Über den Autor dieses Artikels

Dagmar Wäscher

Zum Autorenprofil von Dagmar Wäscher

Keine Kommentare

Mars Ingress Krebs

Serie, Zeitqualität | Noch keine Kommentare |

abbildung

VON SCHWALBEN UND PRINZEN

Liebe astrophoenix-LeserInnen,

nachdem die Venus in den letzten Monaten Hochkonjunktur hatte, bekommt jetzt Mars seinen gebürtigen Platz auf astrophoenix. Auch er ist als Transit nicht ganz zu verachten. Ich meine sogar festgestellt zu haben (und wahrscheinlich bin ich nicht die Erste), dass die aktuelle Zeitqualität durchaus sehr von seinen Kräften beeinflusst ist. Nicht nur, wenn er mit den Langsamläufern eine gespannte Liaison eingeht. Z.B. als die Sonne dieses Jahr in den Widder lief. Normalerweise spürt man diese Jahreszeit im Verhalten der Menschen besonders gut: Aufbruchstimmung und Kontaktverhalten stimmen mit den Energien der Widder-Zeit oftmals gut überein. Aber es gibt Jahre, da bleiben die Menschen trotzdem relativ introvertiert. In diesem Jahr durchlief Mars das Zeichen Fische kurz nachdem die Sonne in den Widder immigrierte. Ich empfand diese Zeit so, dass alles recht langsam und schleppend zum Leben erwachte. Dieses und ähnliche Phänomene habe ich zu anderen Zeiten ebenfalls gut beobachten können.

In den letzten Jahren stellte ich oft verblüfft fest, dass sich Mars als persönlicher Transitplanet von vehementer Wichtigkeit zeigt, wenn bestimmte Entwicklungen oder Entscheidungen angesagt sind. Lange Rede, kurzer Sinn: auch wenn ich nicht auf die persönlichen Häuserstellungen Ihres Radix-Mars eingehen kann, so will ich doch zu den einzelnen Mars-Ingressen in einer kleinen neuen Serie Stellung beziehen. Zu jedem Tierkreiszeichenwechsel von Mars versuche ich etwas von dieser Qualität zu erhaschen und auf eine persönlichere Ebene zu transferieren.

Warum ich erst jetzt auf die Idee kam, weiß ich auch nicht, aber vielleicht hat es etwas mit meinem Mars-Return zu tun. Was immer ausschlaggebend dafür war, spielt nun keine Rolle mehr, Hauptsache Mars tritt in Aktion! Ich starte den ersten Teil der Serie mit dem Mars-Ingress ins Zeichen Krebs.

Zu diesem Ingress ist mir eines meiner Lieblingsmärchen von Oscar Wilde eingefallen. So möchte ich die wunderbare Tradition auf astrophoenix fortsetzen, und Ihnen per Märchen meine Gedanken über jene Zeit schildern, in der sich Mars im Zeichen Krebs befindet. Es ist die Geschichte vom Glücklichen Prinzen.

Hoch über der Stadt stand auf einer mächtigen Säule die Statue des Glücklichen Prinzen. Er war über und über mit Goldblättchen bedeckt, seine Augen waren aus zwei Saphiren und auf seiner Schwertscheide befand sich ein roter Rubin. Er strahlte soviel Glanz aus, dass ihn die Menschen für wunderschön und sehr glücklich hielten.

Eines Nachts, es war schon Spätherbst, flog ein kleiner Schwälberich über die Stadt. Seine Freunde waren schon vor Wochen gen Süden gezogen, aber dieser törichte kleine Vogel hatte sich in eine Schilfrispe verliebt. Und als seine Gefährten bereits fortgeflogen waren, überkam ihm Einsamkeit, da die Rispe sich nicht mit ihm unterhielt und auch nicht mit ihm fortgehen wollte. Da wurde es ihm seiner Liebe zu ihr überdrüssig und er machte sich auf den langen Weg nach Ägypten. Aber in dieser Nacht musste er eine Pause einlegen und er suchte nach einer geeigneten Absteige. So ließ er sich zu den Füßen des Glücklichen Prinzen nieder.

