Uranus Opposition Saturn
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Abschiede – Saturn und die Steinziege
Anlässlich des Transits Uranus Opposition Saturn, der uns seit Dezember 2008 bis zum Juli 2010 begleitet, habe ich beschlossen, eine kleine Artikelreihe zu schreiben mit Hinweisen und Tipps, wie die Herausforderungen, die sich damit stellen, vielleicht angenommen werden können. Das bedeutet kollektiv eine recht anstrengende bewegte Zeit, in der sich einige Umstrukturierungen vorbereiten. Der tiefere Sinn in diesen Monaten liegt darin, das, was uns durch das Leben trägt, „das persönliche Knochengerüst“ auf allen Ebenen genauer unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, denn es wird von den Lebenswinden recht heftig durchgeschüttelt. Eingehen möchte ich nach und nach auf die einzelnen Facetten und Themen, die davon berührt werden.
Jeder Abschied ist wie ein kleiner Tod, sagt man – Abschied nehmen – ein sensibles Thema, dem wohl viele gemischte Gefühle entgegenbringen. Während einige Menschen es vorziehen, Abschiede zu vermeiden („ich hasse Abschiede, deshalb komme ich nicht mit zum Bahnhof“ …) und sie zu umgehen, haben andere Probleme mit dem Loslassen („ach wenn du nur noch ein bisschen bleiben könntest, in Gedanken bin ich bei dir …), dann gibt es noch diejenigen, die in tiefe Trauergefühle verfallen und manchmal auch darin stecken bleiben. Nicht zu vergessen die Menschen, denen etwas von Außen genommen wurde und die gar nicht erst Abschied nehmen können, weil sie ihren Groll, ihre Wut oder Enttäuschung darüber hegen und pflegen („ich bin einfach nicht darüber hinweg gekommen … ). Solcherlei Zustände können über Jahre hinweg anhalten und erfolgreich einen neuen Schritt verhindern, denn ein Teil der Seele hängt in der Vergangenheit fest, bzw. weigert sich, der Wirklichkeit, so wie sie ist, ins Auge zu sehen. Das kostet Kraft.
In der Astrologie wird meist Saturn (eine weibliche Entsprechung könnte die Göttin Maat sein) dem Abschied zugeordnet, steht diese Energie doch symbolisch zwischen Leben, Lebensstruktur und Tod, Auflösung derselben oder auch an der Schwelle von der irdischen zur transpersonalen Erfahrung. Über die Saturnenergie wissen wir, dass sie von uns fordert, unsere Situation zunächst einmal in all ihrer Wirklichkeit zu sehen, sie zu akzeptieren und dann das, was ist – die persönliche Erfahrung – so zu integrieren, dass sie uns weitertragen kann. Auf den Abschied bezogen heißt das, die Tür willkommen zu heißen. Ein Lebenskapitel schließt sich. Die gelesenen Seiten gehören der Erinnerung an. Das neue hat sich noch nicht geöffnet. Wer gleich weiterliest, nimmt sich unter Umständen die Möglichkeit, das Kapitel in all seiner Tiefe zu begreifen, vielleicht muss er dann immer wieder zurückblättern, um das nächste Kapitel erfassen zu können. Besser beraten sind diejenigen, die vielleicht eine ganz persönliche Zusammenfassung schreiben über das soeben aufgenommene. Eine kurze persönliche Botschaft formulieren, bevor sie weitergehen.
