Was Sie schon immer über den Planeten Mars wissen wollten …
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Der rote Planet
Unsere beiden nächsten Nachbarn im Sonnensystem sind Venus und Mars. Venus zieht ihre Kreise innerhalb der Erdumlaufbahn und Mars ist der erste Planet, dem auf der von unserer Umlaufbahn abgewandten Seite begegnen: er ist der erste äußere Planet von uns aus gesehen. Während Venus traditionell für Liebe und Frieden steht, verbinden wir mit Mars Krieg und Wut – so wird die Erde zu beiden Seiten eingerahmt von den beiden extremsten Polen menschlicher Leidenschaft.
Der rot funkelnde Planet Mars hat die Menschen aller Kulturkreise mit seiner unübersehbaren Färbung zu Assoziationen mit Feuer und Blut geführt. Diese Farbe verdankt Mars dem hohen Eisengehalt der Oberfläche – was interessanterweise mit der astrologischen Tradition übereinstimmt, nach der Mars diesem Metall zugeordnet wird.
Als Planet zog Mars im Sommer 1877 die Aufmerksamkeit des italienischen Astronomen Giovanni Schiaparelli auf sich: er entdecket auf seiner Oberfläche dunkle Linien, die sich zwischen größeren dunkleren Bereichen dahinziehen. Die dunklen Flächen deutete er als Meere, die Linien aber erschienen ihm als Gräben, die er “canali” nannte. Nicht lange und man kam auf die Idee, dass diese Kanäle keines natürlichen Ursprungs seien, sondern ein Hinweis auf Leben auf unserem Nachbarplaneten.
Lange Zeit hielt man die Existenz von Marsbewohnern keineswegs für Hirngespinste, sondern im Bereich des Möglichen. Man fühlte sich sogar von der Vorstellung außerirdischen Lebens regelrecht bedroht. Als der amerikanische Schauspieler und Regisseur Orson Welles im Jahre 1938 ein als realistische Nachrichtensendung gestaltetes Hörspiel über die Landung von Marsbewohnern auf der Erde, nach dem Roman „Krieg der Welten“ von H. G. Wells, ausstrahlte, kam es auf den Straßen der Vereinigten Staaten zu Massenpaniken. Und noch 1948 stürmte in Ecuador die Bevölkerung nach einer Ausstrahlung das Sendegebäude. Bilanz: 15 Tote, ein verwüsteter Sender und ein Zeitungsgebäude in Schutt und Asche.
Erst in den 60er Jahren entlarvte man die Kanäle als optische Täuschung. Seither haben Dutzende Raumsonden Mars besucht, untersucht und kartografiert – von Leben keine Spur auf der von gewaltigen Sandstürmen aufgewirbelten, unwirtlichen Oberfläche des Roten Planeten.
Mit einem äquatorialen Durchmesser von 6.794 Kilometern ist der Mars gut halb so groß wie die Erde. Die Marsoberfläche ist von unzähligen Kratern bedeckt mit Durchmessern bis zu tausend Kilometern. Einzigartig sind seine riesigen Vulkane, von denen der Olympus Mons der höchste Vulkan des gesamten Sonnensystems ist – fast dreimal höher als der Mount Everest. Gewaltige Canyons mit einer Breite von zweihundert Kilometern zerfurchen das Gesicht des Planeten auf einer Länge von über viertausend Kilometern wie eine mächtige Schürfwunde.
Der Mars, so wie er sich uns heute präsentiert, ist ein toter Planet, aber Forscher sind sich einig, dass es einmal viel Wasser auf dem Mars gegeben haben – eine der Voraussetzungen für Leben. Dies nährt die Vorstellung, dass es vielleicht früher einmal, lange bevor es Menschen auf der Erde gab, außerirdische Zivilisationen auf dem Roten Planeten gegeben haben mag. Geheimnisvolle Spuren auf der Oberfläche wie das berühmte Marsgesicht oder scheinbare Landebahnen für Raumschiffe sollen davon Zeugnis ablegen. Leider aber ist dies ebenso wie die Marskanäle sehr wahrscheinlich nichts anderes als Wunschdenken, und so bleibt es im Augenblick nur den Science Fiction Autoren vorbehalten, über Leben auf unserem nächsten Nachbarn zu spekulieren.