Obwohl der Himmel klar war, spürte der kleine Schwälberich Regentropfen auf ihn niederfallen. Wie er sich so wunderte, blickte er nach oben und sah, dass die Statue weinte. Riesige Kullertränen rannen über die Wangen des Prinzen. Dem Schwälberich überkam Mitleid und er fragte den Glücklichen Prinzen nach dem traurigen Grund. Der Prinz sprach: „Als ich noch am Leben war und ein Menschenherz hatte, da kannte ich keine Tränen und keine Traurigkeit, denn ich lebte in einem Palast und hatte keine Sorgen. Ich kam nie auf die Idee nachzusehen, was sich hinter der Palastmauer abspielte. Alle nannten mich den glücklichen Prinzen, weil es mir an nichts mangelte und ich mich mein Leben lang vergnügen konnte. Als ich starb, haben mich die Menschen hier herauf gestellt. So hoch, dass ich alle Hässlichkeit und alles Elend meiner Stadt erblicken kann. Und auch wenn mein Herz aus Blei ist, kann ich nicht anders als zu weinen.

Vogel, kleiner Vogel, weit fern von hier in einer schmalen Gasse befindet sich ein Haus. Und in diesem Haus sehe ich eine Frau, eine Näherin. In dem Bett nebenan liegt ihr kleiner Junge und fiebert. Die Frau kann ihm nur Wasser reichen, weil sie so arm sind. Willst du ihr nicht meinen Rubin aus meiner Schwertscheide bringen? Meine Füße sind an diesem Sockel befestigt, ich kann mich nicht bewegen.“ Obwohl der Schwälberich nach Ägypten aufbrechen wollte, bekümmerte ihn die Lage des Prinzen sehr. So versprach er, eine Nacht bei ihm zu bleiben, um sein Bote zu sein. Er pickte den Rubin aus der Schwertscheide und flog damit zu dem Haus der Frau und legte den Rubin neben einen Fingerhut.

Als er zurückflatterte, bemerkte er, wie es ihm ganz warm wurde, obwohl es sehr kalt geworden war. Er schlief zu den Füssen des Prinzen ein. In der nächsten Nacht wollte er sich verabschieden, aber der Prinz sagte: „Vogel, kleiner Vogel, willst du nicht noch eine Nacht hier bleiben? Weit weg über der Stadt sehe ich einen jungen Mann in einer Dachstube. Er versucht, ein Schauspiel fertig zu schreiben, aber er kann sich vor Kälte nicht mehr bewegen. Er hat kein Geld mehr, um sich Feuerholz zu kaufen.“ „Aber ich muss nach Ägypten! Meine Freunde warten da schon auf mich!“ entgegnete der Schwälberich. Der Prinz bat ihn aus tiefsten Herzen, und, weil der Vogel ein gutes Herz hatte, blieb er auch diese Nacht wieder bei ihm. Der Prinz gab ihm die Anweisung, einen Saphir aus seinen Augen zu nehmen, um ihn den Mann zu überbringen. Aber der Vogel weinte und sagte, dass er dies nicht tun könne. Der Prinz sprach ihm gut zu und so zog der Vogel mit dem Saphir los, um ihn in die Dachkammer des jungen Mannes zu legen.

In der nächsten Nacht bat der Prinz ein drittes Mal darum, dass der Vogel bei ihm bleiben möge. „Aber es ist Winter und der kalte Schnee wird bald da sein“ zwitscherte ihm der Vogel zu.
„Vogel, kleiner Vogel, dort unten auf dem Platz steht ein kleines Streichholzmädchen. Wenn sie ihrem Vater kein Geld heim bringt, dann wird er sie schlagen. Pick mir das andere Auge heraus und gebe es ihr.“
„Gut, ich bleibe noch eine Nacht, aber ich kann dir dein anderes Auge nicht herauspicken, du wärst ja dann blind!“
Aber der Prinz flehte ihn an und schließlich pickte der Vogel das Auge heraus und brachte es dem Mädchen. Der Schwälberich flog zum Prinzen zurück und sagte: „Nun bist du blind. So will ich immer bei dir bleiben.“

Am anderen Tag flog der Vogel über die Stadt und erzählte dem Prinzen, was er alles gesehen hat. Wie viel Armut und Elend in der Stadt herrschte. „Ich bin ganz mit feinem Gold bedeckt. Picke es Blatt für Blatt ab und bringe es meinen Armen.“ Der kleine Vogel tat wie es ihm geheißen wurde, und pickte das ganze Goldkleid ab, bis der Prinz grau und düster aussah. Aber die Kinder und Armen freuten sich, denn nun konnten sie sich Brot kaufen.

