Direktion
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Von lat. directio “Richtung, Leitung”, dirigere “hinwenden, ausrichten”.
Was ist eine Direktion?
Unter Direktionen fasst man eine Anzahl von Prognoseverfahren zusammen, welche die Zeit unmittelbar nach (und vor) der Geburt als Spiegel des gesamten Lebens betrachten. Zum Beispiel wird ein Tag nach der Geburt mit einem Jahr nach der Geburt gleich gesetzt, und die Konstellationen, die sich 30 Tage nach der Geburt ergeben, werden in Analogie zum 30. Lebensjahr gesetzt.
Das dirigierte (”geführte”) Horoskop wird dann – ähnlich wie ein Transit – mit der Radix verglichen. Es wird auf die Wiederholung von Konstellationen geachtet und natürlich auf Berührungen zwischen dirigiertem Horoskop und Radixpositionen, zum Beispiel über Aspekte. Der Schwerpunkt bei den Auslösungen liegt dabei auf Kontakten zwischen dirigierten (geführten) Achsen und Radixplaneten, doch werden auch andere Kontakte als bedeutungsvoll betrachtet.
Manchmal werden Direktionshoroskope auch Progressionen genannt, insbesondere die Sekundärdirektion heißt im anglo-amerikanischen Raum auch einfach Progression. Die Terminologie ist hier nicht immer einheitlich und stringent.
Grundidee
Nach der Geburt bewegt sich der Himmel weiter und die Positionen der Gestirne verändern sich in Bezug zu den Radix-Konstellationen. Dabei werden zwei Grundbewegungen unterschieden:
- Primäre Bewegung: Die Erde dreht sich um ihre eigene Achse. In der Folge scheinen sich Sonne, Mond und alle Planeten weiter durch die Häuser zu bewegen, also parallel zum Äquator und entgegen dem Häusersinn (rückwärts durch die Zählrichtung der Häuser).
- Sekundäre Bewegung: Alle Planeten bewegen sich nach der Geburt entlang des Tierkreises weiter.
Je nachdem, welche Bewegung zugrunde gelegt wird, unterscheiden wir zwischen primären und sekundären Direktionsverfahren.
Die Direktionsverfahren gehen nun davon aus, dass sich die Konstellationen, die sich unmittelbar nach oder auch vor der Geburt bilden, in Beziehung gesetzt werden können zum Lebensalter eines Menschen. Dabei wird auch die vorgeburtliche Zeit zumeist als Spiegel des aktuellen Lebens betrachtet (aber nicht als eine Methode, um Aufschluss über etwaige frühere Leben zu erhalten).
Dieser Grundgedanke leitet sich aus der Ansicht ab, dass es im Leben “wie im Großen, so im Kleinen” zugeht. Als Bild könnte man die Geburt als ein punktuelles Ereignis betrachten, als einen Wassertropfen, der in ein Gewässer fällt. Um diesen Wassertropfen herum bilden sich nun kreisförmige Wellen, die sich immer weiter nach außen fortsetzen. Die Form der Welle, die sich außen bildet, hängt unter anderem von der innersten Welle um den Tropfen herum ab.
Direktionsschlüssel
Die Grundfrage der Direktionen lautet, wie die primäre oder die sekundäre Weiterbewegung der Horoskopfaktoren nach (oder vor) der Geburt auf die Lebenszeit übertragen werden kann. Mit Hilfe eines so genannten Direktionsschlüssels werden die Grade des Fortschritts der Planetenbewegungen in Lebenszeit umgerechnet. Die bekanntesten Schlüssel nutzen dabei die Gleichung
1° Fortschritt = 1 Lebensjahr
Je nachdem, welche Bewegung einem Direktionsverfahren zugrunde liegt, wird der 1° Fortschritt mit einem anderem Zeitabstand der Gestirne zu ihrer Geburtsposition verbunden.
