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Christopher Weidner

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4 Kommentare

  1. Dagmar Wäscher
    Dagmar Wäscher
    7. November 2006 @ 23:00

    Oscar Wilde…. das hat mich veranlasst, eines meiner Lieblingsmärchen zu gedenken, das aus seiner Feder stammt: “Der Glückliche Prinz”. Überhaupt hat er unglaublich schöne Märchen erfunden! Seine Wortgewandtheit hat es mir schon lange angetan. Danke Christopher, für diesen Artikel! Auf den Mond von ihm freue ich mich jetzt schon.
    Bei all dem, was du beschrieben hast, fällt mir die Jupiter-Chiron-Konjunktion irgendwie ins Auge.

    Liebe Grüße
    Dagmar

  2. Susanne
    7. November 2006 @ 23:13

    Ein schönen Abend hier!
    Ich habe mir das Radix des Oscar Wilde angeschaut und da sprang mir doch der Auslösungsgrad (MRL)von 15 Grad Skorpion ins Auge!
    Richtig-da ist die heute und morgen Sonne drauf- der WildscheUranus steht in Opposition und bis Sommer nächsten Jahres löst sich direkt der Geburtsmerkur aus.
    Das wird ein Oskar Wilde Memoriam aktivieren.
    Die Gelder davon fliessen wahrscheinlich in die Taschen der Enkel von den Spöttern und Moralisten
    (Venus-Pluto Opposition-nicht gelöste Clanhetze)
    Derbe dazugesenft meine ich ,das der homoerotische Mensch in feiner Art ,der Ästhet schlechthin ist.
    Aber das ist Wertung von mir*g*
    Gruss
    Susanne:-

  3. Christopher Weidner
    Christopher Weidner
    8. November 2006 @ 08:56

    Hallo Dagmar!

    Oscar Wildes Märchen haben meine Kindheit und Jugend begleitet. Mein persönlicher Favorit ist “Die Nachtigall und die Rose” und “Der Fischer und seine Seele”.

    Hallo Susanne!

    Ja – das ist mir gar nicht aufgefallen! Auch nach Roscher ist 15° Skorpion ein Kritischer Grad mit der Konstellation VE/PL. Quasi sein “Merkur/Uranus-Geburtstag” gerade.

    Herzliche Grüße,
    Christopher

  4. Barbara Wiehl
    8. November 2006 @ 11:05

    Hallo Christopher,

    Ein Genuss par exellence , deine Deutung.

    Bitte mehr davon. “gg”

    Hallo Suse

    Zur richtigen Zeit am richtigen Ort in die Radix geschaut.

    Merkur in drei , der Verstand schneller als die Worte, ebenso schneller als die Computertasten “gg”

    Nicht gelöste Clanhetze, ein interessante Wortschöpfung.

    Frage mich ob ich zur Zeit am richtigen Ort und im richtigem Jahrhundert bin. Kann Frau heute noch mit einem Mann befreundet sein.?? gg

    Warum redete er sich um Kopf und Kragen?

    Ein Hinweis könnten diese Worte von ihm sein
    Jeder tötet was er liebt.
    Der Feigling mit einem Kuss
    Der Tapfere mit einem Schwert.

    Passend zur Skorpionzeit, und kritischem Grad auf 15 Grad Skorpion

    Maybe hat er in letzter Konsequenz seine Anlagen gelebt, aber seinen Saturn nicht ganz verstanden.
    Jeder verstandene Saturn ist ein Kraftfeld, das Stärke und Rückgrat gibt.

Oscar Wilde – Aszendent Jungfrau

Horoskope | (4) Kommentare |

abbildungOscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde
Geburtstag: 16.10.1854
Uhrzeit: 03:00 LMT (03:25 GMT)
Geburtsort: Dublin, Irland
Quelle: IHL 1*

“Meine erste Begegnung mit Oscar Wilde löste Erstaunen aus. Ich hatte noch nie zuvor einen Menschen in vollkommenen Sätzen sprechen hören, als ob er sie alle nachts zuvor geschrieben hätte, doch wirkten sie ganz spontan.” William Butler Yeats

“Oscar Wilde unterhielt sich nicht, er erzählte Geschichten. Er hörte nicht auf damit. Er erzählte leise, bedächtig; allein schon seine Stimme war wunderschön.” André Gide

Der Aszendent – “Die Welt ist eine Bühne. Doch das Stück ist schlecht besetzt.”

