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Christopher Weidner

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1 Kommentar

  1. Susanne
    13. November 2006 @ 22:48

    Einen guten Abend ins Rund!

    Das brennend Rot in der Synastrie der Liebenden Wilde/Douglas ist die Lilith/Plutokonjunktion von Douglas in Stier und die Mondknotenachse von Wilde-haargenau draufsitzend-wie auch immer;-
    Douglas als scharlachrotes Weib-in dieser Potenz ist diese Konjunktion zu sehen egal, ob es gleichgeschlechtlich war(die Liebesbeziehung)
    Nun hat sich Lilith dem Manne überlassen und der Knast kam dabei raus.
    Lilith lockt auch in zwielichte Gegenden..oft angenehmer und spannender dort, als in einem Tratschcafe mit einsamen Witwen.

    Diese wahnsinnige Hörigkeit-entsprungen der Lilith/Pluto Konjunktion eines 12 Hauses, hätte mit Einkeht in ein Convent etwas gelockert werden können(Vielleicht).Verspotten würd ich nie wagen,solch Geschenk(O.Wilde) an die Menschen,eher die eigenen Scheuklappen der Prüderie und Halbwahrheiten.
    Den Hermes zum Grusse
    SunGo

Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas

Horoskope | Ein Kommentar |

abbildungabbildung“Je t’aime parce que tu m’a perdu”

“Als sich unsere Augen trafen, merkte ich, dass ich bleich wurde. Ein eigenartiges Gefühl des Schreckens überfiel mich. Ich wusste, dass ich jemandem begegnete, dessen Persönlichkeit so faszinierend war, dass sie, wenn ich es zuließe, mein ganzes Wesen aufsaugen würde, meine ganze Seele, ja selbst meine Kunst.”
Oscar Wilde

“Man kann den Einfluss, den Alfred Douglas auf Wilde hatte, gar nicht hoch genug einschätzen. Er bot dem Schönheitstrunkenen alles, was er suchte: Jugend, Adel, Schönheit, Sensation und Grauen. Der ungekrönte König von England stand ganz im Banne dieses herrischen Epheben.”
Gustav Gründgens

Bevor ich die Dynamik der Beziehung zwischen Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas betrachte, lohnt es sich einen Blick auf die für Beziehungen relevanten Konstellationen in den beiden Horoskopen zu werfen. Dabei gehe ich nach dem Schema vor, dass die wesentlichen Informationen über die Ideale und Bedürfnisse eines Menschen gegenüber einem Partner über die Konstellationen des Haus 7 gefunden werden können, insbesondere über den Herrscher dieses Hauses und Planeten in diesem Haus.

Horoskopvergleich

Oscar Wilde

abbildungDie Konstellationen des 7. Hauses von Oscar Wilde zeigen Neptun als Herrscher von 7 in 7. Neptun empfängt als relevanten Aspekt ein Quadrat zu Saturn. Zusätzlich ist die Position des Deszendenten auf dem Kritischen Grad 14° – 16° Fische zu beachten, mit dem Inhalt: Merkur/Neptun. Grundsätzlich kann man eine starke Neptun-Betonung in Bezug auf alles, was dem Geborenen begegnet, finden.

Wilde ist in seinen Begegnungen auf der Suche nach dem Wunderbaren. Damit verbunden ist die Tendenz, seine Partner zu überhöhen und sie auf ein Podest zu stellen, damit das einmal gewonnene Bild nicht von der Wirklichkeit eingeholt werden kann. Im Partner sucht Wilde stets den idealen Partner, der im Grunde niemals real werden darf, weil er sonst den Glanz des Zauberhaften verliert. So verliebt man sich lieber in das Traumbild eines Menschen und ignoriert alle Makel und Fehler, die jedes Gegenüber nunmal auch mit sich bringen wird. Die Fassade des Irrealen wird durch eine Sehnsucht aufrechterhalten, die jedoch nie erfüllt werden darf, weil damit der Grund der Beziehung verschwindet: die fortwährende Unerreichbarkeit des Partners.