Primärer Direktionsschüssel
Wenn die primäre Bewegung zugrunde liegt, bildet man im Allgemeinen eine Analogie zum so genannten Sternzeitfortschritt von etwa 4 Minuten zum Lebensjahr. Etwa 4 Minuten benötigt ein Gestirn am Himmel, um ein Grad auf dem Himmelsäquator zurückzulegen.
Der Schlüssel für primäre Direktionsverfahren lautet daher:
4 Minuten = 1 Lebensjahr
Sekundärer Direktionsschlüssel
Bei der sekundären Bewegung wird die (scheinbare) Bewegung der Sonne im Tierkreis zugrunde gelegt. 1° ihrer Bewegung im Tierkreis entspricht in etwa einem Tag auf der Erde.
Der Schlüssel für sekundäre Direktionsverfahren lautet daher:
1 Tag = 1 Lebensjahr
Es gibt unterschiedliche Wege, diesen Grundgedanken in die Praxis umzusetzen. Der so genannten Ptolemäische Schlüssel rechnet das Lebensalter nach der Formel 1 Jahr ist 1° um. Der Nabod-Schlüssel (oder Naibod-Schlüssel) verwendet die mittlere Geschwindigkeit der Sonne von 0° 59′ 8,25″ pro Tag und setzt diesen Wert mit einem Lebensjahr gleich. Der Sonnbogen wird berechnet, indem die tatsächliche Bewegung der Sonne als Grundlage genommen wird und dabei pro Lebensjahr ein Tag nach der Geburt gerechnet wird.
Direktionsbogen
Der Betrag, um den alle Horoskopfaktoren für ein entsprechendes Alter verschoben werden, heißt Direktionsbogen.
Beispiel:
Nehmen wir für 1 Jahr im Leben eines Menschen 1° auf dem Tierkreis (der so genannte Ptolemäische Schlüssel). Ein 25-Jähriger hat dann einen Direktionsbogen von 25 x 1° = 25°.
Direkte und konverse Führung
In der Praxis wird nicht nur die Zeit nach der Geburt in Lebenszeit umgewandelt, sondern auch die Zeit vor der Geburt. Dabei geht man schrittweise in der Zeit zurück anstatt vorwärts. Eine vorwärts gerichtete Direktion nennt man direkt, eine rückwärts gerichtete nennt man konvers. Aus beiden zieht man aber Schlüsse für das Leben, das sich nach der Geburt entwickelt.
Beispiel
Direkte Führung
Im Innenkreis sehen wir das Bezugshoroskop, im Außenkreis die dirigierten Positionen der Planeten, die alle um den gleichen Bogen im Tierkreissinn verschoben wurden – also in direkter Führung. Wir können sehen, dass zum Beispiel der dirigierte Mond den Aszendenten der Radix berührt. Man spricht hier auch von einer Auslösung des Aszendenten durch den dirigierten Mond. Gut erkennbar ist, dass alle Horoskopfaktoren um den gleichen Betrag verschoben wurden, so als ob man das Horoskop als Ganzes im Außenkreis im Tierkreissinn gedreht hätte. Die relativen Positionen der Planeten untereinander bleiben also alle erhalten – nur ihre Positionen im Tierkreis haben sich verändert.
Konverse Führung
Im Innenkreis wieder das Bezugshoroskop, im Außenkreis diesmal das entgegen des Tierkreis, also konvers geführte Direktionshoroskop. Deutlich kann man erkennen, dass diesmal der dirigierte Aszendent auf den Radix-Mond geführt wird: die Auslösungen aus der direkten Führung wiederholen sich in der konversen Führung, nur das innen und außen vertauscht sind. So gesehen stellt die konverse Führung keinen Mehrwert an Informationen zur Verfügung, wenn wir lediglich die Auslösungen zwischen Radixfaktoren und dirigierten Positionen betrachten. Erst wenn wir den Tierkreis einbeziehen erhalten wir neue Informationen, zum Beispiel indem wir die Position des Aszendenten auf den Tierkreisgraden beobachten.
© 2006 astrophoenix @ 14. November 2006
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Schlagwörter: Direktion, Direktionsschlüssel, Prognose
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