Der Aszendent und die mit ihm verbundenen Konstellationen geben Auskunft darüber, welche Eigenschaften ein Mensch ins Leben mitgebracht hat, um sich in dieser Welt durchzusetzen. Er versorgt ihn auf eine typische Art und Weise mit der Kraft, die notwendig ist, um den eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Aszendent verkörpert Fähigkeiten, die ich Fertigkeiten nennen möchte, denn sie sind schon fertig in uns angelegt, wenn wir zur Welt kommen. Freilich müssen sie sich entwickeln, werden sich im Laufe unseres Lebens durch die Erfahrung verfeinern, aber als Grundstrategie der Selbstbehauptung funktionieren sie schon vom ersten Atemzug an.

abbildungOscar Wildes Aszendent befindet sich in Jungfrau. Der Herrscher des Aszendenten ist Merkur in Haus 3. Wichtige Aspekte empfängt Merkur durch das Quadrat zu Mond als Herrscher von 11 in 11 und die Opposition zu Uranus als Herrscher von 6 in 9.

Oscar Wilde wurde mit dem Gespür geboren, zum rechten Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Auf subtile Weise vermag Wilde Nuancen von Unterschieden in seiner Umwelt wahrzunehmen, um sich ganz unmittelbar, fast instinktiv auf sie einzustellen und sich ihr anzupassen. Man könnte sagen: die instinktive Verteidigungsstrategie Wildes angesichts anstehender Veränderungen besteht darin, sich an die Umweltbedingungen auszusteuern – in einer fließenden, beweglichen Weise, sich in die Situationen, die einem begegnen, zu fügen. Mühelos spürt er Grenzen und Widerstände auf und versteht es, sie gewandt zu umgehen. Auf Konfrontation ist er nicht aus – seinem Naturell entsprechend sucht er einen geschmeidigen Umgang mit Hindernissen. Selbst wenn es sehr eng wird und sein Freiraum streng beschnitten wird, kann er so das Optimum aus der Situation holen, sich in diese fügen – und so überstehen. (vgl. Aszendent Jungfrau)

Am deutlichsten drückt sich diese natürliche Fertigkeit zur Beobachtung und Analyse der Umwelt im Bereich der körperlichen und kommunikativen Selbstdarstellung aus. Zum Einen war Oscar Wilde für seinen Sprachwitz, seinen virtuosen Umgang mit Wörtern, die Kraft seiner brillanten Formulierungen und seine Schlagfertigkeit berühmt, die er vor allen in seinen zahlreichen, sehr erfolgreichen Theaterstücken unter Beweis stellte. Zum Anderen wissen wir, dass er stets gepflegt gekleidet war und äußerst bedacht auf seine Erscheinung war. Nicht zuletzt deshalb galt er als Schönheitsfanatiker, dem die Form oft wichtiger war als der Inhalt. Sich selbst nannte er gerne “Professor der Ästhetik” und tat Aussprüche wie: “Die Phantasie richtet sich auf die Weste. Westen verraten, ob ein Mann Poesie bewundern kann oder nicht.” (Holland 2003, S. 11) Und: “Männer sollten mehr Samt tragen, denn er fängt Licht und Schatten ein, wohingegen feiner Wollstoff häßlich ist, weil er das Licht nicht aufnimmt.” (Holland 2003, S. 15) Dieser Sinn für die schöne Oberfläche verließ ihn selbst in den schwierigsten Situationen seines Lebens nicht. So soll er bei seiner Entlassung aus dem Gefängnis bei seiner ersten Begegnung mit seiner Freundin Ada Leverson, die er Sphinx nannte, gesagt haben: “Sphinx, wie wunderbar von Ihnen, daß Sie genau wissen, welchen Hut man morgens um sieben tragen sollte, wenn man einen Freund trifft, der lange fort war.” (Holland 2003, S. 176) (vgl. Merkur aus 1 in 3)

