Was ist das Kybernetische Modell?
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Im Artikel von Dagmar über Saturn/Pluto ist die Rede vom Kybernetischen Modell nach Michael Roscher. Ich möchte die Gelegenheit aufgreifen, und dieses Modell in seinen Grundzügen darzustellen.
Der Begriff “kybernetisch” ist der Kybernetik (zu altgr. kybernétes, “Steuermann”) entlehnt, der Wissenschaft von der Struktur komplexer Systeme, insbesondere der Kommunikation und Steuerung einer Rückkopplung (”Feedback”) in so genannten Regelkreisen.
Ein typisches Beispiel ist ein Thermostat, dessen Ziel es ist, die Raumtemperatur auf einen konstanten Wert zu halten, den Soll-Wert. Dazu misst der Thermostat fortwährend die Raumtemperatur und vergleicht sie mit diesem Wert. Liegt die Raumtemperatur unter dem Soll-Wert, schaltet sich die Heizung an, solange bis der Soll-Wert erreicht ist. Dann wird die Heizung wieder abgeschaltet. Sinkt die Raumtemperatur wieder, wird sie wieder angeschaltet usw.
Es ergibt sich folgende Feedbackschleife oder Regelkreis: Das Verhalten der Raumtemperatur steuert das Verhalten der Heizung und das Verhalten der Heizung steuert das Verhalten der Raumtemperatur.
Im Kybernetischen Modell der TPA werden die zehn astrologischen Planeten von Sonne bis Pluto in vier Regelkreisen dargestellt. Jeder Regelkreis entspricht einer Verwirklichungsebene des Menschen. Jede Ebene hat zwei Pole: einen aktiven und einen rezeptiven. Merkur und Uranus nehmen einen vermittelnde, neutrale Position zwischen diesen beiden Polen ein.
In jedem Regelkreis sind zwei polare Planetenprinzipien in ihrer kybernetischen Dynamik zusammengefasst, und zwar so, dass deutlich wie, wie Veränderungen an einem Pol Veränderungen am anderen Pol nach sich ziehen werden, um das Gleichgewicht des Systems aufrechtzuerhalten.
Erster Regelkreis: Ego
Mond, Merkur und Sonne bilden das Trio der persönlichen Planeten: die Kombination aus diesen drei Faktoren legt den Grundstein für das, was man die ganz individuelle Art, sich eine Wirklichkeit aufzubauen, nennen könnte:
Mond. Der Mond ist zuständig für die Aufnahme aller Eindrücke, die ununterbrochen auf uns einströmen. Wenn er nicht wäre, würden wir in dieser Flut an Reizen und Signalen förmlich ertrinken, denn er filtert wie eine getönte Brille ein ganz bestimmtes Spektrum aus dieser Fülle, trifft eine Vorauswahl und legt damit fest, was überhaupt für uns Bedeutung besitzt und welche Eindrücke zu Bausteinen unserer Wirklichkeit werden können.
Merkur hingegen verarbeitet diese Eindrücke zu sinnvollen Informationen: er sortiert das ankommende Material und entscheidet, was davon im Augenblick Verwendung finden soll und was nicht. Dazu steht ihm das gesamte Netz archivierter Erfahrungen zur Verfügung, mit denen er die Eindrücke vergleicht und ihnen Bedeutungen zuweist. Indem Merkur bekannte Informationen mit neuen Eindrücken verbindet, ermöglicht er überhaupt, uns auch in unbekannten Situationen zurechtzufinden und die passende Antwort auf sich verändernde Umweltbedingungen zu geben.
Sonne. Diese Antwort verkörpert die Sonne: sie münzt das Erfahrene in eine Äußerung um, seien dies Gefühle, Handlungen, Gedanken usw. und drückt ihm ihren typischen Stempel auf. Für uns und für unsere Umwelt ist sie der sichtbare Teil der Persönlichkeit, mit dem wir uns identifizieren. Jeder Ausdruck unserer Persönlichkeit aber bewirkt wiederum eine Veränderung der ursprünglichen Ausgangsbedingungen. Damit schließt sich der Kreis, denn diese werden wieder vom Mond als Eindrücke aufgenommen usw.
Zweiter Regelkreis: Umwelt
Während wir, was die Dynamik zwischen Mond, Merkur und Sonne angeht, förmlich nur um uns selbst kreisen, und damit den uns eigenen Zugang zur Wirklichkeit schaffen, eröffnen uns Venus und Mars die Welt der anderen.
