Hätten Sie’s gewußt: Wer war Thomas Ring?
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Wer war Thomas Ring?
Am 28. November 1882 wurde Thomas Ring um 18:02 Uhr in Nürnberg geboren – für die Astrologiekenner füge ich das Geburtsbild hier mit anbei.

Die Familie, in der er aufwuchs, wechselte oft den Wohnort, bedingt durch die berufliche Situation des Vater. So lebte Thomas Ring bereits als Junge in Österreich, Niederlande, Schweiz, Südrussland, England und Deutschland. In Berlin schließlich besuchte er die “Höhere Knabenschule”. Schon früh interessierte er sich für Kunst und Musik und dieses Interesse wurde an dieser Schule gefördert. Sein Vater, ein Ingenieur, drängte Thomas Ring jedoch zu einem “soliden” Beruf, so dass Thomas Ring zunächst eine Ausbildung zum Chemigraphen absolvierte.
Die Kunstbegierde wurde allerdings nicht geringer. Im Gegenteil. Zu ihm gesellten sich philosophische Interessen. In Abendschulen bemühte er sich daher, seiner Gestaltungslust Form zu geben und sich Fragen des Lebens anzunähern. Schließlich wurde er Mitglied der Künstlergruppe “Sturm”.
Dieser Werdegang wurde vom ersten Weltkrieg unterbrochen. Thomas Ring meldete sich freiwillig als Soldat. Bereits zwei Monate nach seinem Kriegsdienstbeginn wurde er schwer verwundet und seine “Militärlaufbahn” dadurch (zum Glück) beendet. Er wandte sich der Lyrik zu. Trotz alledem dauerte es ein paar Jahre, bis er wieder in Deutschland leben konnte und auch wieder bildnerisch tätig wurde. Längere Zeit war er als Kriegsgefangener interniert. Später schreibt er:
Der einzige Baum im Camp von Oswestry, eine Linde, hatte dem entlassenen Gefangenen aber eine Tröstung mitgegeben. Als ich damals halb verhungert unter diesem Baume lag, den Kreis der ewigen Wiederkehr mit der entsetzlichen Aussichtslosigkeit “es ist immer dasselbe” überdenkend, kam in stiller Luft etwas in Spiralen heruntergeschwebt: die Samenkugel der Linde mit Stiel und geschwungenem Führungsblatt. Noch eine und noch eine. Das war der wahre Ausstieg! Diese zylindrische Spirale brachte mir die Weisung: was von oben und von unten gesehen ein strenger Kreis ist, läßt im Seitenblick ein Aufwärts und ein Abwärts zu. Ebenso ist es mit dem Kreis der Prinzipien: ihre konkreten Entsprechungen ändern sich mit der Entwicklungshöhe, auf der sie gelebt werden!
Dies kann als ein zentrales Moment auch der astrologischen Sichtweise Thomas Rings gewertet werden.
Mit der Astrologie kam er wohl Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mehr in Berührung. Dabei missbilligte er, dass Astrologen Festlegungen setzen, ohne die Erfahrungswirklichkeit des Einzelnen zu berücksichtigen. Er, der mehrere Jahre in Kriegsgefangenschaft gelebt hatte, war sich sicher, dass er bestimmte Konstellationen anders erfahren hatte, als jemand, der zur gleichen Zeit mit gleichen Geburtskonstellationen in Freiheit verbrachte. Er postulierte die Aussagegrenze.
Die Aussagegrenze besteht also darin, dass wir eben einem Horoskop nicht alles entnehmen können. Wir können, wenn wir ein Geburtsbild sehen, noch nicht einmal erkennen, ob es das Geburtsbild eines Menschen oder eines Esels ist.
Zu der Aussagegrenze gesellte sich nach Thomas Ring zudem der Grad des Entiwcklungsniveaus des Menschen. Jemand, der sehr unreflektiert lebt wird bestimmte Planetenkonstellationen ganz anders wahrnehmen als jemand, der sein eigenes Denken und Handeln stets hinterfragt. Das oben genannte Zitat mit den herabfallenden Lindensamen beschreibt dies wunderbar.
In der Zeit, als Thomas Ring sich der Astrologie näherte, war diese in “gute” und “schlechte” (man sagte auch “böse”) Variablen unterteilt. Es galt stets zu schauen, wie stark die guten und bösen Variablen gestellt waren und daraus ergab sich in der Summe, ob etwas (z.B. die berufliche Stellung eines Menschen) gut, also beispielsweise erfolgreich oder schlecht, also erfolglos bleiben würde. Aspekte mit Venus und Jupiter waren pe se gut, Aspekte mit Mars oder Saturn immer schlecht.
Thomas Ring lehnte diese Schwarz-Weiß-Astrologie ab. Er plädierte stattdessen für eine differenzierte Wahrnehmung, die das Gute im Schlechten und umgekehrt berücksichtigt. Nichts ist von seiner Natur aus stets schlecht oder stets gut. Der “böse” Mars beinhaltet auch Durchsetzungsstärke, der “gute” Jupiter auch Überheblichkeit.
