Kummerkasten Juli 2008
Sabines Kummerkasten | (2) Kommentare |
Immer wieder erreichen mich Anfragen zu Lilith, die nicht immer einen eigenen Kummerkastenbeitrag bekommen konnten. Deswegen möchte ich den Themenkreis heute in diesem Kummerkasten etwas allgemeiner eröffnen.
Wenn es um Lilith geht, dann können die Anfragen z.B. so aussehen:
“Ich stehe kurz vor der Konjunktion von Lilith mit meinem Aszendenten. Geichzeitig habe ich die schon im April 2007 beendete Beziehung zu einem Mann, zu dem ich wegen seiner häufigen Affairen mit anderen Frauen kein Vertrauen haben kann, wieder in einer Art freundschaftlicher Weise aktiviert. Obwohl wir nur freundschaftlich verbunden sind, fühle ich diesselbe Anziehung und habe die Befürchtung, dass ich seinen Werbungen irgendwann erliegen werde, was für mich nur in einer Katastrophe enden würde… Warum kann ich mich nicht komplett aus der Beziehung lösen bzw. eine neutrale Freundschaft pflegen?”
Die Anfragende hat im Radix Lilith im Stier nahe ihrem Deszendenten stehen.
Oder so:
“Du bist doch Fachfrau in der Beobachtung Deiner Transite: hast Du auch schon mal einen Lilith-Transit gespürt?
Bei mir war es gestern soweit, was ich aber erst heute festgestellt habe. Ich hatte abends eine sehr unangenehme Begegnung, die genau in mein Mißbrauchsmuster paßt. Ich ging spazieren und setzte mich an den See 10 Min. von hier. In einigem Abstand saßen 3 Typen, die erstmal unverdächtig aussahen, wie Abiturienten, die zuhause wohnen, mit weißen Hosen und weißen Tennisschuhen auf weißer Decke sitzend und zwischendurch nachhause telefonierend: “Ja, ich bin’s, ich komm gleich…”
Doch bald ließen sie Anzüglichkeiten fallen wie: “Das sind meine Hormone, ich kann nichts dafür”, “toll, wie man im Sommer draußen wichsen kann” bis hin zu: “guck mal, wie die angezogen ist! Weißt Du, was das hier ist? Eine Vergewaltigungs-Decke!”
Mir wurde das zu bunt und ich ging – sofort folgten mir die 3 mit höhnischem Gegröle, sichtlich über den Erfolg ihres Gehabes amüsiert. Ich ging auf den Parkplatz in der Hoffnung auf Rückendeckung für den Ernstfall, doch da standen ein paar Autos mit anderen Typen, die nicht viel vertrauenerweckender aussahen und der Reihe nach wegfuhren, bis ich mit den Typen allein zurückblieb, die grinsend in ihrem roten Auto auf mich zu warteten schienen und sich an meiner Situation ergötzen. Ich türmte durchs Gebüsch und über einen Schleichweg nach hause, und es sitzt mir noch ziemlich in den Knochen.
Ich weiß nicht, wie oft ich schon in solchen Situationen war, immer überkommt mich dabei eine Lähmung und eine Ungläubigkeit: kann es denn sein, daß sich eine Frau nirgendwo sicher fühlen kann, daß in jedem Mann potentiell ein Triebtäter steckt? Mein Hasenherz eines gebrannten Kindes traut sich eigentlich nirgendwo hin, und wenn ich versuche, mich zu beschwichtigen, daß ich Gespenster sehe, kann sowas dabei rauskommen.”
Die Fragende hat Lilith im Radix in weiter Konjunktion zu ihrem Mond stehen sowie im Sextil zur Venus. Die Transit-Lilith stand zum fraglichen Zeitpunkt in Opposition zu Mars und im Quadrat zu ihrer Venus.
Ein Mann, der Lilith in Konjunktion zu Pluto und in Opposition zu Mars stehen hat, wird zutiefst von Eifersuchtsgefühlen gequält. Zugleich hat er selbst ständig sexuelle Gedanken, die er sich zu verbieten sucht. Lilith-Transite holen das Thema immer wieder aus seinem Unbewussten hoch.
Lilith-Themen haben nicht selten mit sexuellen Triebkräften zu tun, in uns selbst und in den Menschen, die uns begegnen. Erinnern wir uns kurz an Liliths mythologische Geschichte: Sie war laut jüdischer Tradition die erste Frau Adams, die sich jedoch von ihm trennte, weil sie beim sexuellen Akt nicht unter ihm liegen wollte. Sie widersetzte sich dem Willen Gottes, verschwand aus dem Paradies und führte daraufhin ein Eigenleben mit ungezügeltem Ausdruck ihrer sexuellen Energie. Sie verkehrte jeden Tag mit tausend Wesen und brachte tausend Kinder auf die Welt, die jedoch immer wieder getötet wurden.
Ich möchte dieses Mythos einmal weniger aus der Mann-Frau-Perspektive deuten, wie es so häufig getan wird, sondern das Augenmerk auf das richten, was auch in Lilith-Geschichten im Alltag so oft zum Ausdruck kommt: Der Einsatz von sexueller Energie.
Sexuelle Energie ist Lebenskraft, Schöpfungsenergie. Wir Menschen haben sie, um damit umgehen zu lernen und sie zum Höchsten und Besten einzusetzen, dessen wir fähig sind. Sie ist eines unserer wichtigsten und möglicherweise unverstandensten Übungsfelder im Leben. Wir können sie nicht unterdrücken und einfach übergehen. Und doch haben wir vielfach Angst vor ihr, weil sie so schnell aus der Kontrolle geraten kann, uns mitreißt und uns Dinge tun lässt, die mit unseren Idealen nicht mehr überein stimmen.