Wenn die Realität das Traumbild einholt, folgt relativ rasch die Ernüchterung. Im Falle Wildes war wohl der Prozess, den er nicht zuletzt auch darum führte, um seinen geliebten “Bosie” zu beeindrucken, von dem er schrieb: “‘Du bist das göttliche Wesen, dessen ich bedarf [...], das Wesen voller Genialität und Schönheit.’” (zitiert nach Sichtermann 1989, S. 62)

Wilde war an dieser Stelle blind, so scheint es, verlor den Sinn für Realität und Vernunft, und zog es vor, sich selbst und seine Liebe zu etwas Höherem zu stilisieren, von dem er glaubte, dass es die niedere, menschliche Gerichtsbarkeit nicht berühren könnte.
Die Enttäuschung kam unter den brutalen Bedingungen der Haft und findet in seinem langen Brief De profundis seinen beredten Ausdruck. Aber auch hier ließ Wilde nicht davon ab, die Realität zu überhöhen – diesmal in eine andere Richtung:

“Im Zuchthaus von Reading, dem Ort seiner Erniedrigung und Verzweiflung, sagte sich Oscar Wilde von Bosie Douglas los. Hier, wo die elementaren Lebensvollzüge wie Essen und Schlafen mit Ekel vermischt und die Gedanken an den Selbstmord der einzige Trost waren, fielen die Posen der Lebenskunst, die Allüren des Ästhetizismus und die Imaginationen der Literatur in sich zusammen. [...] ‘Im Gefängnis lernte ich das Mitleid kennen’, schrieb er, und obwohl er sich seiner einstigen Ausschweifung niemals wirklich schämte, pries er jetzt die altruistischen Regungen des Verzichts und des Verzeihens. Er setzte sich für seine Mitgefangenen, besonders für die Kinder, ein und schuf sich in der Phantasie einen heidnischen Christus, der schön war, weil er litt. In diese neue Innenwelt passte Bosie nicht hinein. [...] Plötzlich schien ihm sein, Oscars, Ruin als infame Inszenierung eines schönen Schurken, sein Leben als Spielzeug eines grausamen Egozentrikers. [...] Ohne den Rahmen, die Bühne und die Atmosphäre, ohne die Narzisse im Knopfloch und den Burgunder auf der Tafel vergaß Oscar, dass er sich seine Liebe herrisch, störrisch, überwältigend gewünscht hatte, ‘verzehrend’ und zerstörerisch, ganz wie es der Lebenswandel seines Romanhelden Dorian Gray gewesen war.” (Sichtermann 1989, S. 63)

Lord Alfred “Bosie” Douglas

Daten: 22.10.1870, 19:39 GMT, Worcester, GBE (IHL 1*)

abbildungDer Herrscher des 7. Hauses ist Jupiter am Aszendenten, der nach der Regel vom letzten Sechstel in Haus 1 gezählt werden kann. Das Gleiche gilt für Saturn am Deszendenten, der ins 7. Haus gerechnet wird und daher beziehungsrelevant ist. Jupiter und Saturn befinden sich in Opposition.

Was suchte Bosie in der Beziehung zu dem sechzehn Jahre älteren Mann, dem berühmten Dichter und enfant terrible der englischen Gesellschaft? Gerade diese gesellschaftliche Position dürfte den jungen Lord, dessen Schönheit schon vor den literarischen Bekundungen Wildes bezeugt war, interessiert haben. Er ließ sich gerne von Wilde hofieren und führte diesen letztlich in das zwilichtige Milieu der Londoner Homsexuellen-Szene ein, in der er schon längst zu den begehrenswertesten Figuren zählte.
Bosie lag schon seit Jahren Streit im Streit mit seinem Vater, dem er vom Temperament her in nichts nach stand; auch er neigte zu gelegentlich sehr heftigen Zornesausbrüchen, wenn man ihn reizte (vgl. Jupiter in 1: die zur Übertreibung neigende Selbsdurchsetzung). Doch ansonsten verband die beiden nicht viel: Bosie fühlte sich von seinem Vater eingeengt und schikaniert, der drohte seinem Sohn mit Unterhaltskürzungen, wenn dieser nicht seinen unsittlichen Lebenswandel aufgäbe. (An dieser Stelle übernimmt der Vater die Saturn-Rolle am Deszendenten. Man beachte: Saturn ist Herrscher von 8, dem “Geld der anderen”)
Bosie stiftete Wilde förmlich dazu an, gegen seinen Vater vorzugehen – es war so etwas wie eine Abrechnung. Er glaubte wohl, dass der prominente Dichter den ungehobelten Schotten, der sein Vater war, in die Schranken weisen könne.


