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Sabine Bends

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Das dritte Haus

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abbildungIst ein Haus ein Haus?

Gehen Sie durch die Straßen und schauen Sie sich um: Dort steht ein heruntergekommenes Einfamilienhaus, hier ein anonym wirkendes Hochhaus, da drüben eine prachtvolle, aber kaum einsehbare Villa und auf der anderen Seite eine Laubhütte. Jedes Haus ist anders. Wenn Sie die verschiedenen Häuser betreten, befinden Sie sich in verschiedenen Welten. Die Stimmung, die Umgebung, das Interieur, die Leute – alles ändert sich.

Nun sind die Häuser im Horoskop nicht aus Stein gebaut. Sogar das Gegenteil ist der Fall: Es handelt sich um nicht-sichtbare Himmelssegmente. Trotzdem ist der Begriff “Haus” treffend gewählt, denn sie zeigen im Horoskop Lebensbereiche an, die, wie die Häuser unserer Straße, ebenfalls sehr unterschiedlich sind.

In dieser Serie stellen Ihnen Sabine Bends und Holger Faß die Häuser vor und laden Sie zu einer Hausbesichtigung ein. Zu jedem Monatsersten werden wir ab heute hier bei Astrophoenix einen Artikel zu den 12 Häusern des Horoskops veröffentlichen.

Das dritte Haus, Autorin: Sabine Bends
Ich bin, was ich denke.

Hier führt uns unsere Reise in das erste flexible oder bewegliche Haus. Als letztes Haus eines Quadranten ist es die Aufgabe der flexiblen Häuser, das von den kardinalen Häusern als Potenzial zur Verfügung Gestellte und von den fixen Häusern konkret Umgesetzte zu verteilen und zu verwerten. Sie öffnen die Kanäle für eine Verwendung der Energie und schaffen eine Verbindung zu anderen Bereichen. Ihre Funktion ist die Überleitung, die Vermittlung zwischen bereits bekanntem und neuem Terrain. Somit treten wir in den flexiblen Häusern mit unserer Umwelt in Beziehung, und es findet eine Wechselwirkung statt. Das flexible Haus ist die Marketingabteilung eines jeden Quadranten – hier findet die Darstellung des zuvor Erarbeiteten statt und seine Einordnung in einen größeren Kontext.

Im dritten Haus, der Marketingabteilung unseres ersten Quadranten, vermarkten wir uns selbst. Wir stellen uns dort durch Mimik und Gestik dar, in diesem Haus zeigt sich unser körperliches Verhalten in der Umwelt. Es macht uns – zusammen mit unserer physischen Grundanlage – so unverwechselbar. Aus dem Grund passiert es mir nicht selten, dass ich die Charakteristika desjenigen Tierkreiszeichens an einem Menschen wahrnehme, das an der Spitze seines dritten Hauses steht. Wenn wir als professionelle Astrologen versuchen, den Aszendenten oder das Sonnenzeichen von jemandem zu erraten, dann brauchen wir dazu genauso viel Glück wie ein astrologischer Laie. Viel interessanter finde ich es, einfach zu erspüren, welche Energie uns bei einem Menschen ins Auge springt. Mal ist es vielleicht der Aszendent, mal die Sonne, mal eine Planetenballung in einem Zeichen, mal etwas ganz anderes, und nicht gerade selten ist es das dritte Haus.

Wir ergreifen unseren Umraum, mit Händen und Füßen, mit Mimik und Blickkontakt kommunizieren wir mit unserem Umfeld. Und das sieht man. Aber das hört man auch. Durch unsere Stimme, durch die Sprache, die wir wählen, durch unsere ganze Art, mit Dingen und Menschen in Kontakt zu treten. Jemand mit Uranus oder Wassermann im dritten Haus hat möglicherweise eine besonders spritzige Art zu kommunizieren, er springt auf jeden neuen Gedanken an. Vielleicht fällt beim schwungvollen Gestikulieren schon einmal eine Vase um, aber dafür ist er mit Sicherheit ein interessanter Gesprächspartner. Ein Mensch mit Skorpion oder Pluto im dritten Haus gestikuliert womöglich weniger, doch bei ihm kann man den Eindruck haben, er verleiht jeder seiner Gesten und Worte möglichst viel Gewicht. Vielleicht schaut er sein Gegenüber bei der Kontaktaufnahme eindringlich an oder versucht, seine Umgebung auf andere Art und Weise zu fesseln.