Doch wer weiß: Schon laufen internationale Forschungsprogramme, die eine Kolonisierung des Mars durch den Menschen vorbereiten. Mit Hilfe von Terraforming will man die Oberfläche des Mars in ein mögliches neues Zuhause für die Menschheit umwandeln – eine interessante Vorstellung, wenn man weiß, dass der altrömische Gott, lange bevor er mit Krieg und Zerstörung gleichgesetzt wurde, ein Gott des Ackerbaus und der Feldwirtschaft war. Vielleicht wird eines fernen Tages aus dem Roten Planeten ein zweiter Blauer Planet – ob dann aber mit dem Verschwinden des feurigen Planeten vom Himmel auch Krieg und Zerstörung der Vergangenheit angehören werden, steht freilich auf einem anderen Blatt.
Das Symbol des Mars: Kreis mit Pfeil
Allgemein wird für Mars in der Astrologie das Zeichen des Kreises gewählt, von dem aus ein Pfeil zeigt, und zwar nach rechts oben. Eine ganz einfach Erklärung dieses Symbols ist das Bild eines Schildes und eines Speeres, der dahinter zum Vorschein kommt – ganz dem kriegerischen Aspekt des Mars folgend. Auch ein stilisierter Bogen mit Pfeil könnte in diese Emblem gesehen werden. Doch wahrscheinlich ist diese Deutung zu einfach (ebenso wie die simple Auslegung des Venus-Symbols als Spiegel).
In manchen Erklärungen wird der Kreis zum Kreis zum Weltenkreis oder Kreislauf der Zeit, während der Pfeil die Tat versinnbildlicht, durch welche das Leben in der Welt erst seinen Sinn bekommt. Damit drückt das Mars-Symbol unsere Fähigkeit aus, aktiv in die Welt einzugreifen und damit die Wiederkehr des Immer-Gleichen schöpferisch zu durchbrechen.
Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Bedeutung des Pfeils, der wohl der Schlüssel zur Bedeutung des Mars ist. Das Pfeilzeichen steht für etwas Spitzes, Scharfes, Durchdringendes, aber auch für etwas Gefährliches, denn ein abgeschossener Pfeil oder Speer stellt als Waffe eine Bedrohung dar, vor der es sich zu schützen gilt, oder aber das Mittel, um sich zu verteidigen und anzugreifen – je nachdem, ob der Pfeil auf mich weist oder von mir fort zeigt. Es geht beim Pfeil also um Themen wie Überleben, Verletzen, Angreifen und Verteidigen. Es weckt Gefühle von Angst, Aggression und das Bedürfnis nach Schutz und Abwehr.
Aus dieser Perspektive steht der Kreis für das Unversehrte, das in sich Geschlossene und Umschlossene, z.B. das Individuum, aber auch ein Territorium, ein Land oder ein umgrenztes Feld. Der Pfeil stellt dann die Bereitschaft dar, das bislang Unversehrte gegen Angriff zu verteidigen oder selbst Angriffe von sich aus zu starten.
Ein Pfeil weist aber auch auf eine Richtung hin. Es kommt nun stark darauf an, in welche Richtung ein Pfeil weist. Der wie im Mars-Symbol nach rechts weisende Pfeil deutet immer auch eine Bewegung in die Zukunft an und wird vom Betrachter als „vorwärts“ empfunden, während der Zurück-Pfeil in der Regel nach links weist. Dies hat u.A. damit zu tun, dass wir in unserer Kultur von links nach rechts schreiben.
