Über den Autor dieses Artikels

Christopher Weidner

Zum Autorenprofil von Christopher Weidner

1 Kommentar

  1. Dagmar Wäscher
    Dagmar Wäscher
    29. Juli 2008 @ 22:25

    Lieber Christopher,

    ich

    kann

    es

    kaum

    erwarten….

    :) Dagmar

Systemische Astrologie

Lesen, Philosophie | Ein Kommentar |

abbildungOder: Was heißt hier systemisch?

Im Herbst 2008 erscheint mein neues Buch “Systemische Astrologie – Konstellationen sind Lösungen” im Chiron Verlag. Es enthält die Essenz meiner bisherigen Arbeit als Astrologe, der sich in systemisch-konstruktivistischen Sichtweise verpflichtet fühlt. Dabei war es mir ein besonderes Anliegen, nicht nur einen theoretischen Hintergrund für eine systemische Astrologie zu eröffnen, sondern auch praktische Herangehensweisen an das Horoskop darzustellen, die eine systemische Sichtweise auf den Menschen im Beratungsprozess begünstigen, zum Beispiel die Haltung der Lösungsorientierung.

Systemische Astrologie: Konstellationen sind Lösungen
Autor: Christopher Weidner
ISBN: 389997168X
Online bei amazon.de vorbestellen

Meine “systemischen Weihen” habe ich in der vierjährigen Ausbildung zum Systemischen Strukturaufsteller am SySt-Institut unter der Leitung von Mathias Varga von Kibéd und Insa Sparrer erhalten. Dort habe ich nicht nur die besondere Art und Weise der Strukturaufstellungen erlebt und erlernt, sondern auch gelernt, genau darauf zu achten, wovon ich spreche, wenn ich “systemisch” sage – eine Präzision in der Verwendung des Wortes, die meines Erachtens unbedingt angebracht ist, zumal systemisch en vogue ist und man sich gerne – auch in Astrologenkreisen – damit schmückt.

Aber kann ich mir sicher sein, dass andere, die von einer “systemischen Astrologie” sprechen, das Gleiche darunter verstehen wie ich? Ich kann es nicht. Meine Erfahrung lehrt mich sogar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas anderes darunter verstehe, sehr groß ist. Das kommt zum Teil daher, dass systemische Ansätze in der Astrologie noch nicht sehr lange Eingang gefunden haben, und daher der Begriff noch sehr wenig Konturen in diesem Zusammenhang gewonnen hat. Es liegt aber auch daran, dass der Hintergrund, vor dem diese Kombination von „systemisch“ und „Astrologie“ zuerst geschehen ist, geprägt ist von etwas, dass zwar heute allgemein als wenig systemisch betrachtet wird, aber die erste Verwendung dieses Begriffs im Kontext der Astrologie geprägt hat: das „Familienstellen“ nach Hellinger. Warum diese Art der Aufstellungsarbeit auch als „systemisch“ bezeichnet wurde (und wird), liegt wohl in erster Linie daran, dass immer wieder von der Familie als „System“ die Rede ist. Da jedoch im Familienstellen sehr wichtige andere Grundzüge des systemischen Denkens und Arbeitens, wie zum Beispiel der Konstruktivismus, die Prinzipien der Autopoiese, aber auch die daraus abgeleiteten Prinzipien der Lösungsorientierung, etc. vernachlässigt werden, fragt man sich heute zurecht, ob hier das Eigenschaftswort „systemisch“ nicht unpassend geworden ist. Das soll nicht als Bewertung verstanden werden, und wird es auch nicht, wenn wir der Versuchung widerstehen, „systemisch“ mit gut gleichzusetzen. Familienstellen stellt zwar so etwas wie ein System der Familie auf, ist aber in der gesamten Herangehensweise, dem Bild vom Menschen und seiner Einbettung in die Welt, sehr weit entfernt von dem, was systemische Praktiken heute ausmachen. Das sagt nichts über die Nützlichkeit oder die Qualität der Arbeit derjenigen aus, die Familienstellen praktizieren.