Die Energien des dritten Hauses dienen uns dazu, uns mit unserem Umfeld in Beziehung zu setzen. Das bedeutet aber auch, dass wir uns von unserem Umfeld abheben müssen, dass wir nicht unser Umfeld sind, sondern etwas Anderes, etwas Eigenes. Wir differenzieren in diesem Hause zwischen dem, was uns ausmacht, und dem, was unsere Umgebung ausmacht. Was sich in unserem dritten Haus findet, dafür haben wir einen besonderen Blick. Auf diese Eigenschaften und Fähigkeiten springen wir besonders an, sie erregen unser Interesse, weil es genau die Eigenschaften sind, die uns selbst helfen, uns zu präsentieren und zu artikulieren, uns bemerkbar zu machen.

Als Analogie zum Zeichen Zwillinge und zu Merkur hat das dritte Haus einen Bezug zu unseren Gedanken und deren Artikulation. Nun handelt es sich hierbei jedoch um ein Haus, nicht um einen Planeten oder ein Zeichen. Worin besteht also der Unterschied? Merkur in einem Tierkreiszeichen steht dafür, wie wir denken, sprechen, lernen; das dritte Haus hingegen beschreibt einen Lebensbereich, eine Erfahrungsebene. Im dritten Haus sammeln wir im Laufe unseres Lebens besondere Erfahrungen mit der Welt der Gedanken und der Worte.

Dies beginnt bereits sehr früh, wenn wir nämlich sprechen lernen. Wie in unserem Elternhaus Sprache benutzt wird, das prägt auch uns. Welche Themen werden dort besprochen? Wie redet man miteinander, welcher Umgangston wird gepflegt? Welche Erfahrungen machen wir selbst mit der Darstellung unserer Ansichten im Elternhaus, im Freundeskreis, in der Schule? Was uns interessiert, nehmen wir auf, das lernen wir. Unser Wissen prägt unsere Gedanken und unsere Gedanken prägen unsere Worte. Gedanken und Worte sind als geistige Energien die entscheidende Grundlage für die konkrete Ausgestaltung unseres Lebens. Es sind die unsichtbaren Grundlagen für sichtbare Erfahrungen, die wir machen. Was wir also durch Erfahrungen des dritten Hauses an Gedankengut und Wissen in uns aufnehmen und wieder von uns geben, ist schon der erste Schritt zu einer positiven oder negativen Erfahrung.

Jedes Tierkreiszeichen an der Spitze des dritten Hauses und jeder Planet hält dabei seine ganz eigenen besonderen Herausforderungen und Chancen für uns bereit. Worauf man bei den einzelnen Zeichen achten könnte und wo die Möglichkeiten liegen, die eigenen Interessen, Gedanken und Worte so zu lenken, dass sie für uns selbst und unsere Umgebung hilfreich und unterstützend werden, dafür möchte ich Ihnen nun einige Vorschläge machen:

Widder
Vorherrschende Gedankenmuster, die man früh erlernt hat, kreisen um den Wettbewerb und den Vergleich mit anderen. Eine Konzentration hierauf führt sehr schnell in eine gedankliche “Stressspirale”, aus der man nur schwer wieder herausfindet. Es gilt, vor allem Gedanken und Sätze wie: “Das kann er viel besser als ich” oder “Ich muss mich eben mehr anstrengen” aus dem Kopf und dem Vokabular zu streichen. Die große Chance, die sich hier bietet, besteht darin, neuen, motivierenden und lebensförderlichen Gedanken Raum zu geben, die sich am eigenen Handlungsspielraum orientieren und nicht an anderen: “Ich möchte dies gern bis nächsten Monat erreichen und setze mich dafür ein.”