abbildungMöglicherweise sah Lord Douglas in Wilde so etwas wie einen Befreier aus der Gefangenschaft, die er aufgrund seiner Stellung in der Gesellschaft und seiner Herkunft erlebte. Ihm war das Leben zu eng – und an der Seite von Wilde boten sich ihm neue Perspektiven: er ahmte den Bohémien nicht nur in puncto verschwenderischen Lebensstil nach, sondern tat es ihm auch in der Dichtkunst gleich. Oscar förderte die Talente seines jungen Geliebten, wo er nur konnte.

Synastrie

abbildungVon allen Interaspekten, die sich aus der komplexen Synastrie der beiden Horoskope ergeben, möchte ich einen hervorheben:
Der Jupiter Wildes gerät als Apex in die Opposition zwischen Venus und Neptun im Horoskop von Lord Alfred Douglas – es ergibt sich ein T-Quadrat.

Die Opposition zwischen Venus und Neptun in Bosies Horoskop steht meines Erachtens in engem Zusammenhang mit der erotischen Ausstrahlung, die er auf Wilde ausübte, aber auch damit, dass Wilde Bosie als seine Muse verehrte (auch wenn er dies später abstritt): Venus ist Herrscherin von Haus 5 und steht in 5 – dem Haus der Erotik und der Kreativität. Neptun könnte einerseits für das Unnahbare daran stehen, dafür, dass Bosie auch so etwas wie das unstillbare Verlangen nach einer höheren Form der Liebe darstellte, die Wilde auf ihn projizierte. Neptun selbst ist Herrscher von 11 in 11 und steht damit auch für die Individualität in der Gesellschaft, die Möglichkeit, des Andersseins. Wenn wir Venus als Herrscherin von 5 nehmen und Neptun als Herrscher von 11, dann zeigt sich in dieser Opposition eine Sonne/Uranus-Konstellation – die Paradekonstellation für alle, die von der Norm abweichen durch ihr Verhalten.

Wilde “geriet” nun mit seinem Jupiter in den Brennpunkt dieser Konstellation – und immerhin ist Jupiter in seinem Horoskop nicht nur der Herrscher des Imum Coeli, sondern auch der alte Herrscher von Haus 7, sodass nicht nur seine Persönlichkeit ganz grundsätzlich durch die Begegnung mit Bosie berührt wurde (Imum Coeli), sondern sich in Gestalt dieses “blonden Hitzkopf” auch eine Art idealer Partner, den er vergöttern konnte, auftauchte.

Jupiter ist in Wildes Horoskop mit seiner Position als Herrscher von 4 in 5 auch “zuständig” für seine Kreativität und für seine besondere Ansprechbarkeit für erotische Themen. Genau dieser Jupiter nimmt die diffusen Versprechen nach künstlerischer und erotischer Unabhängigkeit, die Bosie ausstrahlte, dankbar auf.

Das sich in der Synastrie bildende T-Quadrat weist möglicherweise darauf hin, dass sich diese Beziehung nicht unter den einfachsten Umständen entwickelt und an beide eine große Herausforderung durch den anderen erlebten. Dies kann alleine daran bemessen werden, wie sehr die Begegnung Wilde veränderte, wie seine Freunde immer wieder bestätigten.

Zwischen Wilde und Bosie spielten sich immer wieder dramatische Szenen ab, in denen vor allen Dingen der junge Lord durch Wutausbrüche – auch in der Öffentlichkeit – glänzte, während Wilde stets der lässige und lässliche Charakter war, der sich alles gefallen ließ. Wenn Bosie rief, eilte er. Wenn Bosie ihm eine Szene machte, beschwichtigte er ihn. Am Ende ging er so weit, sein Leben für seinen goldenen Engel hinzugeben.

