Auf dem höchsten Kirchturm der Welt
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DAS ULMER MÜNSTER – EIN MYSTISCHER ORT

Immer wenn ich mit dem Zug in meine Geburtsstadt Ulm fahre, freue ich mich auf den Augenblick, in welchem das Ulmer Münster als Hollywood-Kulisse so aus dem Nichts auftaucht. Es ist einer der schönsten Anblicke auf das Münster, wenn man es in einer Gesamtansicht mit der umliegenden Altstadt betrachten möchte. Wenn der Zug von Neu-Ulm über die Zugbrücke nach Ulm einfährt – drei Sekunden lang – dann klebe ich am Fenster des Zuges und bin jedes Mal überwältigt von diesem einmaligen Augenschein.
Nicht weil es so groß ist, auch nicht weil es schöner als so manch andere Kiche ist, sondern weil es eine ganz eigene Energie besitzt, mit der ich in großer Resonanz zu stehen scheine. Das Ulmer Münster lebt. Es ist nicht einfach nur ein Gebäude, das aus einer Vielzahl von Steinen zusammen gesetzt wurde, nein, es atmet und bewegt sich in Nanopartikel-Einheiten. Das spürt man nicht einfach so. Es nützt nichts, einfach nur mal reinzugehen und einen Rundgang zu absolvieren, um diese Bewegung zu spüren. Das Ulmer Münster verfügt über eine hohe sensitive Energie, die sich nur erschliessen lässt, wenn man einige Stunden in und auf ihm verbringt. Gar nicht soviel gucken, sondern innehalten und spüren ist hier angesagt. Dann wird’s mystisch. Aber zuerst rauf auf dem höchsten Kirchturm der Welt! Nicht wegen der Aussicht, sondern weil ich hier fast alleine mit “meinem” Ulmer Münster bin.
Ganz langsam steige ich Stufe für Stufe aufwärts. Wie viele Menschen mussten auf diesen Treppen hinaufsteigen, damit die Steine unter den Füssen so eingedellt und abgetreten wurden, wie sie sich heute darbieten? Ich weiß es nicht. Aber dem Münster scheint es nichts auszumachen. Es hält Schwere aus. 
Die erste Terrasse ist erreicht, ich blicke auf den Münsterplatz und freue mich auf die ersten Wasserspeier. Jeder ist anders. Ob Tier oder menschliches Wesen, das lässt sich manchmal nicht bestimmen. Die Fabelwesen waren mir jedoch schon immer die liebsten Figuren, die das Münster zieren.
Weiter geht’s in meinem Tempo und in meiner Zeit. Die Touristen rasen an mir vorbei und schiessen nach oben. Es ist eng auf den Wendeltreppen, wir müssen uns aneinander vorbeizwängen. Ich lasse mir Zeit und teile meine Energie gut ein. Es gibt ohnehin viel zu erblicken und zu bestaunen. Im Inneren mehr als im Außen. Jedes Fenster lässt einen anderen Lichtpfahl hindurch und so färbt sich der graue Stein in magischen Tönen ein. Und plötzlich befinde ich mich auf Terrasse Numero Zwei. Wow, ein mysteriöser Rundumgang ist hier möglich. Ich habe das Gefühl in einem mittelalterlichen Klostergang zu stehen, von dem ich nicht weiß, was er hinter seinen Rundbögen versteckt hält. Durch die Regenwolken wirkt er noch dunkler und unheimlicher. Lieber weiter steigen….

Die Figuren an den Außenwänden winken mir zu! Ich lächle ihnen zu und gehe weiter treppaufwärts. Ich sehne mich nach dem Herz des Münsters, es liegt direkt unter der Turmspitze. Ich fühle bereits sein Herzklopfen…. und endlich bin ich mitten in seinem Herzen! Ich kann diese schlichte erhabene Schönheit nicht in Worte fassen. Ich kann nur hier sein und meinen Blick nach oben richten.

So drehe ich mich im Kreis und über 100 Runden, bis ich bereit bin, in die Tür einzutreten, die mich fast nach ganz oben führen wird.