Stier
Die große Falle sind hier Urteile und Bewertungen in Gedanken und Worten, die sich daran orientieren, was ich gewohnt bin: “Unmöglich, wie der sich benimmt! Das gäbe es bei uns nicht.” Meine Werte in Worte zu kleiden, die anderen (und mir selbst!) dennoch Luft zum Atmen lassen, ist hier die Kunst. Wie wäre es mit: “Wir handhaben das folgendermaßen… Ich schätze das sehr weil,…” Menschen mit dieser Konstellation sollten ihre Glaubenssätze in Bezug auf Kommunikation, Lernen und Sprache besonders gründlich überprüfen, den alles, was bei uns mit einer Stierfärbung versehen ist, haftet lange. Und nicht alles davon verdient diese Haltbarkeit.

Zwillinge
Hier ist der Verstand am Ruder. Nicht unbedingt schlecht, wenn es darum geht, Sachverhalte zu klären, Informationen zu verarbeiten und etwas zu lernen. Schwierig wird es hier, wenn Emotionen und Bedürfnisse mit ins Spiel kommen, die gern überhört werden. Logik allein ist nicht alles, sprachliche und gedankliche Fertigkeiten machen noch keinen verständigen Menschen aus. “Das liegt dir nicht” mag zwar eine sachlich richtige Feststellung sein – allein die Botschaft kommt erst an, wenn man Rücksicht auf die Emotionen zu nehmen gelernt hat, die eine solche Äußerung mit sich bringt. Und das gilt nicht zuletzt für einen selbst.

Krebs
Schon früh hat man hier womöglich gelernt, mit offenen und versteckten Vorwürfen umzugehen und sie selbst einzusetzen: “Du hörst mir einfach nicht zu, ich bin dir völlig egal.” Gefühle und Bedürfnisse so artikulieren zu lernen, dass andere auch Lust haben, darauf einzugehen und sich gedanklich nicht mit belastenden Emotionen zu vergiften, ist hier die große Herausforderung. “Ich bin traurig, wenn ich den Eindruck gewinne, dass du mir nicht zuhörst. Ich wünsche mir, dass wir beide uns mehr austauschen.” Eine solche Aussage ist ehrlich, aber nicht manipulierend. Darin liegt Ihre Stärke!

Löwe
“Herzenskommunikation” heißt hier das Zauberwort. Nicht nur Sie, aber Sie ganz besonders, gewinnen Kraft und Energie, wenn Sie darauf achten, ob eine Gedanke und ein Satz, den Sie sagen, von Herzen kommt oder ob Sie es nicht wirklich so meinen. Authentizität im Gespräch und in der persönlichen Darstellung ist für Sie besonders wichtig, weil jede gedachte oder ausgesprochene Lüge Sie und andere schwächt, Ihnen Lebensenergie abzieht. Lernen Sie vor allem, mit sich selbst ins Reine zu kommen und sich klar darüber zu sein, was Sie sagen und denken wollen. Dann können Sie fast immer mit Verständnis rechnen.

Jungfrau
Die Nörgelfalle… Ein früh gelernter Perfektionsanspruch kann hier so manchen Austausch zunichte machen, noch bevor er überhaupt angefangen hat. Auf uns selbst angewandt, bringt er uns zum Schweigen. Auf andere angewandt, bringt er sie in Rage, in Verzweiflung oder treibt sie in den Rückzug. Einfühlung im direkten Kontakt ist hier das A und O. Aber ob Sie es glauben oder nicht: Genau da liegt auch Ihre Stärke, Sie haben eine Sensibilität für Zwischentöne, Sie müssen lediglich gewillt sein, die Feinabstimmung auch einzuschalten.

