Über den Autor dieses Artikels

Sabine Bends

Zum Autorenprofil von Sabine Bends

5 Kommentare

  1. Ines
    4. November 2006 @ 11:52

    Liebe Sabine,

    lieben Dank für Deinen Bericht – das beweist doch dass wir Menschen wenn wir wollen uns genau darüber hinwegsetzten können – nämlich nicht nur unseren Trieben freien lauf zu lassen!
    Ich kann mir nicht vorstellen mit Tieren und deren Verhalten auf gleichen Rang zu stellen!
    In meinem Ägyptischen Totenbuch steht – dass man alles mit Leidenschaftlosigkeit leben sollte – auch betrachten sollte -denn Leidenschaft führt zum Unglück – ist die Ursache allen Übels – ist die Ursache vom Leid – Triebe halt eben und zuviel Ego!
    Ich habe darüber mal meditiert – weil ich dachte als ich das Buch las – das kann doch nicht sein – aber ich muss nach der Meditation sagen – ja das ist so!
    Betrachte ich das Lben nicht mit soo vielen Emotionen sondern anderes – leide ich weniger – fühle mehr von innen heraus und handle anders – eben von einer anderen Ebene aus und die ist irgendwie reiner!

    Ganz liebe Grüße

    Ines

  2. Sabine Bends
    Sabine Bends
    4. November 2006 @ 14:50

    Liebe Ines,

    über deinen Kommentar freue ich mich sehr. Ja, Leidenschaft schafft Leiden. Das ist so. Ich habe das lange Zeit nicht verstanden und durch bittere Lektionen gelernt. Dafür bin ich jetzt dankbar, muss ich doch jetzt nicht mehr länger Leidenschaft mit Liebe verwechseln. Aber es war ein Kampf. Ein Kampf, der schon bei meiner Zeugung seinen Ursprung hatte. Ich bin in Leidenschaft und Liebe gezeugt worden, beides gehörte für mich immer zusammen.

    Doch der bittere Nachgeschmack der Leidenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Wie lernt man lieben? Wer lehrt einen das? Du hast dafür 5 Töchter, da lernt man leidenschaftslose und bedingungslose Liebe, keine Frage. :-)

    Doch ansonsten? Spirituelle Texte sprechen davon, aber wer versteht es? Wer ahnt schon, was das Ego wirklich ist? Wer hat es je wirklich in sich erkannt und verwandelt?

    Es gibt kein besseres Übungsfeld als die Partnerschaft. Und Marnias Buch ist für mich eine Offenbarung. Seit ich es gelesen habe, lebe ich es konsequent. Und das hat solche himmlischen Folgen, das kannst du dir kaum vorstellen. Ich erlebe tiefste Heilung und fange an Lieben zu lernen. Mit 40. Ja, es ist nie zu spät :-) .

    Aber auch du, leidenschaftliche Italienerin du, hast starke Leidenschaften in dir, klar. Emotionen in allen Höhen und Tiefen. Warum wohl hat der liebe Gott dafür gesorgt, dass du nach innen hören musst statt nach außen? Die Hölle der Emotionen kann sich in den Himmel verwandeln, wenn du es nur willst.

    Und scheinbar sagt dir deine innere Führung ja genau das. Du fragst, sie antwortet. Wie schön! Dann hoffe ich mal, dass du uns demnächst alle teilhaben lässt an deinen Erkenntnissen. Ich denke, es sind eine ganze Menge.

    Liebe Ines, zum Abschluss schreib ich hier noch ein Gedicht von mir hin, das ich vor Jahren geschrieben haben und das mein Leid mit der Leidenschaft beschreibt:

    “Leiden schafft Leiden

    Aus Liebe geboren,
    vom Leiden erweckt,
    zeigst Du nun,
    was in Dir steckt.

    Doch was, wenn dieser Rausch verpufft?
    Wenn nichts Dir bleibt als heiße Luft?
    Woher nimmst Du die Leidenschaft,
    wenn nichts mehr Dir zu schaffen macht?

    Du konservierst das Leiden
    im Ewigen Eis
    und vergißt,
    daß alles and’re
    auch gefriert,
    sich im Endlosen Weiß verliert.

    Aus glühend heiß
    wird gleißend kalt,
    und alles wird unendlich alt.”

    Und ich werde seit Tagen von Tag zu Tag jünger und gesünder, nicht durch Leidenschaft, sondern durch die Liebe.