Es ist wie eine kleine Initiation, denn zu der Herzenstür führt eine gerade Treppe hinauf. Es ist als wollte die Tür sagen: Bist du bereit? Und nur ich selbst kann mir diese Frage beantworten, und es ist, als ob die Frage sich nicht auf die Turmspitze beziehen würde, sondern auf meine nächsten Schritte im Leben. Ich trete sehr bewusst durch diese kleine Türöffnung hindurch und denke wie von selbst, wenn ich das schaffe, schaffe ich alle Schwere und alles Schwere in meinem Leben. Eine Mini-Wendeltreppe führt auf die letzte Terrasse, die im Grunde nur für einen Menschen Platz bietet, weil man sich hier so gut wie nicht mehr an den anderen Menschen vorbeischlängeln kann. Und schließlich betrete ich die schmale Plattform – ich bin oben!

Hier oben sind die Geräusche von unten völlig ausgeschaltet, ich kann mich ganz und gar auf die Stimme des Münsters konzentrieren. Hier oben gibt es nur den Boden unter meinen Füssen, den Wind – und die Bilder vor mir, aber vor allem die Bilder, die das Münster freigibt. Es hat viel zu erzählen. Und es erzählt gern von den Menschen, die es erschufen, die es bauten, die es aufrechterhalten. Es erzählt von den Verletzungen, die ihm zugefügt worden sind und von der Ewigkeit. Es wird still in mir und mein Blick verliert sich in diesen Bildern. Vor meinen Augen entstehen Bilder von den Anfängen…… alles begann mit der Grundsteinlegung im 14. Jahrhundert.

Wenn man bedenkt, dass es damals keine konkreten architektonischen Pläne für das Münster gab, so empfinde ich es als ein großes Wunder, dass diese Kirche überhaupt gebaut werden konnte. Die Konstrukteure wurden immer wieder vor neue Problemen gestellt und 1492 drohte der Bau einzustürzen.
Es hat also einen ganz besonderen Status und das sehe ich an der Sonne in Haus 11. Das Münster liebt es außergewöhnlich zu sein und es erfüllt die Ulmer mit großem Stolz. Irgendwie scheint es auch nicht aufzuhören, zu wachsen.
Wie von selbst hatte es sich über die lange Zeit hinweg vergrößert und es verschlingt Unmengen von Bausubstanz. Wenn die Bauherren damals Astrologen befragt hätten, ob die ausgewählte Stunde der Grundsteinlegung die beste ist, was hätten diese wohl geantwortet? Auf dem ersten Blick könnte es für ein derartiges Riesenprojekt kein passenderes Horoskop geben. Aber nach über 600 Jahren Bau und Instandhaltung kommt man doch ins Grübeln. Mond, Pluto und Mars in Haus 9 – das Tierkreiszeichen Schütze am Imum Coeli, Jupiter als Herrscher von 4 in 2 – Uranus in Konjunktion des Aszendenten…. da will was richtig riesig sein und werden, nicht nur im geistigen Sinne. Sein Bauch hat Platz für Tausende von Menschen! Bei der Planung des Projektes zählte Ulm ca. 10 000 Einwohner – und ich schliesse daraus, weil es eine Kirche der Bürger war (und ist), dass es eine Kirche sein sollte, die für alle Einwohner Platz bot. Der Kirchturm schiesst wie ein Pfeil oder Zeigefinger dem Himmel entgegen – Uranus lässt in diesem speziellen Fall sehr schön grüßen!
Wie gut, dass die Aszendent-Deszendent-Achse aus der Energie der Tierkreiszeichen Jungfrau und Fische gespeist wird. Es ist eine bewegliche Achse und mit Jungfrau am Aszendenten kann sich das Münster bestens an seine Umgebung und an seine Baujahre anpassen. Mit seinem Deszendenten in den Fischen sorgt es schon für die unzähligen Besucher, die sich von seiner feinen Energie angezogen fühlen. Und trotzdem habe ich das Münster nie überlaufen erlebt, außer bei Massenveranstaltungen. Ist es etwa seine Größe, die den Menschen die nötige Distanz schenkt, um nicht in einer Massenkarambolage zu enden? Oder ist es die feine Energie, die mich als Mensch ganz in mich versinken und nichts mehr außer dem Münster und mich selbst wahrnehmen lässt? Aber wieso eigentlich? Als Mega-Kirche ist das Münster sehr schlicht eingerichtet. Es gibt nicht Hunderte von Verschnörkelungen und Vergoldungen und Ölbilder, nein, alles ist sehr im jungfräulichen Stil gehalten. Die alten Wandmalereien verblassen. Es bietet auch damit nicht viel an Farbe. Aber es bietet Reinheit. Und damit meine ich hauptsächlich die eigene innere Reinheit. Sie entsteht aus der Klarheit und Schlichtheit und das ist eine enorme Energie, die sich uns Menschenkindern hier bietet.