Waage
Ärger ausdrücken verboten! Hier könnte es ein Muster sein, das eigene Auftreten und die Kommunikation möglichst unauffällig und angenehm für andere zu gestalten. Energische Worte, Wut und Ärger haben da keinen Raum. Zumindest nicht offen. Das aber kostet Sie viel mehr Energie als ein offen angesprochenes Problem. Mit der Ihnen eigenen Diplomatie sollte es Ihnen eigentlich gelingen, selbst in unangenehmen Lagen ehrliche Worte zu finden, die nicht verletzen.

Skorpion
Tabuthemen und Geheimnisse gehören zu den Herausforderungen in Ihrem Austausch mit anderen Menschen. Dinge, die Sie oder andere nicht hören wollen, Vergessenes, Vergrabenes. Sie können es ohnehin nicht verhindern, ins Vertrauen gezogen zu werden – lernen Sie, auch mit ungewolltem Wissen umzugehen und Diskretion zu wahren. Und seien Sie sich der Magie Ihrer Gedanken bewusst – im Positiven wie im Negativen. Ihre Konzentration in die gewünschte Richtung bewirkt entscheidende Veränderungen in Ihrem Leben.

Schütze
Wenn wir andere Menschen und uns selbst beobachten, schießen uns häufig unmittelbar moralische Urteile durch den Sinn. “Wie die rumläuft…!” “Wie der frisst…” Uns allen. Aber mit Schütze an der Spitze des dritten Hauses, haben wir die besondere Aufgabe und Chance, diese Urteile und Überzeugungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie führen uns solange zu unbefriedigender Kommunikation und Verletzungen, bis wir uns unserer Tendenz bewusst werden und uns einer kritischeren Selbstanalyse unterziehen. Ehrlichkeit uns selbst gegenüber ist hier das Heilmittel.

Steinbock
Wenn wir uns nicht zu helfen wissen, greifen wir in der Kommunikation gern zu altbewährten Mitteln. Nicht nur mit einer Steinbock-Komponente im dritten Haus scheinen uns der mehr oder weniger subtile Einsatz von Macht, Erwartung, Druck und Strafe oftmals der einzige Weg, uns bemerkbar zu machen. Aber gerade Menschen mit dieser Konstellation erfahren das Leid eines solchen Umgangstons am eigenen Leib. Sie sind dazu prädestiniert, hieran zu arbeiten. Ein Satz wie “Wenn du mir jetzt nicht die Stange hältst, dann kündige ich dir die Freundschaft” ist nicht unbedingt motivierend. Ein Mensch, der die Verantwortung für seine Wünsche selbst übernimmt, hingegen schon.

Wassermann
Als genialer Querdenker macht sich dieser Mensch weder in der Kommunikation, noch in seinen Denkmodellen gern von anderen abhängig. Er möchte seine Eigenart darstellen und sich so ausdrücken wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, im Gegenteil. Je nach Schnabel hat es einen hohen Unterhaltungswert! Doch die Gefahr besteht, als Alleinunterhalter Monologe zu halten, dabei wenig von sich selbst mitzuteilen und auch nichts zurückzuerhalten, weil man im Grunde weder von Herzen gegeben noch um etwas gebeten hat.

Fische
Die Erfahrungen mit Austausch und Kommunikation reichen von völlig unklaren Gedanken und Vorstellungen bis zu versteckten Hilferufen und heimlichen Anklagen. Wer was von wem will, wird nicht immer klar. Insofern lernt man schnell, nicht auf das zu hören, was gesagt wird, sondern das zu erahnen, was gemeint ist. Auch andere verstehen einen selbst oft nur auf diesem Umweg. Doch darin liegt auch eine große Stärke: Einfühlung und Empathie. Hier fühlt sich der verstanden, dem es nicht um die Form des Wortes, sondern um das Gefühl dahinter geht.

© 2006 Sabine Bends @ 1. Dezember 2006

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