Wach ich oder träum’ ich?
Traumwelt | Noch keine Kommentare |
Wach ich oder träum’ ich? Während wir im Alltag in der Regel klar bestimmen können, was ein Traum war und was nicht (auch wenn die Grenzen manchmal sehr fließend sind), sind wir im Traum nur selten in der Lage zu erkennen, dass wir träumen, geschweige denn uns an unseren Alltag zu erinnern. In der Traumwelt gibt es ganz eigene Gesetzmäßigkeiten, typische Merkmale, die sie deutlich von der Alltagswelt unterscheiden:
In Träumen fehlen oft die Zusammenhänge
Im Traum geschieht es häufig, dass Dinge, Personen und Ereignisse nicht wirklich zusammenpassen. Ich “weiß” zum Beispiel, dass die Person, die mir im Traume begegnet, mein Vater ist, aber weder das Gesicht noch die Stimme noch die Kleidung stimmen mit dem überein, was ich kenne. Auch Orte weisen häufig diese fehlenden Zusammenhänge auf: Ich “weiß”, dass ich Zuhause bin, aber der Ort sieht gar nicht aus wie meine Wohnung oder mein Haus.
In Träumen kann sich alles verändern
Typischerweise bleibt im Traume nichts, wie es ist. Die Szenerien und Orte können sich ohne Vorwarnung ändern: eben bin ich noch Zuhause, jetzt bin ich plötzlich in meiner Heimatstadt, die ich schon lange nicht mehr besucht habe, oder auf irgendeinem Bahnhof. Gegenstände können sich verwandeln, zum Beispiel in Tiere, oder Menschen werden zu anderen Personen, zum Beispiel wird mein Vater zu einem früheren Lehrer. Zeit und Raum sind keine festen Größen.
In Träumen ist häufig alle unscharf
Klare Bilder sind im Traum eher selten. Es dominieren unscharfe, verschwommene Bilder, die sich kaum fixieren lassen. Personen, Gegenstände und Tiere werden wie durch einen Schleier wahrgenommen. Ich kann nichts richtig erkennen und verstehe vieles nicht. Ich kann mir im Traum meiner Wahrnehmungen nicht sicher sein.
In Träumen haben wir ein eigenes Ich
Auch im Traum haben wir das Gefühl, eine komplette Person mit Körper, Geist und Seele zu sein. Im Unterschied zum Alltags-Ich des Wachzustandes können wir diesen Zustand unser “Traum-Ich” nennen. Und wie unser Alltags-Ich bewegt sich das Traum-Ich durch eine vollständige Welt mit Dingen, von denen es sich angezogen fühlt und wiederum anderen, von denen es sich abstoßen fühlt. Alles, was diesem Traum-Ich widerfährt, erleben wir als ebenso real wie das, was unserem Alltags-Ich begegnet. Traum-Ich und Alltags-Ich sind im Grunde zwei Fassetten ein und desselben Menschen: keins von beiden ist mehr oder weniger wichtig für unser Leben als das andere – wir brauchen beide, um uns vollständig zu fühlen.
In Träumen ist alles bildhaft
Traumwelt ist Bilderwelt – die visuellen Eindrücke dominieren bei den meisten Menschen vor allen anderen wie Riechen, Hören und Schmecken. Diese Traumbilder sind zumeist Symbole und Metaphern für Gedanken und Gefühle, Vergangenes und Gegenwärtiges. Diese Bilder geben uns oft Rätsel auf, sind bizarr und tauchen so plötzlich auf wie sie wieder verschwinden. Doch gerade diese Bilder sind es, die das Interesse der Menschen fesseln und die Kunst der Traumdeutung hervorgerufen hat. Heute gehen wir davon aus, dass die Traumbilder ein Spiegel unserer seelischen Zustände sind – auch solcher, die uns nicht bewusst sind. Diese Symbole sind so gesehen Schlüssel zu unsere inneren Welt und durch ihre Deutung gelangen wir zu einem tieferen Verständnis unserer Selbst und der Rolle, die wir in der Welt einnehmen.
© 2007 Christopher Weidner @ 15. März 2007
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