Die Beobachterperspektive nutzen
Mit unserer Saturnkraft haben wir auch die Möglichkeit, eine neutrale Beobachterperspektive einzunehmen. Wir bringen uns dazu in einen entspannten Zustand und erinnern uns, dass es eine/n innere/n Beobachter/in in uns gibt. Einen Persönlichkeitsanteil, der größer ist, als das, was wir erlebt haben und stark verbunden mit dem, woher wir kommen, unseren tief reichenden spirituellen Wurzeln. Sobald sich ein klares Gefühl zu dem Beobachteranteil einstellt und die Gewissheit, dass er präsent ist, lassen wir ihn sich über das vergangene Kapitel bzw. das zu Verabschiedende erheben und sozusagen aus einer sicheren Distanz auf das Geschehene blicken. Wir können aus dieser neutralen Position heraus zunächst einmal beschreiben, was bisher passiert ist und auch erkennen, dass das Geschehene hier und jetzt zu einem Abschluss kommt. Der Beobachteranteil kann nun auch die Seelenaufgabe, die damit verbunden ist, erkennen. Wir können die Frage an uns selbst richten: Was haben wir in diesem Zusammenhang bis hierher gelernt? Wichtig ist, die Lernerfahrung nun anzuerkennen, d.h. der Seele für ihre Lernfähigkeit zu danken. Wir können auch fragen, ob sie noch etwas braucht, um ganz abschließen zu können. Unter Umständen braucht sie Zeit zum Trauern, Zeit zur Regeneration, noch einen Freispruch, eine Erlaubnis. Die Antwort wird von innen kommen. Erst dann können wir unseren „Abschiedsstein“ setzen – und ihn mit einer klaren Botschaft für unser weiteres Leben versehen. Damit zeigen wir unsere Bereitschaft, die Essenz unserer Erfahrung zu erinnern. Den Stein jedoch können wir auch wieder hinter uns lassen, oder auch zu ihm zurück kehren, wenn wir uns erinnern wollen. Er ist Zeichen sowohl für den Abschluss als auch die Würde, die wir einem Ende entgegen bringen.
Abschiedsrituale
Bei großen Übergängen und großen Abschieden bietet es sich auch an, ein passendes Abschiedsritual durchzuführen, d.h. eine Handlung, die innerhalb eines „magischen“, d.h. begrenzten Zeitraums an einem geschützten und für das Ritual definierten Ort durchgeführt wird, und die einen Abschluss bekräftigt. Das ist sehr wichtig, damit alle Seelenanteile in die neue Zeit getragen werden können, und nicht Reste in der Vergangenheit hängen bleiben, weil sie nicht abschießen wollen oder können. Ihre Kraft wird uns fehlen, wenn wir weitergehen. Dank gehört zum Abschied dazu, genauso wie Ungesagtes auszusprechen, im Sinne Saturns aufzuräumen, und mit dem Kapitel, das sich schließt, gleichzeitig Frieden zu schließen.
Wenn es sich um einen Abschied von einem Menschen handelt, kann es hilfreich sein, dessen Bild mit in den geschützten Kreis der Abschiedszeremonie zu nehmen, wenn es sich um einen beruflichen Abschied handelt, kann es gut sein, ein Bild des Arbeitsplatzes hineinzunehmen, wenn es um die Verabschiedung von Vorstellungen, Sichtweisen geht, hilft es, sich diese aufzuschreiben – das, von dem man Abschied nimmt, sollte zu einem Gegenüber werden. Mit Hilfe der Beobachterebene kann man nun hinspüren, welcherart Dialog oder Austausch vielleicht noch stattfinden muss, damit der Zustand „Ende“ erreicht ist, und das Kapitel abgeschlossen werden kann. Manchmal braucht auch das zu Verabschiedende noch etwas von uns.
Dann kommt der Dank, ich danke dem Kapitel, dass es mich bis hierher in meiner Entwicklung geführt hat. Im Anschluss erinnere ich mich an das Positive, das daraus für mich wachsen konnte. Hier kann es helfen, etwas Symbolisches zum Abschied zu schmücken.
Und dann übergebe ich den Abschied meiner Wurzelkraft, d.h. ich lasse alle damit verbundenen Gefühle in meinen Lebensfaden fließen, der mich durch die Vergangenheit und Zukunft trägt und immer mit der Quelle verbindet. So wird der Abschied zur kostbaren Erfahrung auf meinem Lebensweg und meine Erinnerungen gliedern sich in all ihrer Kraft ein in meinen Lebensfluss, so dass sie sich mit diesem fließend weiter verwandeln können. Saturn wirkt nun nicht mehr als trennende, sondern verbindende Kraft, indem meine Seele spürt, dass sie eingebunden ist, lediglich ihre tragende Struktur eine Veränderung erfährt.
