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Christopher Weidner

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Pluto

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abbildungPluto im Horoskop

Leitsatz: „Ich bin nichts.“

Dort, wo im Horoskop Pluto steht, wirken schablonenhafte Prinzipien in mir, denen ich mich bedingungslos unterwerfe und für die ich meine Persönlichkeit opfern würde. Was diesem zur Selbstaufgabe zwingendem Ideal nicht entspricht, wird das Recht zur Existenz abgesprochen. Solche überpersönlichen Maßstäbe erwachsen oft aus der Macht, die eine Gemeinschaft, in die ich eingebettet bin, auf mich ausübt.

Pluto trennt das Licht und den Schatten und so kennt er nur schwarz und weiß. Um die Eindeutigkeit seines Standpunktes nicht zu gefährden, lehnt er jeglichen Kontakt zur Umwelt radikal ab. Er zeigt mir, wo ich Themen tabuisiere und dogmatisiere und auf keinen Fall hinterfragt werden möchte.

Seine Stellung zeigt mir die Bereiche meines Lebens, in denen ich schwer loslassen kann. Er verweist auf meinen Drang nach Perfektion, der an der Vielfalt des Lebendigen vorbeigehen und in blindem Eifer münden kann. Genauso gut aber bringt er mich dazu, mich einer Sache zu verschreiben, und sie, koste es, was es wolle, mit Leidenschaft durchzuziehen. Das Symbol des Pluto, wie es hier dargestellt ist, zeigt die Sichel des Mondes in eine Kreis eingeschlossen: die subjektive Wahrnehmung ist abgekapselt von der Wirklichkeit und kann keine sie verändernden Eindrücke mehr aufnehmen.

So wie Pluto die Kraft des Atoms und des Erdöls verkörpert, gibt es auch in mir tief wurzelnde Quellen, die ungeheure Mengen von Energie freisetzen können. In Ausnahmesituationen lassen sie mich über mich selbst hinauswachsen – sind jedoch schwer zu kontrollieren: einmal entfesselt, ist es kaum möglich sie zu stoppen, bevor nicht das (bittere) Ende in Sicht ist …

Stichworte zu Pluto:
Opfer, Macht, Ideal, Dogma, Tabu, Fanatismus, Prinzipien, Radikalität, Leidenschaft.

Pluto aus der Anschauung

abbildungAuf dem Außenposten unseres Sonnensystems finden wir nach den großen Planeten aus Gas und Staub einen Winzling aus Eis und Fels, den C. Tombaugh erst im Jahr 1930 entdeckte: Pluto.
Historisch gesehen fällt die Entdeckung des bislang letzten Planeten in die Zeit um die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933, was dem Planeten immer wieder Assoziationen von extremen Fanatismus der Massen, unerbitterlicher Verfolgung durch Ideologien und kollektiver Verführung zutrug. Die damit verbundenen Massenschicksale und der Ausbruch eines Krieges von noch nie dagewesenem Ausmaß führten zu der oft sehr negativen Einschätzung Plutos. Zwiespältig ist auch seine Beziehung zur Entdeckung der Kernspaltung (Plutonium) und ihren historischen Konsequenzen als auch zu Nutzung des Erdöls, welches sich in den dreißiger Jahren zum Schlüsselprodukt der Weltwirtschaft und der Rüstungsindustrie entwickelte. Bei allem, was Pluto berührt, scheint es um eine dramatische Verquickung der Themen „Masse und Macht“ (Canetti) zu gehen: um die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber das Persönliche übersteigenden Kräften.

Seit 2006 gilt Pluto astronomisch nicht mehr als Planet, sondern ist nun Mitglied einer neuen Gruppe von Himmelskörpern, den Zwergplaneten. Zu dieser Gruppe gehört u.A. auch der ehemalige Asteroid Ceres. Astrologisch ändert sich jedoch nichts, denn die astronomische Nomenklatur ist für die Astrologie nicht maßgeblich – wie ja schon deutlich wird, wenn in der Astrologie Sonne und Mond als Planeten betrachtet werden.

Pluto in der Mythologie

abbildungWährend Zeus bei der Aufteilung des Reiches seines besiegten Vaters Kronos den Himmel und die Herrschaft über die Götter erhielt, wurde Poseidon das Meer und seinem zweiten Bruder Hades/Pluto die Unterwelt zugesprochen. Daß der letzte bekannte Planet diesen Namen zugewiesen bekam, mag vor allem mit dem Umstand zusammenhängen, dass er zunächst die Initialen P.L. erhielt, nach dem Percy-Lowell-Observatorium, an dem er entdeckt wurde.

Vieles an der Gestalt des lichtscheuen Hades erinnert an den astrologischen Pluto und die düsteren und feindseligen Züge dieses Totengottes trugen wesentlich zu seinem bis heute so unmenschlich und gnadenlos wirkenden Ruf bei. Unerbittlich, aber gerecht herrscht er über die Schatten der Verstorbenen, für die es ohne Ausnahme keine Rückkehr mehr geben kann. Die helle Welt der olympischen Götter interessiert ihn nicht, es kümmert ihn wenig, dass ihn die Menschen hassen und fürchten und so schottet er sich in der Tiefe seines Reiches ab, vor den Blicken anderer geschützt durch die Kraft eines magischen Helmes, der ihm Unsichtbarkeit verleiht.

Der schrecklichste aller Götter ist zugleich auch der reichste, und Hades verfügt über all die unermesslichen Schätze, die in der Erde verborgen sind, Erze und Edelsteine, was ihm den Beinamen „Pluton“, der Reiche, einbringt. Aber auch alles, was aus den Tiefen der Erde seinen Weg ans Licht der Welt bahnt, untersteht seiner Macht, wie die im dunklen Schoß keimende Pflanzenwelt. Aus diesen Gründen gesellten ihm die Künstler vielfach das Füllhorn bei, aus dem Früchte, Blumen und andere Kostbarkeiten der Erde unerschöpflich hervorquellen.

© 2007 Christopher Weidner @ 27. August 2007

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