Oscar Wilde – Löwe-Mond in 11
Mond in Löwe in 11 aus 11 – “Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.”
Über den Mond bin ich untrennbar mit all meinen Stimmungen und Gefühlsschwankungen an die Welt geknüpft. Er verkörpert den unverwechselbaren emotionalen Zustand, mit dem ich mich, ohne dass es mir bewusst wäre, in meiner Wirklichkeit bewege, er entspricht meiner allgemeinen Art, “zwischen den Dingen zu sein”. Diese emotionale Einstellung zur Welt ist das Fundament meiner Identität.
Oscar Wildes Mond steht im Löwen und ist Herrscher von Haus 11 in 11. Die wichtigsten Aspekte sind das Quadrat zu Merkur in 3 und zu Uranus in 9 – diese drei Planeten bilden demnach ein T-Quadrat.
Oscar Wildes Grundgefühl in dieser Welt ist geprägt von dem Anspruch, selbige müsse ihm eigentlich zu Füßen liegen. Damit verbunden ist sehr häufgig der Anspruch, alle Aufmerksamkeit müsse sich auch einen drehen. In der Regel aller Fälle gelingt es auch, diesen Anspruch zu erfüllen, denn nicht selten gesellt sich ein gewisser Charme dazu, mit dem er seine Umwelt gut um den sprichwörtlichen Finger wickeln kann.
Kreativität und Produktivität sind ein weiteres Merkmal, mit dem Oscar Wilde der Welt begegnet: sie ist eine einzige Einladung, sich aktiv einzubringen und in ihr die eigenen Spuren zu hinterlassen. (vgl. Mond in Löwe)
Damit einher geht möglicherweise eine gewisse Bindung an den Zuspruch der Umwelt: ohne die Anerkennung durch andere ist die Welt für Oscar Wilde kein besonders attraktiver Ort. In Augenblicken, in denen er sein Wohlbefinden zu sehr von der Befriedigung seiner Eitelkeit abhängig macht, wird ihm deutlich, wie wichtig es ist, etwas zu haben, dass über den Wankelmut der Umwelt hinaus eine gewisse emotionale Beständigkeit garantiert.
Für Wilde mag sich dies in den Augenblicken seiner kreativen Entfaltung, beim Dichten, Schreiben, Sprechen ergeben haben. Doch ebenso typisch für ihn ist der Umstand, dass er scheinbar die besten Werke dann hervorbrachte, wenn er sie eingedenk möglicher Reaktionen eines Publikums fertigte – und selbst wenn es sich nur um ein eingebildetes handelte. Sein eindringlichstes und dramatischstes Werk De profundis schrieb er als Abrechnung in Richtung seines Geliebten – ihn inspirierte offensichtlich die Vorstellung, dass “Bosie” diese bitteren Zeilen dereinst in die Hände bekommen würde, damit er gewissermaßen zu spüren bekäme, wie er durch seine frivolen Launen das Leben des Dichters zugrunde gerichtet hätte. “Es ist ein eigenartiger Brief, von Widersprüchen genauso durchsetzt wie von Platitüden. Andererseits enthält es Einsichten, klar und eindringlich schlicht formuliert, die überhaupt nicht zu den Passagen passen, die durch ihren gekünstelten Stil abstoßen. Der Einsichtige steht neben dem Überheblichen, der Belehrende neben dem Demütigen.” (Funke 1999, S. 150)
Vielleicht wird in diesem Brief wie in keinem anderen Dokument deutlich, wie widersprüchlich Oscar Wilde oft das für sich interpretierte, was die Welt ihm bot. Möglicherweise liegt aber auch genau in diesem, den Widerspruch förmlich suchenden Zugang zur Wirklichkeit ein weiterer Teil der Lösung des Rätsels, warum er sich am Ende fast freiwillig in diese prekäre Situation gebracht hatte, die ihm die demütigendste Erfahrung seines Lebens bescherte. Nichts mehr verabscheute er als Mittelmäßigkeit und den bürgerlichen Kleingeist. “Die Welt ist sehr grausam gegen die, die ihr sich widersetzen. Sie erläßt ihre Gesetze, und wehe denen, die es wagen, selbständig zu denken, die sich erkühnen, selbst darüber entscheiden zu wollen, ob sie ihre Eigenart und ihre natürliche Anlage sich ausleben lassen dürfen oder ob sie sie von den eisernen Händen der Herkömmlichkeit erdrücken lassen müssen.” (Wilde 2003, S. 215) (vgl. Mond als Herrscher von 11 in 11)