Der Mars-Pfeil ist zusätzlich schräg gestellt und weist in der Regel nicht nur nach rechts, sondern auch nach oben (wir werden dem Pfeil im Symbol des Uranus wieder begegnen, doch hier weist er gerade nach oben). Schräg nach oben erleben wir als aufsteigende Bewegung. Würden wir nach Süden blicken, wäre dies die Bewegung des aufsteigenden Himmels mit seinen Gestirnen, allen voran natürlich die Sonne, die (zumindest in unseren Breiten) schräg nach oben über den Horizont steigt. Man könnte sich also gut vorstellen, dass das Mars-Symbol die Bewegung der Sonne darstellt, die ihrem Zenith entgegenstrebt. Schräg nach oben mag deshalb Zielstrebigkeit verkünden.
Pfeile verkörpern immer auch Bewegung, nicht zuletzt Beschleunigung und Geschwindigkeit und damit verbunden auch ein Moment der Plötzlichkeit und Unberechenbarkeit, insbesondere da Pfeile als Fernwaffe auch aus dem Hinterhalt abgeschossen werden können und uns kaum Zeit für eine schnelle Reaktion lassen. Die unbarmherzige Zielstrebigkeit des Pfeils macht ihn zu einer ganz besonders heimtückischen Waffe. Wir wissen aber auch, dass Pfeile, die insbesondere nach oben abgeschossen werden, schnell von der Schwerkraft abgelenkt und ihre Energie verlieren werden – alle Kraft steckt in jenem Impuls, mit dem der Pfeil abgeschossen wurde. Danach sind sie nur ein Stück Holz, das in der Erde steckt.
Pfeile vermitteln den Eindruck eines impulsiven Kraftaufwandes. Sie bündeln die Energie kurzfristig, um ihr durchschlagende Kraft zu verlieren. Im übertragenen Sinne können wir dies mit einem Zustand fokussierter Aufmerksamkeit vergleichen, in dem wir unsere Absicht auf unser Ziel ausrichten.
Eine ganz einfache Art und Weise, sich dies zu vergegenwärtigen, ist mit dem Zeigefinger auf jemanden oder etwas zu deuten. Versuchen Sie einmal auf etwas zu zeigen, ohne es dabei zu meinen, d.h. führen Sie die Geste des Zeigens einfach aus, ohne ihre Aufmerksamkeit auf das richten, auf das die Spitze Ihres Fingers deutet. Führen Sie die Geste schließlich noch einmal durch, diesmal aber konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz klar auf das Ziel Ihres Zeigefingers – vielleicht sagen Sie sich laut: „Dies ist …!“ Sie werden schnell spüren, wie groß der Unterschied zwischen beiden Situationen ist.
Das Symbol des Mars weist also auch auf die Fähigkeit hin, unseren Geist auf ein Ziel auszurichten.
Die Farbe Rot
Kein anderer Planet verfügt über eine so unzweifelhafte Verwandtschaft zu einer Farbe wie der Mars zur Farbe Rot. In der Tat scheint der große Teil seiner Bedeutung von den Empfindungen geprägt, die diese Farbe bei Menschen kulturübergreifend auslöst.
Rot ist die auffälligste Farbe in der Natur, denn sie kommt eher selten vor. Vor allen anderen Farben gab der Mensch der Farbe Rot einen Namen: Rot, so könnte man sagen, ist die erste Farbe des Menschen. In dieser Farbe vereinen sich zwei elementare Erfahrungen des Menschen: Blut und Feuer. Als Blutrot bedeutet es Lebenskraft und Blut gilt in vielen Kulturen als Sitz der Seele. Rot bringt das Blut „in Wallung“: Es ist die Farbe aller leidenschaftlichen Gefühle, von der Liebe, der Erotik bis zur Wut – man sieht „rot“. Darum ist Rot auch die Farbe des Kampfes und gibt Kraft. In einigen Kulturen bemalen sich die Krieger mit dem Blut des besiegten Feindes, um seine Kraft auf sich zu übertragen und bevor in kriegerischen Auseinandersetzungen Tarnfarben immer wichtiger wurde, trugen Soldaten häufig rote Uniformen, um ihre Kraft zu demonstrieren. Auch die Farbe der Revolution ist häufig Rot, denn es symbolisiert den Willen zur Tat.