    Es grüßt dich herzlichst,
    Sabine

  3. Barbara Wiehl
    5. November 2006 @ 15:22

    Liebe Sabine

    Wenn gerade am Himmel sich Mars, Venus, Merkur und Jupiter im Skorpion ein Stelldichein geben , erleben wir das auch der Schatten seinen Platz hat in unserem Leben.
    Die gute Seite das gerade der exessive Skorpion die Voraussetzungen schaffen kann was ich eine illussionslose Beziehung nenne—denn in keinem anderem Tierkreiszeichen ist die Aufforderung nach Wandel und Transformation so zwingend angelegt.

    Interessanterweise deuteten die alten Astrologen dort auch das Symbol des Adlers, der durch die Finsterniss gegangen und dadurch verwandelt und frei geworden ans Licht gekommen ist.

    Der zugrunde liegende biologische Mechanismus mag ja erstmal wenig schmeichelhaft unserem Ego erscheinen…wie auch die Tatsache das wir eine 98 prozentige Übereinstimmung unserer Gene mit den Schimpansen haben…der Homo sapiens ein Menschentier?

    Und die Geschichte ist voll mit Beispielen der versuchten Abspaltung, der Verteuflung und Bekämpfung unserer Natur.

    Und der Mensch hat beides…er kann sich darüber erheben aber auch tiefer fallen als das Tier.

    Ein solches Beispiel war ja die Kathastrophe in New Orleans, da verhielten sich die Tiere weitaus sozialer als so manches Menschenwesen, vielleicht erinnern sich daran noch einige.

    Doch neben dem Dopaminsüchtigen Gehirn haben wir noch andere biologische Mechanismen.
    Dr. Petra Boynonton von der Britsch Psychological Society weisst daraufhin, dass man die anfängliche Leidenschaft in einer Beziehung nicht als Masstab setzen sollte.
    Viele Paare denken, das die Anfangszeit ihrer BeziehFung die beste gewesen sei.
    Das ist falsch.
    Laut Boynton seien auch Phasen völliger sexueller Abstinenz in langjährigen Beziehungen ganz normal, weil sie eben auch hormonell gesteuert.
    Das Hormon Oxytocin macht langjährige glückliche Beziehungen erst möglich, zudem ist dieses auch ein Angst und Stresslöser.
    Forscher der Universität Pisa haben festgestellt, das die Konzentration des Lusthormons Neutrophin im Blut von Paaren die länger als ein Jahr in einer festen Beziehung leben deutlich geringer ist als bei Paaren die sich gerade kennen
    gelernt haben.
    Nach zwei Jahren steigt der Anteil des Bindungshormons Oxytocin .
    Dieses Hormon wird beim Orgasmus, Zärtlichkeiten und Berührungen ausgeschüttet.
    Neutrophin und Oxytocin sind zwei HOrmone, eine für die Lust, das andere für die Bindung.
    Leidenschaft und Liebe sind also auch von unseren Hormonen abhängig.

    Oxytocin ist auch wichtig für die Bindung von Mutter und Kind.
    Bei Waisenkindern z. b stellte man einen Mangel dieses Bindungshormones fest im Gegensatz zu Kindern die in intakten Familien aufwuchsen.

    Die gute Nachricht.. statt unsere Natur zu negieren birgt sie auch das Potential unserer Heilung…wie auch das Symbol des Skorpions…sein Stachel kann das Gift sein, das sich selbst oder andere tötet und ebenso die heilende Dosis.

    Diese Gesetzmässigkeit finden wir ja auch in der Homoöpathie.

    Ein solche Heilungspotential ist z. b. das Entspannte Singen oder Chanten.
    Es bewirkt auch, das solche Hormone und Stoffe die für den Körper ungünstig sind reduziert und abgebaut werden.
    Und gleichzeitig schüttet es jede Menge Endorphine,sogenannte Glückshormone , auch Oxytocin aus.

    Wir brauchen garnicht da draussen oder dieses in unserem Partner zu suchen “gg” –das Glück des einen bedingt und setzt zugleich das Glück des anderen voraus.

    Vielleicht haben wir nur vergessen, das es jede Menge natürlichen Dopamins gibt…..die Ersatzdrogen sind wie Schokolade..nach anfänglichen High kommt nach kürzester Zeit der Absturz….deshalb erleben wir auch in unseren Beziehungen das Leben wie eine Achterbahn und verwechseln gar dies mit Intensität.

