Die Haltung des Beraters / der Beraterin
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Die PHOENIX Astrologie Fachtage, die dieses Jahr zum zweiten mal stattfanden, sind am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. Am Eröffnungsabend haben Sabine, Christopher und ich verschiedene Facetten einer lösungsorientierten astrologischen Beratung dargestellt. Dabei konzentrierte ich mich auf die Haltung desjenigen, der als Berater / Beraterin tätig ist. Die eigene Haltung trägt entscheidend dazu bei, wie die Beratung verläuft.
Die Haltung eines lösungsorientierten astrologischen Beraters lässt sich in fünf Punkten darstellen:
1. Mit den Augen der Klienten sehen
Alle Klientinnen und Klienten, die zu mir in die Praxis kommen, legen den gleichen Weg zurück. Sie sehen die selbe Straße, kommen durch die selbe Haustür, gehen die selbe Treppe hinauf, betreten den selben Flur, sehen das selbe Beratungszimmer mit immer dem selben Ausblick. Doch jeder Klient / jede Klientin sieht etwas anderes. So haben sich manche über Müll auf der Straße beschwert, andere loben die Blumen, wieder andere bemerken die Anstrengung des Treppensteigens, der nächste macht einen Kommentar zu meinem Schreibtisch, wieder jemand fragt mich, warum mein Klingelschild so ist und nicht anders und so weiter. Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass jeder etwas anderes sieht, auch wenn stets das selbe zu sehen ist. Um meine Klientinnen und Klienten zu verstehen, um jeden einzelnen zu verstehen, habe ich es mir daher zueigen gemacht, zu versuchen, durch die Augen des anderen zu sehen. Was sieht er, wenn er in die Welt hinein blickt? Nur wenn es mir gelingt, durch die Augen der Klient/innen zu blicken, kann ich seine / ihre Welt verstehen. Dieses Verstehen ist die Basis einer vertrauensvollen, offenen, nahen und hilfreichen Beratung. Es ist eine Frage meiner Haltung. Durch die Augen der Klienten zu sehen ist für Astrologen vielleicht bisweilen leichter, als für andere Berufsgruppen. Denn uns steht das Horoskop zur Verfügung was manche “Sehgewohnheit” einer Klientin leichter nachvollziehbar werden lässt.
2. “Wie” statt “Warum”
Klientinnen und Klienten sind perfekt darin, wenn es um die Beschreibung des Problems geht. Und sie sind “psychologiesiert”, suchen gerne die Ursache, das “Warum” des Problems. Wenn ich die Ursache kenne, so heißt es, kenne ich die Lösung. Ist das wahr? Viel zu oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich wohl um eine Ursache weiß, aber mir das keinen Schritt weiter hilft. Ein Beispiel aus dem eigenen Arbeitsleben: während ich eine Meditationsgruppe leite, bei der ich eine ruhige Atmosphäre benötige, dröhnen aus der Nachbarwohnung Hämmer und Schlagbohrer. Ich kenne die Ursache des Lärms. Ich weiß, warum dort gebaut und renoviert wird. Das ändert aber nichts am Lärm selbst. Die entscheidende Frage ist also nicht “warum” ist es laut, sondern “wie” gehe ich nun mit dem Lärm um. Klient/innen kennen oftmals erstaunlich gut die Ursache ihres Problems. Wüssten sie, wie sie damit fertig werden könnten, kämen sie nicht zu uns. Fokussieren wir das “Wie”, so kommen wir schnell auf einen zweiten wichtigen Punkt: die eigenen Ressourcen. Wie ich mit einer problematischen Situation umgehe hängt schließlich auch stark davon ab, welche Möglichkeiten mir zur Verfügung stehen. Habe ich beispielsweise noch zwei weitere Meditationsräume kann ich schauen, ob durch einen Raumwechsel das Lärmproblem gelöst ist. Steht mir die Ressource “weitere Räume” nicht zur Verfügung, muss ich anders vorgehen. Vielleicht hatte ich früher freundschaftlichen Kontakt zu den Nachbarn aufgenommen. Dann ist das meine entscheidende Ressource. Ich kann diesen Kontakt nutzen, dort anklingeln und mein Bedürfnis nach einer Stunde Ruhe für die Meditationsgruppe nutzen. Die Frage nach dem “Wie” statt nach dem “Warum” führt uns also auch zu der Frage nach dem “Womit”. Das sind immer die Talente, Ressourcen, Möglichkeiten, Fähigkeiten, Erfahrungen, Kenntnisse etc. des Klienten / der Klientin. Auch ehemalige Lösungen können Ressourcen sein. Hat jemand schon mal einen schwierigen Saturn-Transit überlebt, so lässt sich daraus evtl. eine Empfehlung ableiten: “Wie haben Sie es damals geschafft? Was davon wäre auch heute hilfreich?”