Nach jedem Abschied wartet auch ein Neuanfang
Für diejenigen, die vor der Schwelle stehen, d.h. Abschied nehmen müssen, ist die größte Herausforderung, die Angst auszuhalten, dass danach nichts mehr kommen könnte oder das Nichtwissen über das, was danach kommt. Neuland ist immer erst mal ungewiss und auch leider erst nach dem Abschied spürbar. Die Ungewissheit braucht die Seele aber, um sich überhaupt auf neue Pfade begeben zu können. Meist wird es licht, sobald der erste Wegweiser auftaucht. Doch dazu muss die Seele sich zunächst einmal bewegen lassen. Seelenbewegung entsteht durch Berührtwerden. Und Berührtsein braucht Zeit und Muse und einen gelösten Geist – auch einen der sich lösen konnte. Wenn nichts mehr da ist, wohin ich gehen könnte, dann sehe ich mich dort um, wo ich bin. Im Abschied liegt auch die große Chance, sich selbst zu begegnen. Wenn der Beobachter und das Beobachtete eins sind und innehalten, dann öffnet sich Saturn, der Blick für die eigene Wirklichkeit, die im Moment des wirklichen Abschieds frei ist. Innen- und Außenraum werden eins. In diesem Augenblick liegt Klarheit – die Freiheit zu erkennen, das mich nicht das Außen hält, sondern ich von innen heraus, mit Hilfe meines Lebensfadens gehalten und von einer tiefen Wurzelkraft getragen bin. Wenn ich mich der überlassen kann, wird sie mich gewiss zum nächsten Wegweiser bringen. Wenn der Geist nicht mehr greift, d.h. loslässt, kann der beobachtende Anteil auch dessen Größe erfassen.
Bewusst Abschied nehmen
“Gehe nie vom anderen fort, du sagtest denn ein gutes Wort“, sagt ein alter Spruch, der oft im Hausflur hängt. Mit unserem bewussten Abschied zollen wir der Vergangenheit Respekt. Nicht umsonst werden Abschiedsfeste gefeiert oder Abschiedsgeschenke überreicht.
Das bewusste, auch rituelle Abschied nehmen ist genauso wichtig an Orten, die uns einen Kraftzuwachs zuteil werden ließen. Ursula Walser-Biffinger schreibt in ihrem Buch „Vom schöpferischen Umgang mit Orten der Kraft“, dass ein sensibler Abschied an Naturkraftplätzen ratsam ist. Sie erstellt einige einfache Regeln, die bei einem solchen Abschied zu beachten sind. Ich finde, sie lassen sich auf alle Lebenssituationen, die Abschiede beinhalten, übertragen:
- Keine Spuren hinterlassen
- Alle Bindungen lösen
- Nichts mitnehmen
- Die eigenen Kräfte wieder einsammeln, zentrieren
- Sich bedanken
Dann beschreibt sie, wie sie aus der Kraft des Ortes eine Lichtkugel formt, die sie bis nach Hause wirft, hin zu einem Gegenstand, der diese in sich aufnimmt. So kann sie sich im Alltag darauf berufen und sich weiter begleiten lassen.
Alles verloren?
Nicht bei jedem Verlust ist auch gleich etwas unwiederbringlich verloren – unser Geist entscheidet, was er so in sich aufgenommen hat, dass es ihn weiter nähren, mit Energie versorgen kann. Ist mit einem Abschied ein unangenehmes Gefühl verbunden, Groll, Wut, Enttäuschung, Angst etc.., dann tragen wir diese Erfahrung weiter. Sie raubt Kraft, verhindert die Möglichkeit, abzuschließen und damit auch neu zu beginnen und erlaubt einem der Seelenanteile nicht, sich weiter zu entwickeln. Im schlimmsten Fall wird die Türe zu einem ganzen Erfahrungsbereich blockiert. Man kann ihn nicht mehr betreten, weil es dort an einem gebührenden Abschied fehlt. Der Seelenanteil, der mit der Lernerfahrung in diesem Bereich vertraut war, kommt nicht mehr weiter und bleibt unerlöst in diesem Bereich gefangen, hinter einer unverschlossenen Zwischentür. Der ganze Mensch weicht dann dem gesamten Erfahrungsbereich, sei es im partnerschaftlichen, beruflichen, kreativen Raum aus und meidet ihn.