Als Feuerrot reinigt es und vertreibt die Kälte. Mit der Entdeckung des Feuermachens begann die Zivilisation, denn nun war es für den Menschen möglich, Fleisch zu garen, Eisen zu schmieden und auch in kälteren Regionen zu überleben. Rot ist die Farbe des positiven Lebensgefühls. In Russland steht die Farbe Rot für die Begriffe kostbar und schön. Die Ecke in welcher die Haus-Ikone steht, heißt deshalb auch „rote Ecke“. In China gilt Rot als die Farbe des größten Glücks. Doch auch der Teufel wird mit Rot verbunden, denn Rot ist auch die Farbe des Höllenfeuers, des Anrüchigen und Verbotenen – man denke nur an das Rotlichtmilieu und „die rote Meile“. Daneben signalisiert Rot auf der einen Seite Gefahr, auf der anderen Seite will unsere Aufmerksamkeit unmissverständlich auf sich ziehen: Mit dem Rotstift werden Fehler markiert.
Nergal, Ares, Teutates – der mythologische Mars
Simutu, der „Tiefrote“, so riefen die Sumerer den Planeten Mars, und die Astrologen Babylons glaubten darin Nergal zu erkennen, den Gott der Unterwelt, eine besonders furchterregende Gestalt, auch mustabarru mutanu genannt, „der, welcher voll des Todes ist“. Seuchen und Fieber brachte er über Mensch und Vieh und als sengende Hitze der Sonne setzte das Schilf an den Ufern in Brand. Blut und Feuer – das waren seine Elemente. So herrschte er auch über Krieg und kämpfte an der Seite derer, die ihm huldigten, mit seinen Attributen, dem Sichelschwert und der Keule. Wo auch immer er in babylonischen Texten Erwähnung findet, ist er ganz klar ein Unglücksbringer: er ist der „Feind“, der „Empörer“, der „Böse“ und „Gewalttätige“. Einer seiner Namen war salbatanu, was so viel wie „der Quere, Schräge, Widerspenstige“ bedeutet und möglicherweise an seine besonders unruhig wirkende Schleifenbewegung am Himmel und seine extremen Helligkeitsschwankungen erinnert.
Auch wenn Nergal eindeutig dem Mars zugeordnet wird, ähnelt eine weitere sumerische Gottheit insbesondere dem Mars der römischen Antike: Ninurta – „Herr der Erde“ –, ein großer Jagd- und Kriegsgott, der aber ebenso wie Mars auch ein Gott der Fruchtbarkeit und der Vegetation gewesen ist und über Regen und Sturm regierte. Diese Assoziation werden wir später bei Mars als Herren der Wälder wiederentdecken.