Wildes Leben wurde von dem Wunsch nach Eigenständigkeit getragen, davon, frei und ungehindert sein Leben leben und seine Talente entfalten zu können. Nicht, dass es ihm darauf angekommen wäre, von der Gesellschaft in Ruhe gelassen zu werden – nein, er wollte durch sein Beispiel, seinen provokanten Lebenstil die Gesellschaft befruchten und Impulse zur Veränderung setzen. Dass er nicht einfach nur dem Laissez-faire frönte, wird in seinen Werken an vielen Stellen deutlich, an denen er der Gesellschaft und ihrer Bigotterie einen Spiegel vorhielt – und damit riskierte, von ihr getadelt zu werden. Letztlich war Wilde von ganzen Herzen Individualist, und so finden wir in seinem Essay Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus eine eindringliche Stellungnahme zum Individualismus:
“Es ist zu beachten, dass der Individualismus nicht mit irgendeinem widerlichen Gejammer über die Pflicht an den Menschen herantritt, was nichts anderes bedeutet, als dass man das tun soll, was die anderen wollen, weil sie es wollen; noch mit dem häßlichen Winseln der Selbstaufopferung, diesem Überbleibsel barbarischer Selbstverstümmelung. Der Individualismus tritt mit überhaupt keinen Forderungen an den Menschen heran. Er entsteht natürlich und unvermeidlich aus dem Menschen selbst. Zu diesem Ziel tendiert alle Entwicklung hin. Zu dieser Differenzierung reifen alle Organismen heran. Er ist die Vollendung, die jeder Lebensform inhärent ist und zu der sich jede Lebensform hin entwickelt. Und so übt der Individualismus keinen Zwang auf den Menschen aus. Im Gegenteil, er sagt dem Menschen, er solle keinen Zwang auf sich dulden. Er versucht nicht, die Menschen zu zwingen, gut zu sein. Er weiß, dass die Menschen gut sind, wenn man sie in Frieden lässt. Der Mensch wird den Individualismus aus sich selbst heraus entwickeln, und er entwickelt ihn jetzt auf diese Weise. Zu fragen, ob der Individualismus praktizierbar ist, gleicht der Frage, ob die Evolution praktizierbar ist. Evolution ist das Gesetz des Lebens, und es gibt keine andere Entwicklung als hin zum Individualismus. Wo sich diese Tendenz nicht ausdrückt, liegt immer künstlich aufgehaltenes Wachstum vor, Krankheit oder Tod.” (Wilde 1982, S. 246)
Individualist zu sein bedeutete für Wilde immer auch, anders zu sein. Und anders sein kann man nur, wenn man sich dazu bekennt, von den Normen und Konventionen der Gesellschaft abzuweichen, ihnen zu widersprechen. Für Wilde kam nichts anderes infrage, als durch seine Kreativität und seine lebendige Präsenz, die Gesellschaft, in der er lebte zu hinterfragen. Aber er konnte auch in keiner anderen Gesellschaft diesem Bedürfnis so gut nachgehen, wie dem des viktorianischen Englands: nirgendwo sonst wäre die Reibung zwischen Individuum und gesellschaftlicher Verpflichtung größer gewesen – und daher hätte es für den Selbstdarsteller keine bessere Bühne für sein Anderssein gegeben, dass nicht einfach nur danach strebte, in Frieden gelebt zu werden, sondern auch gesehen und beachtet zu werden. (vgl. Mond als Herrscher von 11 in Quadrat zu Merkur als Herrscher von 1 in 3)
Vielleicht war es die Angst davor, gerade durch den zunehmenden Erfolg auch zunehmend als “Anderer” akzeptiert zu werden und damit Teil der Norm zu werden, die er so abtoßend fand. Diese Angst brachte ihn möglicherweise dazu, die Gesellschaft, die ihn letztlich auf ihre Weise begonnen hatte zu tolerieren, noch einmal herauszufordern, um sich selbst und anderen zu beweisen, dass ihn das Mittelmaß niemals vereinnahmen würde – er musste noch einmal einen gewaltigen Unterschied zwischen sich und der Welt setzen, auch auf die Gefahr hin, endgültig ausgestoßen zu werden.