Ein Gebäude, das für eine Ewigkeit angelegt worden ist, benötigt auch enorme Stabilität. Da die Struktur von Anfang an nicht eindeutig berechnet wurde – es gab kaum ein Wissen darüber bzw. Ulm zog erst später außerulmerische Bauherren zu Rate – leidet das Münster noch heute darunter. Es erscheint so massiv und fest, aber der Schein trügt und es benötigt jede Unterstützung des heutigen Wissens und dessen Umsetzung. Nicht nur um Reparaturen an den Außenfassaden zu bewerkstelligen steht das Münster seit Jahrzehnten im Gerüst, nein, es bedarf auch der ständigen Strukturkorrektur. Und dies ist eine große Herausforderung der Gelehrten. Gerüst, Gelehrte, Struktur – all dies muss von außen an das Münster herangetragen werden, damit es in sich geschlossen bleibt und sich selbst tragen kann. Gibt es dafür eine schönere Konstellation als Saturn in Haus 7? Ich habe das Münster erst einmal in meinem Leben ohne Gerüst gesehen, ich glaube, das war um die Jahrtausendwende herum. Und ich glaube, ich werde es in diesem Leben wohl auch nicht mehr erleben. Es ist ein endloses Unterfangen, das Münster zu stabilisieren.
Von hier oben stelle ich mir vor, wie der Spatz den damals lebenden Bauarbeitern zeigte, wie sie einen langen Holzbalken durch das Stadttor bringen konnten. Der kleine Spatz baute nämlich sein Nest ebenfalls innerhalb der Stadtmauern, und dazu flog er mit einem Zweig im Schnabel längs durch das Tor, nicht quer, so wie es die Arbeiter vergeblich versuchten. Da ging den Arbeitern ein Licht auf und machten es dem Spätzle gleich. Wieso mir der Gedanke bei dem Thema Aszendent Jungfrau und Ulmer Münster gerade einfällt, ist recht einfach zu erklären. Wer meinen Artikel vom August 2007 noch in Erinnerung hat (http://www.astrophoenix.de/serie/alles-jungfrau-oder-was/), der weiß, dass ich die Spatzen für sehr jungfäulich halte. Auch wenn es sich hierbei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Sage handelt, die sich erst im 19. Jahrhundert entwickelte, so ist es doch ein Phänomen, dass es ein Spatz wurde, der hier die Hauptrolle spielt: Aszendent Jungfrau, Medium Coeli im Zwilling und Merkur als Herrscher der beiden in Haus 10 – da läuten aber die Glocken!
Nur zu schade, dass die Glocken des Münsters nicht läuten, denn das Glockengestühl wird zurzeit auch mal wieder renoviert. O Münster, mit deinem Chiron in Haus 6 wirst du wohl dein Lebtag irgendwelche Wehwehchen haben und ertragen müssen. Aber du wirst von den Menschen auch immer schön verbunden und verarztet werden; Trost bekommst du von denen, die dich aufsuchen, um Gott und dem Himmel näher zu sein.
So lassen wir es gut sein für heute. Ruh dich aus, du brauchst alle Energie, um dich am Leben zu erhalten, und dazu gehören nun mal Pausen. Pausen vom Herumdoktern, vom ständigen Türenöffnen, von den Gebeten und wer weiß, von was noch Allem. Einzig die Musik, die aus deiner Orgel ertönt, darf weiter spielen. Ich danke dir für deine unendlichen Geschichten und deine einzigartige Energie und sage dir für heute Lebewohl!
