Kummerkasten November 2007
Sabines Kummerkasten | Ein Kommentar |
„Am 23.09.2006 trennte sich mein Mann von mir. Die Hochzeit war am 20.08.2005. Die Schwierigkeiten unserer Ehe fingen an, als mein Mann regelmäßig fast jeden Abend bei seinen Eltern war, um die neue Firma mit seinem Vater aufzubauen. Zusätzlich hatte mein Mann noch eine Festanstellung. Der Zeitdruck war also enorm. In dieser Zeit fing mein Mann immer wieder an, mir vorzuwerfen, ich müßte meine ungeregelten finanziellen Verhältnisse regeln, weil wir sonst keine Basis hätten. An allem wären doch sowieso nur meine Eltern schuld. Meine Eltern hatten tatsächlich finanzielle Schwierigkeiten, und haben Immobillien, die noch belastet waren, auf uns Kinder übertragen, um diese vor dem Konkursverwalter zu schützen. Meinem Mann zuliebe habe ich diese Belastungen von meinen Schultern genommen. Und auch ich fühlte mich danach leichter. Trotzdem hackte mein Mann immer wieder drauf rum, ich müßte von meinen Eltern noch Geld verlangen, weil sie mich in diese Situtation gebracht haben. Immer wurden seine Eltern mir gegenüber ausfällig, ohne dass mein Mann mich in Schutz nahm. Schließlich trennte er sich, mit der Begründung, es hätte nichts mit Gefühlen zu tun, sondern mit dem Kopf.
Jetzt nach einem Jahr, wohnt mein noch Ehemann immer noch bei seinen Eltern im alten Jugendzimmer, und das “gemeinsame” Haus, (auf dem Papier gehörte es ihm) befindet sich noch im gleichen Baustand wie vor einem Jahr. Ich liebe ihn immer noch, aber ich bin einfach zu stolz ihn drauf anzusprechen, weil er zu sehr verletzt hat, und schließlich ging er ja. Wenn er mich noch lieben würde, dann wäre er doch schon auf mich zugegangen, oder?
Wir haben eine gemeinsame Tochter, viereinhalb Jahre. Alles, was unser Kind anbelangt, funktioniert reibungslos. Wir haben gemeinsames Sorgerecht und unsere Kleine kann sich darauf verlassen , dass sie sowohl Mama, als auch Papa gleichermaßen liebhaben. In der Hinsicht gab es noch nie Streit. Wir waren vor der Heirat übrigens fünf Jahre ein Paar. Ich liebe ihn immer noch so sehr. Ich will aus diesem Kreislauf raus, und wollte fragen, wie lange diese Phase wohl noch andauern wird. Ich arbeite gerade an meiner Karriere, im Marketing und Coaching Bereich, und lenke mich mit Arbeit ganz gut ab. Meinen Alltag habe ich so organisiert, dass ausreichend zeit für die Kleine bleibt. Trotzdem ist alles was ich tue, von einem Schatten aus meinem tiefsten Inneren bedeckt. Danke für Ihre Hilfe.“
Liebe Maja,
ich duze dich einfach mal und hoffe, das ist okay für dich.
Zunächst möchte ich dir sagen, dass man das Geschehen gut an deinem Horoskop nach verfolgen kann. Familienthemen dieser Art finden wir fast immer im vierten Haus, das bei dir reichlich mit Planeten besetzt ist. Auch der Mond spielt für Familie, Geborgenheit, Heim und Haus eine Rolle, und der wurde in den letzten Jahren vom laufenden Pluto in die Zange genommen, so dass alles Ungeklärte und Belastende zum Vorschein kam. Dass auch dein Ehemann eine Rolle in dem Ganzen spielt, zeigt uns der Herrscher des siebten Hauses, Uranus, der am IC (dem Beginn des vierten Hauses) steht. Auf finanzielle Angelegenheiten und Verstrickungen gibt es ebenfalls zahlreiche Hinweise: Venus in Skorpion am IC, sowie Merkur und Neptun, die Herrscher des 2. und 8. Hauses (die Häuser des Besitzes und der Werte) in Konjunktion im vierten Haus der Familie.
Wir könnten uns nun lang und breit in der Analyse des Wieso und Warum auslassen. Allein, das sprengt zum einen den Rahmen dieser schriftlichen Kurzberatung hier, zum anderen bringt dich das nicht weiter. Du stehst derzeit an einem ganz wichtigen Punkt in deinem Leben. Du spürst nämlich, dass es der „Schatten aus deinem tiefsten Inneren“ ist, der dich vom Glücklichsein abhält. Diese Worte sind wahrer als alles andere. Du erlebt derzeit deine Saturn-Wiederkehr (Saturn nimmt nach ca. 29 Jahren wieder den gleichen Platz ein wie zu deiner Geburt). Saturn steht bei dir im ersten Haus und zeigt an, dass es für dich an der Zeit ist, die vollständige Verantwortung für dich, deine Bedürfnisse und dein Handeln zu übernehmen. Es ist eine Phase der Abnabelung, auch von elterlichen Vorgaben, und des persönlichen Neuanfangs.