Doch wenn wir von einem Verständnis des Systemischen ausgehen, wie es sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten in der Praxis vieler Berater und Therapeuten ausgebildet hat, passt auf diese Art der astrologischen Arbeit der Begriff „Systemische Astrologie“ nur sehr bedingt und nur unter Preisgabe wertvoller Möglichkeiten, die das systemische Denken letztlich der Astrologie schenken kann.
Hier setzt mein Buch an: Ich möchte nicht eine neue astrologische Lehre begründen oder ein neues Methodenbündel auf den Markt werfen, sondern ich möchte Astrologie von Anfang an systemisch „denken“, und zwar so, dass das volle Potenzial des Systemischen zum Einsatz kommen kann. Es geht nicht darum, Astrologie mit mehr oder weniger systemischen Praktiken zu verbinden, diesen oder jenen nützlichen systemischen Gedanken hinzufügen, sondern Astrologie von Grund auf systemisch wahrzunehmen – so weit dies eben möglich ist.

Wittgenstein schreibt in seinen Philosophischen Untersuchungen 43:

“Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“

Beginnen wir also damit, den Gebrauch des Wortes für die Astrologie auf ein systemischeres Fundament zu stellen, in der Hoffnung, das viele dieser Anregung folgen mögen.

Wann ist Astrologie systemisch?

Kurz gefasst gilt: Eine systemische Astrologie verwendet die Mittel der Astrologie, um Systeme abzubilden. Sie unterscheidet sich daher in erster Linie von den übrigen Formen der Astrologie, dass sie

  1. … stärker betont, dass die Gegenstände Ihrer Betrachtung als Systeme verstanden werden können.
  2. … Methoden der Deutung favorisiert, die eine systemischere Betrachtung der Welt begünstigen.
  3. … die Interpretation selbst deutlicher als Vorgang im Rahmen eines systemisch zu verstehenden Prozesses betrachtet.

Daraus ergeben sich mindestens drei Fragestellungen, die eine systemische Astrologie interessieren:

  1. Auf welche Weise betrachte ich als Astrologe die Welt am besten, damit ich sie besser als System wahrnehmen kann? Worauf achte ich, wenn es um eine systemische Sichtweise der Welt und des Menschen geht?
  2. Welche Herangehensweisen an das Horoskop ermöglichen, meine Beobachtungen leichter im Sinne einer systemischen Betrachtung der Welt auf die Deutung des Horoskops zu übertragen?
  3. Welche Auswirkungen auf meine Deutung hat es, wenn ich das Horoskop in diesem Sinne auslege? Wie verändert dies den Sprachgebrauch im Rahmen der Interpretation? Wie wirkt sich dies auf die Beratungspraxis aus?

Klar ist, dass eine systemische Astrologie nicht einfach neue Methoden oder neue Techniken in den Raum stellt. Eine systemisch verstandene Astrologie stellt eine neue Sichtweise auf sämtliche Prozesse der astrologischen Praxis zur Verfügung.

Es beginnt bei der Betrachtung der Gegenstände der Astrologie, das sind in der Regel Menschen, deren Horoskope gedeutet werden. Hier gilt es herauszufinden, durch die Brille welches Weltbildes ich am besten blicke, um einen Menschen als in systemische Zusammenhänge eingebettet verstehen zu können. Es geht weiter mit der Deutungsmethodik, bei der sich die Frage stellt, wie wir auch bei der Umsetzung der astrologischen Symbolsprache nach systemischen Gesichtspunkten vorgehen können. Zum Schluss gilt es zu klären, wie die aus dieser Betrachtung des Horoskops entwickelten Informationen im Rahmen einer Beratung so umgesetzt werden können, dass sie ihre größte Nützlichkeit für den Klienten entfalten können. Die Frage ist dabei, welche Methoden fördern und vertiefen Erkenntnisprozesse beim Klienten und woran erkenne ich als Astrologe das? Welche Haltung des Astrologen ist bei der Vermittlung astrologisch erzeugter Informationen dabei nützlich?

Dies sind die Ausgangsfragen, mit denen ich mich in meinem Buch beschäftige.

