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Holger A. L. Faß

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Das siebte Haus

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abbildungAbendstimmung

Das siebte Haus liegt dem ersten Haus gegenüber. Das erste Haus haben wir als Ich-Bereich kennen gelernt – das siebte Haus ist das, was dem Ich gegenüber tritt: der Du-Bereich. Hier kommen wir in Kontakt. Es ist das Haus der Begegnung. Dabei spielen persönliche Beziehungen und Liebesaffären natürlich eine wichtige Rolle. Dennoch umfasst das siebte Haus mehr als nur die privaten Liebschaften. Denn letztlich ist jede Form der Begegnung eine Haus-Sieben-Thematik. Das ist der Grund, warum in einigen Astrologiebüchern das siebte Haus auch als Bereich der “offenen Feindschaften” bezeichnet wird. Nicht jede Begegnung verläuft liebevoll und mit Zuneigung.
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In der Häuserabfolge verlassen wir mit dem siebten Haus den Bereich unterhalb des Horizontes. Wir treten in den dritten Quadranten ein. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass die Themen der Häuser eins bis sechs der eigenen Person sehr nahe sind: mein Auftreten (Haus eins), mein Selbstwert (Haus zwei), meine Ausdrucksweise (Haus drei) und so weiter. Man kann sagen: in den Häusern eins bis fünf sammeln wir Grundbedingungen der Persönlichkeit, im sechsten Haus fassen wir sie zusammen und stellen ihre Nützlichkeit fest, und ab dem siebenten Haus fangen wir an, all dies in die Welt hineinzutragen.

Die Sonne läuft nun jedoch während eines Tages genau anders herum: vom Aszendenten über das zwölfte Haus, dann über das elfte, zehnte und so weiter. Hat die Sonne das siebte Haus erreicht, so ist Abend, das Tagwerk ist vollbracht, die Sonne geht unter. Sonnenuntergang! Wer denkt da nicht an das romantische Bild eines Liebespaares am Strand? Während die Sonne versinkt, steigt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Wir können uns nicht mehr ablenken mit wichtigen Aufgaben und Arbeiten – jetzt ist Zeit für Zweisamkeit und wir bedauern all jene, die alleine sind.

Ob und wie ich mich auf Partner einlasse, kann an dem Zeichen an der Spitze des siebten Hauses abgelesen werden, dem so genannten Deszendenten. Da Aszendent und Deszendent sich im Tierkreis immer genau gegenüber liegen, bedingt das eine das andere. Jeder Mensch mit Fische-Deszendent hat einen Jungfrau-Aszendenten und jeder Mensch mit Stier-Aszendent hat einen Skorpion-Deszendenten. Es liegt eine tiefe Weisheit in dieser Analogie: Meine Art mich zu zeigen (Aszendent) zieht immer eine bestimmte Art von Menschen an (Deszendent).

Deszendent in…

…Widder
Beziehungen werden für mich vor allem dann interessant, wenn es dynamisch zugeht. Obwohl ich selbst ein friedliebender Mensch bin, reizen mich mutige Menschen. Jemand der deutlich eine Stellung bezieht. Das tut auch mir gut, da ich mich nicht immer klar entscheiden kann. Zu viel Wildheit verschreckt mich allerdings, und manchmal muss ich erstaunt feststellen, dass mein Gegenüber offensichtlich von purer Streitlust geleitet wird.

…Stier
Für schnelle Kontakte bin ich nicht zu haben. Aber wenn ich mich auf jemanden eingelassen habe, dann will ich mir auch der Sache sicher sein. Gerade in Partnerschaften ist Fremdgehen dann absolut tabu. Sicherheit ist mir in der Beziehung besonders wichtig. Mich reizen auch Partner, die über ein gewisses finanzielles Polster verfügen. Wenn ich aber sehe, dass sie ihr Geld in erster Linie für sinnliches Vergnügen ausgeben, dann kommen mir doch Zweifel, ob ich an den Richtigen geraten bin.