Den Schatten aus deinem Inneren kannst du selbst auflösen, indem du radikal so handelst wie es für dich richtig ist. Ohne Rücksicht darauf, was andere tun oder nicht tun. Die Heilung, die ein solcher Prozess hervorruft, geht sehr tief. Und entlässt deine gesamte Umgebung aus einer Verantwortung, die ihr nicht zusteht. Und aus einer Macht, die sie nicht wirklich über dich hat. Ich möchte dir an deinen eigenen Sätzen veranschaulichen, was die radikale Übernahme von Verantwortung für dich selbst konkret bedeuten würde:
„Immer wurden seine Eltern mir gegenüber ausfällig, ohne dass mein Mann mich in Schutz nahm.“Wir wollen hier nicht darüber richten, ob es „gut“ oder „schlecht“ ist, was dein Mann getan oder nicht getan hat. Was aus dem Satz von dir herausspricht, ist ein Bedürfnis nach Schutz vor übergriffigen Bemerkungen anderer. Die volle Verantwortung für dieses Bedürfnis zu übernehmen, bedeutet für dich, dich selbst zu schützen. Ich greife diesen Punkt heraus, weil er in deinem Fall besonders wichtig ist. Denn offenbar ist es nicht leicht für dich, anderen klar zu machen, wo sie deine Grenzen übertreten. Überlege dir, was du selbst tun kannst, um dich zu schützen und entlass deinen Mann aus der „Verantwortung“, dies für dich zu tun.
„Ich liebe ihn immer noch, aber ich bin einfach zu stolz ihn drauf anzusprechen, weil er zu sehr verletzt hat, und schließlich ging er ja.“Das ist meiner Ansicht nach der zentrale Kern in deiner Kummerkasten-Anfrage, Maja. Ich verstehe, dass du (zu) stolz bist. Du hast einen Löwe-Aszendenten (da versteh ich was von…) und du hast deinen Stolz. Ich möchte dich einfach nur fragen: Was ist dir wichtiger? Dein inneres Glück und dein Frieden oder dein Stolz? Wenn dir dein Stolz wichtiger ist, gut. Dann sage deinem Mann nichts von deinen Gefühlen. Wenn du jedoch zu der Ansicht kommen solltest, dass dir dein Stolz nicht so wichtig ist, dann könntest du ihm einen Brief schreiben, in dem du ihm sagst, dass du ihn noch liebst. Oder natürlich auch direkt mit ihm sprechen. Ich würde dir davon abraten, Mutmaßungen über seine Gefühle anzustellen. Wir können darüber nichts wissen. Sprich von dir. Was du fühlst, was du dir wünschst. Erwarte nichts von ihm, übe weder Druck aus noch erhoffe dir etwas Bestimmtes.
„Wenn er mich noch lieben würde, dann wäre er doch schon auf mich zugegangen, oder?“Du liebst ihn noch und bist noch nicht auf ihn zugegangen, oder? Woher kannst du wissen, dass er nicht noch viel stolzer ist als du? Vielleicht liebt er dich noch, vielleicht nicht. Warum er auf dich zugeht oder eben nicht, liegt völlig außerhalb deines Handlungsspielraums und deiner Verantwortung. Du hast keine Macht darüber.
Doch du hast Macht über dich. Wenn du deine Gefühle ausdrückst und sie nicht länger unterdrückst, wenn du spürst, was wirklich wichtig für dich ist zu tun, dann wird es dir besser gehen. Völlig unabhängig davon, was dein Mann oder andere Beteiligte dann tun oder nicht tun. Wie du sicher bemerkt hast, habe ich die Horoskopdaten deines Mannes aus deinem Text gelöscht und nicht berücksichtigt. Zum einen, weil wir von ihm keinen Auftrag erhalten haben und ungefragt nicht in seine Privatsphäre eindringen. Zum anderen, weil es zeigt, dass es in deiner Macht liegt, wieder glücklich zu sein. Diese Macht steht niemand anderem zu, nur dir allein. Dein Glück liegt nicht darin, unbedingt wieder mit deinem Mann zusammen zu kommen. Das kann ein Wunsch von dir sein, aber ob er erfüllt wird, wissen wir nicht. Dein Glück liegt darin, dir und deinem Herzen treu zu sein und deine Gefühle auszudrücken. Deinen Mann zu lieben, wenn du ihn liebst. Du kannst es ohnehin nicht ändern. Wie nah er dich bei sich haben möchte, wie und ob er dich liebt – das wiederum ist seine Sache.
Liebe Maja, erledige du deinen „Job“, und der Himmel sorgt für alles Übrige. Lass in deinem Inneren wieder die Sonne scheinen, der Schatten tut dir nicht gut. Im nächsten und übernächsten Jahr wird sich im Bereich Familie und Partnerschaft bei dir einiges zum Positiven wandeln. Uranus läuft dann über deinen Mond, Neptun kommt in dein siebtes Haus. Das wird eine Zeit sein, wo sich neue Erlebensformen von Familie und Partnerschaft entwickeln können. Wo sich möglicherweise ungute familiäre Verstrickungen weiter lösen dürfen, damit du deinen ganz eigenen Weg klarer vor dir siehst. Bereite du jetzt den Boden dafür, indem du mit dir und deinen Gefühlen wieder im Einklang handelst. Ich wünsche dir dafür den Löwenmut, von dem ich weiß, dass du ihn hast!
Herzlichst,
Sabine
© 2007 Sabine Bends @ 15. November 2007
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Schlagwörter: 2. und 8. Haus, Familie, Finanzen, Haus 4, Kummerkasten, Liebe, Mond, Partnerschaft, Pluto, Saturn, Saturn-Wiederkehr, Verantwortung
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Liebe Sabine,
bravo zu Deinem einfühlsamen Beitrag, der genau herausarbeitet, wo der Schlüssel zur Veränderung verborgen liegt. Glaubenssätze und “The Work” von Byron Katie lassen grüßen
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“Zufällig” bin ich gerade in einer ähnlichen Situation und kann daher auch für mich persönlich viel aus Deinen Erläuterungen ziehen.
Ganz liebe Grüße, freu mich schon auf Deinen nächsten weisen Rat
Yamuna