Pluto auf dem Weg ins Steinbock-Land
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Am 26.01.08 wechselt Puto in das Steinbockzeichen, wo er sich – mit einer kleinen Rückwärtsschleife von Juni bis Dezember 08 – bis Dezember 2024 aufhalten wird. Die AstrologInnen scheinen dem Übergang mit sehr gemischten Gefühlen entgegenzusehen (auch hier bei Astrophoenix
) Man befürchtet einen “konservativen Schub”, politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich:von mehr Sicherheits- und Kontrollbestrebungen auf Kosten der Rechte des Einzelnen über die Restauration traditioneller Familienwerte (mit Eva Herrmann als Gallionsfigur) bis hin zu verstärktem Protektionismus. Sind diese Befürchtungen berechtigt?Wahrscheinlich ja, aber ich glaube, sie beschreiben nicht das Gesamtpotential von Pluto in Steinbock. M.E. sind zwei übergeordnete prototypische Ausprägungsformen mit mehreren Unterformen vorstellbar. Diese möglichen Entwicklungsverläufe sind nicht als Entweder-Oder-Modelle aufzufassen sondern als gleichzeitig bei unterschiedlichen Themenbereichen vorkommend.
Pluto in Steinbock wird durch die Konstellation Saturn/Pluto repräsentiert. Dabei kann es grundsätzlich zu den Ausprägungsformen der Konfrontation oder der Verbindung der beiden Prinzipien kommen.
Die Konfrontation
Pluto trägt in seinem Wanderrucksack eine bunte Mischung von (Schütze)visionen über gesellschaftliche Veränderungen sowie ev. auch mehr oder weniger missionarische Glaubens- und Weltanschauungsvorstellungen bei sich. Diese Vorstellungen, die sich im Schützezeichen noch im rein geistigen “Aggregatzustand” befanden, sollen nun in die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen und in den konkreten Lebensalltag eingebracht werden (Steinbock). Geistige Visionen können und sollen sich materialisieren.
In der Regel fühlen sich aber bestehende Strukturen (Steinbock) durch neue Ideen angegriffen und wehren sich. Das kann politisch-gesellschaftlich in dem erwähnten “konservativen Schub” zum Ausdruck kommen und in der Betonung “alter” Werte wie Leistung, Fleiß, Familienbezogenheit. Das muß ja an sich nichts Schlechtes sein, wird nur dann problematisch, wenn diese Werte als Abwehrmechanismus gegen neue Entwicklungen mißbraucht und gegen Offenheit und Flexibilität ausgespielt werden. In diesem Fall kommt es zu einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die in einer wie auch immer gearteten Kompromißform münden wird. Neues entsteht in und durch eine krisenhafte Entwicklung.
Als mögliches Beispielszenario kann man sich vorstellen, daß u.a. die Erkenntnisse der Quantenphysik eine Erweiterung und Veränderung unseres Wissenschaftsbegriffs fordern. Dies wird auf den (massiven) Widerstand des etablierten wissenschaftlichen Establishments stoßen, das seine Position und gesellschaftliche Anerkennung nicht in Frage stellen lassen möchte, so daß von einer längeren Auseinandersetzung auszugehen ist, die wahrscheinlich auch mit harten Bandagen ausgetragen wird.
Auf der staatlichen Ebene fällt einem zu “Konfrontation” der militante Islamismus (fanatisch pervertierte Glaubensvorstellungen Jupiter/Pluto) und auf der Gegenseite der sogenannte “Anti-Terror-Kampf” der westlichen Staaten ein. Die Zunahme des Bedrohungsgefühles kann auf Seiten der westlichen Staaten unter der Überschrift der Terrorismusbekämpfung zu einem permanent forcierten Hochfahren von Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen führen. Hier besteht natürlich die Gefahr, daß die demokratische Freiheit, die ja als Wert gegen einen Außenfeind verteidigt werden soll, paradoxerweise durch die Verteidiger selbst gefährdet wird.
Die Verbindung
Auch eine Verbindung von Saturn und Pluto ist gut vorstellbar, weil sie in vielem eine ähnliche Ausrichtung haben. Sie sind verwandte Prinzipien in der Hinsicht, daß beide dazu tendieren, an ihren Überzeugungen festzuhalten, sie vielleicht sogar zu verabsolutieren. Beide sehen sich dem Gemeinwohl und dem Kollektiv verpflichtet; das Wohl des Einzelnen ist sekundär und hat sich dem unterzuordnen. Schließen sich also beide zusammen, kann es zu einer Extremisierung, einer Vorstellungsverhärtung kommen. Bei Extremisierungen besteht die Gefahr, daß sie irgendwann in den (ausgeschlossenen) Gegenpol kippen oder es eskaliert in einer, wie M. Roscher es ausdrückt, “Verhärtung bis zum Zusammenbruch” (M.Roscher: Kritische Grade in der Prognose, Tübingen 2005, S.51). In diesem Fall muß man durch eine Ohnmachtserfahrung (Pluto) hindurchgehen, die Waffen strecken, bevor etwas anderes Neues sich entfalten kann.