“Wahrlich, die Herkömmlichkeit ist der Stein, welcher der Eckstein in dem grausam aufgeführten Tempel unserer oberflächlichen und selbstgefälligen Kultur geworden ist. Und wer immer gegen diesen Stein anrennt, wird zusammenbrechen, aber auf wen immer er fällt, den wird er zu Pulver zermalmen.” (Wilde 2003, S. 216)
Salome
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© 2006 Christopher Weidner @ 8. November 2006
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Mei Wahnsinn Christopher! Beim Lesen der Überschrift ward es mir heiß und kalt “Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.”
Deswegen sprechen mich seine Worte so an!
Das trifft mich volle Lotte. Kein Wunder, Mond in 11! Ein Seelenverwandter von mir, sozusagen
Am besten gefällt mir das mit der Individualität
Ich hätte da noch einen TV-Tipp für alle ->
22.11.06 um 1.50 h in der ARD, also für individuelle Frühaufsteher bestens geeignet ;>)
“OSCAR WILDE” – ein britischer Film mit einem genialen Stephen Fry (keiner könnte ihn besser darstellen!) in der Hauptrolle! Unbedingt ansehen!
Hat jemand zufälligerweise die Daten vom Fry? Würde mich interessieren, ob die beiden ein ähnliches Horoskop haben, denn Fry ist selbst ein begnadeter Künstler des Wortes.
Danke für die begnadete Horoskopdeutung, Christopher!
Liebe Grüße
Dagmar
Komisch, ich hatte soeben zwei Kommentare hinterlassen, und die wurden nicht gepostet? Also, falls jetzt dieser Kommentar und der bei Sabine zweimal drin ist, dann werde ich ihn morgen löschen.
So, und jetzt zum Wahnsinnstitel “…das Außergewöhnliche ihren Wert” – da läuft es mir heiß und kalt den Rücken runter! Kein Wunder, der Mond in 11 betrifft mich schließlich persönlich! Und daher auch diese Resonanz zu seinen Worten und deren Inhalte.
“Zufälligerweise” kommt am 22.11.06 um 1.50 Uhr, also bestens für individuelle Frühaufsteher geeignet ;>), der britische Spielfilm OSCAR WILDE mit dem genialen Stephen Fry in der Hauptrolle. Wahrlich, kein anderer könnte ihn besser darstellen! Hat jemand zufällig Frys Daten? Würde mich interessieren, ob die beiden ein ähnliches Horoskop haben, da Fry selbst ein begnadeter Künstler der Worte ist.
Danke für deine begnadete Horoskopdeutung, Christopher!
Liebe Grüße
Dagmar
Hallo Dagmar
Thanks für deinen tollen Fernsehtipp
Die Uhrzeit ist für mich auch kein Problem “g”
Als Nachtgeburt bin ich um diese Uhrzeit besonderse für Kreatives empfänglich, früher sehr zum Leidwesen meiner Erzieher.
Es lebe der individuelle Rhythmus.
Konzentratzione in astrologika pura
1.Im Monde löst sich der Uranus aus
Die Unberührbarkeit der Seele bei muttergesteuerten Übergriffen(der Kläger im Staate-Anwalt
Weiterhin löst sich Merkur aus
Mond-Uranus-Merkur
im Unterdrückten, der Neid des gebundenen Staatsanwaltes der Mutti versprochen (ein Spiegel zu Wilde)
Banal gedeutet, wäre der Staatskläger gerne selbst von Wilde geküsst worden..der Hauch von Lippen eines Begnadeten
Das ist die Gemeinheit, die vier wir*g* doch leben..
Ja
Susanne
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