Wilde fiel auch durch seine körperliche Größe auf: mit seinen 1,90 Metern überragte die meisten seiner Zeitgenossen. Und die amerikanische Journaille war etwas überrascht, als Wilde 1882 die Vereinigten Staaten besuchte, denn man hatte einen verzärtelten, tuntigen, Lilien schwenkenden Gecken erwartet. Stattdessen begegnete den Reportern ein stattlicher Mann mit kraftvoller Ausstrahlung. (vgl. Sonne in 2 in Quadrat zu Jupiter). Gerade im Umgang mit der Presse erwies sich Wildes sprachliches Durchsetzungsvermögen und seine Schlagfertigkeit. (vgl. auch Mars in 3)

Wilde suchte jede Gelegenheit, sich selbst darzustellen, sei es durch überraschende Rhetorik und ungewöhnliche Ansichten oder durch glanzvoll inszenierte Auftritte als “Professor der Ästhetik” (vgl. Merkur in Opposition zu Uranus) . In der Tat könnte man sagen, dass Selbstdarstellung so etwas wie ein Lebenselixier für ihn war – ein unwiderstehlicher Drang, dem er, wo auch immer der Kontext es anbot, Folge leistete. Dies war zweifelsohne die zentrale Quelle der Kraft in seinem Leben.

Doch genau dieser unwiderstehliche Drang brachte ihn immer wieder auch in problematische Situationen. Am Ende wurde er sogar zu seinem großen Stolperstein: letztlich war es nur eine unbedachte Bemerkung in jenem Prozess, mit der sich um Kopf und Kragen geredet hatte.

Welche Situationen mögen den ansonsten so brillanten Kopf dazu verleitet haben, seine natürliche Begabung, sich im Umgang mit der Welt stilsicher und angemessen zu bewegen, stets das Richtige zur rechten Zeit sagen zu können, außer Kraft gesetzt haben?
Wenn es um die Frage nach den Bedingungen geht, die den Aszendenten in der Entwicklung seiner Eigenschaften herausfordern, sehe ich mir den Deszendenten an. Er gibt Auskunft darüber, welche Situationen genau jene Informationen enthalten, um Fertigkeiten des Aszendenten weiter zu entwickeln – sie stellen gewissermaßen die Lernaufgabe des Aszendenten dar.
Der Deszendent von Oscar Wilde befindet sich in den Fischen. Der Herrscher des Deszendenten ist Neptun, der sich an der Spitze von Haus 7 befindet und nach der Regel vom letzten Sechstel, nach der er Planet, der im letzten Sechstel seines Hauses steht, bereits ins Folgehaus zählt, für mich in Haus 7 steht.

Menschen, die mit der angeborenen Fertigkeit leben, sich in die Welt einzufühlen, um herauszufinden, wo der ideale Platz für sie ist, um sich mit ihren Bedürfnissen durchzusetzen, bringen die Gabe mit, das, was ihnen begegnet, auf eine ihnen gemäße Weise zu ordnen, sich sozusagen hineinzufügen, sich in einem wachsenden Maße anzupassen. Wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass sie die Welt als einen Pool an Möglichkeiten erleben können, in denen noch nichts fest steht, nichts einen festen Platz hat – denn nur so können sie sich darin üben und ausprobieren, wie es ist, die Welt zu für passend zu gestalten.

Man könnte auch sagen, dass sie sich von allen Situationen angezogen fühlen, in denen es darum geht, etwas Nützliches zu schaffen – wobei “nützlich” keinen Wert an sich darstellt, sondern sich auf die Frage bezieht: Was ist jetzt gerade das Richtige für mich? Was passt im Augenblick? Genau deshalb benötigen sie Gegebenheiten, die noch nicht geordnet sind und die sich formen und prägen lassen. Kurz gesprochen: Ihre natürliche Gabe, der Welt eine individuelle Ordnung zu verleihen braucht Situationen, in denen ein gewisses Maß an Chaos herrscht.