    Liebe Sabine, danke für diesen interessanten Artikel , das hat mich sehr motiviert meinem Hormonspiegel wieder mal einen Kick zu geben..z.b mit Singen.
    Ich bin auch eine Bekennende Musiksüchtige…..doch es erinnert mich , das ich als Kind gerne gesungen habe, wenn auch das Umfeld mich immer zum Schweigen bringen wollte…gg
    denn Mädchen die am Morgen krähn
    sollte man den Hals umdrehn” “gg”

    was mich aber nicht zurückgehalten hat es trotzdem zu tun.

    Einen schönen Novembersonntag
    Barbara

  4. Ines
    5. November 2006 @ 17:10

    Liebe Sabine,

    ganz lieben Dank für Deinen persönlichen Gedicht!
    Ja- es stimmt was wahre Liebe ist erfährt man eben durch Leid – durch das Gegensätzige eben – denn sonst kann man sie nicht erkennen – wie auch!
    Auch ich kenne den Schmerz – so von tief innen – das einem fast zerreisst!
    Man muss eben diese Energien in Kreativität umwandeln – dann sind sie Göttlich.
    Ja ich höre mehr nach innen – stimmt – aber der Nachteil ist dass ich es schwer nach außen mitteilen kann – als Kind so gut wie gar nicht – war mir nicht möglich und heute – ja aber es gibt immer wieder Missverständnisse!
    Ich frag mich dann oft was nützt Dir Deine schöne Leidenschaften egal wie ob rein oder eben veroht!?
    Aber sicher ich bemühe mich immer wieder auf andere zuzugehen – eben das ist ja meine Aufgabe dies eben zu wagen!
    Das ist bei Dir ja ganz anders -
    Du bist wie ein offenes Buch – in positiven Sinne mein ich ja – und ich lese und sehe es – freue mich ja mit Dir und kann es aber nicht so offen wie Du!
    Ich habe festgestellt dass das Skorpionische einem zerrfressen kann wenn man es nicht umwandelt – zum Glück ist dieser Punkt in meinem Leben seit der Geburt meiner 4. Tochter promt aktiviert worden – mit so einer Wucht – mit so einer Intensität – es war unbeschreiblich
    und ich bin Dankbar dafür!
    Du weißt habe am MC die meisten Planeten in Skorpion und als meine 4. Tochter Stella geboren wurde mit Skorpion AC – genau das hat sie – ist alles anders gewesen – ich habe noch nie so tiefer als tief gefühlt – gesehen und vor allem geatmet!

    Ganz liebe Grüße

    Ines

  5. Sabine Bends
    Sabine Bends
    6. November 2006 @ 02:03

    Liebe Barbara,

    auch dir ein herzliches Dankeschön für deinen Kommentar. Zum Thema Oxytozin hat Marnias Buch auch eine Menge zu sagen, aber auch allein ihre Website ist dafür eine Fundgrube. Denn ganz so einfach ist das auch mit dem “Kuschel- und Bindungshormon” nicht. Schau z.B. mal hier:

    http://www.reuniting.info/scie.....vid_brooks

    Jedenfalls ist es ein extrem spannendes Thema und du hast völlig Recht, dass die Glücksgefühle auch woanders zu bekommen sind ;-) . Dass du gerade Singen erwähnst, finde ich bemerkenswert. Wir tauschen uns auf Marnias Forum nämlich gerade zum Thema “Halschakra” aus. Wohin fließt die sexuelle Energie, wenn sie nicht über einen Orgasmus aus dem Körper abgeleitet wird? Was tun wir mit ihr? Wie äußert sie sich. Das Wort, Gesang, Sprache, Kreativität jeder Art spielen dabei eine wichtige Rolle. Gesang ist für mich, ähnlich wie Sex, ein Weg zur Verbindung.

    Scheinbar für dich auch…
    Liebste Grüße,
    Sabine

Zur Sache

Lesen | (5) Kommentare |

abbildungIn der Skorpionzeit dürfen wir zur Sache kommen. Worum es geht? Liebe, Sex, Beziehung und Verbindlichkeit. Was wir uns wünschen? Die Aufhebung der Trennung. Was wir bekommen? Krise. Warum ist das so? Marnia Robinson hat Antworten für uns.