…Zwillinge
Zunächst einmal: der Partner muss ein guter Zuhörer sein. Denn Kommunikation und Austausch ist in einer Beziehung doch das Allerwichtigste. Vor allem, weil ich viel zu sagen habe. Tief in mir spüre ich einen Führungsanspruch. Doch das heißt nicht, dass ich jemanden brauche, der immer Ja und Amen sagt. Vielmehr reizen mich Menschen, die intellektuell wendig sind und meinen Gedankengängen folgen können. Langeweile darf jedenfalls in der Partnerschaft nicht aufkommen!

…Krebs
Meine Vernunft hat mir im Leben schon oft weitergeholfen. Komisch, dass ausgerechnet unvernünftige und gefühlgesteuerte Menschen davon angezogen werden. Eine Beziehung setze ich schnell mit Familie gleich. Daher reizen mich Menschen, die eine sensible, intime, private Ausstrahlung haben. Werden sie allerdings zu launisch, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Dann muss meine Vernunft wieder herhalten, und so kann es passieren, dass ich in der Beziehung die Führung übernehme.

…Löwe
Manchmal wirke ich etwas cool und distanziert. Da tut es gut, sich mit Menschen zu umgeben, die warmherzig und großzügig sind. Ich mag Partner, die gern lachen und flirten, und die das Leben als ein einzigen Selbsterfahrungsworkshop ansehen. Manchmal sind sie mir jedoch zu ich-bezogen, und dann ist es gut, dass ich darauf hinweisen kann, dass es außer dem Einzelnen auch noch die Gesellschaft gibt.

…Jungfrau
Ich bewundere Menschen, die patent sind und immer eine praktische Lösung parat haben. Während ich noch darüber nachsinne, welche Bedeutung denn der defekte Wasserhahn haben könnte, haben sie ihn schon repariert. Toll. Nur schade, dass dabei so wenig Platz für Phantasie und Romantik bleibt. Aber macht nichts: Das bringe ich dann ganz sanft aber unaufhörlich in die Beziehung ein!

…Waage
Es ist schon erstaunlich, wie galant und diplomatisch manche Menschen durch die Welt kommen. Das fasziniert mich. Auch ich lasse mich gerne von ihrem Charme um den Finger wickeln. Aber allzu rosarot darf der Alltag nicht werden. Allen Liebenswürdigkeiten zum Trotz: Es muss auch mal ein hartes Wort erlaubt sein, wenn nötig!

…Skorpion
Obwohl ich mich eigentlich gut abgrenzen kann, gerate ich immer wieder in Beziehungen, in denen ich tief verstrickt bin. Meine Partner haben manchmal eine manchmal undurchschaubare Macht, mich in ihre Angelegenheiten hineinzuziehen; obwohl sie behaupten, es wären meine. Das ist faszinierend und hat zuweilen etwas geradezu Magisches. Von meinen Partnern kann ich lernen, mich tiefer und leidenschaftlicher auf Beziehungen einzulassen.

…Schütze
Ich suche eine Beziehung zu Menschen, die meinen Horizont erweitern können. Da ich vielseitig interessiert bin, lege ich da kein Thema fest. Günstig wäre, wenn der Partner vielleicht aus dem Ausland kommt, so dass ich viele Einblicke in fremde Kulturen gewinnen kann. Er darf auch Lehrer sein – aber eher einer der motivierenden Sorte, nicht der strenge Abfrager. Denn fest verankert ist mein Wissen nicht immer – dazu gibt es einfach zu viel Neues, was auch interessant ist.

…Steinbock
Mich faszinieren reife, erfahrene, auch ältere Menschen. Von ihrer Weisheit möchte ich gerne profitieren. Manchmal sind mir meine Partner aber auch zu ernst. Dann wäre mir etwas Unbekümmertheit ganz angenehm, so, wie ich ja auch selbst unbekümmert in die Welt hinaus schaue. Ich spüre sehr schnell, was mein Partner will und was nicht. Das macht es manchmal etwas anstrengend, da seine Ansprüche hoch sind. Von meinen Partnern kann ich lernen, mich selbst besser abzugrenzen.

…Wassermann
Es ist wie verhext: Um überhaupt in Kontakt zu kommen, muss ich mich in den Vordergrund stellen. Tue ich es, wird mir aber vorgeworfen, ich spielte mich als Drama-Queen auf – und die Partner distanzieren sich wieder. Nun, vielleicht sollte ich mich nicht nur auf einen einzigen Zuschauer konzentrieren, sondern auch meinem Gegenüber seine eigene Welt lassen. Menschen, die sich Freiheit und Unabhängigkeit herausnehmen, faszinieren mich nämlich sehr.