So gesehen musste Oscar Wilde ein Gerichtsprozess interessieren, denn auch wenn er sich seiner Sache sehr sicher gewesen sein mag, muss er doch gewusst haben, dass er sich auf ein Spiel eingelassen hatte, in dem unzählige Unwägbarkeiten und Risiken lauerten. “Darüber hinaus hatte er wohl den abstrusen Wunsch, vor Gericht ein theatralisches Stück in Szene zu setzen, dessen Prolog er selbst geschrieben hatte, dessen Ausgang jedoch nur Fortuna kannte.” (Holland 2003, S. 151) (vgl. Fische-Deszendent, zusätzlich Neptun in Konjunktion mit dem Deszendenten)

Möglicherweise glaubte er sogar, dass ihm, dem erfolgreichen Schriftsteller und Liebling der Society, das Gesetz nichts anhaben könne – ein fataler Irrtum. Sehr wahrscheinlich reizte ihn aber an dieser Situation auch das öffentliche Interesse, zumal er sich als Künstler in Verruf gebracht sah. Es wurde aus seiner Sicht zu einem Kreuzzug gegen die in seinen Augen verlogene, kunstfeindliche Moral des viktorianischen England. Das Gericht als Bühne. Und hier verliert Wilde jede Dimension für die Realität und beginnt, sich selbst zu überschätzen. An vielen Stellen Prozesse gelingt es ihm, die Tarnung aufrechtzuerhalten, und sich als der zu beweisen, der er immer vorgegeben hatte zu sein – ein Gentleman, der sich nichts zu Schulden habe kommen lassen als für seine Vorstellungen von Schönheit und Kunst einzustehen. (vgl. Neptun in 7)

“Dann kam er [Carson, der Anwalt Queenburys, Anm. d. Autors] auf Dorian Gray zu sprechen. Wilde war in seinem Element und verteidigte seine Ansichten über Kunst und Moral. Carson zitierte die [...] ‘gereinigte Fassung’ und befragte Wilde nach ebendem Satz, den er umsichtigerweise aus dem Buch getilgt hatte. ‘Haben Sie je einen jungen Mann bis zum Wahnsinn verehrt?’ – ‘Nein, nicht bis zum Wahnsinn; ich ziehe die Liebe vor – sie ist eine erhabenere Form. Verehrung habe ich nie jemand außer mir selbst zukommen lassen.’ Ein kritischer Augenblick, doch Wilde spielte wieder einmal für die Galerie. Carson war nicht in der Lage, eine Strafbarkeit nachzuweisen.” (Holland 2003, S. 159-164)

Carsons Taktik ging auf: während Wilde glaubte, durch seine Rhetorik jede Attacke parieren zu können, sich in seinem Element wähnte, indem er sich und seine Kunst wortgewandt verteidigte, gelang es dem Anwalt des Marquis ihn genau an dieser Stelle zu treffen – und ihm eben jene fatale Bemerkung zu entlocken, mit der er sich selbst Schach matt setzte.

An dieser Stelle ist die Position des Aszendenten auf dem Kritischen Grad (nach Michael Roscher) 14°-16° Jungfrau mit der Konstellation Merkur/Neptun zu bemerken. Michael Roscher schreibt dazu: “kann die eigenen Ansichten gut verstecken; kann unbewusst auf andere so wirken, wie er gesehen werden möchte” (Roscher 2005, S. 91). Dieser “Chamäleon”-Mechanismus wird hier außer Kraft gesetzt – die Tarnung fliegt auf.

Bemerkenswert ist auch das Quadrat das Saturn in 10 auf die Horizontachse wirft. In der Schule für TPA wird diese Stelle an der real höchsten Stelle über dem Horizont als “Quasi-MC” bezeichnet. Einem Planeten am “Quasi-MC” wird eine besondere Bedeutung für die persönliche Entwicklung des Horoskopeigners zugestanden. Saturn selbst ist Herrscher von 5 in 10. Mit Saturn in Haus 10 wird nach Michael Roscher der “Sturz aus der Höhe” (Roscher 1989, S. 353) verbunden – bei Menschen, die in öffentlichen Zusammenhängen stehen, zum Beispiel Politikern. Thema ist dabei immer die Überschätzung der eigenen Bedeutsamkeit angesichts gesellschaftlicher Anfeindungen. Für mich bildet diese Konstellation das “Damokles”-Schwert Wildes – dessen seidener Faden riss, als er sich im Verlaufe des Prozesses in der Einschätzung der Realität irrte, zu hoch pokerte – und verlor. (Vgl. Neptun am Deszendenten in Quadrat zu Saturn als Quasi-MC).

