Der rückläufige Merkur – Was er mich lehrt
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Ich finde es schön, dass der liebe „rückläufigkeitsungläubige“ Christopher sich so offen zu seinen merkurischen Erkenntnissen bekennt (siehe seinen Beitrag vom 17.2.) Immerhin war der Kaffeeautomat, der uns beiden um die Ohren flog, der, den ich von ihm geschenkt bekommen hatte!
Es gab also einen klaren Bezug zu unserer gemeinsamen Vergangenheit. Und genau das stelle ich bei rückläufigen Planetenphasen immer wieder fest, diesen Bezug zu-rück. Es wird häufig ein alter Faden aufgegriffen und eine „Geschichte“ weiter gesponnen.
Das kann zuweilen sehr positiv sein. So wie Christophers und mein Projekt, unseren ersten Hörbeitrag auf astrophoenix zu veröffentlichen. Schon lange hatten wir das vor, doch jetzt erst kam die Gelegenheit dazu. Zufall, dass es unter rückläufigem Merkur stattfand…? Alles, was wir an diesem Vorhaben zuvor schon einmal durchdacht hatten, funktionierte tadellos. Das Thema, die Aufnahme selbst – das war ruckzuck umgesetzt. Das jedoch was wir zum ersten Mal taten – die reine Technik – nahm viel mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Zunächst erklang unser Beitrag in Mickimaus-Tönen, später dann in langsam tönenden tiefen Bässen… Bis er in normaler Stimmlage hörbar war, vergingen ein paar Stunden. Am Ende waren wir – vor allem der fleißige Christopher – um wichtige Erkenntnisse reicher!
Wichtige Erkenntnisse… Ich komme noch mal auf den Kaffeeautomat zurück. Ich hatte ihn nie entkalkt, weil auch Christopher ihn nie entkalkt hatte. Er wurde mit Brita-gefiltertem Wasser gefüttert, sonst war meine Pflege eher zurückhaltend. Und genau das war mein Fehler. Das Kölner Wasser ist einfach härter als das Münchner.
Was lehrt mich das? Selber denken! Mitdenken! Meine ganz persönliche Merkur-Rückläufigkeits-Botschaft…? Wer weiß.
Jedenfalls steht der auseinandergebaute Kaffeeautomat bei mir rum und ich habe nicht vor, so schnell aufzugeben. Vor allem nicht, das Problem zu delegieren. Selbst denken. Selbst machen. Ich werde mich weiter damit befassen.
Denn wenn ich über Rückläufigkeitsphasen von den persönlichen Planeten (Venus, Merkur und Mars) etwas gelernt habe, dann….. dass sie uns in die tiefe Auseinandersetzung mit einem Thema zwingen (oder freiwillig bringen)! Je tiefer ich mich darauf einlasse, umso leichter wird es. Das Problem beim Funktionieren oder Nicht-Funktionieren von Geräten, Maschinen, Computern, Autos etc. ist nämlich meist nicht, dass diese nicht funktionieren KÖNNTEN, sondern meist, dass wir zu faul sind oder waren, uns angemessen um deren Funktionstüchtigkeit zu kümmern! Es geht also bei rückläufigem Merkur darum, etwas Neues zu lernen, etwas besser zu lernen, etwas tiefer zu verstehen. Wir können uns weigern – ja. Aber das hat seinen Preis. Und den zahlen wir in Funktionsuntüchtigkeit oder (Lehr)geld.
Ein anderes Beispiel, auch ganz aktuell. Diverse Elektrik bei mir hatte im Laufe der letzten Wochen ihren Geist aufgegeben. Ich wohne in einem direkt nach dem Krieg erbauten Haus, mit uralten Leitungen – ich befürchtete schon Schlimmstes. Doch es war gar nicht so wild wie befürchtet. Mein Helfer (allein traue ich mich an einiges aus Unkenntnis – noch – nicht daran….) hatte allerdings seine liebe Not, eine Lampe wieder zum Funktionieren zu bringen. Er vermutete schließlich, dass das Kabel der Lampe selbst defekt sei, fand dies aber selbst komisch. Nach meiner Kaffeeautomat-Erfahrung zuvor fiel mir schlicht ein: „Sabine, selber denken!“ Und ein Spruch von meinem lieben Freund Thomas: „Alles, was man zum ersten Mal macht, dauert dreimal länger als man meint.“ Geduld, Engelsgeduld, Überprüfen und nochmals Überprüfen ist bei rückläufigem Merkur und den damit anstehenden Korrekturen und Reparaturen äußerst empfehlenswert. Ich fragte also meinen Helfer: „Bist du GANZ sicher, dass wir vorhin keinen Fehler gemacht haben?“ Und meine Frage veranlasste ihn zum Nachdenken… Er war NICHT ganz sicher. Und so dachten wir das Problem erneut durch, kamen zu einer anderen Lösung, und …. siehe! Es funktionierte.
Wieder eine Menge gelernt. Nicht nur über Elektrik, sondern auch über Problemlösung! Merkur ist der findigste und geschickteste Gott am Götterhimmel. Probleme sind für ihn dazu da, um gelöst zu werden. Was wir davon haben? Eine gewachsene Kompetenz. Tieferes Wissen. Gefestigtere Meinungen. Eine bessere Kommunikation.
