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Sabine Bends

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1 Kommentar

  1. Dagmar Wäscher
    Dagmar Wäscher
    1. Februar 2007 @ 17:32

    Liebe Sabine,
    dein Artikel läuft mir wie Balsam die Seele hinunter und herauf :)

    er ist sooooo schön!
    Danke!
    Dagmar :)

Die 12 Häuser im Horoskop – Teil 5

Serie | Ein Kommentar |

abbildungIst ein Haus ein Haus?

Gehen Sie durch die Straßen und schauen Sie sich um: Dort steht ein heruntergekommenes Einfamilienhaus, hier ein anonym wirkendes Hochhaus, da drüben eine prachtvolle, aber kaum einsehbare Villa und auf der anderen Seite eine Laubhütte. Jedes Haus ist anders. Wenn Sie die verschiedenen Häuser betreten, befinden Sie sich in verschiedenen Welten. Die Stimmung, die Umgebung, das Interieur, die Leute – alles ändert sich.

Nun sind die Häuser im Horoskop nicht aus Stein gebaut. Sogar das Gegenteil ist der Fall: Es handelt sich um nicht-sichtbare Himmelssegmente. Trotzdem ist der Begriff “Haus” treffend gewählt, denn sie zeigen im Horoskop Lebensbereiche an, die, wie die Häuser unserer Straße, ebenfalls sehr unterschiedlich sind.

In dieser Serie stellen Ihnen Sabine Bends und Holger Faß die Häuser vor und laden Sie zu einer Hausbesichtigung ein. Zu jedem Monatsersten veröffentlichen wir hier bei Astrophoenix einen Artikel zu den 12 Häusern des Horoskops.

Das fünfte Haus, Autorin: Sabine Bends
Von roten Schuhen und anderen kreativen Unternehmungen

Man könnte das fünfte Haus gut und gerne als das Kernstück der Häuser im Horoskop bezeichnen. Denn hier geht es um nichts anderes als uns selbst. Zwar können wir in astrologischen Büchern lesen, dass Kinder und Liebesabenteuer Themen dieses Hauses sind, und das ist auch richtig. Doch darauf kommen wir später noch einmal zurück. Bleiben wir vorerst beim Wichtigsten, das es auf der ganzen weiten Welt gibt, bei uns selbst.

Das fünfte Haus ist für das Horoskop so etwas wie das Herz für einen Menschen, oder wie das Lebensblut, das vom Herzen durch unsere Adern gepumpt wird. Im fünften Haus liegt unsere Vitalität, unsere Lebenskraft und Lebensfreude verborgen. Es ist die Kraft, die uns täglich dazu bringen sollte, aufzustehen und voller Hoffnung und Lebensfreude einem neuen Tag entgegenzusehen. Doch wir alle wissen, dass es Tage, Wochen und Monate gibt, an denen dies ganz und gar nicht der Fall ist.

Wir alle kennen diese Tage, an denen wir nicht wissen, wozu wir überhaupt aus dem Bett steigen sollten, Phasen, in denen uns unsere Lebenslust abhanden gekommen ist. Oft ist uns noch nicht einmal richtig klar, wie es eigentlich dazu gekommen ist, geschweige denn, wo ein Ausweg liegt. Dabei kann uns ein Märchen helfen, das Clarissa Pinkola Estés in ihrem Buch Die Wolfsfrau nacherzählt. Es ist das Märchen von den roten Schuhen. Es handelt von einem armen Mädchen, das sich keine Schuhe leisten kann. Doch im Laufe der Zeit sammelt es sich rote Stoffreste zusammen und näht sich ein paar rote Schuhe, die keinesfalls perfekt sind, an denen es jedoch eine große Freude hat. Arm, aber einfallsreich schlägt es sich durchs Leben, bis es eines Tages einer älteren Dame in einer Kutsche begegnet, die der Waise anbietet, sich ihrer anzunehmen. Fortan wächst das Mädchen in einem reichen Hause auf, ist gut gekleidet und muss sich anständig benehmen. Aus ist es mit dem selbstbestimmten Leben! Seine roten Schuhe hat die reiche Dame verbrannt, und das Mädchen trauert ihnen lange nach. Eines Tages sieht es ein paar rote Lackschuhe, die es auch gleich käuflich erwirbt. Doch das grelle Rot der Schuhe erregt Aufsehen in der Gemeinde, und die reiche Dame verbietet ihrem Zögling, die Schuhe jemals wieder zu tragen. Unsere kleine Heldin kann jedoch nicht widerstehen, zieht die Schuhe weiterhin an, bis sie eines Tages merkt, dass sie sie nicht mehr ausziehen kann. Schlimmer noch, die Schuhe machen sich selbständig und zwingen das Mädchen, Tag und Nacht in ihnen zu tanzen. Am Ende kommt die Rettung in Form einer Axt, die ihr die Schuhe mitsamt ihren Füßen abhakt.
Das hört sich für unsere Ohren ziemlich brutal an, doch wir wollen es einmal in eine psychologische Sprache übertragen, auf das fünfte Haus und die Lebenslust anwenden, und schauen, ob wir es dann immer noch so brutal finden. In dem Märchen haben wir ein Mädchen, das zwar nicht reich, aber doch glücklich ist. Es führt kein bequemes Leben, doch es ernährt sich aus eigener Kraft. Und es zeigt ein äußerst kreatives Talent, sich die Dinge zu beschaffen, die es braucht und an denen es Freude hat: Seine roten Schuhe. Noch sind sie etwas unbeholfen, doch das Mädchen ist ja auch noch jung. Hätte es etwas mehr Zeit, seinen Weg weiterzugehen, wäre das nächste Paar Schuhe vielleicht schon perfekter und schöner.

