Das achte Feld – Ausstellung im Museum Ludwig in Köln
Erleben | Ein Kommentar |
![]()
“Das achte Feld – Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960
19. August bis 12. November 2006
Rückt der Bauer im Schachspiel auf das achte Feld, an den Rand des Spielfelds, vor, so kann ihn der Spieler gegen eine Figur seiner Wahl tauschen. Der Bauer kann sich also in eine Dame verwandeln, die machtlose Figur in eine mächtige, der Mann in eine Frau.
Sexualität erschöpft sich nicht in Familienpolitik und Fernsehserie. Sexualität ist immer auch Beben und Verwandlung, Begehren und Macht, Verführung und Trauer, Glanz und Elend. Von Variété oder Pornographie abgesehen, lässt sich nur in der Kunst die ganze Faszination des Themas erfahren. Sie lässt nicht nur das gefahrlose Spiel mit den Geschlechtern, mit den verbotenen Wünschen zu, sie allein erfasst ihre Widersprüchlichkeit. Was bedeutet das für das abweichende Begehren? Was bedeutet es nach der Liberalisierung, in einer totnormalisierten Welt? Wie sieht diese Welt für weibliche Männer, männliche Frauen aus?
„Das achte Feld“ richtet einen neuen und wachen Blick auf die Kunst, sie tastet die historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ab. Es ist die erste Ausstellung und der erste Katalog, wo Drag und Gender, Queerness und Transsexualität auf breitem Raum, in all ihren Facetten dargestellt werden und vor allem, wo sie erotisch sein dürfen.”
Zitat und Bild entnommen von der Website des Museums: http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig/.
Ich habe mir gestern am Feiertag einen kulturellen Nachmittag im Museum gegönnt und obenstehende Ausstellung angeschaut. Am erstaunlichsten finde ich, dass das “achte Feld” keinerlei Anspielung auf das “achte Haus” in der Astrologie darstellt und bewusst keine Assoziation damit intendiert ist. Die englische Übersetzung lautet “the eighth square” und weist – ebenso wie die Erläuterung des Museums – auf das Schachbrett hin. Wirklich erstaunlich… Denn was wir dort vorfinden, würde ich astrologisch absolut dem 8. Haus zuordnen: Bilder des Begehrens, Bilder von Dominanz und Unterwerfung, (tabuisierte) Sexualität, Geschlechterrollentausch, sich auflösende sexuelle Identität und vieles mehr. Wäre es keine Kunstausstellung, würde ich mich bei den meisten Exponanten in einem Porno-Laden oder einem Lokal der Schwulenszene wähnen.
Und umgekehrt regt diese Ausstellung mein Verständnis vom achten Haus erneut an, auch wenn es gar nicht gemeint ist. Sexuelle Identität würden wir gemeinhin vielleicht eher im fünften Haus suchen. Wenn sie sich jedoch transformiert und aus Männerkörpern Frauenkörper werden und umgekehrt, befinden wir uns gewisslich im achten und nicht mehr im fünften Haus. Welche Art von Wandlungen können wir im achten Haus eigentlich vollziehen? Als dem zweiten Haus, dem Körperlich-Substanziellen gegenüberliegendes Haus, sind unsere Wandlungen in Haus acht sicher nicht nur geistig-seelischer Natur, sondern beziehen den Körper womöglich auch mit ein.
Die fixen Häuser 2, 5 und 8 bekommen aus dieser Sicht ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefüge, das aus Körper, sexueller Identität und sexuellem Rollenverhalten bestehen könnte. Noch sind es unsortierte Gedanken, die da in meinem Kopf herumschwirren, doch ich ahne schon, dass der Besuch der Ausstellung nicht ohne Folgen für mein Verständnis des achten Hauses bleiben wird. Auch wenn die Ausstellung ja gar nichts mit Astrologie oder diesem Haus zu tun hat….
Sabine Bends
© 2006 Sabine Bends @ 4. Oktober 2006
Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!
Schlagwörter: Ausstellung, Haus 8, Kunst, Museum
Weitere Beiträge von Sabine Bends.
Verwandte Artikel:








Liebe Sabine,
ich gehe sogar noch weiter und überlege mir seit längerer Zeit, wie der vierte Quadrant, der ja das Leben / die Konfrontation mit der Öffentlichkeit / der Gesellschaft präsentiert, in diesem Kontext eine Rolle spielt.
Außerdem scheinen wir telepathisch in Verbindung zu stehen: bereite gerade meinen Artikel für die Skorpion-Zeit vor, darin kommt das Thema “Sex und Tabu” auch in ähnlicher Weise vor
Alles Skorpion oder was?
Münchnerische Grüße
Dagmar