Wir können diese Chance natürlich auch verstreichen lassen, so wie ein Bekannter, der sein Auto unter rückläufigem Merkur warten ließ. Die Reparaturrechnung war horrend, doch er bezahlte anstandslos. Anschließend beklagte seine Partnerin den anhaltenden Benzingeruch im Auto. Der Wagen ging wieder in die Werkstatt. Zwei Lecks wurden gefunden, die es vor der Wartung nicht gegeben hatte… Und wieder folgte eine Rechnung, die anstandslos beglichen wurde. Lektion gelernt? Ich fürchte, nein…. Selber denken, die eigene Kommunikationsfähigkeit und das persönliche Verhandlungsgeschick verbessern lernen, das wäre hier ganz eindeutig angesagt gewesen.
Und deswegen mag ich den rückläufigen Merkur sehr! Obwohl er auch mich an meine Grenzen bringt und mir Aufgaben beschert, die ich gerade lieber nicht hätte. Doch ich schätze es, meine Grenzen überschreiten zu lernen und etwas an mir zu verbessern. Ich erwerbe mir dadurch neue Kompetenzen und Fähigkeiten, die ich später wahrscheinlich so häufig und so reibungslos einsetzen werde, dass es mir überhaupt nicht mehr auffällt. Ob ich dann noch daran zurück denke, dass es mich einst einige Stunden Mühe gekostet hat, diese Fähigkeiten zu erwerben? Wohl kaum… Und welch Schatz darin verborgen liegt? Ich bin sicher, ich werde den Wert meiner Erkenntnisse nicht wirklich ermessen.
Angenommen hat die Herausforderung des rückläufigen Merkurs eine liebe Klientin von mir. Im Folgenden erzählt sie ihre Geschichte:
„Donnerstag, 7. Februar, 12.45 Uhr. Meine Nerven liegen blank. Gleich werde ich mein erstes Telefoninterview für einen Radiosender geben. Die Herausforderung meines Lebens, denn öffentliche rhetorische Ausflüge bringen mich zum Stolpern und manchmal auch zu Fall.
Die Rahmenbedingungen für das Interview klangen recht akzeptabel: Ein lockeres Gespräch, sechs Fragen zu meiner Buchveröffentlichung und, wenn nötig, eine Nachbearbeitung der Aufzeichnung. Letzteres muss es dann wohl gewesen sein, das mich vollends überzeugt hat, über meinen eigenen Schatten zu springen – auch auf die Gefahr hin, dass bei der Nachbearbeitung neben Versprechern und Aussetzern kunstvoll ganze Passagen geschnitten werden.
Die schrillen Flötentöne meines Telefons lassen mich erschrocken zusammenzucken. Der Anruf des Senders kommt eine Viertelstunde zu früh. Sei’s drum, dann hab ich es hinter mir.
Meine Gesprächspartnerin klingt souverän und professionell. Wir tauschen die üblichen Höflichkeitsfloskeln aus und ich versuche mich durch Fragen zum Ablauf des Interviews warm zu reden. Dann wird es Ernst. Mein Herz hämmert, meine Hände sind feucht. Ich atme tief durch – und plötzlich ist die Leitung tot. Kein Mucks ist mehr zu hören. „Hallo, hallo?“ Eine Antwort bleibt aus und ich lege irritiert auf.
Sekunden später läutet erneut das Telefon. Wir starten den zweiten Versuch. Doch kaum wird im Studio mit der Aufzeichnung begonnen, erschwert eine Rückkopplung unser Gespräch. Dass ich nach jedem Wort mein Echo höre, macht die Sache nicht lustiger.
Wir unterbrechen, und ich verfolge gespannt, wie aus dem Nebenraum eilig ein Techniker zu Rate gezogen wird. Minuten vergehen, doch das Teufelchen, das sich in der Technik eingenistet hat, lässt sich nicht finden. Meine Anspannung steigt. Ich will nur noch, dass dieses Fiasko endlich zu Ende geht. Den Vorschlag, das Interview trotz der Störungen fortzusetzen, nehme ich nur widerwillig an.
Dann ist es geschafft! Meine verbalen Ergüsse sind auf Band, auf Mikrochip oder wo auch immer. Ich bin so erleichtert, fühle mich gut und tanze übermütig durch die Wohnung.
Die Flötentöne meines Telefons unterbrechen meine Euphorie. „Sorry“, höre ich eine mir bekannte Stimme am anderen Ende der Leitung, „sorry, wir müssen unser Interview noch einmal führen. Die Aufzeichnung hat nicht funktioniert“. Ich muss an den rückläufigen Merkur denken und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Seitdem sind 10 Tage vergangen – ohne einen weiteren Anruf des Senders.“
Helen Satorius
Die Buchveröffentlichung, von der Helen Satorius spricht und zu der sie interviewt wurde, möchte ich euch nicht vorenthalten. Es ist nämlich ein ganz besonderes Buch, in dem sie aus ihrem eigenen Leben berichtet und sehr bewegend vom Schicksal ihrer Erblindung erzählt. Ich habe ihre persönliche Entwicklung voller Bewunderung verfolgen dürfen:
Helen Satorius, „Auch wenn ich die Sonne nur noch spüre“, MV-Verlag, Edition Octopus.
© 2008 Sabine Bends @ 20. Februar 2008
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Schlagwörter: Merkur, rückläufig, Rückläufigkeit
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