Da kam der Schnee und mit dem Schnee der Frost. Der Schwälberich versuchte sich warm zu halten, aber letztendlich wusste er, dass er sterben würde. Mit diesem Wissen und mit letzter Kraft flog er zu dem Prinzen, um sich zu verabschieden. Er flüsterte ganz leise in des Prinzen Ohr: „Leb wohl, guter Prinz! Darf ich zum Abschied deine Hand küssen?“
„Wie schön, dass du nach Ägypten fliegst! Du bist schon viel zu lange hier geblieben, kleiner Freund. Du musst mich auf den Mund küssen, denn ich liebe dich!“
„Ich gehe nicht nach Ägypten, ich gehe in das Haus des Todes.“ Und der kleine Vogel küsste den Prinzen auf den Mund und fiel ihm tot vor seine Füße. Auf einmal ertönte ein eigenartiges Knacken, wie wenn etwas zerborsten würde. Es war das Herz des Prinzen, das entzwei gebrochen war.

Die Menschen waren entsetzt als sie den Prinz so sahen. Der Stadtrat beschloss, die Statue einzuschmelzen, um eine neue Statue des Bürgermeisters zu errichten. Gesagt, getan, aber das Herz des Prinzen wollte nicht schmelzen. So warf der Werkführer der Schmelzhütte das Herz auf einen Kehrichthaufen, wo der kleine Schwälberich auch schon lag.

„Bring mir die beiden kostbarsten Dinge in der Stadt“ sagte Gott zu einem seiner Engel. Der Engel brachte ihm das bleierne Herz und den toten Vogel. Und Gott sprach: „Du hast recht gewählt Engel. Die beiden werden für alle Zeiten in meinem Paradiesgarten singen und mich lobpreisen.“

Die Energie der Tierkreiszeichen fließt von einem nach außen gerichteten Zeichen in ein nach innen gerichtetes Zeichen. Die Energie des Krebses ist nach innen gerichtet. Mars im Zeichen Krebs ist daher aufgerufen, seine Aktionen in eine Richtung zu zielen, die am meisten unsere Gefühls- und Empfindungswelt betreffen wird. Menschen mit einer Mond-Mars-Konstellation ist diese Energie sehr vertraut. Man fühlt sich schnell betroffen und angegriffen. Wut, Zorn und Aggressionen werden eher heruntergeschluckt, als dass man sie nach außen transportiert, daher spricht man bei dieser Konstellation oft von einer Autoaggressionsproblematik.

Aber nicht nur negativ besetzte Gefühle finden ihren adäquaten Weg nicht nach außen, wobei ich jetzt nicht für ein „Hau-zu!“ plädieren will. Bei MO/MA ist es wichtig, dass man über Gefühle redet, damit sie zugelassen werden können. Und auch dahin gebracht werden, wo sie wirklich hingehören. Wenn ich z.B. in der Arbeit Stress habe, dann lasse ich meinen Frust an geliebten Menschen aus, jaja, wie unfair, was? Anstatt dass ich zu meinen lieben Kollegen gehe und ihnen mal die Meinung geige.

Genauso verhält es sich jedoch bei liebevollen Gefühlen. Bei MO/MA werden diese gleichwohl empfunden, aber wie können sie gelebt werden? Auch diese Gefühle werden unterdrückt oder gelangen nur subtil ans Licht.

Der glückliche Prinz steht für die Unfähigkeit, sich gefühlsmäßig auszudrücken. Aber innen tobt der Bär! Und es bricht ihm vor lauter Mitgefühl und Traurigkeit fast das Herz, bis er eines Tages in Form einer Schwalbe eine Möglichkeit findet, seinen innerlichen Reichtum (hier in Äußerlichkeiten wie Saphire und Gold dargestellt) in die Welt zu bringen. Vom Schein zum Sein. Will heißen: von den aufgesetzten zur Schau gestellten Gefühlen Abschied nehmen, um die ehrlich und wahren Gefühle leben zu können, bzw. um ihnen den Raum zu geben, der ihnen gebürt.