Ein Negativbeispiel ist der Irakkrieg von G.Bush. (Schein)begründet mit ideellen und Schutz-Motiven (in Wirklichkeit ging es um Macht) wollte er das Land befreien und zwangsdemokratisieren (welch Widerspruch in sich). Je mehr Menschen sterben und je deutlicher wird, daß man die Umwandlung in eine andere Staatsform nicht mit militärischen Mitteln erzwingen kann, desto mehr hält Bush, aus dem Gefühl heraus nicht mehr zurück zu können, an seinen Überzeugungen fest (Saturn/Pluto) und propagiert ein “Weiter so”. Die unausweichlich kommende Ohnmachtserfahrung wird versucht abzuwehren.
Natürlich gibt es aber auch positive Formen der Verbindung von Saturn und Pluto. Die sind z.B. gegeben, wenn die mitgebrachten Schützevisionen von Pluto nicht (mehr) oder kaum auf den Widerstand der bestehenden Strukturen treffen sondern in diese integriert werden können im Sinne einer Erweiterung und Bereicherung. Dies gilt m.E. für alle Ideen, “deren Zeit gekommen ist” (da kann ja jeder mal für sich spekulieren, welche das sein könnten – vielleicht eine Renaissance der Astrologie!?). Sie können sich mit konzentrierter Kraft und gesellschaftlicher Unterstützung manifestieren.
A.Klinghammer hat die beiden letzten Zeitperioden untersucht, in denen Pluto durch den Steinbock lief: “Beim vorletzten Durchlauf begann die Reformation (1517), beim letzten wurden die USA, die erste Demokratie der Welt gegründet (1776)”. Und so kommt sie zu dem Schluß: “Es waren eben keine repressiven sondern recht progressive Zeitperioden!….Denn Pluto in Steinbock möchte letztendlich eine neue gesellschaftliche Vision hervorbringen.” (A.Klinghammer: “Die Verwandlung der Gesellschaft”, in: Astrologie Heute, Nr.128/2007. S.20,21).
Das ist doch ein schönes Schlußwort.
© 2007 Heike Hoyer @ 12. September 2007
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Liebe Heike,
mit Spannung habe ich deinem Artikel entgegengefiebert, da diese Thematik mich derzeit ziemlich beschäftigt hat. Ein neues “Gesicht” obendrein noch dazu – wie schön!
Pluto im Steinbock, da beissen sich wohl auch die AstrologInnen die Zähne daran aus… Nun, wir werden es wissen, wenn die Zeit vorbei ist. Ich will es weder nieder- noch schönreden. Ich beobachte einfach gerne.
Was mir bei deinem Renaissance-Gedanken einfiel: wo habe ich das erst gelesen, dass in der Astrologie wieder ein vermehrter Trend zur klassischen Astrologie zu verzeichnen ist? Das würde gut passen.
“eine neue gesellschaftliche Vision hervorbringen” – ja, damit wäre ich konform mit Pluto. Aber ich habe auch so meine Bedenken. Zu der Zeit der Reformen kann ich wenig sagen, aber zu der USA-Gründung. Erstens gab es im Vorfeld viele Opfer; die Menschen, die aus Europa kamen, annektierten ja zum größten Teil das Land und die Menschen darin. Ich kann mir denken, dass sie sich vielfach als eine Art “Herrenmensch” betrachtet haben. Und was für mich ganz wichtig ist: wenn man eine Vision hat, dann hat man ein “Bild” von seiner Vision. Ich habe oft den Eindruck, dass die Menschen, die Europa damals verließen, nicht wirklich eine Vision von sich hatten. Sie dachten, in der Neuen Welt würde Milch und Honig fliessen, und sie würde nur darauf warten, dass Person XY kommen möge! Irgendwie fühle ich es noch immer so bei den heutigen USA-Amerikanern: visionslos von einer Aktion in die nächste rennen.
Das gibt mir dann schon wieder zu denken. Aber es bedeutet demnach auch, dass es wichtig ist, im Kollektiv eine wahre Vision zu haben, oder auch mehrere, je nachdem.
Ich danke dir für den Stein des Anstosses!
Grüße
Dagmar
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