Doch leider passiert etwas, das unsere kleine Heldin von ihrem persönlichen Entwicklungsweg abbringt. Sie wählt statt eines harten, selbstbestimmten Lebens den scheinbar bequemeren Lebensweg bei einer reichen Dame. Fortan unterliegt ihr Leben strengen Regeln. Rot steht auch für Lebenslust, Vitalität und Energie. Die scheinen ihr immens zu fehlen. Sie vermisst das Eigene, Einzigartige und Kreative in ihrem Leben: ihre roten selbstgenähten Schuhe.

So geht es auch uns häufig, wenn sich unser Leben wie ein eintöniges Grau in Grau anfühlt und wir keine Lust und keinen Antrieb mehr empfinden. Lust und Freude entstehen aus der Freiheit des Experimentierens, aus dem freien Spiel mit dem Augenblick, aus der Spontaneität. Sie kennen das sicherlich alle: Sie wollen wieder einmal so richtig Spaß haben, und was machen Sie? Sie verabreden sich mit einer Freundin, einem Freund, um gemeinsam auszugehen. Doch an dem Abend Ihrer Verabredung sind Sie müde, haben Kopfschmerzen, Ihre Tage oder schlicht und einfach keine Lust. Lust lässt sich nämlich nicht planen.

Und Lust lässt sich auch nicht erkaufen, so muss unsere Märchenfigur entsetzt feststellen. Denn aus ihrem Lebenshunger heraus hat sie sich eine Ersatzbefriedigung gekauft: Grelle, rote Lackschuhe. Sie sind jedoch nur scheinbar ein Ersatz für ihre selbstgenähten roten Schuhe. Sie sind nämlich nichts Eigenes und passen eigentlich nicht wirklich zu ihrer Trägerin. Sie wirken übertrieben und aufdringlich an ihr. In der Gemeinde fällt dieses anstößige Benehmen natürlich unangenehm auf. Doch alle Verbote nutzen nichts, unsere Heldin ist längst süchtig nach ihrer Ersatzbefriedigung.

Oh ja, wie gut wir das kennen! Wenn wir uns unerfüllt fühlen, greifen wir zur Zigarette, zur Schokolade, zum Portemonnaie oder bleiben im Bett. Die Sucht scheint der einzige Ausweg aus der misslichen Lage. Die Sucht, die Depression, die Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit haben uns im Griff. Ein ausgehungerter Mensch, der seine Kreativität und Selbstbestimmtheit verkauft und verrät, wird zum Opfer seiner Ersatzbefriedigungen. Und die Lösung aus der Sucht ist nur mit einem radikalen Einschnitt möglich: Dem Abtrennen der Schuhe, auch wenn wir dabei unsere Füße verlieren. Wir haben ohnehin schon längst den Boden unter den Füßen verloren, und müssen nach diesem Einschnitt lernen, neu zu gehen. Selbstständig und unabhängig.

Was lehrt uns dieses Märchen über das fünfte Haus? Es lehrt uns vor allem, dass es nichts Wichtigeres gibt als uns selbst und das, was uns wirklich Freude bereitet. Damit sind aber gerade nicht die oberflächlichen Freuden gemeint wie es bequem zu haben, ständig auszugehen, nur zu spielen oder von einem sexuellen Abenteuer ins nächste zu geraten. Damit ist gemeint, uns schöpferisch und kreativ auf das Leben einzulassen und unsere Träume nicht zu verraten. Im vierten Haus hatten wir genügend Gelegenheit, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen, Kraft aus einer tiefen Verbindung zu uns selbst und unserer seelischen, geistigen und körperlichen Herkunft zu beziehen. Aus dieser inneren Sammlung heraus entwickelt sich eine Identität, eine Einzigartigkeit, ein unverwechselbares Selbst. Dieses Selbst möchte im fünften Haus hervortreten können, heraustreten, sich ausdrücken und zeigen. Es möchte einfach so sein wie es ist und jedem Moment aus sich heraus begegnen.

Für unser innerstes schöpferisches Wesen ist es völlig natürlich, jedem Augenblick voller Freude und Kreativität zu begegnen. Es hat keine Angst anzuecken, unangenehm aufzufallen, etwas falsch zu machen oder gegen Regeln zu verstoßen. Diese Ängste stülpen wir ihm irgendwann einmal über oder lassen es zu, dass andere dies tun.

