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Holger A. L. Faß

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Hätten Sie’s gewußt: Was ist Lilith astronomisch?

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abbildungLilith gilt als die dunkle Seite des Mondes. Im Horoskop wird sie als die verschlingende Seite des Weiblichen, als ein Urlustprinzip, ein Prinzip schöpferischer und zerstörerischer Wildheit interpretiert. Doch was ist Lilith astronomisch?

Zunächst einmal: Lilith ist kein Planet. Ja nicht einmal ein anderer Himmelskörper. Als physisches Objekt gibt es Lilith also nicht. Das schmälert keinesfalls die Deutungsrelevanz. Auch die Mondknoten oder der Aszendent sind, um nur zwei Beispielse zu nennen, keine Festkörper und dennoch wichtige Faktoren der Horoskopdeutung.

Johannes Kepler (1571 – 1630) hat in seinem ersten “Keplerschen Gesetz” formuliert, dass die Umlaufbahn eines Trabanten eine Ellipse ist, in deren einen Brennpunkt sich das Schwerezentrum befindet. Klingt nüchtern. Daher nochmal “mit Fleisch”: Ein Planet bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne und die Sonne befindet sich in einem der beiden Brennpunkte. Denn jede Ellipse besitzt zwei Brennpunkte. Ein Kreis hat nur einen (nämlich genau in der Mitte). Was für Planet und Sonne gilt, gilt ebenso für Mond und Erde. Auch der Mond bewegt sich auf einer elliptischen Laufbahn um die Erde und die Erde befindet sich gleichsam in einem Brennpunkt dieser Ellipse.
abbildung

Doch was befindet sich im anderen Brennpunkt?
Die Antwort: nichts.
Oder doch?
Dieser andere Brennpunkt der Mondellipse um die Erde wird Lilith genannt!

Das jedenfalls ist eine astronomische Herleitung. Demnach ist Lilith also ein Punkt im All, und zwar der zweite Brennpunkt der Umlaufbahn des Mondes um die Erde.

Es gibt jedoch eine weitere astronomische Herleitung der Lilith:

abbildungabbildung Während der Mond sich ellipsenförmig um die Erde bewegt, kommt er an zwei wichtigen Stellen vorbei. Nämlich einmal dort, wo er der Erde so nah ist wie sonst nicht und einmal dort, wo er sehr weit von der Erde entfernt ist. Den Punkt, an dem der Mond ganz erdnah ist, nennt man Perigäum (sprich: Perigä-um). Den Punkt auf der Ellipse, an dem der Mond erdfern ist, Apogäum (sprich: Apogä-um). Das Apogäum ist ebenfalls ein Punkt im All. Und diesen Punkt, den erdfernsten Punkt des Mondes auf seiner Umlaufbahn, nennt man ebenfalls Lilith!

Somit gibt es also zwei übliche astronomische Definitionen, was Lilith am Himmel eigentlich ist und wie wir sie berechnen. Wenn wir Lilith im Tierkreis suchen, ist das übrigens egal, auf welche der Definitionen wir zurück greifen. Denn aus unserer Sicht von der Erde aus befinden sich der zweite Brennpunkt und das Apogäum stets in einer Linie, und daher immer auf dem selben Tierkreisgrad.

Für die Deutung aber ist das ein Unterschied!

Wenn wir Lilith als den zweiten Brennpunkt des Mondes verstehen, dann können wir diesen Punkt im Horoskop als ein “emotionales Brennglas” interpretieren. Hier werden Themen zusammengehalten; so, wie der Brennpunkt den Mond eben in seiner Bahn hält. Hier verdichtet sich etwas.
Verstehen wir Lilith hingegen als Apogäum, dann ist das die Stelle, an der die Emotionalität (Mond) am weitesten von uns (Erde) entfernt ist. Dann ist Lilith also ein Deutungsfaktor, der etwas über die Entfremdung von Gefühlen aussagt.

Astronomisches Wissen hilft, die Deutungen und die Herleitungen der astrologischen Deutungen besser zu verstehen. Ich freue mich, wenn dies mit diesem kleinen Beispiel deutlich geworden ist.
Grundwissen in astronomischen Dingen, wie beispielsweise unser Sonnensystem aufgebaut ist, wie man sich am Sternen- und Planetenhimmel zurecht findet und wie eigentlich Horoskope berechnet werden, wird daher auch von Profi-Astrologen, die den geschützten Titel “geprüfter Astrologe DAV / geprüfte Astrologin DAV” erhalten möchten, verlangt. Kenntnisse der Radix-Berechnung, der Astronomie, der Astrologiegeschichte aber auch der verschiedenen Schulen und Systeme innerhalb der Astrologie vertiefen das eigene Wissen. Sie sind daher auch für solche Astrologie-Interessierten von Belang, die nicht zwingend den o.g. Titel anstreben.

Wer mehr über die Geschichte der Astrologie, über die Himmelsphären, die Berechnung von Radix, Solar und Direktionen, die Geburtszeitkorrektur und die Schulen und Systeme der Astrologie erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, am Kurszyklus “DAV-Prüfung bestehen!” teilzunehmen.

© 2006 Holger A. L. Faß @ 27. November 2006

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