Grundgedanken einer astrosystemischen Deutungs- und Beratungspraxis

Für die von mir so genannte astrosystemische Deutungs- und Beratungspraxis, wie ich Sie in meiner Astrologie-Ausbildung an der A*SYS*Akademie unterrichte, habe ich daraus folgende Grundgedanken abgeleitet:

System
Der Mensch ist ein Lebewesen, das sich in seiner Existenz auf andere Menschen bezieht. Immer dann, wenn Menschen sich aufeinander beziehen, entstehen menschliche Systeme, z.B. die Familie, in die wir hineingeboren werden oder die wir selbst gründen, das Team, in dem wir arbeiten, die Hierarchie, die wir an unserem Arbeitsplatz vorfinden, unser Freundeskreis, unsere Partnerschaften, die vielfältigen Beziehungsformen, die wir mit Menschen eingehen und so weiter. Unsere Identität, unser Verhalten und unser Gefühlsleben werden von den sozialen Systemen bestimmt, denen wir uns zugehörig fühlen.

Der astrosystemische Deutungsansatz sieht den Menschen als systemisches Lebewesen und macht ihn zum zentralen Wert ihrer Aussagen.

Wirklichkeit
Jeder Mensch befindet sich zu jeder Zeit in einem System. Systeme sind jedoch nicht objektiv: Da jeder Mensch aus einer anderen Perspektive auf das System blickt, hat jeder Mensch einen eigenen Eindruck von dem System, in dem er sich befindet. Wir können auch sagen: Es gibt so viele Blickwinkel auf ein System, wie es Teile des Systems gibt. Oder: Es gibt so viele aus einem System abgeleitete Wirklichkeiten, wie es Menschen gibt, die einem System angehören.

Menschen sind in Bewegung und deshalb sind Systeme nicht stabil. Sie verändern sich mit der Zeit von selbst oder absichtlich. Schon durch die Beobachtung des Systems verändert sich die Wirklichkeit: meine Eindrücke, die ich aus der Beobachtung gewinne, bestimmen mein Verhalten und damit meinen aktiven, kreativen Zugang zum System. Die Wirklichkeit eines Systems ist also nicht nur subjektiv, sondern auch immer nur eine Momentaufnahme.

Ein astrosystemischer Deutungsansatz berücksichtigt, dass die Wirklichkeit von Systemen von der subjektiven Beobachtung des Menschen abhängt und dass sich Systeme durch die Beobachtung verändern.

Verbundenheit
“Das zusammengesetzte Ganze (System) ist mehr als die Summe seiner Teile.” Was macht das Ganze zu mehr als die Summe der Einzelteile? Es ist der Umstand, dass die Elementen eines Systems wechselseitig aufeinander bezogen sind. Immer wenn wir an einer Stelle des Systems eine Veränderung vornehmen, bewirken wir über diese Wechselwirkungen eine Veränderung auch an allen anderen Stellen des Ganzen.

Das systemische Denken ist nicht so sehr an der Beschreibung der einzelnen Systemelemente interessiert, sondern an den Beziehungen zwischen den Elementen. Die Eigenschaften eines Menschen werden nicht so sehr als feste Charakterzuschreibungen verstanden, sondern als Zustände, die sich durch die Platzierung in einem System ergeben. Sie sind ein Ergebnis der Wechselwirkungen in einem System.

Die systemische Sichtweise legt nahe, dass wir Menschen unauflöslich miteinander vernetzt und verbunden sind, das wir als Individuen nicht losgelöst von anderen betrachtet werden können. Leiden könnte als Zustand begriffen werden, in dem wir uns als getrennt wahrnehmen beziehungsweise die Verbundenheit nicht (mehr) wahrnehmen können.

Ein astrosystemischer Deutungsansatz anerkennt, dass wir immer in Verbindung miteinander stehen. Sein Ziel ist es, die Wahrnehmung der Verbundenheit wiederherzustellen und damit die Chance zu erhöhen, leidvolle Erfahrungen zu überwinden.