Schon früh also assoziierte man mit dem Roten Planeten eher problematische Eigenschaften, und auch sein Stand in der Mythologie der Antike war nicht sonderlich gut: den wilden und unkontrollierten Ares konnte niemand unter den olympischen Göttern wirklich leiden – und was Aphrodite anging, die sich hin und wieder auf eine Romanze mit diesem jungen Mann von makelloser männlicher Schönheit einließ, wird sie wohl eher ihren eigenen sexuellen Begierden erlegen sein, als dass sie sich von seinem kriegerischen und blutrünstigen Charakter angezogen fühlte. Selbst sein Vater Zeus gab seiner Abneigung ihm gegenüber ganz ungeschminkt Ausdruck: „Von allen olympischen Göttern hasse ich dich am meisten, denn dir ist nichts wichtiger als Streit und Kampf. Hätte doch bloß ein anderer Gott dich gezeugt, du heilloser Verderber.“
Aber so, wie ihn der griechische Mythos beschreibt, ist Ares wahrhaftig kein Gott, in dessen Gegenwart man sich als kultivierter Mensch wohl fühlen würde: Sobald er das Klirren aneinanderschlagender Waffen hörte, war er kaum noch zu halten – mit feurigem Helm und wildem Gebrüll stürzte er sich ins Kriegsgetümmel, und zwar dort, wo es am dichtesten wütete, begleitet von seinen nicht minder furchterregenden Söhnen Phobos und Deimos – Furcht und Schrecken. Mit seinem Schwert mähte er die Reihen nieder, ohne Rücksicht, auf welcher Seite die Opfer zu beklagen waren. Wenn der Blutrausch von ihm abfiel, hatte er mit seinem Wagen eine Spur der Verwüstung durch das Schlachtfeld gepflügt.
Während die Griechen ein sehr distanziertes Verhältnis zu Ares kennzeichnete, fühlte sich das römische, eroberungswütige Imperium seinem lateinischen Pendant Mars sehr verbunden: mit Mars als Vater der Zwillinge Romulus und Remus, den Gründern der Stadt Rom, sahen sich die Römer selbst gerne als die „Söhne des Mars“. Dabei geht etwas unter, dass der römische Mars nicht nur ein Gott des Krieges war, sondern lange vor dem Aufstieg des Imperium Romanum eine alte italische Gottheit der Vegetation. Im altlateinischen Kalender trägt daher noch heute der Frühlingsmonat seinen Namen: März, Monat des Mars. Mars wurde Staatsgott und stand seinem Volk bei den Eroberungszügen in die Provinzen zur Seite steht, um den Feldherren Mut zu verliehen und sie vor militärischen Niederlagen zu bewahren.
So wandelte sich der Gott über die Fruchtbarkeit der Felder in den Gott der Schlachtfelder. Wenden wir uns dieser Wandlung aus astrologischer Sicht einen Augenblick zu, denn sie wirft ein etwas anderes Licht auf die Eigenschaften des Mars, der in der klassischen Astrologie noch auf die Rolle des reinen Übeltäters reduziert wird. Als Gott der Felder, Fluren und Wälder hieß er Mars Silvanus und wurde in erster Linie angerufen, um das Feld und Vieh vor Seuchen und Plagen zu bewahren und die Ernte zu beschützen. Dies konnte er freilich nur deshalb tun, weil er selbst in der Lage war, Unglück über das Land zu bringen. Die Opfer, die man ihm brachte, sollten ihn gnädig und gewogen stimmen.
So ist Mars im Grunde gar kein reiner Gott der Zerstörung, sondern ein Gott, der über das Werden und Vergehen in der Natur regiert. Es wird zum Beispiel berichtet, dass am Tag vor dem ersten Vollmond im Marsmonat März ein in ein Ziegenfell gehüllter Man als Mamurius Veturius, was so viel wie „alter Mars“ bedeutet, mit Schlägen aus der Stadt getrieben wurde, um Platz zu machen für den neuen Mars, dem Gott der neu erwachenden Natur.
