem Wolf verfolgt werden: Mani – der Mond – von dem Wolf Hati und Sol – die Sonne – von dem Wolf Skalli, “Hass” und “Trug”, Kinder des schrecklichen Fenrir. Immer wenn diese Wölfe den Lichtern zu nahe kommen, dann gibt es eine Finsternis. Gestern Nacht bekam Hati Mani fast zu fassen. Aber erst zur Götterdämmerung werden Hati und Skalli Mond und Sonne verschlingen.
Die dramatische Szenerie weckte auch die Erinnerung an die Wilde Jagd, wie sie in vielen Gegenden Deutschlands Teil der Sagenwelt ist: wenn der Wilde Jäger oder in manchen Gegenden Frau Holle mit ihren wilden Heerscharen über Berg, Tal, Wald und Feld jagt und ihr Geheul die Lüfte erfüllt.
“Wie oben – so unten – wie unten – so oben”. Inmitten der großen Stadt fühlte ich mich auf einmal ganz deutlich, was das heißt. Der rote Mond berührte mich an genau der gleichen Stelle, an der er auch schon die Menschen berührt haben mag, die Jahrhunderte zuvor dieses Land besiedelten. Für Momente war ich einer wie sie.
Christopher
© 2007 Christopher Weidner @ 4. März 2007
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Schlagwörter: Finsternis, Mond, Mondfinsternis, Mythologie, Wolf
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Lieber Christopher,
Hab herzlichen Dank für deine anschauliche Erzählung über die Nacht des roten Mondes.
Da habt ihr Münchner ja GLück gehabt, zumal in einer Grosstadt inmitten der Häuserschluchten ein Blick in den Nachthimmmel recht erschwert ist.
Hier bei uns in Andalusien hatten wir den Luxus einer klaren und lauen Sternennacht und einen ungehinderten Blick auf das grandiose Schauspiel. Nach turbulenten Tagen rund um diesen Vollmond in der Jungfrau verbrachte ich die Nacht auf unserer Terass im Freien dank der milden südländischen Temperaturen.
Am mächsten Morgen erwachte ich so erfrischt und aufgeladen und bin überzeugt das dies heilende Kräfte freigesetzt hat.
Beeindruckend ist ja auch das Geheul der Wölfe in einer Mondennacht.
Hier mal ein Link :
http://www.lobopark.com
Herzliche Grüsse
Barbara
[...] tiefrot – zuletzt bei uns zu beobachten Anfang März 2007 (vgl. Die Macht des roten Mondes und Wolf frisst Mond auf astrophoenix, mehr zur Astronomie der Mondfinsternis im Wikipedia-Artikel zum Thema). Diesmal [...]