Besonders in der Zeit der Steinziege, also zum Ende des Winters kann es hilfreich sein, sich mit seinen bisherigen Abschieden auseinander zu setzen und vielleicht das ein oder andere kleine oder größere Ritual durchzuführen. Noch einmal die Vergangenheit durchzugehen und zu schauen, ob wirklich alle Wegkreuzungen sauber, d.h. alle Abschiedstüren geschlossen sind, genug Raum für Trauer war, ob alle Seelenanteile weitergegangen sind, oder ob der ein oder andere noch da und dort abgeholt werden möchte. Vielleicht möchte auch noch der ein oder andere „Abschiedsstein“ mit einer kurzen Aufschrift errichtet werden.
Pluto hat ja noch nicht allzu lange in die Steinziege gewechselt und Uranus steht noch, wie oben schon geschrieben, bis zum Sommer 2010 in Opposition zu Saturn – nehmen wir also keinen verdrängten Abschied mit in das sich vorbereitende neue Kapitel – wir brauchen unsere ganze Kraft, um uns den neuen Aufgaben zu widmen.
© 2010 Ulla @ 17. Februar 2010
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Schlagwörter: Abschied, Ritual, Saturn Opposition Uranus
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Liebe Ulla,
danke für diesen tiefgründigen Beitrag – ja, es stimmt, dieses bewußte Abschiednehmen (z.B. von ehemaligen Beziehungspartnern) kann sehr heilsam sein, ob sie nun im Stillen oder mit demjenigen selber in einem geschützten Raum durchgeführt werden. Mit einem Expartner habe ich noch 3x ein kleines Ritual gemacht und ausgesprochen an Dank und Wertschätzung, was noch gesagt werden wollte und was AUSSER dem bis dahin übermächtigen Schmerz wegen des Verlassenwerdens sonst noch da war. Danach war das Thema für mich wirklich beendet, ich dachte keinmal mehr zurück…
Nach dem Tod meines Vaters, mit dem ich eine sehr schwierige Geschichte hatte, habe ich 49 Tage lang das tibetische Totenbuch gelesen und bestimmte Meditationen gemacht – danach einige Dinge rituell verbrannt und mich ganz bewußt meinem eigenen Weg neu zugewandt.
Zu oft schon ging mein ausgeprägter Uranus mit mir durch, hatte die eine Tür noch nicht richtig hinter sich geschlossen und stürmte schon auf die nächste zu, aber wie beim Interkontinentalflug “kommt da meine Seele nicht nach…”
liebe Grüße, ich freu mich auf die Fortsetzung
Yamuna
Liebe Ulla,
das ist ja eine schöne Überraschung, dich hier anzutreffen! Herzlich willkommen auf astrophoenix, ich freue mich sehr! Du steigst ja auch gleich sehr tief ein, das mag ich
Über Abschiede könnte ich Lieder singen, aber eines meiner komischsten Dankes- und Abschiedsrituale war, als ich zum Grab meiner Großmutter ging. Viele Jahre nach ihrem Tod. Saturn verkörpert ja in der klassischen Astrologie (?) auch die Großmutter. Und ich war an einem Punkt in meinem Leben angelangt, wo ich nicht mehr – berufsmäßig – weiterwußte. Also habe ich den Rat eines Astrologen befolgt, und habe mich bei meiner Großmutter, die für meinen Saturn stand, erst mal für alles bedankt, was mir mein Beruf Gutes getan hat. Und um es zu untermauern, bin ich nicht nur im Geiste, sondern auch mit meinem Körper zu ihr gewandert und habe dieses Ritual vollzogen. Am Grab.
Ich befand mich jahrelang in einer gedanklichen Sackgasse, wie ich beruflich erfüllter leben könnte. Nach einigen Monaten fiel mir dann eine Anzeige in die Hände, und ich atmete auf. So fing es an, meine Reise, zu meiner wahren Berufung. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, was dies alles erst möglich gemacht hat.
Liebe Grüße
Dagmar