Form und Struktur
Der astrosystemische Deutungsansatz geht nicht davon aus, dass wir im Horoskop das wahre Wesen eines Menschen entdecken können. Ausgangspunkt ist also nicht die Vorstellung von einem Horoskop, dass uns klar umrissene Muster zeigen könnte, die den Menschen auf ein bestimmtes So-Sein (”Schicksal”) festlegen. Vielmehr gehen wir von der Vorstellung aus, dass das Horoskop die Summe aller möglichen Strukturen enthält, die wir zur Gestaltung des Lebens zur Verfügung haben. Diese Gesamtheit aller möglichen Strukturen ist prinzipiell unendlich groß, aber nicht beliebig. Wir nennen sie die Form des Lebens (in Anlehnung an Wittgensteins Satz “Die Form ist die Möglichkeit der Struktur”). Die Form des Lebens eines jeden Menschen ist einzigartig und wir nehmen an, dass sie durch das Horoskop abgebildet wird. Wir können die Form eines Menschenlebens grundsätzlich nicht in Worten erfassen. Wir können sie nur in den aktuell sichtbaren Strukturen zeigen.

In einer Beratung stellen wir die gegenwärtige Lebensstruktur eines Menschen mit Hilfe des Horoskops dar. Auf diese Weise machen wir diese gegenwärtige Struktur als eine mögliche Struktur bewusst – als eine mögliche Variante der einzigartigen Form des Lebens. Von dieser Erkenntnis aus können wir neue Entwürfe für Lebensstrukturen vorschlagen, die weniger Leid erzeugend sind.

“Wir müssen nicht wissen, was gut ist, um zu wissen, was besser ist.” (Steve de Shazer) In diesem Sinne geht es in der astrosystemischen Deutung des Horoskops nicht darum herauszufinden, was einen Menschen zu einem guten Menschen macht (”wie er gemeint ist”, eine “Soll-Zustand”), sondern wie er einen Zustand in seinem Leben erreichen kann, den er als besser für sich bewertet im Sinne einer Erfahrung eines immer größer werdenden Zusammenhang zwischen Denken, Fühlen und Handeln.

Der astrosystemische Deutungsansatz ist klar lösungsorientiert. Er unterstützt den Klienten bei der Entwicklung von Lebensstrukturen, die Lösungen von bestehenden Problemen wahrscheinlicher machen. Dazu bedient er sich des Horoskops als Ausdruck des individuellen Möglichkeitssinnes eines Menschen, als einzigartige Form des Lebens.

Identifikation
Unser Denken und Wahrnehmen ist nicht die Realität. Was wir für unsere Wirklichkeit halten, ist abhängig von unserer Wahrnehmung und davon, wie unser Denken, Fühlen und Handeln unsere Wahrnehmung beeinflusst. Wir bewerten unser eigenes und das Verhalten anderer aus bestimmten Bewusstseinszuständen heraus, mit denen wir uns identifizieren, und die den Hintergrund für unsere Wirklichkeit bilden. Aus diesem Grund nehmen unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Perspektiven auf ein und dieselbe Sache ein, und sogar wir selbst werden ein und dieselbe Sache zu unterschiedlichen Zeiten unserer Lebens verschieden bewerten. So gesehen ist die Welt, wie wir sie wahrnehmen, unsere Schöpfung, eine Konstruktion unseres Geistes.

Ein astrosystemischer Deutungsansatz betrachtet den Menschen als Schöpfer seiner Wirklichkeit und leitet daraus ab, dass sich der Mensch frei für eine Perspektive auf die Realität entscheiden kann. Er gesteht dem Menschen also einen freien, kreativen Möglichkeitssinn zu, mit dem er seinen Zugang zur Wirklichkeit zu jedem Zeitpunkt seines Lebens selbst gestalten und verändern kann.

Veränderung
Wir unterscheiden dabei zwei Grundhaltungen, die wir gegenüber der Veränderung unserer Wirklichkeit einnehmen können: wir können Veränderung als (1) mechanisch auffassen oder als (2) Ausdruck unserer Absichten.

(1) Wenn wir den Standpunkt einnehmen, dass die Welt wie ein mechanisches Uhrwerk funktioniert, werden wir alle Veränderungen als unumgängliche Notwendigkeiten erfahren. Alles, was geschieht, geschieht allein deshalb, weil es geschehen musste.

(2) Wenn wir hingegen anerkennen, dass wir als Menschen mit unserer Absicht aktiv und kreativ auf die Welt einwirken können, dann können wir dem mechanischen Ablauf der Dinge unsere Schöpferkraft entgegensetzen und die Welt gestalten.