Venus ist dabei mit dem Mond verwandt, denn wie er steht sie für das, was wir aufnehmen – nur stellt uns der Mond die gesamte Bandbreite des Wahrnehmungsfeldes überhaupt zur Verfügung stellt und trifft keine Unterscheidungen. Venus dagegen besitzt ganz konkrete Vorlieben und Abneigungen und wendet sich ganz automatisch den Dingen in unserer Umgebung zu, die ihr Interesse wecken und die sie für besitzenswert erachtet. Voraussetzung für das Wirken der Venus ist also, daß wir zwischen uns und der Welt um uns herum trennen kann.
Mars. Wenn es dann dazu kommt, daß wir nach dem Gegenstand unseres Begehrs greifen, ist bereits Mars im Spiel. Er ist mit dem Prinzip der Sonne verwandt, jedoch tritt er nur dann in Aktion, wenn er sich von der Umgebung dazu herausgefordert fühlt. Seine Handlungen bestehen immer darin, die geweckten Interessen durchzusetzen. Dazu setzt er wie die Sonne Energie frei, aber seine Bewegungen haben stets ein Ziel und eine Richtung: nämlich sich die Objekte aus der Umgebung zu holen, auch gegen deren etwaigen Widerstand. Mars muß nämlich damit rechnen, daß er nicht alleine auf der Welt ist und seine Bedürfnisse durchaus auch mit denen anderer kollidieren können. Wie wir in solchen Konfrontationen reagieren und wieviel Selbstvertrauen wir in unsere Durchsetzungsfähigkeit haben, zeigt sich an der Stellung von Mars.
Dritter Regelkreis: Gesellschaft
Venus und Mars zeigen die Dynamik, die für uns im Umgang mit der unmittelbaren Umgebung charakteristisch ist. Doch auch die Wirklichkeit der anderen und ihre Wechselwirkung mit meiner persönlichen Sicht der Dinge ist eingebettet in eine größere Wirklichkeit, die vom allgemeinen Konsens aller Mitglieder einer Gesellschaft getragen wird. Wie ich mit dieser Wirklichkeit umgehe, verraten Jupiter und Saturn.
Jupiter vollzieht seiner Dynamik nach eine ähnliche, sich nach außen öffnende Bewegung wie Venus – nur gilt sein Blick nicht den direkten Begegnungen, sondern sucht den Kontakt zur Welt sozialer Prozesse, welche alle Menschen in einer Gemeinschaft zusammenhalten. Dabei zeigt er, was wir von der Gemeinschaft zu empfangen hoffen und wie wir auf Zuwendung ihrerseits reagieren, was uns ihre Anerkennung und Förderung bedeuten.
Saturn vermittelt uns dagegen, wie wir unsere Ansprüche an die Gemeinschaft durchsetzen wollen, so wie Mars uns dies auf der zwischenmenschlichen Ebene vormacht. Dabei entscheidet sich, ob wir in der Lage sind, den uns gewährten Raum in der Gesellschaft zu nutzen, um unsere Wertvorstellungen zu etablieren. Dies ist natürlich nicht immer einfach und in aller Regel mit Arbeit und Anstrengung verbunden und nicht immer vom Verständnis der Gesellschaft getragen, die mit Beschränkung und Maßregelung reagieren kann. Während Jupiter aussagt, was wir von der sozialen Wirklichkeit erwarten, erzählt uns Saturn, was diese von uns erwartet, welche Leistungen und Beiträge wir zu erbringen haben, um uns in ihr überhaupt unseren Wert zu beweisen.
Der gezielte Umgang mit der Dynamik zwischen diesen beiden Planeten setzt voraus, daß man sich aktiv am Aufbau der sozialen Wirklichkeit beteiligen möchte. Sehe ich dagegen davon ab, nicht nur einen mir zugewiesenen, sondern einen von mir explizit gewählten Platz in der Gesellschaft einzunehmen, werde ich mir in dem Wechselspiel zwischen Jupiter und Saturn eher wie ein Opfer vorkommen.
Vierter Regelkreis: Schicksal (das Transpersonale)
Die letzten drei Planeten beziehen sich auf eine Wirklichkeit, zu der ich im Regelfall keine aktive Beziehung unterhalte: Immer bin ich auf irgendeine Weise von ihren Wirkungen betroffen und erlebe sie als chaotische Zustände oder sogenannte „Schicksalsschläge“ in meinem Leben. Doch liefern sie auch unverhoffte Chancen und glückliche „Zufälle“ – eine Erfahrung, die man nicht selten gerade in Momenten tiefster Verzweiflung macht … Leider ist das „Treiben“ der Transsaturnier Neptun, Uranus und Pluto für den Alltagsmenschen nicht kontrollierbar, so als ob sich nach einem uns unbekannten Prinzip für Momente die Pforten zu einer höheren Wirklichkeit öffneten.