abbildungDer kleine Schwälberich entspricht dieser Fähigkeit, denn als Zugvogel kann er im Prinzip nicht anders, als den reinen Gefühlen Folge zu leisten. Symbolisch wird das im Märchen durch den Ruf des Aufbruchs ausgedrückt: Zugvögel “müssen” sich diesem Ruf hingeben, er kann nicht unterdrückt werden. Auch wenn sie nicht wissen, ob sie jemals lebend in südlichen Gefilden ankommen; würden sie jedoch bleiben, wäre es der sichere Tod. Der kleine Schwälberich kämpft lange dagegen an, bis es ihm am Ende das Leben kostet. Eine treffende Darstellung der Thematik des Mars im Zeichen Krebs! Mars lebt und will gelebt werden, ein dagegen ankämpfen ist zwecklos. Aber durch die nach innen gerichtete Energie des Krebses kann sie über unsere Gefühlswelt nicht so gut nach außen transportiert werden. Es kommt zu einem inneren Stau. Ist der Stau groß genug, bricht der Damm. Oder er bricht nicht, sondern implodiert. Dann droht es ziemlich selbstzerstörerisch zu werden.

Was könnte uns in dieser Zeit daher helfen, um diese Energie konstruktiv zu nutzen? Wie gesagt, wir brauchen unser individuelles Ventil, um uns einen Zugang zu der äußeren Welt zu bewahren. Dieses Ventil findet sich am besten durch Rückzug, durch innere Einkehr. Es könnte sein, dass es etwas sehr Verborgenes ist, vielleicht wissen wir noch gar nicht soviel darüber. Vielleicht ist es uns noch nicht bewusst, dass wir damit unseren wahren Gefühlen Ausdruck verleihen können, ohne sie offensichtlich zu verlautbaren. Suchen wir daher unsere kleine Schwalbe, die es auf ganz leise und feine Art fertigbringt, die Gefühle an den Ort zu bringen, an dem sie gut aufgehoben und bewahrt sind. Wo wir uns keine Sorgen machen müssen, ob wir dadurch verletzt werden könnten. Wo unsere Gefühle willkommen sind und sie dankbar angenommen werden. Vielleicht heißt das Ventil Schreiben oder Tanzen, vielleicht Malen oder Singen. Manchmal, wenn ich nicht so recht weiß, wie es mir momentan geht, oder ich nicht darüber sprechen kann, dann beginne ich zu kochen. Ich habe schon die tollsten Gerichte auf diese Art gezaubert! Manchmal bringen eben die banalen Alltäglichkeiten die eigenen Gefühle und Empfindungen ans Licht. Sie sind wie Mars auf eigene Weise authentisch und ehrlich. Hört sich komisch an, aber solche Ausdrucksformen könnten helfen, wenn wir inneren Stau aufkommen spüren.

Während seines Aufenthalts im Zeichen Krebs wird Mars ab dem 12. November rückläufig. Er kehrt somit noch mal in das Zeichen Zwilling ein (1. Januar 2008 bis 4. März 2008), und wird ab dem 31. Januar 2008 wieder direktläufig. Vom 5. März bis 9. Mai 2008 durchwandert er erneut das Zeichen Krebs.

Je nachdem in welchem Haus Mars als Transit fungiert und welche Radixplaneten er aspektiert, könnte es für den Einzelnen eventuell bedeutsam sein, sich mit unserem Energiestrahl zu befassen. Vor allem, wenn wir nicht wissen sollten, wohin mit unseren wahren Gefühlen….

Übrigens: Schwalben werden nach der Bauernregel “Am Tage von Maria Geburt fliegen die Schwalben fort.” (8. September) auch Muttergottesvögel genannt. Dank des Märchens wissen wir nun auch den wahren Grund. abbildung

Als kleine Übung für die marsige Krebs-Zeit: Immer daran denken, Mars verleiht Flüüügel! Bis zum nächsten Flug… äh Mal!

Ihre und eure Dagmar!

Die Fotos wurden aus Wikipedia entnommen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwalben
http://de.wikipedia.org/wiki/Statue

© 2007 Dagmar Wäscher @ 29. September 2007

Druckversion des Artikels Druckversion des Artikels

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!

Schlagwörter: , ,

Weitere Beiträge von Dagmar Wäscher.

Verwandte Artikel:

Kommentieren

Um einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben zu können, müssen Sie sich bei Astrophoenix registrieren und anmelden.

Login