Thomas Ring bemühte sich daher um eine astrologische Sprache, die sich von pauschalen “Gut-Schlecht-Zuschreibungen” löst. Er nannte daher beispielsweise Winkelverbindungen im Horoskope, die zuvor ebenfalls als gut oder schlecht charakterisiert worden waren, “analytisch” und “synthetisch”. Analytische Aspekte beinhalten etwas Trennendes, sie fordern zur Analyse heraus. Symthetisch Aspekte sind verbindender Natur. Durch diese Begrifflichkeit, die in der Sparache bereits Neutralität berücksichtigen sollte, wird der Mensch in seiner Seinsform gewürdigt. Er wird nicht von vornherein mit wertenden Begriffen zugeschüttet.
Darüber hinaus lehnte Thomas Ringe konkrete Ereignisprognosen strikt ab. Astrologie ist keine Wahrsagerei. Auch wenn Astrologen damals und heute behaupten, sie könnten eine Partnerschaft, den Besuch eines Freundes, ein Wahlergebis oder andere konrkete Ereignisse vorhersagen, ist dies schlicht nicht möglich! Einzelne Treffer sind dem Zufall geschuldet. Keine der inzwischen unzähligen Forschungen konnte die Behauptung, Ereignisprognosen seien möglich, stützen. Im Gegenteil: Astrologie ist an dieser Stelle immer gescheitert.
Thmoas Ring betonte daher, dass Astrologie kein Prognosesystem sei, sondern, in modernen Worten gesagt: Astrologie ist Selbsterkenntnis. Nicht anders ist der Titel des ersten astrologischen Buches von Thomas Ring zu verstehen: Die Überwindung des Schicksals durch die Astrologie.
Die Bücher von Thomas Ring liegen vor – ich kann sie jedem Astrologielernenden nur wärmestens ans Herz legen. Mindestens genau so spannend ist allerdings die kürzlich erschienene CD, die ein Intervie mit Thomas Ring wiedergibt. Dort erklärt er auf seine unnachahmliche, tiefsinnige und zugleich sanfte Weise seine Sicht der Astrologie. Sie hat die Bezeichnung “Revidierte Astrologie” erhalten. Es ist eine Astrologie, die den Menschen (wieder) in den Mittelpunkt der astrologischen Analyse stellt, nicht das Horoskopbild.
Folgen Sie diesem Link, um mehr über die Thomas Ring CD zu erfahren (inkl. einer Hörprobe).
Geschichte, auch Astrologiegeschichte, wird “gemacht”. Wenn wir heute bestimmte Planetenkonstellationen anderen in der Radixanalyse vorziehen und Deutungetechniken verwenden, dann greifen wir auf Astrologiegeschichte zurück. Daher ist es für jeden, der sich mit der Deutung von Horoskopen ebschäftigt spannend, die Geschichte und Schulen der Astrologie kennen zu lernen. In dem Kurs DAV-Prüfung bestehen! ist Geschichte und Schulen der Astrologie ein wichtiger Bestandteil. Der Kurs richtet sich in erster Linie an diejenigen, die die Fachprüfung beim Deutschen Astrologenverband ablegen und den geschützten Titel “geprüfte Astrologin DAV / geprüfter Astrologe DAV” erlangen möchten. Aber man kann auch ohne Prüfungsabsichten teilnehmen.
Weitere Literaturempfehlungen; Bücher vonn Thomas Ring:
Astrologische Menschenkunde Bd. 1 – 3. In den drei Bänden behandelt Thomas Ring Planeten, Aspekte, Tierkreis, Häusersystem und die Kombinationslehre. Diese drei Bände stellen somit ein umfassendes Lehrwerk dar.
Astrologische Menschenkunde, Band 4. Dieses Buch enthält die praktische Umsetzung der in Band 1 – 3 dargelegten Grundprinzipien.
Frühe astrologische Schriften. Unter anderem mit der oben erwähnten Publikation “Die Überwindung des Schicksals durch die Astrologie”.
Das Grundgefüge. Dieses Buch ist eher philosophischer Natur und beschreibt die Stellung des Menschen in Natur und Kosmos.
Existenz und Wesen aus kosmologischer Sicht. Thomas Ring beschreibt die zwei Seiten des Menschseins: den wesenhaften Entwurf und die existezielle Verkörperung.
Symbolik. In der Astrologie beschäftigen wir uns mit Symbolen. Doch was umfasst Symbolik an Subjektivität und Objektivität?
© 2006 Holger A. L. Faß @ 7. Dezember 2006
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Schlagwörter: Aussagegrenze, Psychologische Astrologie, Revidierte Astrologie, Selberterkenntnis, Thomas Ring
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Lieber Holger,
toller Tipp, danke! Was ich dich schon immer fragen wollte
muss man die DAV-Prüfung machen, wenn man in den DAV eintreten will?
Liebe Grüße
Dagmar
Liebe Dagmar,
Danke für Deine Nachfrage.
Nein, man muss nicht “geprüfter Astrologe DAV / geprüfte Astrologin DAV” sein, um Mitglied im DAV zu sein. Die meisten der derzeit ca. 800 Mitglieder hat die Prüfung nicht abgelegt. Bundesweit findet man momentan ca. 200 geprüfte Astrolog/innen. Eine Exklusivgruppe also
Aber anders herum ist es so: wenn Du die DAV-Prüfung machen möchtest, wirst Du gebeten, DAV-Mitglied zu werden. Aber eigentlich liegt das dann auch auf der Hand, oder?
Viele Grüße,
Holger