Nun denn ihr lieben LeserInnen… lassen wir das Ulmer Münster schlafen. psssst…. leise…. und zart verlassen wir den Turm und seine Hallen. Aber wie sagt das Sandmännchen so schön: “Nun liebe Kinder, gebt fein acht, ich hab’ euch etwas mitgebracht!” Heute spiele ich einmal das Sandmännchen und habe euch einen Film über das Ulmer Münster mitgebracht. Begleitet mich auf den höchsten Kirchturm der Welt, erlebt sein Herz und seine Hallen. Meine Gefühle kann ich dadurch nicht sichtbar machen, aber zumindest einige Eindrücke vermitteln und natürlich den Ulmer Spatz (am Ende des Films) und die Glocken, die voraussichtlich erst wieder im Advent 2008 läuten werden. Der Star ist für mich die Schwörglocke, aber das ist eine andere Geschichte, die ich für den nächsten Herbst geplant habe und erzählen werde. Und jetzt heißt es: “Film ab!” – Viel Freude!
Eure Dagmar
Alle Fotos und Film von Dagmar Wäscher
Empfohlene Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_M%C3%BCnster
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Spatz
1) Daten der Grundsteinlegung aus MERIAN extra Ulm und Neu-Ulm von 11/2006: 30.06.1377, 09:00 h LMT, Ulm an der Donau
2) Der Film dauert 09:36 Minuten; je nach Übertragungsrate eurer Internetverbindung kann es zu einer längeren Ladedauer kommen. Verzweifelt nicht, sondern lasst den Film einmal durchladen, startet ihn dann noch einmal und geniesst ihn anschliessend in vollen Zügen!
© 2008 Dagmar Wäscher @ 4. Oktober 2008
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Schlagwörter: Aszendent Jungfrau, Chiron in 6, Deszendent Fische, Herrscher von 4 in 2, Imum Coeli Schütze, Kirchturm, Saturn in 7, Schwörglocke, Sonne in 11, Ulm, Ulmer Münster, Ulmer Spatz
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Liebe Dagmar,
ich war von Deinem Artikel ganz angetan. Leider habe ich ein anderes Horoskop ausgerechnet (nach den Merian-Daten). Ich benutze Saraszro und habe Uranus am AC ausgerechnet, dazu einen Steinbockmond – ?!?
Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
Nicola
Liebe Nicola,
ich freue mich sehr, dass dich das Ulmer Münster so anspricht, vielleicht gehst du es mal besuchen?
Gerne will ich dir auf deine Frage antworten. Ich kenne dein Programm jetzt nicht anwendungstechnisch, deswegen denke ich, dass es sein könnte, dass dein Programm die gregorianische Kalenderreform (die im Jahre 1582 stattfand) evtl. nicht berücksichtigt.
Ich arbeite mit dem Astroplus-Programm und habe mich heute bei Herrn Peterat, dem Erbauer des Programms, nochmal vergewissert, dass Astroplus die Zeit und Daten vor der Reform automatisch berücksichtigt und berechnet. Er hat es mir heute auch sogleich bestätigt.
Dann ist noch zu berücksichtigen, dass im 14. Jahrhundert die wahre Ortszeit galt, die sich nach dem Sonnenstand richtete. In meinen Daten findest du deswegen den Hinweis: LMT = Local Mean Time. Erst durch das Gesetz, das die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung vom 12. März 1893 regelt, ergab sich für Deutschland bzw. dem damaligen Deutschen Reich die Mitteleuropäische Zeit MEZ, wie wir Sie heute kennen.
Kurzum: wenn Merian eine richtige Uhrzeit angegeben hat (das Datum ist auch durch andere Quellen belegt), dann müsste mein Horoskop über das Münster stimmig sein. Uranus befindet sich jedoch auch bei meiner Bschreibung am AC (in einer nicht exakten Konjunktion), da hätten wir schon mal eine Gemeinsamkeit.
Das wären so meine Ideen, an denen die Diskrepanz liegen könnte. Ich hoffe, ich konnte dir hiermit weiterhelfen.
Liebe Grüße
Dagmar