Unser natürlich-kreatürliches Selbst ist bunt, voller Leben, voller Lust, voller Experimentierfreude, selbstvergessen und selbstverloren, ohne Bewusstsein für eine Bewertung von außen. So wie eine Katze nicht ahnt, wie unglaublich elegant und anmutig sie wirkt, wenn sie sich streckt und räkelt, so wie ein Elefant niemals auf den Gedanken käme, er wäre zu dick oder zu schwer, so wie ein kleines Kind jedem Augenblick offen und unbekümmert begegnet, so sind wir, wenn wir unser fünftes Haus wirklich leben. Wir sind dann zutiefst mit uns selbst verbunden, agieren ganz aus uns selbst heraus und zeigen uns und unsere Erzeugnisse ohne Scham, Verlegenheit oder falschen Stolz. Wir sind im besten Sinne mit uns selbst eins.

Der Weg zurück aus der Ersatzbefriedigung, aus der Sucht, der Depression oder auch nur der Müdigkeit, Lustlosigkeit und Niedergeschlagenheit führt also unweigerlich über das, was uns Freude bereitet, und zwar zutiefst. Versuchen Sie nicht, sich selbst mit oberflächlichen Vergnügungen auszutricksen oder Ihre Begierde auf pralles Leben mit etwas Künstlichem zu stopfen. Wer Ihnen erzählt, der Weg ins fünfte Haus sei einfach und kinderleicht, schummelt entweder oder ist ein Glückskind, dem der Kontakt zur eigenen schöpferischen Lebensgestaltung niemals abhanden gekommen ist. Für viele von uns ist der Weg zur Freude mindestens ebenso schwer, wenn nicht sogar schwerer, als der zur Pflicht. Denn alles, wirklich alles, hat seinen Preis. Dem inneren einzigartigen schöpferischen Drang nach Selbstentfaltung zu folgen, bedeutet vielleicht für den einen von uns, in einem bestimmten Maß auf finanzielle Sicherheit verzichten zu müssen. Für eine andere bedeutet es womöglich, dem Widerstand der Familie zu begegnen. Wieder ein anderer Mensch muss sich mit seiner Angst vor Minderwertigkeit auseinandersetzen. Es sind einige Hürden zu überspringen, um ein freudvolles, autonomes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Und selbst wenn man einmal dort angekommen zu sein scheint, gibt es doch keine Endstation. “Sie haben es geschafft? Sie sind endlich Psychotherapeutin und haben sich Ihren Berufstraum erfüllt? Wunderbar! Herzlichen Glückwunsch. Wie? Sie sind unzufrieden, weil die Abrechnung mit den Krankenkassen Sie einengt? Sie verlieren langsam die Freude an Ihrem Traumberuf?”

Ja, so ist das. Unser Weg ins fünfte Haus endet niemals. Wir sind immer wieder neu gefordert, uns zu fragen, was unsere Lust am Leben weckt, wonach es uns gelüstet, und was wir tun können, um dorthin zu gelangen. Das erfordert ständige Kontaktaufnahme mit uns selbst. Und wenn wir mal ein paar Jahre vergessen, uns zu fragen, ob uns unser Leben eigentlich noch Freude macht, dann weckt uns garantiert ein Transit durch das fünfte Haus, über den Herrscher dieses Hauses oder über unsere Sonne, der Planetenentsprechung des fünften Hauses.

Wahrscheinlich haben Sie mittlerweile schon selbst herausgefunden, warum Kinder und Liebesaffären auch zum fünften Haus gehören. Kinder sind eine Form von kreativem schöpferischen Selbstausdruck. Und zwar die natürlichste, körperlichste und biologischste aller Formen. Aber, es ist eben nur eine Art. Im Sinne des fünften Hauses gibt es viele Formen von Kindern: geistige in Form von unseren einzigartigen Ideen, seelische Kinder, die unsere Sehnsucht hervorbringt, spirituelle Kinder, die unser Wesen mit dem Göttlichen oder Kosmischen verbinden, materielle Kinder aus Stein, Holz oder Papier, die sich als Skulpturen, Häuser, Tische, Bücher oder Bilder manifestieren sowie noch viele Kinder mehr. Jedes schöpferische Projekt, jede Form von Erzeugnis ist ein Kind, das wir lange in uns getragen haben, bevor es zur Welt kommen durfte und wir es dann bei seinen ersten Schritten begleiten.

Liebesaffären sind eng mit unserer Lust am Leben verbunden. Sie stimulieren uns, uns von unserer besten Seite zu zeigen, aktivieren alle schöpferischen, sexuell-zeugenden und sexuell-empfangenden Kräfte in uns und machen uns innerlich ein Stück lebendiger. Solange wir weder unsere Kinder noch unsere Liebesaffären dazu missbrauchen, unseren eigentlichen Hunger auf etwas anderes zu stillen und sie dazu degradieren, eine Ersatzbefriedigung zu sein oder gar eine Sucht, sind es wunderschöne Formen des Selbstausdrucks. Und das ist und bleibt das zentrale Thema des fünften Hauses: Wir selbst und unser einzigartiger Ausdruck, unser ganz persönlicher Lebensweg.

© 2007 Sabine Bends @ 1. Februar 2007

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