Oscar Wildes Fall wurde zum Politikum. Nachdem im ersten Verfahren der Krone gegen den Dichter die Geschworenen zu keiner Einigung kommen konnten, wäre die Justiz nicht verpflichtet gewesen, den Fall weiter zu verfolgen. Aber genau das tat sie. Vielleicht waren Intrigen von Queensbury im Spiel, viel wahrscheinlicher aber ist es, dass die Wahlen vor der Türe standen und die Regierung gegen den moralischen Verfall ein Exempel statuieren wollte. “Bedenkt man, daß Wilde nach einem Gesetz verurteilt wurde, das erst zehn Jahre zuvor erlassen worden war und sich primär gegen den wachsenden Verfall der Sitten richtete [...], so erscheint Wildes Fall als Musterprozeß, mit dem zugleich die gesamte Verworfenheit der Zeit verurteilt werden sollte. Zudem verkörperte Wilde jenen irritierenden, spöttisch-arroganten Dandy, der bewußt im krassen Gegensatz zu den konservativen Kräften der Zeit stand [...]. Nicht so sehr seiner Person galt die Verfolgung als dem Prinzip, das dahinterstand.” (Funke 1999, S. 144-145)
Wildes kreativer Geist, seine künstlerische Produktivität hatten in hoch hinaus gebracht. Er prägte mit seinem Lebensstil und seiner Dichtkunst eine ganze Zeit, wurde als Stilikone hofiert – und ging letztlich daran zugrunde. (vgl. Saturn aus 5 in 10 – meine Kreativität wird zum öffentlichen Maßstab – in Quadrat zu Aszendent und Deszendent)

Im nächsten Artikel geht es um den Mond im Horoskop von Oscar Wilde

Der Hintergrund

Das Schicksal nahm für Oscar Wilde seinen Lauf, als dem Marquis von Queensbury die Abschrift eines Briefes gerichtet an seinen dritten Sohn Lord Alfred “Bosie” Douglas in die Hände fiel. Darin war zu lesen: “… es ist ein Wunderding, daß Deine roten Rosenblätterlippen für die Melodie von Liedern so gut geschaffen sind wie für die Raserei von Küssen.” (zitiert nach Holland 2003, S. 145) Außer sich vor Wut unternahm der Marquis, der für seine gewalttätigen Anwandlungen bekannt war, alles, um die unmoralische Liaison seines Sohnes mit dem Schriftsteller zu unterbinden – zumal er bereits seinen ältesten Sohn dem Verdacht der Homosexualität ausgesetzt sah. Doch Oscar und Bosie dachten nicht im geringsten daran, die Drohungen Queensburys ernst zu nehmen – im Gegenteil: anstatt nun größere Vorsicht walten zu lassen, um einen Skandal zu vermeiden, ließen sie es sich nicht nehmen, sich möglichst oft in öffentlichen Etablissements gemeinsam blicken zu lassen. Es war eine bewusste Provokation.

Lord Alfred Douglas verachtete seinen brutalen Vater aus tiefstem Herzen und für den sechzehn Jahre älteren Oscar Wilde war der Marquis nichts weiter als ein primitiver Cretin. Im Gegensatz zu Wilde, der ein spätes “Coming-out” hatte, war “Bosie” in der homosexuellen demi-monde schon vor Wilde kein unbeschriebenes Blatt und es liegt die Vermutung nahe, dass nicht Wilde die Verführung des jungen Lords anzulasten war, sondern der “unsittliche Lebenswandel” auf Impulse des zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens im Jahre 1891 21-Jährigen zurückzuführen ist.