Seine Funktion hat also nicht nur mit Angriff und Vernichtung zu tun, sondern ebenso viel mit Schutz und Verteidigung. Dies erinnert an das bereits besprochene Zeichen des Planeten Mars, welches auf als Schild mit Speer gesehen werden kann – beides Attribute des Gottes Mars, welche Verteidigung (Schild) und Angriff (Speer) verbinden. Zugleich können wir den Kreis als abgeschlossenes Territorium oder Feld betrachten, welches sich mit dem Pfeil vor Übergriffen schützt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Zuordnung des Spechtes als Tier des Mars, lateinisch picus, ein Wort, dass seine Wurzel in dem Geräusch haben dürfte, dass entsteht, wenn der spitze Schnabel auf Holz herumhackt, und auch Assoziationen aus dem Wortfeld stechen, schlagen, anstacheln, verletzen umfasst. Gerade aufgrund dieses eindringlichen Klopfgeräusches glaubte man, der Specht besäße prophetische Kräfte, und im alten Italien sah man in Picus einen weissagenden Waldgeist. Doch warum war dieser Vogel dem Mars geweiht? Wegen seines roten Schopfes, den man mit Feuer und Blitzen und überhaupt mit Sturmwolken in Verbindung brachte. Und so wie der Blitz uns unvermutet trifft, so steht der Specht auch für den Krieg und plötzliche Attacken, und tatsächlich findet man in einigen indianischen Kulturen den Specht sogar als Kriegsvogel wieder. Diese Assoziation begegnete uns bereits beim sumerischen Gott Ninurta.
In anderen europäischen Kulturkreisen finden wir einige Götter, die mit dem römischen Mars Gemeinsamkeiten teilen. Der germanische Gott Tyr zum Beispiel ist der Gott des Zweikampfes von Mann zu Mann und verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Wie Mars trägt er den Speer als Attribut seiner Kampfbereitschaft und seines Mutes. Gerade dieser Speer war für die alten Germanen nicht nur ein Symbol des Kampfes, sondern auch der Gerechtigkeit, die man sich durch Sieg im Kampf erhoffte. Tyr verkörpert nicht so sehr den grausamen Aspekt von Gewalt, sondern den des Ausgleichs von zugefügtem Unrecht. Aus diesem Grunde rief man ihn auch bei den rechtsprechenden Versammlungen der Germanen, den Things an. Die Rune des Tyr versinnbildlicht diesen Zusammenhang: sie kann auf der einen Seite als stilisierter Pfeil oder Speer betrachtet werden und symbolisiert vielleicht auch den Ausgleich der beiden Waagbalken. Der Dienstag – Tag des Tyr, heute noch z.B. im Dänischen tirsdag oder im Englischen tuesday – war ihm geheiligt, so wie in Rom dem Mars.
In Gallien erfüllte Teutates als Gott der Fruchtbarkeit und der Kriegskunst eine ganz ähnliche Funktion. Er schützte seine Stämme vor Feinden und brachte ihnen im Kampf den Sieg. Sein Symbol ist vor allen Dingen der Widder, und Darstellungen zeigen ihn als einen widderköpfigen Mann mit gewundenen Hörnern. Die walisischen Inselkelten verehrten einen Gott namens Belatucadros, was so viel wie der „Hellscheinende“ bedeutet. Er galt als Herr des Krieges und der Zerstörung und wurde als der Gehörnte des Nordens bezeichnet. Auch der Gott Cocidius wurde als Kriegsgott, dargestellt mit einem Speer und einem Schild, auf den Britischen Inseln verehrt und war zudem – wie Mars Silvanus – ein Gott der Wälder und der Jagd. Möglicherweise bedeutet sein Name sogar so viel wie „der Rote“ – eine Anspielung auf das Blutvergießen auf den Schlachtfeldern.
Mars – das Urprinzip der Trennung
Mit Mars erkennen wir, worin wir uns von Anderen unterscheiden. Dies Unterschiede gilt es zu schützen und zu verteidigen, und bei diesem Vorhaben steht uns das Prinzip des Mars zur Verfügung: es sorgt dafür, dass wir diese Unterschiede bewahren und uns von Anderen abgrenzen können.
Diese Abgrenzung führt zur Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Anderen, und zwar immer dann, wenn wir das Gefühl haben, unsere Verschiedenheit wird bedroht. Auseinander setzen heißt die Distanz zwischen mir und Anderen klären und wenn nötig wieder herstellen: „Hier bin ich – und keinen Schritt weiter!“ Diese Form der Aggression ist heilsam, denn sie macht meiner Umwelt und mir selbst deutlich: „Ich bin nicht wie Du – and das ist gut so.“ Denn Verschiedenheit weckt Interesse und Vitalität und macht die Welt vielfältiger. Je verschiedener ich mich von Anderen erlebe, umso selbstbewusster bin ich und umso größer ist meine Selbstachtung und mein Selbstwertgefühl.