Wenn wir sie konzentriert einsetzen, symbolisch die Vereinigung von Lilith mit Adam, wenn sie einem Ziel dient, wenn sie bewusst und wohlwollend gelebt wird, trägt sie Früchte und bringt uns weiter. Wenn sie unterdrückt oder ungezügelt ausgelebt wird, bringt sie Unheil für uns selbst und andere.
In seinem Buch “Sex – das missverstandene Geschenk” schreibt OSHO: “Sex ist eure einzige Energie; Sex ist Lebensenergie. Was ihr damit macht, hängt von euch ab. Sex kann zur Sünde werden, und er kann euch zum höchsten Bewusstsein führen. Es hängt ganz von euch ab, wie ihr die Energie nutzt.”
Klar ist, dass Lilith-Transite uns unseren Umgang mit dieser Kraft vor Augen führen. Wenn wir dann eines Problems in unserer Außen- oder Innenwelt gewahr werden, ist dies ein Wink unserer Psyche, uns näher mit unserer Einstellung zu unserer Lebensenergie und unseren Umgang damit zu kümmern. Denn das, was wir im Außen erleben, ist kein Zufall. Wie die meisten Astrologielernenden wissen, entspricht das äußere Geschehen immer einem inneren Zustand. Nicht umsonst stellen wir uns Fragen wie: “Warum passiert mir das Gleiche immer wieder?”
Dies bedeutet nicht, dass wir an allem “Schuld” tragen. Es bedeutet, dass wir die Macht haben, Muster zu verändern. Nichts ist stärker als unser bewusster Wille, wenn er im Einklang mit kosmischen Gesetzen agiert.
Insofern ist verständlich, dass Lilith-Themen sich für den Kummerkasten nur begrenzt eignen. Denn da ist tiefe Arbeit an Glaubenssätzen und inneren Mustern angesagt. Dahinter steckt oft ein von Kindheit an fehlgeleiteter sexueller Impuls, der seinen rechten Weg sucht und ihn nicht zu finden scheint. Scham und ein schlechtes Gewissen begleiten uns häufig, wenn wir uns mit diesen Problemen herumschlagen. Oder das Gefühl von Machtlosigkeit, Ohnmacht. Wir fühlen uns Kräften ausgeliefert, die uns zu überwältigen scheinen. Und wir ahnen nicht, wie vielen Menschen es ähnlich geht. In milder oder schwerer Auswirkung vielleicht. In einer anderen Form womöglich. Und doch: (Angst vor) Vergewaltigung, Eifersucht, verhängnisvolle sexuelle Anziehung, qualvolle sexuelle Fantasien – sie alle haben die gleiche Wurzel und sitzen in unserer persönlichen sexuellen Kraft und ihrem Umgang damit.
Vielleicht können Lilith-Transite uns diesbezüglich aufrütteln und uns zeigen, wo wir näher hinschauen müssen, welches Thema in uns noch ungeklärt ist. Die Arbeit selbst kann Lilith uns wohl nicht ersparen.
© 2008 Sabine Bends @ 15. Juli 2008
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Schlagwörter: Lilith, Macht, Ohnmacht, Sexualität
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Liebe Sabine
Hab herlichen Dank für deinen Lilithartikel.
Schön zu lesen und wie passend, bewegt sich doch Lilith im Transit auf ihre Geburtspositon im Schützen zu.( derzeit steht sie auf etwa 10 Grad im Schützen.) in meinem fünften Haus im Schützen.
Erlebe meine Begegnungen auf neue Art, nicht immer leicht, aber konstruktiv und bewusstseinserweiternd.
Und dann steht auch noch der progessive Mond im Schützen auf meinem nörldichen Mk.
Nachdem der Durchgang Liliths durchs vierte Haus im Skorpion auch eine KOnfrontation mmit generationsübergreifenden Traumata mit sich brachte, zeigen sich jetzt Wege der Lösung, nicht unbedingt im Sinne von das Probleme verschwinden, sondern ein sich Finden und Arrangieren auch mit Begebenheiten, die sich nun mal nicht ändern lassen….statt gegen einen Felsbrocken kämpfen, den man so nie aus eigner Kraft bewegen könnte. Wenn die Kräfte nicht mehr gebunden sind in aussichtslosen Kämpfen, auch gegen die eigene Natur, dann kann Heilung sich ihren Weg bahnen.
Eine sehr günstige Zeit alte Glaubenssätze kennenzulernen und loszulassen, die sich in tieferen Schichten verborgen haben.
Herzliche Grüsse
Barbara
Immer wieder eine Lanze werfen
Immer wieder eine Lanze werfen
wenn sie trifft, verblute ich
Ach, ich wollte mir mein Schwert noch schärfen
Doch am Ende treff ich mich
Jede Schlinge, die ich lege
dich an mich zu binden
ist zum Schluss mir selbst im Weg
will sich um mich winden
Jedes kalte Wort zum Abschied
das ich schleudern will
wird ein Weinen und ein Lied
drum bin ich lieber still
Lad dich gehn aus meinem Leben
lass dich nun in Ruh
und will ich dir einen Abschied geben
hör mir nicht mehr zu
Von Bettina Wegner aus dem Album
Sind so kleine Hände
Bettina Wegner, , 1947 in Berlin geboren, galt als Geheumtip unter den kritischen Liedermachern in der damaligen DDR.
Vor allem die Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau und der Situation der Kinder, wirken in der Einheit von Text und Musik in einer nur schwer und schlecht zu beschreibenden Eindringlichkeit.
Bettinas Wegners poetische wie agressive Töne sind das Gegenstück zum sich ausbreitenden Konformismus. In einer Zeit gebrochener Rücken singt sie von der Notwendigkeit des aufrechten Ganges.