“Der Coolidge-Effekt”
Original: Marnia Robinson, deutsche Übersetzung: Sabine Bends

“Wenn man eine männliche Ratte in einen Käfig mit einer empfangsbereiten weiblichen Ratte steckt, dann kopulieren die beiden als erstes ohne Unterlass. Mit der Zeit jedoch wird die männliche Rate der weiblichen überdrüssig. Selbst ohne eine wahrnehmbare Veränderung in ihrer Empfangsbereitschaft kommt er irgendwann an den Punkt, wo seine Libido nachlässt und er sie einfach links liegen lässt. Wenn man jedoch das ursprüngliche Weibchen gegen ein neues austauscht, belebt sich das Männchen augenblicklich und nimmt die Kopulation wieder auf. Diesen Vorgang kann man mit zig neuen Weibchen wiederholen, bis die männliche Ratte fast an Erschöpfung stirbt.

Doch die jeweils wieder auflebende Kraft der Ratte spiegelt mitnichten ein erhöhtes Wohlbefinden wieder – auch wenn sie so aussieht und sich kurzfristig so fühlt. Die Kraft der männlichen Ratte stammt aus einem Schub an einem neurochemischen Wirkstoff namens Dopamin, der das Lustzentrum seines primitiven Teils des Gehirns überflutet… damit er seinen Job macht.

Kurz gesagt, Tiere wählen ihre Geschlechtspartner nicht zufällig aus. Sie erkennen diejenigen, mit denen sie bereits Sex gehabt haben und weisen sie ab. Wissenschaftler kennen diesen Reflex als den “Coolidge-Effekt”. Er erwarb seinen Namen vor vielen Jahren, als Präsident Coolidge und seine Gattin eine Rundreise über einige Farmen machten. Während der Präsident gerade woanders war, zeigte der Farmer der Präsidentengattin stolz einen Hahn, der ” den ganzen Tag lang mit Hennen kopulieren konnte, Tag um Tag”. Die First Lady kam auf die schlaue Idee, dem Farmer vorzuschlagen, dies auch dem Präsidenten zu sagen, was er natürlich tat.
Der Präsident dachte einen Augenblick nach und fragte dann: “Mit der gleichen Henne?”
“Nein, Sir,” lautete die Antwort des Farmers.
“Sagen Sie das Mrs. Coolidge,” erwiderte der Präsident daraufhin.
Der Coolidge-Effekt wurde bislang bei allen Säugetieren beobachtet, die man in Testreihen daraufhin untersuchte. Wissenschaftler haben das gleiche für Weibchen konstatiert. Weibliche Nager beispielsweise flirten wesentlich mehr und stellen sich viel mehr zur Schau, wenn unbekannte Partner zuschauen als wenn sie mit den Männchen zusammen sind, mit denen sie schon Sex hatten.

Was steckt hinter dem Coolidge-Effekt? Und gibt es einen Ausweg? Ich habe bereits über die Katerstimmung nach leidenschaftlichem Sex geschrieben, die die Partner auseinander treibt. Hier eine kurze Zusammenfassung für alle, die diese Texte nicht kennen:
Der “Kater danach” ist das Produkt von ganz natürlichen neurochemischen Veränderungen, die im primitiven Teil unseres Gehirns, im limbischen System, vonstatten gehen. Das limbische System ist das Zentrum von Emotionen, Trieben, Impulsen und unbewusster Entscheidungsfindung. Im limbischen System ist auch das Lustzentrum angesiedelt, welches durch Dopamin aktiviert wird, um uns zu Handlungen zu bewegen, die dem Überleben oder der Weitergabe unserer Gene dienen, also alle Aktivitäten wie Essen, Sex, unsere Beziehung zu unseren Nachkommen und das Eingehen von Risiken.

Dopamin ist der neurochemische Wirkstoff hinter jeder Motivation. Wir wollen also nicht wirklich Schokolade oder im Lotto gewinnen. Wir wollen Dopamin. Der Dopaminschub ist unsere Belohnung. Alle Suchtmittel heben den Dopaminlevel an. Darum machen sie süchtig. Ein Orgasmus macht also süchtig? Ja, er ist sogar mit einem Schuss Heroin vergleichbar, wenn man Aufzeichnungen von Gehirnaktivitäten sieht. Doch kein Suchtmittel verleiht uns wirklich andauernde Freude. Sobald das Dopamin uns erfolgreich zu einer Handlung motiviert hat, fällt der Level wieder ab und wartet auf die nächste Gelegenheit, uns durch die Gegend zu scheuchen.