Auch für Lord Alfred Douglas war die Beziehung sicher nicht einfach. Neben diesem gefeierten Genie als eigenständige Persönlichkeit zu bestehen, wurde ihm durch die ununterbrochene Verehrung durch den Meister sicherlich erschwert.

“Szenen [...] gehörten zu Alfreds amouröser Strategie. Er wollte der einzige an Oscars Seite bleiben und obendrein dem Freund über das Entzücken und das Begehren hinaus Hochachtung und Bewunderung abnötigen. Es muß ut dazu gehört haben, im Schatten Oscar Wildes, dieses Zauberers der Sprache, der jeden, und ganz besonders seinen Angebeteten, in Netze aus Wortspielen, Metaphern und Paradoxien einspann, Sonnette zu schreiben. Alfred Douglas wagte es. Aber kam ohne Launen, Ausbrüche und überstürzte Abreisen nicht gegen den Geliebten auf. Er mußte ihn malträtieren, um ihn zu halten. Oscar nahm es hin, nahm es gleichsam auf sich – bis die Gefängnistore hinter ihm zufielen.” (Sichtermann 1989, S. 62-63)

Beim Vergleich der Hausstellungen der Planeten ergibt sich ferner, dass der Jupiter Wildes in Bosies Haus 8 landet, und somit aus seiner Perspektive zu einem Herrscher von 7 in 8 wird, während der Neptun Bosies bei Wilde in Haus 8 landet, und damit seinerseits zu einem Herrscher von 7 in 8 in Wildes Horoskop wird. Diese wechselseitige Konstellation weist meiner Erfahrung nach stets auf eine echte Verbindung zwischen zwei Menschen im Sinne einer Partnerschaft hin – bis hin zur Abhängigkeit.

Es ist zu einfach, das Verhältnis zwischen den beiden als reine Schwärmerei des Älteren gegenüber dem Jüngeren abzutun, oder in Bosie den dunklen Engel zu sehen, der den genialen Dichter ins Verderben stürzte, nur um sich von den Fesseln seiner Herkunft zu befreien. Zwischen beiden gab es so etwas wie eine echte Verbundenheit und tiefe Verehrung füreinander. Sie liebten sich.

Trotz der Vorsätze, die sich Wilde noch während seines Gefängnisaufenthaltes in Richtung Bosie gemacht hatte, nämlich ihn nie wieder zu sehen, überstand diese Bindung sogar die schwere Enttäuschung und das Zuchthaus. Obwohl sich seine Freunde, seine Familie mit Entsetzen von ihm abwandten, dauerte es nur wenige Monate nach seiner Entlassung und er trafen sich in Rouen wieder.
An den enttäuschten Freund und Sponsor Robert Ross schreibt Wilde: “‘Ich kann ohne die Luft der Liebe nicht leben: ich muß lieben und geliebt werden, einerlei, welchen Preis ich dafür zahle. Wenn die Leute schlecht über mich sprechen, eil ich zu Bosie zurückgegangen bin, sage ihnen, er habe mir Liebe geboten – und in meiner Verlassenheit und Schande, nach monatelangem Kampf gegen eine scheußliche Philisterwelt, hätte ich mich natürlich ihm zugewandt. Selbstverständlich werde ich oft unglücklich sein. Aber ich liebe ihn noch immer: die Tatsache schon, daß er mein Leben zunichte gemacht, läßt mich ihn lieben – ‘je t’aime parce que tu m’a perdu’ ist der Schlußsatz einer Geschichte von Anatole France – und es ist eine furchtbare symbolische Wahrheit.’” (Sichtermann 1989, S. 66)

Literaturhinweis

Schulz, Hans Jürgen (Hg.): Liebespaare. Geschichte und Geschichten. Stuttgart 1989.
Sichtermann, Barbara: “Du bist das göttliche Wesen”. Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas. In: Schulz, Hans Jürgen (Hg.): Liebespaare, S. 53–69. Stuttgart 1989.

© 2006 Christopher Weidner @ 13. November 2006

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