Neptun. Wenn es so etwas wie eine Wahrheit hinter der Wirklichkeit gibt, entspräche die Wahrnehmung dieser Wahrheit dem Prinzip des Neptun. Im Normalfall stehen uns hierzu keinerlei Erfahrungen zur Verfügung, weil wir niemals in der Lage sind, den Umkreis unserer persönlichen Wirklichkeit zu verlassen. Deshalb macht sich Neptun eher in einer feinen Antenne bemerkbar, welche uns das Wirken wie auch immer gearteter Kräfte hinter den Kulissen erahnen läßt. Viele erleben Neptun auch als ein vages Gefühl der Einheit mit allem Lebendigen, wie es ich durch Meditation einstellt. Dennoch gibt es keine Mittel und Wege, die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit, die Neptun repräsentiert, zu erkunden. Deshalb äußert er sich nur allzu oft in Täuschung und Selbstbetrug.
Uranus wäre das objektive Denken, welches uns von den Zwängen der gewöhnlichen Logik befreit. Deshalb äußert er sich gerne in genialen Einfällen und überraschenden „Aha“-Erlebnissen, die unsere Sicht der Dinge mit einem Schlag verändern können. Wenn er es nicht so gut mit uns meint, erzeugt er mit Vorliebe Brüche in unserem Denkgefüge, ohne einen bestimmten Sinn oder Zweck dabei zu verfolgen. So läßt er uns widersprüchlich und inkonsequent sein und verursacht immer dann, wenn wir es am wenigsten brauchen, eine plötzlichen Richtungswechsel der Ereignisse.
Pluto entspricht auf einer höheren Ebene einem Umgang mit den Menschen, der frei ist von jeglichen individuellen Absichten und Interessen. Auch hier kann der Normalsterbliche auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen, da keine unserer Äußerungen jemals unabhängig von unserer Persönlichkeit betrachtet werden kann. Tatsächlich gibt es aber flüchtige Momente, in denen wir selbstlos handeln und uns ganz einer höheren Wahrheit verpflichtet fühlen. Die Realität zeigt, daß wir es im Normalfall weitaus öfters mit der dunklen Seite von Pluto zu tun haben, die uns gänzlich unfreiwillig unserer Individualität beraubt, sei es daß wir einem Massenschicksal anheimfallen oder uns gezwungen sehen, uns übergeordneten Mächten unterwerfen zu müssen.
Mehr über die Transpersonale Astrologie findet ihr unter www.astrologie-tpa.de, dem TPA-Wiki, aus dem Teile dieses Artikels stammen.
Literaturhinweis
Michael Roscher
Praxis der Horoskopinterpretation
Droemer Knaur Verlag, München 1992
leider vergriffen
Das Astrologiebuch. Berechnung, Deutung, Prognose
Autor: Michael Roscher
ISBN: 3899971175
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Das Arbeitsbuch zum Horoskop.
Autor: Christopher A. Weidner
ISBN: 3426870371
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© 2006 Christopher Weidner @ 8. September 2006
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Schlagwörter: Jupiter, Kybernetisches Modell, Mars, Merkur, Mond, Neptun, Planet, Pluto, Saturn, Sonne, Transpersonale Astrologie, Uranus, Venus, Wirklichkeit
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danke dir für die Ergänzung!
Dagmar
[...] Mehr zum Kybernetischen Modell: Siehe Artikel Das Kybernetische Modell der TPA [...]
[...] Dieser Kritische Grad kann im Rahmen einer Analyse herangezogen werden, da die Konstellation Venus/Pluto in der Radix angelegt ist, und zwar über Neptun in Haus 7. Die stellt eine Venus/Neptun-Konstellation dar, doch nach den Regeln der TPA können Neptun-Konstellationen durch Pluto-Konstellationen ausgelöst werden, da Neptun und Pluto im Kybernetischen Modell gegenpolare Prinzipien darstellen (vgl. Das Kybernetische Modell der TPA). [...]
[...] im Zusammenhang mit dem zu verstehen, was ich gerade über den Neumond verfasst habe. Im Kybernetischen Modell der TPA entspricht die Konstellation Mars/Pluto nämlich genau Venus/Neptun in einem gegenpolaren Sinn: [...]