Mach es wie die Sonnen-Uhr… Teil 1
Erleben, Serie, Wissenskiste | Ein Kommentar |
“Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit’ren Stunden nur” – diesen Spruch schrieb mir meine Mutter 1968 auf das Deckblatt meines Poesiealbums… Ihr Lebensmotto fällt mir immer wieder ein, ich verstehe, was es damit auf sich hat. Allerdings sind es oft gerade die weniger hellen Stunden, die wichtige Entwicklungsprozesse mit sich bringen, darum gehören sie dazu.
Kürzlich fand ich in der Stadtbibliothek mitten zwischen all den Astrologie- und Astronomiebüchern den Titel “Faszination Sonnenuhr” von Arnold Zenkert. Hm, das könnte ich ja mal auf Verdacht mitnehmen, wer weiß, wofür es gut ist?! Ich habe gelernt, mehr auf kleine Zeichen und spontanen Impulse zu achten – und siehe da, bei der nächsten Reise in die Schweiz wurde ich mehr als fündig…
Einige Prachtexemplare von Sonnenuhren möchte ich zur Feier meiner “Sonnen-Wiederkehr” mit allen Freunden von Astrophoenix teilen.
Ich bin gerne mit griffbereiter Kamera unterwegs, und wie ich bei meinem ersten Besuch im Mai durch die alten Gassen von Bern schlendere, fällt mein Blick auf eine verblichene Wandmalerei unter einem Giebel, die sich bei näherer Betrachtung als Sonnenuhr entpuppte. Mein Herz macht einen Hüpfer – zusätzlich zur Stundeneinteilung zeigt diese Uhr Linien für den Sonnenstand bzw. Tagbogen in den einzelnen Tierkreisabschnitten an! Die oberste Linie steht für Krebs, die unterste für Steinbock. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Vielleicht gibt es noch mehr und schönere Exemplare zu finden?
Bei Ausflügen in die Umgebung hat tatsächlich fast jeder besuchte Ort etwas zu bieten. Die nächste klassische Vertikal-Sonnenuhr mit Tierkreis-Linien entdeckte ich an einem Kirchturm in Fribourg. Allerdings waren die Linien im Vergleich zur Berner Uhr genau anders herum angeordnet, oben Wendekreis des Steinbockes, in der Mitte Tag-und-Nacht-Gleiche bei Widder/Waage und unten Wendekreis des Krebses.
Sicher spielt eine große Rolle, in welche Himmelsrichtung diese Hauswand zeigt, in welchem Winkeln die Sonne die Uhr treffen kann und wie lang und schräg der abstehende Zeiger ist – ds ist wohl eine echte Wissenschaft für sich!
Es heißt ja: “Wo viel Licht ist, ist viel Schatten.” Das gilt aber auch andersherum: das große Vordach, das die schön lachende Sonne auf dem obersten Foto vor Regen schützt, hält zugleich die Sonne fern, so daß die Uhr ihren Zweck weniger erfüllen kann. Wie im richtigen Leben, alles hat seine zwei Seiten, beide fordern ihr Recht.
Wie wichtig die Intensität der Sonneneinstrahlung ist, konnte ich in Murten erleben. Der Tag war nach heftigem Regen trüb und bewölkt, als ich zu meiner Begeisterung meine “Löwe-Sonnen-Uhr” fand. Ich fotografierte sie von allen Blickwinkeln und Abständen, ging immer wieder die Gasse auf und ab – bis plötzlich ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke brach und den Schatten des Zeigers auf die Hauswand zauberte… es war zehn vor zwei nach der Sommerzeit – doch für die Sonne war es erst zehn vor eins…
In den weniger heiteren Stunden – an diesem Tag wie auch in meinem Leben – habe ich mich diesem Löwen innerlich und äußerlich langsam angenähert, und nun kann ich ihn umso mehr in seiner vollen Leuchtkraft genießen, den “Löwen in der Sonne”
© 2009 Yamuna Becker @ 19. August 2009
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Schlagwörter: Sonnenuhr, Tag-und-Nacht-Gleiche, Wendekreis
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Ein Sonnengruß an dich, liebe Sonnenfängerin!