Der astrosystemische Deutungsansatz geht also davon aus, dass es möglich ist, die Welt nach seiner freien Absicht zu gestalten. Wenn wir der Konstrukteur dieser Bilder sind, dann haben wir die Fähigkeit, leiderzeugende Identifikationen aufzugeben und an ihre Stelle Bilder zu setzen, die uns die Zukunft wieder öffnen.
Ein astrosystemischer Deutungsansatz unterstützt das Konstruieren heilsamerer Perspektiven auf die Welt und regt dazu an, die Verantwortung für dieses Konstruieren zu übernehmen.

Deutung
Die astrosystemische Deutung des Horoskops ermöglicht dem Menschen, sich für bedeutsame Augenblicke seines Lebens von den Identifikationen mit seine Vorstellungen zu lösen, um auf diese Weise wieder mit dem Sinn für seine Möglichkeiten in Kontakt zu treten. Auf der Grundlage dieser Erfahrung kann der Mensch sich für neue Perspektiven auf sein Leben entscheiden. Das Horoskop hilft dabei, Möglichkeiten zu finden, die im größtmöglichen Einklang mit den als wesentlich empfundenen, aktuellen Bedürfnissen steht.

Ziel einer solchen Deutung ist nicht, zu erkennen, was ist. Ziel ist es auch nicht, sofort neue und bessere Bewusstseinszustände zu erreichen, sondern aktuell auftretende Bewusstseinszustände, die von Leid erzeugenden Identifikationen geprägt sind, bewusst zu machen.

Ein astrosystemischer Deutungsansatz versucht Prozesse in Gang zu setzen, in denen ich mich als Schöpfer meiner Wirklichkeit erlebe, in der ich zwischen meinen Vorstellungen von der Welt und dem Lösen von diesen Vorstellungen oszilliere, jederzeit bereit, jede Ebene, die ich erreiche, auch wieder aufzugeben.

Sprache
Astrologie wird als eine Sprache verstanden, die mit ihrer typischen Grammatik diese Prozesse organisieren kann (Ordnungsprinzip der Astrologie). Als Sprache hat sie eine Funktion, aber keinen Zweck in sich: “Astrologie ist die Algebra des Lebens” (Dane Rudhyar). Sie enthält keine Lehre, keine besondere Philosophie, keine Ethik und keine Religion. Als Sprache zieht Astrologie eine klare Grenze zum Mystischen (Metaphysischen), dem Unaussprechlichen: “Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.” (Wittgenstein)

Wenn wir die sprachlichen Methoden der Astrologie durch nicht-sprachlichen oder vorsprachlichen Methoden erweitern (z.B. Aufstellungsarbeit, Astrodrama, Meditation), kann sich das Unaussprechliche wohl zeigen. Astrologie scheint als Sprache besonders gut geeignet, solche Erfahrungen in den sprachlichen und damit dem Bewusstsein zugänglichen Bereich zu überführen. Sie muss sich dabei aber bewusst bleiben, dass sie nur Bilder liefert und nicht die “Wahrheit”. Diese Bilder können jedoch nützliche Metaphern liefern, um neue Perspektiven auf das eigene Leben zu gewinnen.

Der astrosystemische Deutungsansatz handelt davon, wie wir die Erfahrungen mit dem Horoskop nützen können, und zwar konsequent zur Gestaltung unseres gegenwärtigen Lebens. Er richtet die Aufmerksamkeit auf die Bewältigung des Alltags und die Überwindung Leid erzeugender Identifikationen im Hier und Jetzt. Dazu greift er weder auf den Glauben an dem menschlichen Bewusstsein entzogene (kosmische, göttliche, archetypische) Gesetzmäßigkeiten zurück noch will sie moralische oder religiöse Vorstellungen etablieren. Ihr alleiniger Bezugspunkt ist das unmittelbare Erleben des Menschen.

© 2008 Christopher Weidner @ 28. Juli 2008

Druckversion des Artikels Druckversion des Artikels

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!

Schlagwörter: , ,

Weitere Beiträge von Christopher Weidner.

Verwandte Artikel:

Kommentieren

Um einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben zu können, müssen Sie sich bei Astrophoenix registrieren und anmelden.

Login