Queensbury jedoch war entschlossen dem Treiben ein Ende zu bereiten. Er beleidigte und bedrohte den Dichter und bezichtigte ihn öffentlich der Sodomie. Wilde reagierte prompt – und verklagte den Marquis wegen Verleumdung, wahrscheinlich angestachelt von seinem jugendlichen Freund, der darin vielleicht die Chance sah, sich seines Vaters zu entledigen. Später wird Wilde in seinem langen Abrechnungsbrief “De profundis” – “Aus der Tiefe” – an “Bosie” schreiben:

“Ich war nicht Herr über meine Seele und wußte es nicht. Ich ließ mich von Dir beherrschen und von Deinem Vater einschüchtern. Meine Urteilskraft ließ mich im Stich. Ich sah keine Möglichkeit, einem von Euch beiden zu entrinnen. Blindlings wankte ich wie ein Ochse zum Schlachthaus.” (zitiert nach: Holland 2003, S. 151)

Es bleibt ein Rätsel, warum Wilde sich auf diesen Prozess eingelassen hat. Vielleicht war es der abstruse Wunsch, sich selbst zum Künstler als Opfer der bürgerlichen Moral seiner Zeit zu stilisieren, die er so sehr hasste – zumal ihm im Vorfeld zugetragen worden war, dass sein Dorian Gray als “unmoralisches und obszönes Werk” gegen ihn ins Feld gebracht werden sollte. Vielleicht war es der Reiz der Inszenierung vor Gericht, der ihn dazu brachte, alle Vernunft fallen zu lassen und den Skandal zu riskieren. Oscar Wilde war sich seiner Sache sicher – wie er bald herausfinden sollte: zu sicher.

Im entscheidenden Moment nahm der Prozess gegen Queensbury eine Wende, die Wilde ins Zuchthaus brachte. Dabei war es nichts weiter als eine dumme Bemerkung, eine in Wortwitz gewandete Anspielung, die ihm zum Verhängnis wurde.

“Wilde war voller Zuversicht, als der zweite Verhandlungstag begann und Carson (der Verteidiger des von Wilde verklagten Marquis of Queensbury, Vater seines Geliebten Lord Alfred Douglas, Anm. des Autors) ihn nach seinem Privatleben befragte. ‘Trinken Sie selbst Champagner?’ – ‘Ja; eisgekühlter Champagner ist mein Lieblingsgetränk – ganz gegen die Anweisungen meines Arztes.’ – ‘Lassen Sie die Anweisungen Ihres Arztes aus dem Spiel, Sir!’ – ‘Das tue ich grundsätzlich.’ Weitere Fragen zu Douglas und dessen Diener in seiner Wohnung in Oxford. ‘Haben Sie ihn jemals geküßt’ – ‘Meine Güte, nein. Er war ein besonders reizloser Junge. Es tat mir leid für ihn.’ – ‘War das der Grund, warum Sie ihn nicht geküßt haben?’” (Holland 2003, S. 164)

Damit hatte sich Wilde gewissermaßen um Kopf und Kragen geredet: die Zunge war schneller als der Verstand. Zwar zog Wilde auf Anraten seines Anwaltes die Klage zurück, aber es war zu spät: der düpierte Queensbury wies seine Anwälte an, die Akten an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, und noch am selben Abend wurde Wilde festgenommen.

Am 25. Mai 189 wurde Wilde dem Dichter der Prozess gemacht. Er wurde wegen “schwerer Unzucht” zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Unter Hohn und Spott der Bevölkerung wurde der einstmals als Star und Stilikone gefeierte Oscar Wilde ins Zuchthaus verfrachtet, wo er den unmenschlichen Bedingungen des englischen Strafvollzuges dieser Zeit in voller Härte und ohne Hoffnung auf Gnade ausgesetzt war. Wilde verlor alles: seine Ehre, seine Familie, seinen Besitz. Die Verleger wandten sich von ihm ab, Freunde kehrten ihm den Rücken. Er war am tiefsten Punkt seines Lebens angekommen.

Literaturhinweise

abbildung Das Oscar-Wilde Album
Autor: Merlin Holland
ISBN: 389667238X
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abbildung Oscar Wilde. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten.
Autor: Peter Funke
ISBN: 3499501481
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abbildung Das Astrologiebuch. Berechnung, Deutung, Prognose
Autor: Michael Roscher
ISBN: 3899971175
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abbildung Kritische Grade im Horoskop. Schnelldiagnose und Tiefendeutung
Autor: Michael Roscher
ISBN: 3899971213
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© 2006 Christopher Weidner @ 7. November 2006

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