Ein auslösender Mechanismus für den Coolidge-Effekt ist schon das Neue an sich. Ein weiterer ist der Abfall an Dopamin nach dem Orgasmus. Statt des angenehmen Gefühls des Lebendigseins und der gespannten Erwartung, die wir empfunden haben, als unser Dopamin-Level hoch war, fühlen wir uns jetzt flach, bedürftig oder leer. Der Orgasmus löst direkt einen Dopamin-Abfall aus. Mit einem niedrigen Dopamin-Level sind wir besonders anfällig für alles, das den Level wieder anhebt, also z.B. kalorienreiche Nahrung, Spiele, Alkohol, ein Einkaufsbummel, Kokain, Pornos oder Sex.

Ein potentieller neuer Sexualpartner ist eins der effektivsten “Heilmittel” für den “Dopamin-Blues”. Genau so ist es von der Biologie vorgesehen. Uns geht es nur darum, uns wohl zu fühlen, unserer biologischen Programmierung hingegen geht es darum, die genetische Vielfalt unserer Nachkommenschaft zu vergrößern. Genetische Vielfalt sorgt dafür, dass ein größerer Anteil an Nachkommen unter veränderlichen Bedingungen überlebt und seine Gene weiter gibt.
Ein brandneuer Partner lässt das Dopamin kurzfristig viel stärker ansteigen als es bei Sex mit einem gewohnten Partner möglich ist, wie liebevoll dieser auch immer sein mag. Doch trotz dieses kurzen Kicks erhöhen wir mit diesem rein biologisch gesteuerten Verhalten nicht dauerhaft unser Wohlergehen. Uns ginge es nämlich viel besser in einer engen, verbindlichen Partnerschaft. Mehr dazu gleich. Der Punkt ist der, dass die Strategie der Natur nicht wirklich ein Heilmittel für unsere unangenehmen Stimmungsabfälle nach dem Orgasmus ist.

Der Coolidge-Effekt ist einfach nur eine kurzfristige Lösung, die uns langfristig noch leerer und unerfüllter zurück lässt. Ihr neuer Partner wird Sie nämlich auf Dauer genau so wenig befriedigen wie ihr alter. Wie ein Hamster im Laufrad, so führt er uns in schwindelerregende Kreisläufe, die nichts dazu beitragen, dass es uns besser geht, sondern nur das Überleben unserer Gene fördern.

Ein Mann aus Los Angeles, der nach 350 Sexualpartnerinnen die Übersicht verlor und das Zählen aufgab, erwähnte einmal, dass er sich immer gefragt hatte, warum er jedes Mal so schnell das sexuelle Interesse in seine Partnerin verlor. Der Coolidge-Effekt ist die Antwort auf dieses Rätsel. Glen Wilson beschreibt den normalen Verlauf in seinem Buch The Science of Sex:

Vor der Ehe ist es normal, dass Männer häufig den Geschlechtsverkehr mit ihrer Partnerin suchen. Doch nach ein paar Jahren Ehe verliert der Mann seinen sexuellen Appetit und eine Umkehr in der Libido setzt ein. Häufig ist jetzt die Frau frustriert und verlangt von ihrem Mann öfter Sex als der “müde Gatte” in der Lage ist, ihr zu geben. Bei seinen Geliebten oder den Mädchen im Büro hingegen klappt es immer noch bestens und wenn er die Gelegenheit erhält, an einer Orgie teilzunehmen, kann er problemlos Geschlechtsverkehr mit zwei oder drei ihm unbekannten jungen Frauen an einem einzigen Abend vollziehen. Sextherapeuten berichten von vielen Männern, deren Frauen ihre “Impotenz” bestätigen, während diese ihr beträchtliches Durchhaltevermögen durchaus mit einer Reihe von Geliebten unter Beweis stellen.
Warum nur fallen wir immer wieder auf den gleichen Trick herein?

Weil wir annehmen, dass die Intensität unserer Dopamin-getriebenen Erwartung dem Wert des Verhaltens entspricht, zu dem es uns treibt. Wir sind daran gewöhnt, diesem unbewussten Dopamin-Belohnungsmechanismus zu vertrauen, um gesunde Entscheidungen in vielen Lebensbereichen treffen zu können.