Unterschiede machen das Leben interessanter, denn sie sind Gelegenheiten zu lernen, was uns noch fehlt und worin wir uns verbessern können. Das Gefühl, von Anderen getrennt zu sein, ist ausschlaggebend dafür. Leider aber geraten wir immer wieder in Situationen, in denen wir diese Unterschiede bewerten: Wir glauben, dass das, was uns von Anderen trennt, uns zu besseren Menschen macht. Dann werden Unterschiede als Entschuldigung für gewaltsame Übergriffe auf Andere missbraucht: aus Auseinandersetzung wird Streit und Krieg. Dann zeigt Mars sein grausames und lebensverachtendes Gesicht.

Anstelle dessen sollte uns die Erfahrung des Mars-Prinzips helfen, uns in unserer Eigenart zu erkennen. Trennung heißt nicht automatisch, Andere abzuwerten. Eine Linie zwischen zwei Punkten kann stets aus zwei Perspektiven betrachtet werden: sie ist nicht nur eine Trennlinie, sondern auch eine Verbindungslinie. Trennung ist also auf der Kehrseite der Medaille der Ausdruck von Verbindung mit Anderen. Um aber diese Verbindung zu respektieren und zu würdigen, benötigen wir die Erfahrung des Getrenntseins, die mit Erfahrung des Alleinseins einhergeht. Mars hilft uns zu erkennen, dass in der Trennung von Anderen ein wichtiges Potenzial liegt, uns selbst besser kennen zu lernen. Dadurch würdigen wir zugleich die Verbindung zu Anderen denn nun wissen wir, was unser Beitrag ist, mit dem wir uns mit Anderen ergänzen. Zugleich werden wir gewahr, worin die Eigenart der Anderen besteht. (Der Aspekt der Verbindung wird durch Venus ausgedrückt).
Mars im Horoskop
Mars steht im Horoskop für unsere Fähigkeit, unsere Unversehrtheit als Individuum, ausgestattet mit typischen Eigenarten, zu verteidigen. Die Position des Mars in den Tierkreiszeichen beschreibt die Art und Weise, mit der wir uns verteidigen, während die Stellung in den Häusern uns Auskunft darüber gibt, in welchem Lebensbereich wir die entsprechenden Erfahrungen sammeln.
Das heißt auf der einen Seite, dass uns die Hausposition etwas darüber erzählt, wo wir uns am schnellsten in unserer Unversehrtheit bedroht fühlen und wir am ehesten geneigt sind, den Aspekt der Trennung von unserer Umwelt zu betonen: wir fühlen uns angegriffen und haben das Gefühl unser Territorium verteidigen zu müssen – zur Not mit Gewalt.
Auf der anderen Seite aber zeigt sie uns gerade dadurch, wo wir der Herausforderung begegnen, durch die Auseinandersetzung mit unserer Umwelt zu wachsen. Es geht dann nicht mehr um Aggressivität, die wir erleiden oder ausüben, sondern um Aggression als Fähigkeit, auf andere aktiv zuzugehen und in den Unterschieden zwischen mir und den Anderen die Chance auf eine wechselseitige Bereicherung zu sehen.
© 2008 Christopher Weidner @ 5. März 2008
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Schlagwörter: Aggressivität, Ares, Blut, Feuer, Krieg, Mars, Nergal, Ninurta, Pfeil, Planet, Rot, Science Fiction, Specht, Teutates, Trennung, Tyr, Verbindung, Verteidigung, Zeigefinger
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DANKE für diesen marsianischen Artikel!
Eine, die einen ganz besonderen Faible für Mars hat.
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