3. Klient/in = Experte/-in
Das leitet direkt zum nächsten Punkt über: der Klient alleine ist Fachmann seines Lebens. Immerhin lebt er bereits seit vielen Jahren oder Jahrzehnten mit sich (und das tagtäglich), während ich als Astrologe seine Radix lediglich eine Stunde bearbeitet habe und ihn womöglich zum ersten mal im Leben begegne. Klienten und Klientinnen wissen oft selbst am besten, was gut für sie ist. Entsteht die Lösung eines Problems aus der Ideenwelt der Klientin selbst, können wir nahezu sicher sein, dass es die “richtige”, die “einzig wahre” Lösung für diesen Menschen ist. Ratschläge zu geben und als Autorität aufzutreten bedeutet im Gegenteil, Schläge auszuteilen und den Gesprächspartner dumm dastehen zu lassen. Jeder Ratschlag impliziert ein “was – daran hast du noch nicht gedacht?”. Würdigen Sie Ihre Klient/innen und verdeutlichen Sie ihnen, dass sie die wahren Fachmänner und Fachfrauen für ihre persönlichen Angelegenheiten sind.
4. Wahlmöglichkeiten erweitern
Auch wenn die Klient/innen die Expertenrolle übernehmen ist das Problem nicht sofort aus der Welt. Oftmals entsteht es gerade dadurch, dass ein Mensch sich eine Sache nur noch aus einer ganz bestimmten Sichtweise aus ansehen kann. “Wenn mein Freund meinen Geburtstag vergisst werde ich stets wütend und beschimpfe ihn.” Gäbe es noch andere Verhaltensmöglichkeiten? Uns fallen bestimmt gleich mehrere ein: den Freund vorher auf den nahenden Geburtstag aufmerksam machen, statt ihn zu beschimpfen ihm die eigene Traurigkeit mitteilen, die Organisation eines schönen Geburtstages selbst in die Hand nehmen und so weiter. Die Klientin befindet sich jedoch in einem Mechanismus, der derzeit nur noch eine Sichtweise erlaubt. Eine erfolgreiche astrologische Beratung liegt darin, die Wahlmöglichkeiten zu erweitern. Transit-Saturn über Merkur? Ich werde in der mündlichen Prüfung so hart rangenommen, dass ich durchfalle! Doch Saturn-Transit über Merkur kann viel mehr bedeuten: ich beginne eine logopädische Therapie, ich lerne die Technik des Drehbuchschreibens, ich frische Fremdsprachenkenntnisse auf und so weiter. Nutzen Sie all Ihr astrologischen Wissen, um zusammen mit dem Klienten / der Klientin das Spektrum der Wahlmöglichkeiten zu erweitern.
5. Seien Sie zukunftsorientiert
Besondere Zugkraft haben Visionen. Haben wir gemeinsam Wahlmöglichkeiten geschaffen (besser noch: hat der Klient sich selbst Wahlmöglichkeiten eröffnet), so beinhalten diese oftmals Visionen. Positive und überprüfbare Ziele zu benennen hilft, um ein Problem hinter sich zu lassen. Konzentrieren Sie sich auf die Zukunft: “Wie soll es sein? Wo möchten Sie in fünf Jahren sein? Welche Wünsche möchten Sie realisieren? Was soll da, wo jetzt das Problem ist, später sein?” Viele Klient/innen fangen an, lange nachzudenken, wenn man ihnen diese Fragen stellt. Es ist einfach zu sagen, was nicht sein soll: “Mein Partner soll mich nicht mehr belügen. Ich will nicht mehr so kuschen vor meinem Chef. Die Traurigkeit soll weg sein.” Phantasieren Sie in die Zukunft hinein, was stattdessen da sein soll. Malen Sie z.B. mit Hilfe anstehender Transite, aber auch anderen Prognosemethoden (Direktionen, Auslösungen etc.) ein Zukunftsbild zusammen mit dem Klienten / der Klientin. Dieses Bild entwickelt seine eigene Zugkraft. Und es ist stets besser von einer Vision gezogen zu werden als von Problemen gedrängt.
Übrigens:
Die nächsten Fachtage sind für März 2009 geplant. Sicherlich wird auch dieses Zusammentreffen dann spannend und informativ werden. Weitere Impressionen der 2007 Fachtage finden Sie hier.
© 2007 Holger A. L. Faß @ 27. März 2007
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