Wenn es jedoch um Sex geht, führt uns dieser Mechanismus in die Irre. Die Evolutionsbiologie bewertet die Menge an Nachkommen, die wir produzieren, höher als unsere Lebensqualität. Der Natur ist es egal, ob wir uns damit auf Dauer harmonisch oder glücklich fühlen. Das Ergebnis ist, dass unsere Vorfahren, die impulsiven Sex hatten, das Interesse aneinander verloren und nach ihrem nächsten Partner Ausschau hielten, auch die waren, die die größte Gelegenheit hatten, ihre Gene weiter zu vererben. Und damit auch ihre Liebesgewohnheiten.

Ein weiterer Grund, warum das Belohnungssystem uns im Stich lässt, ist dass es nur dafür geschaffen ist, auf kurzfristige Auswirkungen bestimmter Entscheidungen zu reagieren. Es verleiht uns also ein Hochgefühl, wenn wir uns für süße oder hochkalorische Speisen entscheiden. Diese Präferenz mag unseren Vorfahren gedient haben, ihr Essen in den afrikanischen Wüsten richtig auszuwählen. In einer Welt, in der hochkalorische, zuckerhaltige Nahrungsmittel an jeder Ecke zu erhalten sind und diese auch noch durch Werbung angeboten werden, die unser Lustzentrum anregt, ist es jedoch nicht mehr dienlich.

Und so versteht unser Lustzentrum auch nicht die vollen Auswirkungen unserer Sexualität. Es gibt uns einen Kick, wenn wir eine Gelegenheit zur Zeugung ergreifen, insbesondere mit neuen Partnern, ohne sich darum zu kümmern wie wir uns danach fühlen oder wie das Gefühl der Leere auf Dauer unserer Partnerschaft schaden kann, wenn wir es nämlich auf unseren Partner projizieren. Wir haben nicht die leiseste Ahnung, was da am Werk ist, wenn wir unseren Partner als bedürftig oder kontrollsüchtig, als selbstsüchtig oder unsensibel wahrnehmen.
Diesem Mechanismus ist auch der Wert einer verbindlichen Beziehung egal, ihm geht es nur um genetische Vererbung. Er fordert daher kein geringes Opfer ein.

Wie Dr. Dean Ornish in seinem Buch Love & Survival schreibt, sind Liebe und Intimität wichtiger für unsere Gesundheit als nicht zu rauchen, mehr Bewegung, genetische Disposition, bessere Ernährung oder die Einnahme von Medikamenten. Eine vertrauensvolle Beziehung erhöht die Geschwindigkeit von Heilungsprozessen, senkt das Krankheitsrisiko und erhöht die Lebensdauer. Natürlich ginge es uns besser mit andauernder Harmonie in der Partnerschaft als mit einer Achterbahnfahrt von Kicks und Herzschmerz.

Der beste Schutz gegen den Coolidge-Effekt ist es daher, anders lieben zu lernen, und zwar ohne den zeugungsgetriebenen Sex, der uns nur süchtig macht. Es gibt eine sexuelle Art der Liebe, die dies nicht nur verspricht, sondern auch hält. Wir finden sie in vielen alten Texten. Und was die Alten können, das können wir auch.”

Wer mehr über dieses spannende Thema erfahren möchte und Englisch kann, dem empfehle ich dieses Buch von Marnia Robinson. Es wird derzeit von mir in Zusammenarbeit mit anderen Übersetzerinnen übersetzt. Wir suchen einen Verlag, der es veröffentlichen möchte. Die Einleitung und das erste Kapitel sind bereits übersetzt und werden interessierten Verlagen gern zur Verfügung gestellt.

abbildung Peace Between the Sheets: Healing with Sexual Relationships
Autor: Marnia Robinson
ISBN: 1583940871
Online bei amazon.de bestellen

Marnias Website, eine Fundgrube von Artikeln rund um Liebe, Sex und Spiritualität: www.reuniting.info

© 2006 Sabine Bends @ 4. November 2006

Druckversion des Artikels Druckversion des Artikels

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!

Keine Schlagwörter für diesen Beitrag vorhanden.

Weitere Beiträge von Sabine Bends.

Verwandte Artikel:

Kommentieren

Um einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben zu können, müssen Sie sich bei Astrophoenix registrieren und anmelden.

Login