…Fische
Meine gute Beobachtungsgabe ist schon ein wichtiger Faktor, den ich in die Beziehung mit einbringe. Denn mein Partner steht zwar über den Dingen und strahlt eine beneidenswerte Ruhe aus, doch an Kleinigkeiten verzweifelt er. Manchmal ist er mir ein bisschen zu esoterisch oder zu weltfremd, aber mit ein paar gezielten Nachfragen zu ganz praktischen Dingen hole ich ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Das siebte Haus ist ein Lufthaus und hat, wie auch die anderen Lufthäuser drei und elf, mit Kontakten zu tun. Austausch steht hier im Vordergrund. Den Austausch und die Begegnung des siebten Hauses benötigen wir vor allem zur Selbsterkenntnis. Denn hier begegnen wir Menschen auf der gleichen Ebene. Aszendent und Deszendent sind Horizontpunkte, die auf gleicher Höhe liegen. Daher wird das siebte Haus oft als Spiegel der Umgebung gedeutet. Natürlich zeigt es nicht die konkrete Umgebung. Und wenn wir über das siebte Haus den Partner beschreiben können, so liegt das einzig und alleine daran, dass Menschen dazu neigen, diese Qualität ihres eigenen Horoskopbildes nach außen zu projizieren. Das Bild vom Spiegel macht deutlich, dass uns in den Begegnungen vor allem das begegnet, was wir eigentlich selbst sind. Der Mensch tritt in Beziehung, um mit sich selbst in Beziehung zu treten. Im Anderen begegnen wir uns selbst. Das ist durchaus ein Teil der Faszination, aber auch ein Teil dessen, was uns abstößt. Wenn wir jemanden sehr faszinierend oder sehr abstoßend finden, hat er meist etwas von uns: Entweder etwas, was wir an uns selbst schätzen, was wir vielleicht als Talent inne wohnen haben aber uns nicht zu leben trauen (Faszination), oder aber etwas, was wir an uns selbst ablehnen, auch Eigenschaften, derer wir uns eigentlich gerne entledigen würden (Abstoßung). Die Begegnung hilft, uns darüber klarer zu werden. Ziehen wir immer wieder die gleichen Typen an, so sind wir auf dem Erkenntnisweg wohl noch nicht allzu weit voran gekommen. Der Mensch mit Krebs-Deszendent hat dann womöglich noch nicht verstanden, dass er selbst auch eine versorgungsbedürftige Seite in sich trägt. Es würde auch ihm gut tun, sich mal gehen zu lassen und nicht sofort in ein Eltern-Kind-Muster zu schlüpfen, sobald sich die erstbeste Gelegenheit dazu bietet.

Menschen mit Sonne oder Mond im siebten Haus sind ganz besonders auf Partner angewiesen. Denn sie brauchen die direkte Umwelt, um mehr über ihre Individualität und ihre Gefühlswelt zu verstehen. So ist es beispielsweise nicht verwunderlich, dass bei den großen Psychologen Sigmund Freud und Carl Gustav Jung die Sonne in Haus sieben steht. Ihre Faszination für den Menschen glich einer Suche nach dem eigenen Ich.

Mit dem Mond in Haus sieben suchen wir das Gefühlvolle in der Begegnung. Denn erst, wenn wir erkennen, was andere fühlen, werden wir uns klarer darüber, dass wir auch selbst voller Emotionen sind. Man schart sensible Menschen um sich (und muss ein bisschen aufpassen, nicht in die Rolle des Beschützers zu fallen), um gleichsam seine eigene Sensibilität besser kennen zu lernen. “When the moon is in the 7th house…” (Wenn der Mond im siebten Hause steht…) heißt es gleichsam im Musical “Hair”, in dem es um Frieden und Verbrüderung geht. Mit Mond im siebten Haus, so die Botschaft, sei Mitgefühl möglich. Zum Glück ist das nicht der einzige Weg zu mehr Mitgefühl – aber ansonsten stimmt’s!

© 2007 Holger A. L. Faß @ 3. April 2007

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